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Top-Level-Domain

Top-Level-Domain (englisch für ‚Bereich oberster Ebene', Abkürzung TLD) bezeichnet die höchste Ebene der Namensauflösung in nicht-numerischen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Aufbau
  2. 2. Hauptarten von TLDs
  3. 3. Generische Domains
  4. 4. Länderdomains und Vergaberegeln
  5. 5. Zweckentfremdung und Sonderfälle
  6. 6. Betrieb, alternative Systeme und Zahlen

Grundidee und Aufbau

Eine Top-Level-Domain, abgekürzt TLD, ist die höchste Ebene der Namensauflösung in nicht-numerischen Internet-Adressen. Sie steht am Ende eines Domainnamens und ordnet ihn in einen obersten Namensbereich ein. Bei www.example.com. ist .com die Top-Level-Domain.

Die Namensauflösung geschieht im Domain Name System (DNS). Das DNS weist Namen einer eindeutigen IP-Adresse zu. Die Hierarchie beginnt bei der Root-Domain, die eigentlich leer ist und durch einen Punkt dargestellt wird. Darunter liegen die Top-Level-Domains, dann Second-Level-Domains wie wikipedia und darunter weitere Ebenen wie Third-Level-Domains.

Ein vollständig angegebener Domainname heißt Fully Qualified Domain Name (FQDN). Streng genommen enthält er auch den abschließenden Punkt der Root-Domain, zum Beispiel www.example.net. In der Praxis wird dieser Punkt oft weggelassen, etwa www.example.net, obwohl der Name weiterhin als vollständig gilt.

Bei der Domain-Registrierung legt ein Domain Name Registrar Daten zum Inhaber an. Diese Angaben können über Whois-Abfragen zugänglich sein, ähnlich wie Einträge in einem Telefonbuch.

Hauptarten von TLDs

Die Internet Assigned Numbers Authority (IANA) teilt Top-Level-Domains nach dem Stand von 2019 in länderspezifische TLDs, allgemeine TLDs und Sonderfälle ein.

Länderspezifische TLDs heißen country-code TLDs oder ccTLDs. Sie beruhen meist auf Zwei-Buchstaben-Codes nach ISO 3166, zum Beispiel .de für Deutschland. Dazu gehören auch internationalisierte länderspezifische TLDs, bei denen nicht nur klassische lateinische Zeichen verwendet werden.

Allgemeine TLDs heißen generic TLDs oder gTLDs. Sie werden weiter unterschieden in sponsored TLDs, also gesponserte Domains, und unsponsored TLDs, also nicht gesponserte Domains. Außerdem gibt es internationalisierte Top-Level-Domains.

Ein Sonderfall ist die Infrastruktur-TLD .arpa. Das früher vorgesehene .root wurde nie regulär genutzt. Nicht mehr in Gebrauch sind die Sonderfälle .bitnet und .uucp.

Generische Domains

Generische Top-Level-Domains werden in nicht gesponserte und gesponserte Domains unterteilt. Nicht gesponserte Domains stehen direkt unter der Kontrolle von ICANN und der Internet Society. Gesponserte Domains werden von unabhängigen Organisationen kontrolliert und finanziert; diese dürfen eigene Vergaberichtlinien festlegen.

Die wichtigste und am häufigsten genutzte TLD ist .com. Sie wurde ursprünglich von US-amerikanischen Unternehmen verwendet, ist heute aber weltweit verbreitet. Stand 2025 waren unter .com etwa 160 Millionen Domains registriert.

Nicht gesponserte TLDs bestehen aus drei oder mehr Zeichen und standen ursprünglich oft für bestimmte Gruppen oder Zwecke. Beispiele sind .com für commercial, .net für network, .org für organization, .info für information, .biz für business, .name für Privatpersonen und .pro für qualifizierte Fachkräfte. Durch liberale Vergaberegeln haben die ursprünglichen Bedeutungen vieler dieser Endungen stark an Gewicht verloren. So kann .org heute auch von kommerziellen Anbietern verwendet werden, obwohl die Endung ursprünglich für nichtkommerzielle Organisationen gedacht war.

Gesponserte TLDs sind enger an bestimmte Gruppen oder Nutzungsregeln gebunden. Beispiele sind .aero für Luftfahrtorganisationen, .cat für katalanische Sprache und Kultur, .edu für bestimmte Bildungseinrichtungen, .gov für Regierungsorgane der USA, .mil für militärische Einrichtungen der USA, .museum für Museen, .post für Post- und Logistikunternehmen und .travel für die Reiseindustrie.

Seit 2008 wurden die Regeln für neue gesponserte Domains gelockert. 2011 verabschiedete ICANN ein Verfahren für neue generische TLDs. Bewerbungen waren vom 12. Januar 2012 bis zum 30. Mai 2012 möglich. Am 23. Oktober 2013 gingen die ersten vier neuen Top-Level-Domains in Betrieb; später kamen hunderte weitere hinzu. Beispiele sind .berlin, .koeln und .swiss.

Länderdomains und Vergaberegeln

Es gibt über 200 länderspezifische Top-Level-Domains. Jedem Land ist grundsätzlich genau ein Zwei-Buchstaben-Code nach ISO 3166 zugeordnet. Häufig haben auch abhängige Gebiete eigene ccTLDs, besonders wenn sie geografisch vom Mutterland getrennt sind.

Es gibt Ausnahmen: Das Vereinigte Königreich verwendet .uk, obwohl der ISO-Code GB lautet; .gb ist reserviert, wird aber offenbar nicht genutzt. Die Europäische Union nutzt .eu, obwohl sie kein Staat ist. Die Kodierung EU wurde von der ISO 3166 Maintenance Agency wegen eines praktischen Bedarfs reserviert.

Manche ccTLDs änderten sich durch politische Veränderungen. .dd war für die DDR vorgesehen, wurde aber nicht in den Root-Nameservern delegiert und nach der Wiedervereinigung durch .de ersetzt. .yu für Jugoslawien wurde zum 30. September 2009 aufgelöst und war seit dem 30. März 2010 nicht mehr erreichbar; ersetzt wurde sie durch .rs für Serbien und .me für Montenegro. .an für die Niederländischen Antillen wurde nach deren Auflösung zum 31. Juli 2015 gelöscht.

Einige veraltete TLDs bleiben aus Erreichbarkeitsgründen aktiv. In Russland wird neben .ru auch .su für die Sowjetunion betrieben, und es werden weiterhin neue Domains darunter registriert. Osttimor wechselte von .tp auf .tl und betrieb beide für eine Übergangszeit bis 2015.

Jedes Land kann eigene Vergaberichtlinien festlegen. Diese können stark voneinander abweichen. Unter .fr musste ursprünglich ein Wohn- oder Unternehmenssitz in Frankreich nachgewiesen werden, seit dem 6. Dezember 2011 genügt ein Sitz in der Europäischen Union. In Deutschland begann am 23. Oktober 2009 die Vergabe ein- und zweistelliger sowie rein numerischer .de-Domains. Zuvor musste eine .de-Domain mindestens drei Zeichen enthalten, darunter mindestens einen Buchstaben. In der Schweiz sind zweistellige Domains grundsätzlich den Kantonen vorbehalten, etwa ar.ch oder zh.ch; sonst müssen Schweizer Domains meist mindestens drei Zeichen haben.

Zweckentfremdung und Sonderfälle

Viele länderspezifische TLDs werden auch außerhalb ihres ursprünglichen Länderbezugs genutzt. Besonders kleinere oder wirtschaftlich schwächere Staaten vermarkten ihre Domains oft aktiv und erlauben eine sehr freie Registrierung. Die Gebühren können dabei deutlich über den tatsächlichen Kosten liegen.

Beispiele sind .co aus Kolumbien, das oft als Alternative zu .com oder mit Bedeutungen wie Company und Commerce verwendet wird, und .to aus Tonga, das seit 1998 frei registrierbar war und sich für kurze Adressen wie come.to eignete. .ai gehört zum britischen Überseegebiet Anguilla und wird von Unternehmen im Bereich artificial intelligence, also künstliche Intelligenz, genutzt.

Einige ccTLDs werden wegen Medien- oder Technikabkürzungen genutzt: .fm der Föderierten Staaten von Mikronesien wird im Rundfunkbereich verwendet, weil FM für Frequenzmodulation steht. .im der Isle of Man wird mit Instant Messaging verbunden. .tv aus Tuvalu wird als Television vermarktet; dafür wurde DotTV gegründet, und Tuvalu erhielt 50 Mio. US-Dollar in jährlichen Raten von 5 Mio. Dollar. .gg aus Guernsey wird im Computerspielebereich genutzt, weil GG für Good Game steht.

Spezialdomains sind nicht immer normale TLDs. .arpa dient als Infrastrukturdomain, unter anderem für technische DNS-Aufgaben wie reverse lookup über in-addr.arpa für IPv4 und ip6.arpa für IPv6. .example, .invalid, .localhost und .test sind für Beispiele, Tests oder lokale Nutzung reserviert und werden nicht normal vergeben. .onion wird für versteckte Dienste im Tor-Netzwerk genutzt, ist aber nicht Teil des DNS.

Betrieb, alternative Systeme und Zahlen

Für jede Top-Level-Domain gibt es eine Gruppe von Nameservern, die den Namensraum dieser TLD verwalten. Diese Nameserver sind über die Root-Nameserver erreichbar. Zusätzlich gibt es eine zentrale Datenbank mit administrativen Informationen zu den untergeordneten Second-Level-Domains, zum Beispiel Name und Adresse des Domain-Inhabers. Diese Informationen können über Whois abgefragt werden.

ICANN beauftragt für jede TLD eine Organisation, die Domain Name Registry genannt wird. Für .com ist das VeriSign, für .de die DENIC. Die Registry vergibt Second-Level-Domains wie example.com, delegiert diese Aufgabe aber oft an Registrare. Für jede TLD gibt es eigene Richtlinien zur Vergabe. Einige TLDs besitzen IDN-Sprachtabellen, in denen erlaubte Sonderzeichen festgelegt sind; bei .biz und .org sind zum Beispiel deutsche Umlaute zulässig.

Neben dem offiziellen, von ICANN kontrollierten System gibt es alternative Root-DNS-Systeme. Sie stellen zusätzliche TLDs bereit, haben aber entscheidende Nachteile: Herkömmliche Internetnutzer erreichen solche Adressen meist nicht, Suchmaschinen wie Google ignorieren sie, und Namensräume verschiedener Betreiber können kollidieren. Das Projekt OpenNIC versucht, alternative Systeme zusammenzuführen, betrachtet ICANN-TLDs aber als vorrangig und akzeptiert keine kollidierenden oder privaten Namensräume.

Im ersten Quartal 2025 lag die Gesamtzahl registrierter Domains bei über 368 Millionen. Anfang Januar 2025 gehörten zu den häufigsten TLDs .com mit 154,1 Millionen Domains, .de mit 17,2 Millionen, .net mit 12,4 Millionen, .org mit 11,1 Millionen und .cn mit 10,8 Millionen. Bei Staaten mit Deutsch als Amtssprache wurden unter anderem .de mit 16.414.258 Domains, .ch mit 2.476.712, .be mit 1.657.745, .at mit 1.446.278, .lu mit 102.511 und .li mit 69.694 angegeben.

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