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Friedrich III. (Deutsches Reich)
Friedrich III., mit vollem Namen Friedrich Wilhelm Nikolaus Karl von Preußen (* 18. Oktober 1831 im Neuen Palais in Potsdam; † 15.
Inhalt5 Abschnitte
Person und frühe Jahre
Friedrich III. hieß vollständig Friedrich Wilhelm Nikolaus Karl von Preußen. Er wurde am 18. Oktober 1831 im Neuen Palais in Potsdam als Sohn des Prinzen Wilhelm von Preußen und der Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach geboren und starb dort am 15. Juni 1888. Im Todesjahr, dem Dreikaiserjahr, war er nach einer 28 Jahre dauernden Kronprinzenzeit 99 Tage König von Preußen und damit Deutscher Kaiser. Im Deutschen Krieg und im Deutsch-Französischen Krieg war er Armeeführer.
Sein Vater wurde 1840 als Wilhelm IV. Thronfolger und 1861 als Wilhelm I. König von Preußen. Friedrich stand dadurch ab 1840 an zweiter Stelle der preußischen Thronfolge. Seine Mutter Augusta stammte aus dem als liberal geltenden Weimarer Hof und war umfassend gebildet; sein Vater war stark militärisch geprägt und politischen Neuerungen gegenüber skeptisch.
Friedrichs Rufname war zunächst Friedrich. Friedrich Wilhelm IV. ersetzte ihn später durch den Doppelnamen Friedrich Wilhelm. Ab dem fünften Lebensjahr erhielt er förmlichen Unterricht, zunächst unter anderem durch Marie von Clausewitz. Von 1838 bis 1844 war Frédéric Godet sein Zivilerzieher, danach der Althistoriker Ernst Curtius. Neben Fechten, Reiten, Tanzen, Turnen und praktischen Fertigkeiten wie Tischlerei, Buchdruckerei und Buchbinderei bildete die militärische Ausbildung den Schwerpunkt. Bereits 1844 nahm der 13-Jährige an Kadettenmanövern teil, 1846 an einem wirklichen Manöver.
Die Märzrevolution 1848 prägte seine Jugend. Die Öffentlichkeit machte seinen Vater für den militärischen Einsatz gegen die Aufständischen verantwortlich und bezeichnete ihn als „Kartätschenprinzen“. Der Vater floh vorübergehend nach London, während Augusta mit Friedrich Wilhelm und dessen Schwester Luise nach Potsdam ging. In liberalen Kreisen wurde sogar eine Regentschaft Augustas bis zur Volljährigkeit ihres Sohnes erwogen; ob sie diesen Plan ernsthaft verfolgte, ist wegen später vernichteter Briefe und Tagebücher nicht mehr feststellbar. Am 3. Mai 1849 begann Friedrich Wilhelm seinen aktiven Militärdienst.
Studium, Victoria und Familie
Am 18. Oktober 1849 wurde Friedrich Wilhelm nach dem Hohenzollernschen Hausgesetz volljährig. Anschließend studierte er in Bonn Rechtswissenschaften und hörte außerdem Geschichte, Politik sowie Vorlesungen über das politische System Großbritanniens. Der Kontakt zu liberalen und nationalliberalen Professoren und Persönlichkeiten beeinflusste seine politisch eingeschränkt liberale Haltung. 1851 wurde er bei einem Eisenbahnunfall nahe Minden verletzt; drei Menschen starben.
Bei einem Besuch der Londoner Weltausstellung 1851 begegnete der 19-jährige Friedrich Wilhelm erstmals der zehnjährigen Prinzessin Victoria, der ältesten Tochter von Königin Victoria und Prinz Albert. Beide blieben brieflich in Kontakt. 1855 besuchte Friedrich Wilhelm die britische Königsfamilie in Balmoral und hielt Victoria für eine geeignete Ehepartnerin. Er bat bereits am dritten Tag Königin Victoria und Prinz Albert um ihre Zustimmung. Die Verlobung wurde am 17. Mai 1856 bekannt gegeben, obwohl sie in Großbritannien und Deutschland politisch umstritten war. Prinz Albert bildete seine Tochter in Politik und europäischer Geschichte weiter und verband die Ehe mit der Hoffnung auf ein liberaler verfasstes Preußen.
Friedrich Wilhelm und Victoria heirateten am 25. Januar 1858 in der Kapelle des St James’s Palace in London. Sie hatten acht Kinder: Wilhelm II., Charlotte, Heinrich, Sigismund, Viktoria, Waldemar, Sophie und Margarethe. Wilhelm II. wurde 1888 Deutscher Kaiser. Weitere Kinder heirateten unter anderem in die Häuser Sachsen-Meiningen, Griechenland, Schaumburg-Lippe und Hessen ein.
Nach dem Ende seiner Studienzeit 1852 lernte Friedrich Wilhelm zusätzlich die preußische Verwaltung kennen. Er hospitierte unter anderem im Finanz-, Handels- und Kriegsministerium sowie in der Bezirksverwaltung von Potsdam und Breslau. Seine militärische Ausbildung blieb jedoch bestimmend. Helmuth von Moltke war von 1853 bis Oktober 1857 sein persönlicher Adjutant und wichtigster militärischer Lehrer.
Kronprinz und Feldherr
Mit der Thronbesteigung seines Vaters Wilhelm I. wurde Friedrich Wilhelm 1861 preußischer Kronprinz. Das Amt des Rector magnificus der Universität Königsberg war für ihn rein zeremoniell. Während des Verfassungskonflikts lehnte er 1862 aus Loyalität zu seinem Vater dessen mögliche Abdankung und damit eine eigene Thronbesteigung ab. Zugleich sprach er sich gegen die Ernennung Otto von Bismarcks zum preußischen Ministerpräsidenten aus. Er kritisierte Bismarcks Innenpolitik, blieb aber seinem Vater gegenüber loyal und erkannte Bismarcks außenpolitische und militärische Erfolge an.
In der Danziger Rede von 1863 distanzierte sich Friedrich Wilhelm von Bismarcks repressiver Pressepolitik. Anlass war die Pressordonanz gegen die liberale Presse. Er beklagte das Zerwürfnis zwischen Regierung und Volk und erklärte, an den Beratungen nicht beteiligt gewesen zu sein. Die gemäßigte Rede wurde von Liberalen sowie in Frankreich und England begrüßt, in Preußen jedoch als Insubordination oder sogar Hochverrat verstanden. Friedrich Wilhelm verteidigte sie gegenüber seinem Vater und Bismarck, versprach danach aber zu schweigen.
Im Deutschen Krieg begann Preußens Vorgehen gegen Österreich und dessen Verbündete nach dem Einmarsch in Holstein am 9. Juni 1866 und dem Bundesbeschluss zur Mobilisierung am 14. Juni. Friedrich Wilhelm befehligte die 2. preußische Armee. In der Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli entschied er sich für einen Flankenangriff, besetzte die Höhe von Chlum und ermöglichte dadurch ein wirkungsvolles Artilleriefeuer gegen die österreichische Armee. Er erhielt dafür vom Vater den Orden Pour le Mérite. Nach dem Frieden von Prag vom 23. August wurde der Deutsche Bund aufgelöst; 1867 entstand der Norddeutsche Bund als Vorläufer des Deutschen Reiches.
Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 führte Friedrich Wilhelm die aus preußischen und süddeutschen Truppen zusammengesetzte 3. Armee. Seine Truppen siegten bei Weißenburg und Wörth. In der Schlacht bei Sedan am 1./2. September 1870 spielten sie erneut eine kampfentscheidende Rolle. Bis zum Kriegsende beteiligte sich seine Armee an der Belagerung von Paris. Friedrich Wilhelm wurde als Kriegsheld angesehen und zum Generalfeldmarschall ernannt. Er unterstützte Bismarck außerdem bei der Erhebung seines Vaters zum Deutschen Kaiser und nahm an der Kaiserproklamation im Schloss Versailles am 18. Januar teil.
Krankheit, Kaiserzeit und Tod
Seit Januar 1887 litt Friedrich Wilhelm, der starke Raucher war, an zunehmender Heiserkeit. An seinem linken Stimmband wurden Knötchen und später eine Geschwulst festgestellt. Carl Gerhardt, Ernst von Bergmann und Adelbert von Tobold vermuteten ein Karzinom und empfahlen die Entfernung des befallenen Gewebes. Der britische Arzt Morell Mackenzie übernahm anschließend die Behandlung. Eine von ihm am 21. Mai 1887 entnommene Gewebeprobe wurde von Rudolf Virchow untersucht, der in Berichten vom 1. Juli 1887 und 29. Januar 1888 keine eindeutigen Hinweise auf ein Krebsleiden fand. Die Ärzte stritten über die Diagnose und die richtige Behandlung.
Nach einer vorübergehenden Besserung erlitt Friedrich Wilhelm in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 1888 schwere Erstickungsanfälle. Am 9. Februar führte Friedrich Gustav von Bramann eine Tracheotomie durch. Sie ermöglichte ihm wieder zu atmen, machte ihn aber völlig stumm. Als sein Vater Wilhelm I. am 9. März 1888 starb, wurde Friedrich Wilhelm nach Berlin zurückgerufen und wurde König von Preußen sowie Deutscher Kaiser. Er nahm wieder den Rufnamen Friedrich an und wurde als Friedrich III. gezählt. Eine ursprünglich erwogene Bezeichnung als Friedrich IV. nach dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches musste er nach staats- und verfassungsrechtlicher Belehrung durch Bismarck aufgeben.
Wegen seiner Erkrankung konnte Friedrich seine Vorstellungen von einer stärkeren Bindung der Macht des Monarchen und des Reichskanzlers an die Verfassung kaum umsetzen. Er verlieh den Schwarzen Adlerorden an Kaiserin Victoria sowie an Heinrich Friedberg und Eduard Simson, die dadurch in den erblichen Adelsstand erhoben wurden. Seine wichtigste preußische Personalentscheidung war die Entlassung des Innenministers Robert von Puttkamer wegen dessen Einmischung in die Landtagswahl von 1885. Außerdem erließ er eine Amnestie unter anderem für Pressvergehen. Eine Krise wegen einer möglichen Ehe seiner Tochter Viktoria mit Alexander von Battenberg endete unter dem Druck Bismarcks und des Kronprinzen Wilhelm mit dem Verzicht auf diese Verbindung.
Friedrich starb am 15. Juni 1888 im Neuen Palais in Potsdam, nachdem er dort am 13. Juni noch König Oskar II. von Schweden empfangen hatte. Seine Regentschaft dauerte nur 99 Tage; mit der Thronbesteigung seines Sohnes Wilhelm II. wurde 1888 zum Dreikaiserjahr. Am 18. Juni wurde er zunächst in der Friedenskirche beigesetzt und nach der Fertigstellung des Kaiser-Friedrich-Mausoleums am 18. Oktober 1890 dorthin umgebettet. Die Behauptung, er habe zusätzlich Kehlkopfkrebs an Syphilis gelitten, gilt aufgrund späterer Untersuchungen und des Krankheitsverlaufs weitgehend als widerlegt.
Freimaurerei, Erinnerung und historische Bewertung
Friedrich Wilhelm wurde 1853 durch seinen Vater in die Freimaurerei aufgenommen. Am 18. Juni 1860 wurde er Ordensmeister der Großen Landesloge; ab 1861 war er Protektor der drei altpreußischen Großlogen in Berlin. Er strebte eine Vereinigung der deutschen Freimaurer sowie eine Reform der Großen Landesloge an. Nicht belegbare Verbindungen zum Templerorden sollten aus Symbolik und Ritual entfernt und die höheren Grade umstrukturiert werden. Wegen des Streits mit konservativen Mitgliedern legte er am 7. März 1874 sein Amt nieder. Die Templerlegende wurde zwar gestrichen, rituelle und symbolische Inhalte blieben aber größtenteils erhalten.
Friedrich III. wurde nach seinem Tod als „liberale Hoffnung“ Preußens und des Deutschen Kaiserreiches dargestellt. Diese „Kaiser-Friedrich-Legende“ ist historisch jedoch nicht eindeutig. Er war kein Anhänger des Parlamentarismus und kein überzeugter Vertreter eines britischen Modells, sondern ein konservativer Konstitutionalist mit liberalen Ansichten. Seine Danziger Rede richtete sich wahrscheinlich vor allem gegen die Missachtung des Parlaments und eine Entfremdung zwischen Herrscherhaus und Bevölkerung, nicht ausschließlich gegen Einschränkungen der Pressefreiheit. 1878 hielt er das Sozialistengesetz grundsätzlich für notwendig, bestand aber auf seiner verfassungsgemäßen Anwendung. Gemeinsam mit Victoria wandte er sich scharf gegen den Antisemitismus und bezeichnete die Antisemitenbewegung als „eine Schmach für unsere Zeit“.
Friedrich und Victoria förderten Wissenschaft, Kunst und Kultur und unterstützten unter anderem den Ausbau der Berliner Museumsinsel. Das 1904 eröffnete Kaiser-Friedrich-Museum trug zunächst seinen Namen und wurde in der DDR 1956 in Bode-Museum umbenannt. Zahlreiche Straßen, Türme, Kirchen, Museen, Bäder und Denkmäler erinnerten an ihn; viele dieser Benennungen wurden später geändert oder Denkmäler entfernt, zerstört oder eingeschmolzen. Friedrichs schriftlicher Nachlass umfasst vor allem Tagebücher sowie Berichte über den Krieg von 1870/71 und die Orientreise von 1869.