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Deutsch-sowjetische Beziehungen
Nach dem Krieg kam es zu einer engen Partnerschaft zwischen der Weimarer Republik und der Sowjetunion, die militärische und wirtschaftliche Kooperation umfasste …
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Gegenstand und frühe Entwicklung
Deutsch-sowjetische Beziehungen sind die zwischenstaatlichen Beziehungen zwischen Sowjetrussland beziehungsweise der Sowjetunion (UdSSR) und den deutschen Staaten ihrer Zeit: Deutsches Kaiserreich, Weimarer Republik, NS-Staat, BRD, DDR und dem wiedervereinigten Deutschland. Sie waren geprägt von wechselnden Bündnissen, ideologischer Gegnerschaft, Krieg, deutscher Teilung und der Wiedervereinigung 1990.
Die Ideologie des sowjetischen Staates, Marxismus beziehungsweise Marxismus-Leninismus, knüpfte an die Ideen von Karl Marx und Friedrich Engels an. Im Ersten Weltkrieg unterstützte das Deutsche Reich russische Revolutionäre, um das Zarenreich zu schwächen. Nach der Februarrevolution 1917 ermöglichte es Wladimir Iljitsch Lenin die Reise von Zürich nach Petrograd in einem plombierten Wagen. Nach der Oktoberrevolution vom 7. November 1917 schloss Sowjetrussland am 3. März 1918 den Friedensvertrag von Brest-Litowsk. Russland musste die Unabhängigkeit Polens und seiner Westgebiete anerkennen, verlor ein Drittel seiner Bevölkerung und einen großen Teil seiner Industrie.
Nach dem Bürgerkrieg gründeten die Bolschewiki 1922 die Sowjetunion. Die Rote Armee eroberte unter anderem die Ukraine und Weißrussland zurück; ein weiterer sowjetischer Feldzug gegen Polen scheiterte.
Partnerschaft in der Weimarer Republik
Der Vertrag von Rapallo vom 16. April 1922 stellte zwischen der Weimarer Republik und Sowjetrussland die vollen diplomatischen Beziehungen wieder her, hob gegenseitige Ansprüche auf und begründete eine enge Zusammenarbeit. Unterzeichner waren der deutsche Außenminister Walther Rathenau und der sowjetische Außenminister Georgi Tschitscherin. Beide Staaten waren nach dem Ersten Weltkrieg diplomatisch isoliert und fürchteten die Zweite Polnische Republik sowie deren Bündnis mit Frankreich. Der Berliner Vertrag von 1926 bestätigte Rapallo, die Zusammenarbeit und die gegenseitige Neutralität für weitere fünf Jahre.
Besonders eng war die geheime militärische Kooperation. Weil der Versailler Vertrag die deutsche Armee auf 100.000 Mann begrenzte und viele Waffen verbot, organisierte die Sondergruppe R im Reichswehrministerium ab 1921 Zusammenarbeit mit der Roten Armee. In der UdSSR konnten Deutsche Waffen erproben und Soldaten ausbilden: eine geheime Fliegerschule in Lipezk ab 1925, eine Panzerschule in Kasan ab 1926 und das Gasversuchsgelände Tomka im Gebiet Saratow. Die Sowjetunion erhielt dafür deutsches technisches Wissen und Unterstützung beim Aufbau der Roten Armee. Die Junkers AG baute ab Oktober 1924 in Fili bei Moskau Flugzeuge; nach der Übergabe des Werks 1926 entstanden dort sowjetische Adaptionen wie Tupolew TB-1 und Tupolew TB-3.
Auch Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur waren verbunden. Deutschland vergab Kredite und Fachwissen für die sowjetische Industrialisierung, die UdSSR lieferte Rohstoffe. Das Wirtschaftsabkommen vom 12. Oktober 1925 und das Pjatakov-Abkommen von 1931, mit dem die UdSSR massenhaft deutsche Maschinen importierte, vertieften diese Beziehungen.
Die Sowjetunion beeinflusste zugleich die deutsche Arbeiterbewegung über die KPD und die Komintern, die internationale kommunistische Organisation. Der von der Sowjetunion unterstützte Deutsche Oktober 1923 scheiterte. Unter Josef Stalin wurde die KPD ab 1927 zunehmend der sowjetischen Politik untergeordnet. Eine Komintern-Direktive von 1928 erklärte die SPD zum „Hauptfeind“. Die Ablehnung einer Einheitsfront mit den als „Sozialfaschisten“ bezeichneten Sozialdemokraten gegen den Nationalsozialismus war laut Artikel ein Faktor, der die Machtergreifung der NSDAP 1933 begünstigte.
Zweckbündnis, Überfall und Vernichtungskrieg
Nach Hitlers Machtübernahme 1933 verschlechterten sich die Beziehungen zunächst stark. Nationalsozialisten sahen den „jüdischen Bolschewismus“ als Hauptfeindbild; die bisherige militärische Zusammenarbeit endete nach dem deutsch-polnischen Nichtangriffspakt vom 26. Januar 1934. Dennoch lieferte die UdSSR weiterhin für die deutsche Aufrüstung wichtige Rohstoffe. Während des Großen Terrors fielen in der Sowjetunion zahlreiche deutsche Kommunisten Verfolgung und Tötungen zum Opfer.
1939 näherten sich beide Diktaturen wieder an. Der Deutsch-Sowjetische Wirtschaftsvertrag vom 19. August 1939 vereinbarte sowjetische Rohstoffe gegen deutsche Industriegüter. Der Deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt und der geheime Deutsch-Sowjetische Grenz- und Freundschaftsvertrag regelten zudem die Aufteilung Polens und des Baltikums. Nach dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 besetzte die Sowjetunion knapp zwei Wochen später Ostpolen und im Frühjahr 1940 die drei baltischen Staaten. NKWD und Gestapo arbeiteten zusammen; die Sowjets lieferten politische Verfolgte an die Nationalsozialisten aus. Warum diese ideologisch gegensätzlichen Regime zusammenfanden, ist in der Geschichtswissenschaft umstritten: Erklärungen reichen von taktisch-geopolitischen Gründen bis zu einer Wesensverwandtschaft der Regime.
Am 22. Juni 1941 brach Hitler das Bündnis mit dem Überfall auf die UdSSR. 3 Millionen Soldaten überschritten die Grenze. Der Krieg sollte „Lebensraum im Osten“ erobern, den Bolschewismus vernichten sowie Böden der Ukraine und Erdöl im Kaukasus kontrollieren. Die Wehrmacht hatte 153 Divisionen mit mehr als drei Millionen Soldaten; die Rote Armee umfasste 4,7 Millionen Soldaten, von denen nur etwa die Hälfte im Westen stationiert war. Anfangs errang Deutschland große Erfolge, nahm bis Ende 1941 große Teile der Ukraine und Weißrusslands ein und begann im September 1941 die dreijährige Blockade Leningrads. Die Schlacht um Moskau brachte im Winter 1942 die erste strategische deutsche Niederlage. Es folgten das Scheitern der Operation Blau, die Niederlage bei Stalingrad und mit Unternehmen Zitadelle im Sommer 1943 die letzte große deutsche Offensive. Die Operation Bagration führte die Sowjets bis August 1944 an die Weichsel; im Mai 1945 eroberte die Rote Armee Berlin.
Der deutsch-sowjetische Krieg war laut Artikel der verlustreichste Krieg der Weltgeschichte: 3,5 Millionen deutsche Soldaten und über 25 Millionen Sowjetbürger starben. Deutschland führte ihn als Vernichtungskrieg. Der Kommissarbefehl verlangte die Erschießung sowjetischer Politkommissare; SS und Wehrmacht begingen zahlreiche Verbrechen und setzten den Holocaust um. Von 5,7 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen starb etwa die Hälfte durch Krankheit, Gewalt, Hunger oder Vernichtung durch Arbeit. Auch die Sowjetunion beging Kriegsverbrechen, darunter massenhafte Vergewaltigungen deutscher Frauen sowie die von ihr eingeleitete oder unterstützte Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa.
BRD zwischen Westbindung und Entspannung
1949 entstanden aus den westlichen Besatzungszonen die BRD und aus der sowjetischen Zone die DDR. Die BRD war demokratisch und marktwirtschaftlich organisiert, die DDR ein realsozialistischer Einparteienstaat. Bundeskanzler Konrad Adenauer setzte auf Westintegration statt auf eine Wiedervereinigung bei deutscher Neutralität. Die Stalin-Noten vom März 1952 enthielten ein solches Angebot; ob es ernst gemeint war, ist unter Historikern umstritten. Mit den Pariser Verträgen erhielt die BRD im Mai 1955 volle außenpolitische Souveränität und trat im selben Jahr der NATO bei.
Am 8. September 1955 nahmen BRD und UdSSR diplomatische Beziehungen auf. Nach Verhandlungen Adenauers in Moskau kehrten 40.000 deutsche Kriegsgefangene zurück. Die Hallstein-Doktrin sah anschließend vor, Staaten keine diplomatischen Beziehungen zu gewähren, wenn sie die DDR anerkannten. Bis in die 1960er Jahre prägten Misstrauen, die Berliner Mauer von 1961 und die auf Abwehr eines sowjetischen Angriffs ausgerichtete Verteidigungspolitik die Beziehung.
Willy Brandts neue Ostpolitik ab 1969 erkannte die Teilung Deutschlands de facto an, gab die Hallstein-Doktrin auf und suchte Entspannung mit dem Ostblock. Der Moskauer Vertrag von 1970 leitete weitere Ostverträge ein. Ab 1973 arbeiteten beide deutsche Staaten und die Sowjetunion in der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zusammen. Ein Wirtschaftsvertrag vom Mai 1978 ermöglichte Projekte wie die westsibirische Erdgasleitung.
Die sowjetische Invasion Afghanistans 1979 und die Stationierung von Pershing-II-Raketen sowie BGM-109G-Gryphon-Marschflugkörpern in Westdeutschland 1983 verschärften die Konfrontation erneut. Mit Michail Gorbatschow ab 1985 setzte Entspannung ein. Trotz eines diplomatischen Eklats 1987 verhandelten Helmut Kohl und Gorbatschow über Abrüstung und das Ende des Kalten Krieges. Nach den Revolutionen von 1989 stimmte die Sowjetunion der deutschen Wiedervereinigung zu.
DDR als Verbündeter mit begrenzter Eigenständigkeit
Die DDR entstand am 7. Oktober 1949 aus der Sowjetischen Besatzungszone und war besonders anfangs ein sowjetischer Satellitenstaat, also ein formal eigenständiger Staat unter starkem Einfluss der UdSSR. Die Sowjets förderten Walter Ulbricht und die Gruppe Ulbricht beim Aufbau der Staatsstrukturen. Unter sowjetischem Einfluss wurden KPD und SPD im April 1946 zur SED vereinigt. Ab Juni 1947 begann mit der Deutschen Wirtschaftskommission der Aufbau einer zentral gelenkten Wirtschaft. Die SED wurde nach stalinistischem Vorbild umgestaltet.
Der Aufstand vom 17. Juni 1953 entstand nach der Erhöhung von Arbeitsnormen und wurde mit sowjetischen Panzern niedergeschlagen. Es gab mindestens 50 Tote, bis zu 1.500 Haftstrafen und fünf Todesurteile durch die Rote Armee. Die DDR trat 1955 dem Warschauer Pakt bei und war wirtschaftlich über den Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe eng an die UdSSR gebunden. Die ab 1959 errichtete Erdölleitung Freundschaft versorgte sie mit Erdöl. Wegen der Abwanderung in den Westen ließ die DDR 1961 die Berliner Mauer und die Grenze zur BRD schließen; laut Artikel geschah dies auf Initiative Nikita Chruschtschows.
Ab den späten 1960er Jahren gewann die DDR in der Deutschlandpolitik teilweise Eigenständigkeit. Erich Honecker, seit 1971 führender Politiker, blieb der Sowjetunion eng verbunden, benötigte wegen wirtschaftlicher Probleme aber auch westliche Kredite. Gegen sowjetisches Missfallen schloss die DDR 1978 ein neues deutsch-deutsches Verkehrsabkommen. Als die UdSSR 1981 Rohstofflieferungen verringerte, nahm die DDR westdeutsche Hilfszahlungen gegen Reiseerleichterungen an. Unter Gorbatschows Reformpolitik verweigerte Honecker Veränderungen und grenzte sich 1988 mit dem „Sozialismus in den Farben der DDR“ ab. Im Oktober 1989 warnte Gorbatschow die DDR-Führung vor Reformverweigerung; der bekannte Satz „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ entstand laut Artikel aus einer journalistischen Zuspitzung.
Wiedervereinigung und Ende der UdSSR
Beziehungen zwischen dem wiedervereinigten Deutschland und der UdSSR bestanden vom 3. Oktober 1990 bis zur endgültigen Auflösung der Sowjetunion am 26. Dezember 1991. Vor der Wiedervereinigung verhandelten Gorbatschow, Kohl und die westlichen Großmächte den Zwei-plus-Vier-Vertrag. Wichtige Themen waren der Abzug sowjetischer Soldaten aus Ostdeutschland sowie deutsche Wirtschaftshilfen und Kredite für die bankrotte UdSSR.
Nach dem Artikel ging es in den Verhandlungen nicht um eine spätere NATO-Osterweiterung; eine verbindliche Zusage, sie nicht durchzuführen, wurde demnach nie gemacht. Gorbatschow und sein Nachfolger Boris Jelzin sahen die spätere NATO-Aufnahme etwa Polens dennoch als Verstoß gegen den Geist der damaligen Vereinbarungen. Kohl lehnte die Unabhängigkeit der baltischen Staaten ab und wollte die Sowjetunion auch aus Sorge vor einem Sturz Gorbatschows und Chaos in Moskau erhalten. Nach dem gescheiterten Augustputsch kommunistischer Hardliner erklärten die Unionsrepubliken jedoch ihre Unabhängigkeit, wodurch die UdSSR zerfiel.