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F. Scott Fitzgerald
Als seine zwei wichtigsten Romane gelten The Great Gatsby (Der große Gatsby, 1925) und Tender is the Night (Zärtlich ist die Nacht, 1934). Der große Gatsby …
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Bedeutung und literarische Einordnung
Francis Scott Key Fitzgerald (24. September 1896 bis 21. Dezember 1940) war ein US-amerikanischer Schriftsteller und ein Hauptvertreter der amerikanischen Moderne. Neben Ernest Hemingway, Gertrude Stein, John Dos Passos und William Faulkner wird er außerdem mit der „Verlorenen Generation“ und dem Jazz Age verbunden.
Fitzgerald wurde vor allem durch seine Romane This Side of Paradise (Diesseits vom Paradies, 1920), The Great Gatsby (Der große Gatsby, 1925) und Tender Is the Night (Zärtlich ist die Nacht, 1934) bekannt. Als sein bedeutendstes Werk gilt heute meist Der große Gatsby. Der Roman wird als eines der wichtigsten Werke der amerikanischen Moderne und als „Great American Novel“ eingeordnet. Er behandelt Dekadenz, Ausschweifungen, Idealismus, den Widerstand gegen Veränderungen und soziale Umbrüche.
Der große Gatsby zeichnet ein Porträt der „Roaring Twenties“, der von wirtschaftlichem Wachstum, Prohibition, Kriminalität, Jazz und Flappers geprägten 1920er Jahre in den Vereinigten Staaten. Fitzgeralds Romane und viele seiner Erzählungen sind zu großen Teilen autobiographisch. Figuren beruhen auf ihm selbst, seiner Frau Zelda und gemeinsamen Freunden; teilweise verwendete er sogar Passagen aus Zeldas Tagebüchern.
Jugend, Studium und Militärdienst
Fitzgerald wurde in St. Paul, Minnesota, als Sohn von Edward und Molly Fitzgerald geboren. Beide Eltern waren gläubige Katholiken. Nach dem Verkauf der Möbelfabrik des Vaters und dessen späterem Verlust der Anstellung lebte die Familie ab 1908 wieder in St. Paul vom Vermögen der Mutter. Dadurch gehörte sie weiterhin zur oberen Mittelschicht.
Schon als Schüler schrieb Fitzgerald Theaterstücke, Lieder, Gedichte und Geschichten. Seine erste Kurzgeschichte, The Mystery of the Raymond Mortgage, erschien 1909 im Schulmagazin, als er 13 Jahre alt war. Seine schulischen Leistungen waren jedoch eher schwach. Er besuchte die St. Paul Academy und später die katholische Newman School in New Jersey, wo er vor allem durch seine Beiträge zum Schulmagazin auffiel.
Ab September 1913 studierte Fitzgerald an der Princeton University, schloss das Studium aber nicht ab. Dort lernte er Edmund Wilson und John Peale Bishop kennen, die für seine literarische Entwicklung wichtig wurden. Wilson bezeichnete Fitzgerald später als sein „intellektuelles Gewissen“. In Princeton erkannte Fitzgerald außerdem deutlich, dass die US-amerikanische Gesellschaft durch religiöse, wirtschaftliche, soziale und regionale Unterschiede geprägt war.
Von Dezember 1914 bis Januar 1917 hatte Fitzgerald eine Beziehung zu Ginevra King, einer wohlhabenden jungen Frau. Ihr Ende verstärkte sein Gefühl, dass soziale und finanzielle Grenzen die Heirat zwischen armen Männern und reichen Frauen verhinderten. Nach dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg meldete er sich im Mai 1917 zur Armee und wurde als second lieutenant der Infanterie eingestuft. Er kam jedoch nicht nach Europa. Während seines Militärdienstes begann er 1917 den Entwurf seines semi-autobiographischen Romans The Romantic Egotist.
Im Juli 1918 lernte er in Montgomery, Alabama, Zelda Sayre kennen. Er verliebte sich sofort in sie und wollte sie noch im selben Jahr heiraten. Zelda lehnte zunächst ab, weil Fitzgerald keine sichere finanzielle Zukunft bieten konnte. Nach einer kurzen Tätigkeit bei einer New Yorker Werbeagentur schrieb er weiter Kurzgeschichten, Drehbücher, Sketche und Gedichte. Eine Geschichte verkaufte er für 30 USD; zugleich sammelte er 122 Ablehnungsbriefe. 1919 überarbeitete er den Romanentwurf in St. Paul.
Früher Erfolg und das Leben der 1920er Jahre
Die ersten beiden Fassungen von The Romantic Egotist hatte Scribner’s abgelehnt. Die dritte Fassung mit dem neuen Titel This Side of Paradise wurde im September 1919 von Maxwell Perkins für den Verlag angenommen. Im Februar 1920 erhielt Fitzgerald für die Kurzgeschichte Head and Shoulders von The Saturday Evening Post ein Honorar von 500 USD. Im selben Jahr heirateten Zelda und Scott Fitzgerald in New York City, eine Woche nach der Veröffentlichung von Diesseits vom Paradies.
Der Roman machte den erst 23-jährigen Fitzgerald über Nacht berühmt. Besonders das Bild der jungen Generation nach dem Ersten Weltkrieg sowie die Darstellung der Flappers, also junger Frauen mit einer emanzipierten und modernen Lebensweise, fanden große Beachtung. Auch die Kurzgeschichtensammlung Flappers and Philosophers von 1920 war erfolgreich. Kurzgeschichten, Essays und Artikel wurden zu einer wichtigen Einnahmequelle. Fitzgerald erhielt für eine Kurzgeschichte gewöhnlich zwischen 1000 und 4000 USD; 1000 USD von 1925 entsprachen laut Artikel 12.423,91 USD im Jahr 2015. Er betrachtete diese Arbeiten jedoch hauptsächlich als Broterwerb, mit dem er seine Romane finanzierte.
Das Ehepaar wurde durch großzügige Interviews, auffällige Auftritte, Partys und die Berichterstattung der Presse zu einem Symbol seiner Generation. Gleichzeitig lebten beide verschwenderisch und waren trotz Fitzgeralds hoher Einkünfte ständig verschuldet. Fitzgeralds Alkoholprobleme begannen 1920. 1921 reiste das Paar durch Frankreich, Italien und England. Im Oktober desselben Jahres wurde die Tochter Frances Scott Fitzgerald, genannt Scottie, geboren.
1922 erschienen der Roman The Beautiful and Damned (Die Schönen und Verdammten) und die Sammlung Tales of the Jazz Age. Die Schönen und Verdammten wurde ordentlich besprochen und verkaufte sich gut, war aber literarisch nicht so vollendet, dass Fitzgerald damit endgültig als bedeutender Autor anerkannt worden wäre. In Great Neck auf Long Island beobachtete Fitzgerald die Unterschiede zwischen neu erworbenem und altem Reichtum. Diese gesellschaftliche Trennung wurde später im großen Gatsby durch die fiktiven Orte West Egg und East Egg gestaltet.
1924 zog die Familie an die französische Riviera. Während Fitzgerald an The Great Gatsby arbeitete, verschlechterte sich die Ehe unter anderem durch Zeldas Beziehung zu einem französischen Piloten. Der Roman erschien im April 1925, enttäuschte Fitzgerald aber zunächst durch mäßige Kritiken und Verkaufszahlen. Erfolgreicher war die Sammlung All the Sad Young Men von 1926. Im selben Zeitraum lernte Fitzgerald Ernest Hemingway kennen, den er als besseren Schriftsteller empfand. Hemingway kritisierte, Fitzgerald konzentriere sich nicht ausreichend auf sein eigentliches Talent und schreibe zu affektiert. Ab 1927 arbeitete Fitzgerald zeitweise in Hollywood.
Niedergang und letzte Arbeiten
In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre verschärften sich Fitzgeralds Alkoholismus, die finanziellen Probleme und die psychischen Erkrankungen Zeldas. Zelda erlitt 1930 einen schweren Nervenzusammenbruch und lebte 1930 und 1931 in einer Klinik im Schweizer Nyon. Nach einem weiteren Zusammenbruch wurde sie 1932 in Baltimore behandelt. Die Klinikaufenthalte belasteten die ohnehin angespannte finanzielle Lage zusätzlich.
Zelda schrieb den autobiographisch geprägten Roman Save Me The Waltz (Ein Walzer für mich), der die Ehe mit Scott Fitzgerald kritisch darstellte. Vor der Veröffentlichung 1932 ließen Scott Fitzgerald und Maxwell Perkins ohne Zeldas Einverständnis etwa 100 Seiten kürzen. Fitzgerald befürchtete weitere Konflikte und einen erneuten Nervenzusammenbruch seiner Frau. Eine von Zelda gewünschte Scheidung lehnte er wiederholt ab. Unter Biographen ist umstritten, ob Zelda eifersüchtig auf Scotts Erfolg war, seine Trunksucht förderte oder ihn absichtlich vom Schreiben abhielt.
Der Börsencrash von 1929 und die Great Depression veränderten außerdem das gesellschaftliche Umfeld. Fitzgeralds Name war stark mit der vergangenen Welt der Goldenen Zwanziger und dem Luxus der Reichen verbunden. Sein über mehrere Jahre entstandener Roman Tender Is the Night wurde 1934 weder bei Kritikern noch beim Publikum erfolgreich aufgenommen. Fitzgerald verfiel stärker dem Alkohol, war überschuldet und fühlte sich zeitweise außerstande zu schreiben. Diese depressive Phase bezeichnete er später als seine „Crack-Up-Phase“.
Ab 1937 wurde Fitzgerald allmählich wieder produktiver. Bis Ende 1938 arbeitete er für MGM in Hollywood und schrieb zugleich Kurzgeschichten, um Schulden abzubauen. Seine Ehe mit Zelda zerbrach endgültig. Im Sommer 1937 lernte er die Reporterin Sheilah Graham kennen, mit der er bis zu seinem Tod liiert blieb. 1939 begann er den unvollendeten Hollywood-Roman The Last Tycoon.
Fitzgerald starb am 21. Dezember 1940 nach zwei Herzinfarkten in West Hollywood im Alter von 44 Jahren. Er war zu diesem Zeitpunkt überzeugt, sein Lebensziel, ein bedeutender Autor seiner Zeit zu werden, verfehlt zu haben. The Last Tycoon wurde nach seinem Tod von Edmund Wilson für die Veröffentlichung bearbeitet. Zelda Fitzgerald starb 1948 bei einem Brand in einem Krankenhaus in Asheville.
Werke und Nachleben
Zu Fitzgeralds wichtigsten Romanen gehören Diesseits vom Paradies (1920), Die Schönen und Verdammten (1922), Der große Gatsby (1925) und Zärtlich ist die Nacht (1934). Zu seinen bedeutenden Erzählungssammlungen zählen Flappers and Philosophers (1920), Tales of the Jazz Age (1922), All the Sad Young Men (1926) und Taps at Reveille (1935). Außerdem schrieb er das Theaterstück The Vegetable or From President to Postman (1923), Essays, Notizen und Briefwechsel. The Last Tycoon erschien 1941 als unvollendeter Roman; The Crack-Up wurde 1945 als Sammlung von Essays und Notizen veröffentlicht.
Ab den 1940er Jahren wurde Fitzgeralds Werk wiederentdeckt. Im Zweiten Weltkrieg erhielten US-Soldaten Der große Gatsby als Lektüre. Literaturwissenschaftler untersuchten seine Texte auch im Zusammenhang mit amerikanischen Identitäten und dem Aufstieg der USA zur Weltmacht. Seine Reputation stieg in den folgenden Jahrzehnten stetig. Durch die kommerziell erfolgreiche Verfilmung von 1974 wurde Der große Gatsby weltweit zu einem Bestseller und gilt heute allgemein als eines der bedeutendsten Werke der amerikanischen Literatur.
Mehrere Werke Fitzgeralds wurden verfilmt, darunter The Beautiful and the Damned, Der große Gatsby, Zärtlich ist die Nacht, Der letzte Tycoon und Der seltsame Fall des Benjamin Button. Die bekanntesten Gatsby-Verfilmungen stammen von 1926, 1949, 1974 und 2013. Fitzgerald arbeitete außerdem in Hollywood an Drehbüchern mit. Sein Leben und besonders die Beziehung zu Zelda wurden in Filmen, Fernsehproduktionen, einer Serie, einem Musical und Stewart O’Nans Roman Westlich des Sunset verarbeitet.