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Deutsche Beteiligung am Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg
Die deutsche Beteiligung am Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg von 1775 bis 1783 erstreckte sich über die gesamte Dauer des Konflikts und wurde von …
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Kernüberblick
Die deutsche Beteiligung am Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg von 1775 bis 1783 umfasste beide Seiten des Konflikts. Der deutlich größere Teil der Menschen deutscher Herkunft kämpfte als reguläre, an Großbritannien vermietete Soldaten. In Amerika wurden sie meist allgemein „Hessen“ genannt, weil Hessen-Kassel das größte Kontingent stellte. Ein kleinerer Teil kämpfte für die amerikanische Kontinentalarmee, darunter deutschstämmige Kolonisten und einige Militärs aus deutschen Staaten.
Wichtig ist diese Beteiligung, weil sie zeigt, dass der Krieg nicht nur zwischen britischen Kolonisten und der britischen Krone geführt wurde, sondern stark mit europäischen Machtinteressen verbunden war. Das heutige Deutschland war damals in viele Kleinstaaten des Heiligen Römischen Reiches aufgeteilt. Mehrere Fürsten schlossen mit Großbritannien sogenannte Subsidienverträge: Gegen Bezahlung stellten sie Soldaten zeitweise für den Krieg zur Verfügung. Insgesamt lieferten die deutschen Verbündeten Großbritanniens 29.867 Soldaten; 17.313 kehrten zurück, 12.554 nicht.
Deutsche Truppen für Großbritannien
Die wichtigsten deutschen Kontingente auf britischer Seite kamen aus Hessen-Kassel, Braunschweig-Lüneburg beziehungsweise Braunschweig-Wolfenbüttel, Hessen-Hanau, Ansbach-Bayreuth, Waldeck und Anhalt-Zerbst. Hessen-Kassel stellte mit 16.992 Soldaten den größten Anteil, von denen 10.492 zurückkehrten und 6.500 nicht zurückkehrten. Danach folgten Braunschweig-Lüneburg mit 5.723 Soldaten, Hessen-Hanau mit 2.422, Ansbach-Bayreuth mit 2.353, Waldeck mit 1.225 und Anhalt-Zerbst mit 1.152.
Die Verträge wurden durch politische, dynastische und finanzielle Interessen begünstigt. Das britische Königshaus war mit mehreren deutschen Herrscherhäusern verbunden. Die Einnahmen aus den Subsidienverträgen dienten laut Artikel nicht nur der Hofhaltung, sondern auch der Verbesserung kleinstaatlicher Infrastruktur. Gleichzeitig wurde die Praxis der Zwangsrekrutierung und Soldatenvermietung im Laufe des Krieges durch die Aufklärung stärker kritisiert und von der amerikanischen Seite propagandistisch genutzt.
Die Soldaten galten in vielen Quellen als gut motiviert und teils besser motiviert als britische Verbündete. Aus heutiger Sicht wirken manche damaligen Motive fremd, etwa die Vorstellung, für den eigenen Souverän nach Amerika zu ziehen und von Großbritannien für Verluste bezahlt zu werden.
Wichtige Einzelkontingente
Hessen-Kassel schloss unter Landgraf Friedrich II. einen Subsidienvertrag mit der britischen Krone und entsandte zunächst über 12.000 Soldaten. Verpflichtet wurden fünfzehn Regimenter, vier Grenadier-Bataillone, zwei Jäger- und drei Artillerie-Kompanien. Die hessischen Jäger waren sorgfältig rekrutierte Schützen, gut bezahlt und ausgerüstet. Ab 1776 waren hessische Soldaten in die britische Armee in Nordamerika integriert und kämpften unter anderem in den Kampagnen um New York und New Jersey, bei Germantown, bei der Belagerung von Charleston und in Yorktown. Dort gerieten etwa 1.300 deutsche Soldaten in Gefangenschaft. Insgesamt entsandte Hessen-Kassel über 16.000 Soldaten und verlor etwa 6.500; Adam Ludwig von Ochs zählte 1.800 hessische Gefallene. Der Rest starb vor allem an Krankheiten oder desertierte und blieb in Amerika.
Hessen-Hanau wurde von Wilhelm IX., Graf von Hanau, regiert. Es entsandte 2.422 Soldaten und Freikorps-Mitglieder, von denen 981 fielen oder nicht zurückkehrten. Zu den Einheiten gehörten ein Infanterie-Bataillon, ein Jäger-Bataillon, eine Artillerie-Kompanie und das Freikorps-Bataillon Janecke.
Braunschweig-Wolfenbüttel unterstützte Großbritannien durch einen Vertrag vom 9. Januar 1776 und war damit der erste deutsche Kleinstaat, der Großbritannien in diesem Krieg unterstützte. Es stellte zunächst 4.000 Soldaten, darunter Infanterie, Grenadiere, Dragoner und leichte Infanterie. Kommandeur war General Friedrich Adolf Riedesel. Die Braunschweiger bildeten einen wichtigen Teil von General John Burgoynes Armee in der Saratoga-Kampagne von 1777. Nach Burgoynes Kapitulation wurden 2.431 überlebende Braunschweiger als Teil der Convention Army bis Kriegsende interniert. Insgesamt entsandte Braunschweig 5.723 Soldaten; 3.015 kehrten 1783 nicht zurück.
Ansbach-Bayreuth entsandte zwei Infanterie-Bataillone, eine Jägerkompanie und eine Artillerie-Batterie. Auf dem Weg zur Einschiffung kam es am 10./11. März 1777 bei Ochsenfurt zu einer offenen Meuterei, die Markgraf Alexander beendete. Insgesamt kamen im Kriegsverlauf 2.353 Soldaten aus Ansbach-Bayreuth zum Einsatz. Waldeck stellte aufgrund eines Vertrags vom 25. April 1775 insgesamt 1.225 Soldaten und verlor 720. Anhalt-Zerbst verpflichtete sich 1777 zur Entsendung von 1.160 Soldaten; ein Bataillon wurde nach Québec geschickt, ein anderes mit etwa 500 Panduren ab 1780 in New York stationiert. Ob diese Panduren als reguläre oder irreguläre Truppe gelten sollen, ist laut Artikel umstritten.
Amerikanische Sicht
Viele amerikanische Kolonisten sahen den Einsatz angemieteter deutscher Truppen als Verrat des britischen Königs. Einige Mitglieder des Kongresses drohten sogar mit der Unabhängigkeitserklärung, falls König George deutsche Soldaten einsetzen würde. In der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung wurden die ausländischen Truppen als „foreign Mercenaries“ bezeichnet, also als fremde Söldner.
Die amerikanische Seite nutzte den Einsatz deutscher Soldaten gezielt für Propaganda. Sie versuchte, deren Moral zu schwächen und Desertion zu fördern. Fahnenflüchtigen wurden zum Beispiel 50 acres, also 20 Hektar Land, versprochen. Die satirische Schrift „The Sale of the Hessians“ aus dem August 1777 behauptete, hessische Kommandeure hätten ein Interesse an höheren Verlusten, weil sie dadurch besser bezahlt würden. Als Autor wird Benjamin Franklin vermutet; ein endgültiger Beweis fehlt.
Der Ruf der deutschen Soldaten litt außerdem unter Beschlagnahmungen, Zwangseinquartierungen und Plünderungen, die bei europäischen Soldaten damals üblich waren. Da Sold, Versorgung und Akzeptanz europäischen Geldes in Amerika unsicher waren, mussten sich Soldaten oft selbst versorgen. Manche wurden zusätzlich von Frauen und Kindern begleitet, die mitversorgt werden mussten.
Deutsche auf amerikanischer Seite
Auch auf amerikanischer Seite spielten Menschen deutscher Herkunft eine Rolle. Mitte des 18. Jahrhunderts sprachen ungefähr 10 % der amerikanischen Siedler Deutsch. Wie andere Gruppen waren deutschsprachige Kolonisten politisch gespalten: Patrioten unterstützten die Unabhängigkeit, Loyalisten die britische Krone. Deutsche Loyalisten kämpften in lokalen Milizen der 13 Kolonien; einige kehrten später als Exilanten in ihre deutschen Herkunftsländer zurück.
Deutschstämmige Kolonisten kämpften in deutschen Regimentern oder lokalen Milizen der Kontinentalarmee. Besonders bekannt war ihr Einsatz in Pennsylvania. Am 27. Juni 1776 beschloss der Zweite Kontinentalkongress, ein Deutsches Regiment aufzustellen. Es bestand zunächst aus acht Kompanien, vier aus Maryland und vier aus Pennsylvania, später kam eine fünfte Kompanie aus Pennsylvania hinzu. Kommandeur wurde Nicholas Haussegger. Das Regiment kämpfte unter anderem bei Trenton und Princeton und wurde am 1. Januar 1781 aufgelöst.
Mehrere aus Europa stammende deutsche Militärs unterstützten ebenfalls die amerikanische Seite. Johann de Kalb, ein gebürtiger Bayer in französischen Diensten, diente in der Kontinentalarmee als General. Deutsche Offiziere und Soldaten dienten auch im französischen Fremdenregiment „Royal Deux-Ponts“, das in Nordamerika erfolgreich kämpfte und zur Kapitulation der Briten in Yorktown beitrug. Der bekannteste Deutsche war Friedrich Wilhelm von Steuben. Er kam über Frankreich nach Amerika, wurde Generalinspekteur, schrieb das erste Drillhandbuch für die amerikanische Armee und reorganisierte die militärische Ausbildung der Kontinentalarmee erfolgreich.
Folgen nach Kriegsende
Nach dem Kriegsende 1783 kehrten 17.313 deutsche Soldaten mit britischen Truppentransportern nach Europa zurück. Von den 12.526 Männern, die nicht zurückkehrten, waren etwa 7.700 gestorben. Ungefähr 1.200 waren in Kampfhandlungen gefallen; von 6.354 weiteren starben die meisten an Krankheiten und einige bei Unfällen. Etwa 5.000 Männer blieben in Nordamerika und ließen sich in den neuen Vereinigten Staaten oder in Kanada nieder.
Manche Soldaten mussten zurückbleiben, weil ihre Kommandeure ihnen wegen Krankheit oder krimineller Taten die Rückkehr verweigerten. Die meisten, die blieben, integrierten sich jedoch in die Bevölkerung, heirateten und arbeiteten als Landwirte oder Handwerker. In den deutschen Kleinstaaten hatte nach dem Krieg die Verkleinerung der Armeen aus Kostengründen Vorrang. Viele Soldaten wurden abgefunden oder ehrenvoll entlassen. Die in Nordamerika gesammelten militärischen Erfahrungen blieben erhalten und wurden später noch in den Napoleonischen Kriegen angewandt.