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Russische Revolution
1 Russische Revolution 1905 · 2 Russische Revolutionen 1917. 2.1 Februarrevolution; 2.2 Oktoberrevolution · 3 Russischer Bürgerkrieg bis zur Gründung der …
Inhalt5 Abschnitte
Kern und Ursachen
Als Russische Revolution bezeichnet man mehrere revolutionäre Umwälzungen in Russland im frühen 20. Jahrhundert. Im engeren Sinn meint der Begriff vor allem die Ereignisse von 1917: die Revolution, die die zaristische Autokratie beendete, und die Machtübernahme der Bolschewiki im selben Jahr.
Wichtig ist die Russische Revolution, weil sie das Ende der Herrschaft des Zaren Nikolaus II. brachte, die politische Ordnung Russlands grundlegend veränderte und schließlich zur Gründung der Sowjetunion führte. Zu den Ursachen gehörten militärische Misserfolge im Russisch-Japanischen Krieg und im Ersten Weltkrieg, Probleme bei der Einbindung neuer gesellschaftlicher Gruppen sowie Modernisierungsdefizite des Russischen Kaiserreichs.
Revolution von 1905
Die Revolution von 1905 bestand aus einer Reihe von Auseinandersetzungen und heftigen regierungsfeindlichen Protesten gegen Zar Nikolaus II. Sie führte nicht zur Abschaffung der Zarenherrschaft, zwang den Zaren aber zu politischen Zugeständnissen.
Auf Grundlage des Oktobermanifestes erhielt Russland eine Verfassung mit einer Volksvertretung, der Staatsduma. Gleichzeitig betonte diese Verfassung weiterhin die dominante Stellung des Zaren. Nikolaus II. versuchte später, die Zugeständnisse wieder zurückzunehmen. 1907 wurde das Wahlrecht zugunsten eines Zensuswahlrechts geändert. Dadurch wurden große Teile der Bauern und Arbeiter von politischer Repräsentanz ausgeschlossen, obwohl dies einen Verfassungsbruch darstellte. Max Weber prägte dafür den Begriff „Scheinkonstitutionalismus“.
Außerdem sollten die Stolypinschen Reformen die Agrarwirtschaft verändern. Bauern sollten selbstständiger wirtschaften und rationellere Anbaumethoden einführen können. Ziel war die Schaffung eines bäuerlichen Mittelstandes.
Sturz der Zarenherrschaft 1917
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 unterstützte die Mehrheit der russischen Bauern noch die Zarenregierung, die mit Großbritannien und Frankreich in der Triple Entente verbündet war. Der für Russland ungünstige Kriegsverlauf und die schlechte Versorgung der Zivilbevölkerung führten jedoch zu einem Stimmungsumschwung. Zar Nikolaus II., der seit August 1915 den militärischen Oberbefehl führte, lehnte Reformen ab und verstärkte stattdessen die polizeiliche Überwachung.
Anfang 1917 verschärfte sich die Lage durch Preissteigerungen und eine weitere Verschlechterung der Lebensmittelversorgung. In Petrograd kam es zu Streiks und Demonstrationen. Arbeiteraufstände beendeten schließlich die Zarenherrschaft. Die zur Niederschlagung eingesetzten Soldaten weigerten sich anders als 1905, auf Demonstrierende zu schießen, und liefen teilweise zu ihnen über. Der Zar musste am 2. März jul. / 15. März 1917 greg. abdanken.
Nach dem Rücktritt entstand eine neue Machtsituation. Die Duma setzte eine Provisorische Regierung ein, zunächst unter Ministerpräsident Lwow, später unter Kerenski. Eine ihrer ersten Amtshandlungen war die Verkündung von Grundrechten. Gleichzeitig entstanden Arbeiter- und Soldatenräte, die Sowjets, in denen Menschewiki, Bolschewiki und Sozialrevolutionäre vertreten waren. Unter der Losung „Alle Macht den Sowjets“ führten Kommunisten und Sozialrevolutionäre die Revolution weiter und verhinderten die Bildung einer bürgerlichen parlamentarischen Demokratie.
Provisorische Regierung und Sowjets kooperierten und konkurrierten zugleich, ohne dass eines der Organe die volle Macht übernahm. In der Provinz kam es zu einer Bauernrevolution, bei der Bauernkomitees die Enteignung der Gutsbesitzer organisierten. Die Provisorische Regierung war dem gegenüber machtlos. Die von ihr propagierte Kerenski-Offensive gegen die Mittelmächte scheiterte im Juli 1917 nach knapp drei Wochen.
Machtübernahme der Bolschewiki
Lenin kehrte am 3. April 1917 aus dem Schweizer Exil nach Russland zurück. Seine Rückkehr wurde von Deutschland unterstützt und von seinen Anhängern gefeiert. Sein politisches Programm forderte vor allem die sofortige Beendigung des Krieges und keine weitere Unterstützung der Provisorischen Regierung, die er für kapitalistisch und unfähig hielt.
Die Frage der Kriegsfortsetzung wurde zum zentralen Streitpunkt. Obwohl nach mehreren Regierungsumbildungen einzelne Menschewiki und Sozialrevolutionäre Kabinettsposten erhielten, änderten sie die Linie der Regierung nicht: Der Krieg sollte fortgeführt werden. Militärische Niederlagen und eine weitere Verschlechterung der Versorgungslage ließen das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung rasch sinken. Seit September 1917 hatten die Bolschewiki klare Mehrheiten in den Sowjets von Moskau und Petrograd.
In der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober jul. beziehungsweise 7. bis 8. November greg. 1917 nahmen bewaffnete Bolschewiki die wichtigsten Einrichtungen in Petrograd ein. Unter Trotzkis Führung setzten sie die Regierung ab und riefen die Machtübernahme der Sowjets aus. Der Widerstand war relativ gering.
Die Bolschewiki setzten sich anschließend über den Willen der Wähler hinweg. Bei der im November im ganzen russischen Reich abgehaltenen Wahl zur konstituierenden Versammlung erhielten sie etwa 25 %. Als die verfassungsgebende Versammlung im Januar 1918 zusammentrat, wurde sie von den Bolschewiki sofort aufgelöst. Ob die Ereignisse wirklich als Revolution gelten, ist umstritten; in der Fachliteratur werden sie heute vielfach als Putsch oder Staatsstreich der Bolschewiki bezeichnet.
Bürgerkrieg und Sowjetunion
Der Russische Bürgerkrieg dauerte von 1917 bis 1921 und kostete über 8 Millionen Menschen das Leben. Die Bolschewiki gingen als Sieger hervor und gründeten Ende 1922 die Sowjetunion.
Der Krieg umfasste mindestens vier große Konfliktbereiche: den Kampf gegen die deutsche Armee bis zum Friedensvertrag von Brest-Litowsk und danach gegen die deutsche Besatzung bis zum Ende des Ersten Weltkriegs; den inneren Kampf um die Räteherrschaft gegen die Weiße Armee und weitere Gegner wie die Grünen Kräfte; die Intervention von 14 Staaten, darunter Deutschland, die USA, Japan, England und Frankreich; sowie Unabhängigkeitskämpfe größerer nationaler Minderheiten.
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