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Der große Gatsby
Der große Gatsby (Originaltitel: The Great Gatsby) ist ein 1925 erstmals veröffentlichter Roman des US-amerikanischen Autors F. Scott Fitzgerald.
Inhalt5 Abschnitte
Gegenstand und Handlung
Der große Gatsby (Originaltitel: The Great Gatsby) ist ein 1925 erstmals veröffentlichter Roman des US-amerikanischen Autors F. Scott Fitzgerald. Die Handlung spielt im Sommer 1922 in den fiktiven Orten West Egg und East Egg auf Long Island nordöstlich von New York City. Im Mittelpunkt steht der junge Millionär Jay Gatsby, der seine frühere Liebe Daisy zurückgewinnen möchte. Daisy hat während Gatsbys Militärdienst den reichen Tom Buchanan geheiratet.
Der Ich-Erzähler Nick Carraway zieht 1922 nach West Egg, um in New York als Wertpapierhändler zu arbeiten. Sein Nachbar Gatsby veranstaltet in seiner palastartigen Villa große Tanzpartys. Obwohl viele Mitglieder der New Yorker Gesellschaft daran teilnehmen, bleibt Gatsby einsam. Über seine Herkunft, seine Ausbildung und die Quelle seines Vermögens kursieren Gerüchte.
Nick ist ein Cousin zweiten Grades von Daisy und lernt durch sie Jordan Baker kennen. Mit Nicks und Jordans Hilfe begegnen sich Gatsby und Daisy wieder. Gatsby hofft, die Vergangenheit vollständig zurückholen zu können. Daisy ist jedoch zwischen Gatsby und ihrem Ehemann Tom hin- und hergerissen. Tom, ein reicher ehemaliger Footballspieler und Polospieler, betrügt Daisy mit Myrtle Wilson, der Frau eines einfachen Tankstellenbesitzers.
Bei einem gemeinsamen Ausflug nach New York kommt es im Plaza Hotel zu einem Streit zwischen Tom und Gatsby. Beide beanspruchen Daisys Liebe für sich. Gatsby verlangt, Daisy solle erklären, sie habe Tom nie geliebt. Sie kann dies nicht überzeugend tun. Tom greift Gatsby an und stellt ihn als Kriminellen dar. Anschließend fahren Daisy und Gatsby in Gatsbys Wagen zurück, während Tom, Nick und Jordan in Toms Wagen folgen.
Daisy sitzt am Steuer von Gatsbys Wagen und überfährt Myrtle Wilson, die dem Auto entgegenläuft, weil sie es für Toms Wagen hält. Daisy fährt in Panik weiter. Gatsby erklärt Nick später, er wolle aus Liebe zu Daisy die Verantwortung für den Unfall übernehmen. Tom teilt Myrtles Ehemann George Wilson mit, Gatsby sei der Besitzer des Wagens. Wilson glaubt deshalb, Gatsby habe Myrtle getötet. Am nächsten Morgen erschießt er Gatsby und anschließend sich selbst.
Zu Gatsbys Beerdigung erscheinen nur Nick, Gatsbys Vater Henry C. Gatz und ein geheimnisvoller Mann, den Nick zuvor in Gatsbys Bibliothek gesehen hat. Gatsbys wirklicher Name war James Gatz.
Zentrale Figuren
Nick Carraway ist der Ich-Erzähler. Er wurde 1892 geboren, stammt aus Minnesota, studierte an der Yale University und machte dort 1915 seinen Abschluss. Nach dem Ersten Weltkrieg zieht er an die Ostküste. Nick beschreibt sich als ehrlich und urteilszurückhaltend. Er ist ein aufmerksamer, eher passiver Beobachter, der anderen Menschen ihre Geheimnisse anvertraut bekommt. Zugleich bleibt er nicht völlig frei von Snobismus und romantischen Vorstellungen. Seine zurückhaltende Beobachtung macht ihn zum wichtigsten Vermittler der Handlung.
Jay Gatsby wurde als James Gatz in North Dakota geboren. Seine Eltern besaßen eine Farm. Als junger Mann arbeitete er für den reichen Dan Cody. Gatsby verachtet Armut und strebt nach Reichtum, Luxus und gesellschaftlichem Ansehen. Nach dem Krieg versucht er, Daisy durch seine Villa, sein Vermögen und seine Partys zurückzugewinnen. Er hat am kleinen College in St. Olaf, Minnesota, nur zwei Wochen ausgehalten und wollte nach dem Krieg in Oxford studieren; ob er dort tatsächlich studierte, bleibt unklar. Sein Reichtum stammt vermutlich aus illegalen Geschäften, darunter Alkoholschmuggel. Sein Freund und Mentor Meyer Wolfshiem gehört zur New Yorker Verbrecherwelt.
Gatsby erschafft sich bewusst eine neue Identität. Der Roman bezeichnet ihn als jemanden, der aus seiner „platonischen Vorstellung von sich selbst“ hervorgegangen sei. Er verkörpert dadurch zugleich Selbsterschaffung, Idealismus und den amerikanischen Traum. Seine Liebe zu Daisy ist jedoch stark idealisiert. Seine optimistische und visionäre Persönlichkeit zerbricht an der Wirklichkeit, besonders als Tom seine Identität als künstlich und kriminell entlarvt. Gatsby ist daher sowohl als tiefsinnige mythische Figur als auch als teilweise komödiantischer und krimineller Charakter deutbar.
Daisy Buchanan, geborene Fay, ist Nicks Cousine und die Tochter eines Richters. Als junge Frau verliebte sie sich in Gatsby und versprach, auf ihn zu warten. Während Gatsby im Krieg war, heiratete sie Tom. Daisy steht für Schönheit, Reichtum und gesellschaftliche Stellung, in die Gatsby verliebt ist. Ihre Stimme wird als besonders aufregend und gesangsartig beschrieben; Gatsby sagt, sie sei „voller Geld“. Nick erkennt hinter ihrer charmanten Erscheinung jedoch Oberflächlichkeit, Ziellosigkeit und Unaufrichtigkeit. Daisy schützt sich und Tom durch ihren Reichtum und übernimmt nach dem Unfall keine Verantwortung. Bei Gatsbys Beerdigung erscheint sie nicht.
Tom Buchanan stammt aus einer sehr reichen Familie. Er ist kräftig, aggressiv, arrogant, rassistisch und heuchlerisch. Eine von ihm verschenkte Perlenkette ist 350.000 Dollar wert. Trotz seines Wohlstands wirkt er unzufrieden und heimatlos. Er bewegt sich mit Daisy in Kreisen wohlhabender Menschen, unterhält eine Affäre mit Myrtle und reagiert wütend auf Gatsbys Beziehung zu Daisy. Seine soziale Stellung und seine Rücksichtslosigkeit ermöglichen es ihm, die Folgen seines Handelns auf andere abzuwälzen.
Jordan Baker ist Daisys Freundin und eine bekannte Sportlerin. Sie wirkt selbstbewusst, emanzipiert, zynisch und berechnend. Ihre Beziehung zu Nick bleibt ohne wirkliche Leidenschaft. George B. Wilson betreibt eine Tankstelle und Autowerkstatt und erschießt Gatsby aus einem Irrtum heraus. Myrtle Wilson, seine Frau und Toms Geliebte, sucht einen Ausweg aus ihrer kinderlosen und langweiligen Ehe; sie stirbt beim Unfall. Meyer Wolfshiem ermöglicht Gatsby durch Kontakte zur Kriminalität den Aufbau seines Vermögens und verweigert später die Teilnahme an Gatsbys Beerdigung.
Themen und Bedeutung
Der Roman untersucht den gesellschaftlichen Wandel der USA nach dem Ersten Weltkrieg. Er gilt als präzises Porträt der „Roaring Twenties“, die durch wirtschaftliches Wachstum, Prohibition, Kriminalität, Jazz und Flapper geprägt waren. Im Zentrum stehen die Widersprüche des „American Dream“, also des Strebens nach Glück, Erfolg und Reichtum in einer Konsumgesellschaft.
Gatsby versucht, durch Arbeit, Vermögen und eine selbst erfundene Identität gesellschaftliche Grenzen zu überwinden. Sein Reichtum dient ihm jedoch vor allem als Mittel, Daisy zurückzugewinnen. Damit zeigt der Roman, dass materieller Erfolg weder Liebe noch persönliche Erfüllung garantiert. Gatsby besitzt zwar große Vitalität, Optimismus und die Fähigkeit zu starker Liebe, richtet sein ganzes Leben aber auf einen idealisierten Traum. Als Daisy diesem Traum nicht entspricht und bei Tom bleibt, zerfällt seine Identität.
Der Roman stellt außerdem den Zusammenhang von Moral und sozialem Status dar. Gatsby ist vermutlich in kriminelle Geschäfte verwickelt und nach dem Unfall durch Fahrerflucht mitschuldig, doch er übernimmt aus Liebe zu Daisy die Verantwortung. Tom und Daisy handeln ebenfalls rücksichtslos, können sich aber wegen ihres Reichtums den Folgen entziehen. Nick erkennt, dass Menschen wie sie sich „hinter ihrem Geld“ verstecken. So wird soziale Ungleichheit nicht nur als wirtschaftlicher, sondern auch als moralischer Unterschied sichtbar.
Psychologisch zeigt der Roman die Macht von Erinnerung, Selbsttäuschung und Idealbildung. Gatsby glaubt, die Vergangenheit wiederholen zu können. Seine Liebe gilt dabei nicht ausschließlich Daisy als Person, sondern auch dem Reichtum und gesellschaftlichen Rang, die sie verkörpert. Nicks Beobachtungen machen deutlich, dass viele Figuren in einer sich verändernden Gesellschaft versuchen, eine stabile Identität zu schaffen. Am Ende verbindet Nick das Scheitern der Figuren mit ihrer Herkunft aus dem Mittleren Westen und ihrer schwierigen Anpassung an das Leben im Osten.
Der Roman wurde später zu den bedeutendsten Werken der amerikanischen Moderne und zu den „Great American Novels“ gezählt. T. S. Eliot bezeichnete ihn als den ersten Entwicklungsschritt, den der amerikanische Roman seit Henry James gemacht habe. Die Modern Library setzte ihn 1998 auf Rang 2 ihrer Liste der 100 besten englischsprachigen Romane des 20. Jahrhunderts; Fitzgerald war dort der höchstplatzierte US-Amerikaner. Das Magazin Time nahm den Roman in seine Auswahl der 100 besten englischsprachigen Romane von 1923 bis 2005 auf.
Entstehung und Rezeption
Fitzgerald begann im Juni 1922, die Handlung eines dritten Romans zu entwerfen, und arbeitete ab etwa Juni 1923 am ersten Entwurf. Als Vorbilder dienten unter anderem die Partys auf Long Island. Great Neck und Manhasset Neck wurden zu den literarischen Vorbildern für West Egg und East Egg. Der Alkoholschmuggler Max Gerlach könnte als Vorbild für Gatsby gedient haben; Arnold Rothstein gilt als mögliches Vorbild für Meyer Wolfshiem.
Die Arbeit wurde ab September 1923 unterbrochen, weil Fitzgerald an seinem erfolglosen Theaterstück The Vegetable arbeitete. Im Winter 1923 bis zum Frühjahr 1924 schrieb er Kurzgeschichten, um Schulden aus der Theaterproduktion zu begleichen. Im April 1924 nahm er die Arbeit am Roman wieder auf. Das Ehepaar Fitzgerald zog im Frühsommer 1924 an die Französische Riviera. Im Oktober 1924 schickte Fitzgerald ein fertiges Manuskript an Maxwell Perkins und Harold Ober. Perkins hielt Gatsby für zu vage und empfahl, seine Lebensgeschichte und die Quelle seines Reichtums schrittweise zu enthüllen. Fitzgerald überarbeitete daraufhin besonders die Kapitel 6 und 8. Am 18. Februar 1925 sandte er die endgültigen Druckfahnen an Perkins.
The Great Gatsby erschien am 10. April 1925. Die Erstauflage umfasste 20.870 Exemplare; eine zweite Auflage im August desselben Jahres wurde auf 3000 Exemplare begrenzt. Die Kritiken waren zwar überwiegend positiv, der Verkauf blieb jedoch zunächst schwach. Fitzgerald führte dies unter anderem auf den Titel, eine fehlende wichtige Frauenfigur und die unzureichend dargestellte Beziehung zwischen Gatsby und Daisy zurück. Perkins hielt die relative Kürze des Romans für einen Hauptgrund, weil Publikum und Buchhandel in den 1920er Jahren längere Romane bevorzugten.
Auch eine Bühnenfassung und die Verfilmung von 1926 steigerten den Verkauf nicht. Nach Fitzgeralds Tod im Dezember 1940 begann die Wiederentdeckung. 1941 erschien der Roman erneut in einem Band mit Fitzgeralds unvollendetem Roman Der letzte Tycoon, 1942 als Einzelausgabe. Bis 1945 folgten fünf weitere Ausgaben und Nachdrucke. Eine Sonderausgabe für amerikanische Streitkräfte wurde 1945 von mehr als einer Million Soldaten gelesen. Danach beschäftigte sich die Literaturwissenschaft zunehmend mit dem Werk.
Übersetzungen und Bearbeitungen
Der Roman wurde mehrfach ins Deutsche übersetzt, unter anderem von Maria Lazar (1928 und erneut 2025 in bearbeiteter und kommentierter Form), Walter Schürenberg (1953), Bettina Abarbanell (2006), Reinhard Kaiser, Lutz-W. Wolff und Kai Kilian (jeweils 2011), Johanna Ellsworth (2011), Hans-Christian Oeser (2012) sowie Bernhard Robben (2025).
Es entstanden zahlreiche Bearbeitungen für Bühne, Musical und Oper. Dazu gehören die Broadwayfassung von Owen Davis und George Cukor von 1926, Musicals von Robert E. Morgan und Aubrey L. Goodman (1956), Thomas Johnson und Phil Smith (1998), Joe Evans (2012) und Claus Martin (2012), die Oper von John Harbison (1999), das Theaterstück von Simon Levy (2006), das Musik-Theater von Thorsten Drücker und Philipp Rosendahl (2023), das Musical von Jason Howland, Nathan Tysen und Kait Kerrigan (2023) sowie Gatsby: An American Myth von Florence Welch, Thomas Bartlett und Martyna Majok (2024). Die im Artikel genannte Jahresangabe zur Jazz-Musical-Fassung von 1998 nennt als Uraufführung zugleich den Herbst 1958.
Verfilmt wurde der Roman 1926 von Herbert Brenon; der Stummfilm gilt als verschollen, erhalten ist nur ein einminütiger Trailer. Weitere Verfilmungen entstanden 1949 unter Elliott Nugent, 1974 unter Jack Clayton, 2000 als Fernsehfilm unter Robert Markowitz und 2013 unter Baz Luhrmann.
Als Hörbücher erschienen unter anderem 2002 eine ungekürzte Lesung mit Sky du Mont in der Übersetzung von Walter Schürenberg sowie 2011 Lesungen mit Gert Heidenreich nach der Übersetzung von Bettina Abarbanell und mit Burghart Klaußner nach der Übersetzung von Lutz-W. Wolff.
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