Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Zweite Front der Alliierten gegen die Achsenmächte im Zweiten Weltkrieg

Die Errichtung einer Zweiten Front in Europa war eine Forderung der Sowjetunion an ihre Hauptverbündeten im Zweiten Weltkrieg, Großbritannien und die USA.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kernidee und strategische Bedeutung
  2. 2. Vorgeschichte und sowjetische Forderungen
  3. 3. Militärische Lage vor der Landung
  4. 4. Streit über den Ort der Invasion
  5. 5. Operation Overlord und Folgen

Kernidee und strategische Bedeutung

Die „Zweite Front“ bezeichnet die von der Sowjetunion geforderte zusätzliche Front der Westalliierten gegen die Achsenmächte in Europa während des Zweiten Weltkriegs. Sie sollte die Sowjetunion entlasten, weil die wichtigste europäische Front von 1941 bis 1944 die Ostfront im Deutsch-Sowjetischen Krieg war. Nach der Bildung der Anti-Hitler-Koalition im Dezember 1941 waren Großbritannien, die USA und die Sowjetunion grundsätzlich einig, dass Europa der wichtigste Kriegsschauplatz sein sollte. Diese Strategie wurde als „Germany first“ bezeichnet: Der Krieg gegen Deutschland sollte Vorrang haben.

Unklar blieb lange, wie die Westalliierten diese zweite Front militärisch aufbauen sollten. Erst auf der Teheran-Konferenz Ende 1943 wurde festgelegt, dass im folgenden Frühjahr eine Invasion in Frankreich von Großbritannien aus stattfinden sollte. Zu diesem Zeitpunkt hatten amerikanische und britische Truppen bereits Nordafrika und Süditalien besetzt, und Italien hatte kapituliert. Trotzdem galt der italienische Kriegsschauplatz nicht als ausreichend, um entscheidend zum Zusammenbruch des nationalsozialistischen Deutschen Reiches beizutragen.

In Teheran beschlossen Stalin und die Westalliierten, dass im Mai 1944 eine Invasion in Nordfrankreich und kurz darauf eine Landung an der französischen Riviera erfolgen sollten. Gleichzeitig sollte eine sowjetische Großoffensive im Osten Deutschland zusätzlich unter Druck setzen. Stalin setzte außerdem durch, dass Südosteuropa nicht Teil der strategischen Planungen der Briten und Amerikaner wurde. Das hatte nicht nur Bedeutung für den Sieg über Deutschland, sondern auch für die Nachkriegsordnung: Der größte Teil Südosteuropas wurde später eine sowjetische Einflusszone und Teil des Ostblocks.

Vorgeschichte und sowjetische Forderungen

Nach der anfänglichen Besetzung großer Teile Zentral-, West- und Südosteuropas griff das Deutsche Reich im Juni 1941 die Sowjetunion an. Damit brach es den im August 1939 geschlossenen Nichtangriffspakt. Die Sowjetunion schloss daraufhin im Juli 1941 ein Militärbündnis mit Großbritannien. Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor und dem Kriegseintritt der USA im Dezember 1941 wurde auf der Arcadia-Konferenz beschlossen, die Sowjetunion zunächst auf andere Weise zu unterstützen: durch Luftangriffe auf den deutschen Machtbereich, verstärkte Hilfslieferungen und die Vertreibung der Achsenmächte aus Nordafrika.

Eine zweite Front in Europa galt für 1942 als unwahrscheinlich und wurde für 1943 in Aussicht gestellt. Die Sowjetunion verlangte von ihren westlichen Verbündeten einen konkreten Zeitpunkt für die Eröffnung dieser Front. Besonders nach der Casablanca-Konferenz im Januar 1943, auf der der Vorrang des europäischen Kriegsschauplatzes vor dem Pazifikkrieg beschlossen wurde, erneuerte Josef Stalin diese Forderungen. Grund war auch, dass der Landetermin auf den Herbst 1943 verschoben wurde.

Hinter Stalins Druck stand Misstrauen gegenüber den Westmächten. In der Sowjetunion wurde befürchtet, Großbritannien und die USA könnten die Errichtung der zweiten Front absichtlich verzögern, damit Deutschland und die Sowjetunion sich gegenseitig schwächten. Der DDR-Historiker Olaf Groehler zitierte dazu eine Äußerung des amerikanischen Generals Albert Wedemeyer, der am „Victory-Plan“ der USA mitarbeitete. Wedemeyer schrieb, die Westmächte sollten sich möglichst ruhig verhalten, während Deutschland und die Sowjetunion einander zermalmten, um später das Gleichgewicht der Kräfte wiederherzustellen und sowohl kommunistische als auch faschistische Vorherrschaft in Europa zu verhindern.

Militärische Lage vor der Landung

Bis zum Kriegsende kämpften trotz weiterer Fronten in Italien und später in der Normandie immer zwischen 60 und 80 Prozent aller deutschen Truppen an der Ostfront gegen die Sowjetunion. Nach Verlustzahlen fanden bis zur Landung in der Normandie sogar 90 % der Kämpfe im Osten statt. Diese Zahlen erklären, warum die Sowjetunion die zweite Front als dringend notwendig ansah.

Gleichzeitig hatten Großbritannien und später die USA bereits vor der eigentlichen Invasion in Frankreich gegen Deutschland gekämpft. Großbritannien befand sich seit September 1939 im Krieg gegen das nationalsozialistische Deutschland, unter anderem zur See, in der Luft und in Nordafrika an Land, zeitweise auch in Norwegen, Belgien, Frankreich und Griechenland. Die USA unterstützten Großbritannien mit Material und später auch die Sowjetunion über das Leih- und Pachtgesetz. Seit Dezember 1941 standen die USA und Großbritannien außerdem im Krieg gegen Japan.

Am 8. November 1942 eröffneten Großbritannien und die USA mit der Operation Torch eine Nebenfront in Nordwestafrika. Dieses Gebiet wurde bis dahin von Vichy-Frankreich gehalten, das mit Deutschland kollaborierte. Im Sommer 1943 verlagerte sich diese Front nach Süditalien: Im Juli begann mit Operation Husky die Landung auf Sizilien, im September folgte die Invasion auf dem italienischen Festland. Diese Entwicklung trug dazu bei, dass Mussolini am 25. Juli 1943 gestürzt wurde. Aus sowjetischer Sicht band der italienische Kriegsschauplatz jedoch nicht genug deutsche Truppen.

Streit über den Ort der Invasion

Zwischen den USA und Großbritannien war umstritten, wo eine große westalliierte Landung stattfinden sollte. Der britische Premierminister Winston Churchill bevorzugte eine Landung in Südosteuropa, besonders in Jugoslawien. Diese Richtung lag nicht im Rücken der deutschen Truppen, sondern an der Flanke der Sowjets. Die britische Absicht war, dem Vormarsch sowjetischer Truppen zumindest auf dem Westbalkan und in Griechenland zuvorzukommen.

Idealerweise sollten westalliierte Truppen nach britischer Vorstellung Ungarn, Rumänien und Bulgarien erreichen, bevor diese deutschen Verbündeten vor der Sowjetunion kapitulierten. Churchill hielt eine schnelle Landung in Nordfrankreich dagegen für zu riskant. Die USA befürworteten hingegen eine möglichst frühe Landung in Nordfrankreich. Für sie war Westeuropa wichtiger als Südosteuropa, unter anderem wegen seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.

Operation Overlord und Folgen

Im Juni 1944 kam es schließlich zur Operation Overlord, der Landung der Westalliierten in der Normandie. Der Artikel beschreibt sie als äußerst schwierige Operation. Mit ihr wurde die zweite Front in Westeuropa tatsächlich eröffnet. Diese neue Westfront ermöglichte den westalliierten Truppen den Vormarsch bis nach Belgien und in die südlichen Niederlande.

Im September 1944 versuchten die Westalliierten mit der Operation Market Garden, direkt nach Deutschland vorzustoßen, besonders in der Nähe von Arnheim. Dieser Versuch scheiterte. Erst im März und April 1945 gelangten die Westalliierten mit der Operation Plunder in das strategisch wichtige Ruhrgebiet. Damit wurde die zweite Front zu einem wichtigen Bestandteil des militärischen Drucks auf Deutschland in der Endphase des Krieges.

Weiterlesen

Zweiter Weltkrieg Als Zweiter Weltkrieg (1. September 1939 – 2. September 1945) wird der zweite global geführte Krieg sämtlicher Großmächte im 20. Jahrhundert bezeichnet. Vereinigtes Königreich Das Vereinigte Königreich ist eine Union aus vier Landesteilen, die auf Englisch meist als countries (Länder) oder nations (Nationen) bezeichnet werden: England … Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten ; Amtssprache · Englisch ; Hauptstadt · Washington, D.C. ; Staats- und Regierungsform · föderale präsidentielle konstitutionelle Republik. Deutsch-Sowjetischer Krieg Dieser Artikel behandelt den Deutsch-Sowjetischen Krieg. Den Kriegsplan selbst behandelt Unternehmen Barbarossa. Bedeutende Militäroperationen während des … Anti-Hitler-Koalition Anti-Hitler-Koalition · 1 Bezeichnung · 2 Vorgeschichte. 2.1 Kollektive Sicherheit; 2.2 Hitler-Stalin-Pakt; 2.3 Entwicklung zu Kriegsbeginn · 3 Gründung · 4 Ziele … Italienfeldzug (Zweiter Weltkrieg) Er begann mit der Invasion Siziliens im Juli 1943 und dauerte bis zum Kriegsende in Europa 1945 mit der Kapitulation der Wehrmachtsverbände in Italien. Geleitet … Ostblock Der Begriff Ostblock ist ein im Westen geprägtes politisches Schlagwort aus der Zeit des Ost-West-Konflikts für die Sowjetunion (UdSSR) und ihre … Deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt Hitler-Stalin-Pakt bekannt, September 1939 begann Hitler den 28. Der Pakt: Stalin, Hitler und die Geschichte einer mörderischen Allianz. Position 2888–2899. Belgien Belgien (amtlich Königreich Belgien, niederländisch, französisch) ist ein föderaler Staat in Westeuropa. Es liegt zwischen der Nordsee und den Ardennen und … Frankreich Die Französische Republik wird in ihrer Verfassung als unteilbar, laizistisch, demokratisch und sozial erklärt. Ihr Grundsatz lautet: „Regierung des Volkes … Griechenland ist ein Staat in Südosteuropa und ein Mittelmeeranrainerstaat. Das griechische Staatsgebiet grenzt an Albanien, Nordmazedonien, Bulgarien und die Türkei. Benito Mussolini Er war von 1922 bis 1943 Ministerpräsident des Königreiches Italien. Als Duce del Fascismo („Führer des Faschismus“) und Capo del Governo („Chef der Regierung“) …