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Vaudeville
Der Ausdruck Vaudeville [vɔd.vil] bezeichnet: eine Frühform des französischen Schlagers ab dem 15. Jahrhundert. ein Pariser Theatergenre mit Gesang und …
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Bedeutungen und Zusammenhang
Vaudeville bezeichnet drei miteinander verbundene Formen der Unterhaltung: eine Frühform des französischen Schlagers seit dem 15. Jahrhundert, ein Pariser Theatergenre mit Gesang und Instrumentalbegleitung, das in den 1840er Jahren besonders beliebt war, und ein US-amerikanisches, vor allem New Yorker Unterhaltungstheater seit etwa 1860, dessen Höhepunkt um 1900 lag.
Die Bedeutungen gehen ineinander über. Schon Lieder des 16. und 17. Jahrhunderts konnten in Theaterstücke eingefügt sein. Das Pariser Vaudeville des 19. Jahrhunderts enthielt weiterhin solche Lieder. Nach 1850 konnte das geschlossene französische Theaterstück in Music Halls zu einer lockeren Folge von Musik-, Tanz- und Akrobatiknummern werden – der Form, die das amerikanische Vaudeville kennzeichnet.
Französisches Vaudeville als Lied
Seit dem 15. Jahrhundert war das Vaudeville in Frankreich und im französischen Kanada ein von allen Ständen gesungenes populäres Lied, eine Vorform des Chansons. Zu bekannten Melodien, den „timbres“, wurden immer neue Texte gedichtet; mehrere Tausend solcher Melodien waren im Umlauf. Auch Fabeln und Grammatikregeln konnten so zu Liedern werden. Häufig handelte es sich um Spottlieder.
Das Grundprinzip lautet: „Bekannte Melodie bleibt, aktueller Text wechselt.“ Nicolas Boileau beschrieb es in Chant II seiner Poetik von 1674 als satirisches Lied, das von Mund zu Mund gehe. Seit dem 16. Jahrhundert kann „Vaudeville“ musikalisch auch ein Lied oder einen Choralsatz mit syllabischer Textvertonung, also überwiegend einer Note pro Silbe, ohne Koloraturen bezeichnen.
Pariser Theaterform
Die Pariser Theatergattung entstand im Jahrmarktstheater des 17. und 18. Jahrhunderts und war dort oft mit Tanz verbunden. Einfache Stücke verwendeten Lieder nach Vaudeville-Manier: Texte wurden zu bekannten Melodien gesungen. Daraus entwickelte sich die musikalisch anspruchsvollere Opéra comique, deren Gesänge neu komponiert waren.
Um 1800 konnte „Vaudeville“ auch den gemeinsamen Schlusschor eines Bühnenstücks meinen. Ein Beispiel ist das Finale von Mozarts Die Entführung aus dem Serail (1782): „Wer so viel Huld vergessen kann …“ formuliert die Moral des Spiels. Bis ins 19. Jahrhundert sang auch das Publikum mit.
Seit Beginn des 19. Jahrhunderts war Vaudeville ein kommerzielles Großstadt-Theater für ein subbürgerliches Publikum. Das Napoleonische Theaterdekret von 1807 definierte es für das Théâtre du Vaudeville als „kleine Stücke mit eingelegten Couplets zu bekannten Melodien“. Die meist alltäglichen, lokal anspielungsreichen Komödien enthielten kurze Musiknummern und waren frivol, witzig und satirisch. Je nach Ausprägung gab es etwa Drame-Vaudeville, Comédie-Vaudeville und Folie-Vaudeville.
Augustin Eugène Scribe prägte die Vaudevilledichtung besonders stark. Sein Yelva, die russische Waise (1828) arbeitet mit einer stummen Figur, die das Publikum versteht, weil es die Texte bekannter Melodien erinnert. Seit den 1850er Jahren orientierte sich Jacques Offenbachs Operette am Vaudeville und gab der Musik mehr Gewicht. Gegen 1900 bezeichnete Vaudeville auch eine Art Schwank.
US-amerikanisches Vaudeville
Das US-Vaudeville war ein schnelles Programm aus unterschiedlichen Einzelnummern, ähnlich einem Varieté. Anders als das französische Vaudeville besaß es keine geschlossene Handlung. Musiker, Komödianten, Magier, Tierdresseure, Akrobaten, Gymnastikkünstler und Bauchredner traten nacheinander auf; die Form ähnelte einem Zirkus im kleinen Rahmen. Da das Publikum jederzeit eintreten konnte, waren feste Anfangszeiten weniger wichtig.
Mit dem Wachstum der nordamerikanischen Industrie wurde diese Form in den 1880er Jahren populär. Theaterketten engagierten reisende Künstler und setzten strenge Regeln dafür, was gezeigt werden durfte. Die Konkurrenz förderte eine hohe artistische Qualität; Vaudeville wurde zur handwerklichen Grundlage der Stummfilmkomik. Tony Pastor eröffnete 1865 in Manhattan eines der ersten Vaudeville-Theater. Zu den später aus dem Vaudeville hervorgegangenen Künstlern gehören W. C. Fields, Buster Keaton, die Marx Brothers, Edgar Bergen mit Charlie McCarthy, Eddie Cantor und die „Drei Stooges“.
In den 1890er- und frühen 1900er-Jahren begleiteten „Song Slides“ populäre Lieder mit projizierten Glasbildern. Die Serien wurden mit Stereoptikon-Apparaten gezeigt und aufwendig mit Szenen, Modellen und Hintergründen inszeniert. In den 1910er Jahren bezeichnete Automatic Vaudeville Stummfilmvorführungen, oft in denselben Theatern; es gab auch Mischprogramme aus Nummern und Filmen.
Ab den 1920er Jahren verlor Vaudeville durch Tonfilm, Radio und die Große Depression der 1930er Jahre an Bedeutung. Keith-Albee und Orpheum Circuits Inc. fusionierten 1928 zur Keith-Albee-Orpheum Corporation und gingen 1929 in RKO Pictures auf; die Theater wurden zu Kinos umgewandelt.
Britische Bezeichnung
In Großbritannien und Frankreich hieß ein solcher Theatermix Music Hall. Charlie Chaplin und Stan Laurel gingen daraus hervor. In London erhielt „Vaudeville“ durch Stripshows und erotische Tänze einen anrüchigen Beiklang; in Amerika wurde dies Burlesque genannt. Freddie Frintons Fernsehsketch Dinner for One geht auf eine Vaudeville-Nummer zurück.