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Der große Gatsby (1949)
Der große Gatsby ist ein US-amerikanisches Filmdrama aus dem Jahr 1949 unter Regie von Elliott Nugent. Es ist die zweite von insgesamt fünf Verfilmungen des …
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Einordnung und filmische Gestaltung
Der große Gatsby ist ein US-amerikanisches Filmdrama aus dem Jahr 1949. Regie führte Elliott Nugent; das Drehbuch schrieben Richard Maibaum und Cyril Hume. Der englischsprachige, 91 Minuten lange Film wurde von Paramount Pictures produziert. In den Hauptrollen spielen Alan Ladd Jay Gatsby, Betty Field Daisy Buchanan, Macdonald Carey Nick Carraway, Ruth Hussey Jordan Baker, Barry Sullivan Tom Buchanan, Howard Da Silva George Wilson und Shelley Winters Myrtle Wilson. Der Film ist die zweite von insgesamt fünf Verfilmungen des 1925 erschienenen Romans Der große Gatsby von F. Scott Fitzgerald.
Bereits 1926 war mit The Great Gatsby von Herbert Brenon die erste Verfilmung in die Kinos gekommen. Dieser Stummfilm mit Warner Baxter, Lois Wilson, Neil Hamilton und William Powell gilt heute als verschollen. Fitzgeralds Werk war zeitweise weitgehend in Vergessenheit geraten, wurde aber im Verlauf der 1940er-Jahre langsam wiederentdeckt. Der Produzent und Drehbuchautor Richard Maibaum vertrat die Ansicht, seine Verfilmung habe zu dieser Wiederentdeckung beigetragen. An den Kinokassen war der Film beliebt, die Kritiken fielen jedoch nur durchwachsen aus.
Nugents Film geht relativ frei mit der literarischen Vorlage um. Er besitzt weniger die Atmosphäre einer klassischen Literaturverfilmung und ist an vielen Stellen vom Film noir geprägt. Den kriminellen Machenschaften Gatsbys wird mehr Raum gegeben als im Roman, während kleinere Aspekte verändert oder weggelassen werden. So erhält beispielsweise die Beziehung zwischen Nick und Jordan ein gutes Ende, anders als im Roman. Außerdem reagiert Nick im Film empört auf die sich anbahnende außereheliche Beziehung zwischen Gatsby und Daisy.
Einfluss auf diese Änderungen hatte offenbar der zwischen 1934 und 1968 geltende Hays Code, der die Sittlichkeit amerikanischer Filme sichern sollte. Nick äußert deshalb bereits zu Beginn moralisierende Beobachtungen. Die Zensoren verlangten außerdem, keine Nostalgie für das als unmoralisch bewertete Jazz Age der Goldenen Zwanziger zu erzeugen. Daher wirken Kostüme und Ausstattung teilweise eher wie aus den 1940er- als aus den 1920er-Jahren. Der Film war lange weitgehend unbekannt, weil er wegen Urheberrechtsproblemen kaum ausgestrahlt wurde und nur schwer erhältlich war. Nach einer Restaurierung wurde er 2023 unter anderem auf Blu-ray in den Vereinigten Staaten zugänglich gemacht.
Ursprünglich sollte John Farrow Regie führen. Er und Maibaum stritten über die Besetzung der Daisy: Farrow bevorzugte Gene Tierney, Maibaum Betty Field. Nachdem sich Maibaum durchgesetzt hatte, verließ Farrow das Projekt. Tyrone Power, zunächst für die Rolle des Gatsby vorgesehen, stieg aus, nachdem Tierney die Rolle nicht erhalten hatte. Alan Ladd übernahm schließlich Gatsby, obwohl er anfangs bezweifelte, der Rolle schauspielerisch gewachsen zu sein. Seine Darstellung wurde später allgemein positiv aufgenommen. Howard Da Silva, der hier George Wilson spielt, trat 25 Jahre später in der dritten Gatsby-Verfilmung als Gangster Meyer Wolfsheim auf.
Handlung
Zwanzig Jahre nach Jay Gatsbys Tod besuchen seine früheren Freunde Nick Carraway und Jordan Baker sein Grab. Dabei erinnern sie sich an Gatsbys Lebensgeschichte. Gatsby hat in den 1920er-Jahren unter zwielichtigen Umständen ein Vermögen erworben und am Long Island Sound eine verschwenderische Villa gebaut. Seine aufwendigen Partys sind berühmt, obwohl niemand genau weiß, woher sein Reichtum stammt. Es gibt Hinweise auf illegale Geschäfte und Kontakte zur New Yorker Unterwelt.
Nick Carraway, ein junger Mann aus dem Mittleren Westen, zieht nach New York, um dort als Börsenmakler Fuß zu fassen, und wird Gatsbys neuer Nachbar. Gatsby bittet ihn, ein Treffen mit Nicks Cousine Daisy Buchanan zu arrangieren. Daisy lebt auf der anderen Seite der Bucht mit ihrem Ehemann Tom und ihrer kleinen Tochter.
Gatsby und Daisy hatten bereits eine Beziehung, bevor Gatsby in den Ersten Weltkrieg zog. Gatsby möchte sie unbedingt zurückgewinnen. Seine Villa und die großen Partys veranstaltet er auch deshalb in ihrer Nähe. Daisy ist in ihrer Ehe unglücklich und ahnt, dass Tom eine Affäre hat. Tom trifft sich mit Myrtle, der Frau des örtlichen Tankstellenbesitzers George Wilson.
Daisy reagiert deshalb positiv auf Gatsbys Annäherungen. Sie verbringt mit Gatsby, Jordan und Nick Zeit in New York und erwägt, Tom zu verlassen. Zu einer endgültigen Entscheidung kommt sie jedoch nicht. Bei einer Fahrt mit Gatsbys Auto überfährt Daisy versehentlich Myrtle, die ihren Mann verlassen wollte. George Wilson glaubt zunächst, Tom habe Myrtle absichtlich mit dem Auto überfahren. Tom klärt diesen Irrtum nicht auf.
Wilson macht daraufhin Gatsby für den Tod seiner Frau verantwortlich und erschießt ihn, während Gatsby im Pool seiner Villa badet. Obwohl Gatsby viele angebliche Freunde hatte, kommen zu seiner Beerdigung nur Jordan und Nick.
Kritische Bewertung
Bosley Crowther schrieb am 14. Juli 1949 in der New York Times, der Film diene vor allem als Filmvehikel für Alan Ladd, der erneut eine für ihn typische Gangsterdarstellung biete. Die „tragischen Implikationen und bitteren Ironien von Mr. Fitzgerald“ würden dagegen vernachlässigt. Das „schwache Drehbuch“ lasse auch wichtige Elemente aus, die den Roman lebendig machten, darunter das Zeitkolorit der 1920er-Jahre. Variety sah ebenfalls die Schwäche im Drehbuch und bezeichnete die Figuren als „flach“, bescheinigte Alan Ladd jedoch eine fähige Darstellung in der Titelrolle.
Leonard Maltin bewertete den Film mit zweieinhalb von vier Sternen. Er nannte ihn eine „fehlgeleitete Adaption“ von Fitzgeralds Buch, die zu gesprächig und zugleich zu buchstabengetreu geraten sei. Alan Ladd sei als Gatsby „ziemlich gut“, während Betty Fields Daisy „seltsam launisch“ wirke.
Der US-Literaturkritiker Levi Asher hält den Film nicht für herausragend und meint, er sei Fitzgeralds Werk teilweise untreu. Dennoch könne man an ihm erkennen, welchen Stellenwert Fitzgerald während seiner schrittweisen Wiederentdeckung hatte. Die Partyszenen seien sehr bescheiden, dafür schreite die Handlung schnell voran und folge nach den ersten Szenen weitgehend dem Buch. Im Unterschied zu Fitzgeralds Roman sei der Film eine „Moralgeschichte“: Die zentrale Lehre handle weniger von der Liebe als vom Verbrechen und von der Torheit, die eigene soziale Stellung überschreiten zu wollen.