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Der Untergang des Römischen Reiches
Der Untergang des Römischen Reiches (Originaltitel: The Fall of the Roman Empire) ist ein historisierender US-amerikanischer Monumentalfilm von Anthony Mann …
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Überblick
Der Untergang des Römischen Reiches ist ein historisierender US-amerikanischer Monumentalfilm von Anthony Mann aus dem Jahr 1964. Der Originaltitel lautet The Fall of the Roman Empire. Der Film ist 173 Minuten lang, wurde in englischer Sprache produziert und ist in Deutschland ab 12 Jahren freigegeben. Im Mittelpunkt stehen Liebeskonflikte, Machtkämpfe und politische Intrigen im Römischen Reich um das Jahr 180 nach Christus.
Der Film will den Niedergang des Römischen Reiches erklären, stellt diesen langen historischen Prozess aber stark verkürzt dar. Statt mehrere Jahrhunderte römischer Geschichte zu behandeln, konzentriert er sich auf etwa zwölf Jahre: das Ende der Herrschaft des Kaisers Marcus Aurelius und die anschließende Willkürherrschaft seines Sohnes Commodus. Damit nutzt der Film eine einzelne Herrscherfolge als Beispiel für Korruption, Machtmissbrauch und den Verlust politischer Ordnung.
Handlung
Zu Beginn hat Kaiser Marcus Aurelius an den Nordgrenzen des Römischen Reiches einen langen Krieg gegen sogenannte barbarische Stämme beendet. Der alte und kriegsmüde Kaiser möchte seinem Reich einen dauerhaften Frieden bringen und verkündet die Pax Romana, also einen römischen Friedenszustand. Er hält seinen Sohn Commodus nicht für geeignet, ein guter Kaiser zu werden. Deshalb will er den Militärtribun Livius, einen engen Freund des Commodus und Geliebten seiner Tochter Lucilla, zu seinem Nachfolger machen.
Bevor Marcus Aurelius diesen Plan offiziell verkünden kann, wird er von Anhängern des Commodus vergiftet. Commodus selbst weiß davon nicht. Lucilla hat auf Wunsch ihres Vaters den König von Armenien geheiratet, obwohl sie Livius liebt. Diese Ehe soll den Frieden mit dem Osten sichern. Nach dem Tod des Kaisers übernimmt Commodus die Macht. Er wird als größenwahnsinnig und rücksichtslos dargestellt und treibt Rom immer weiter in den Untergang.
Wegen hoher Abgaben erheben sich die Ostprovinzen. Livius wird ausgesandt, um den Aufstand niederzuschlagen. Dort erkennt er, dass Lucilla die treibende Kraft hinter der Rebellion ist. Sie versucht, ihn auf ihre Seite zu ziehen, doch Livius bleibt trotz seiner Liebe zu ihr loyal gegenüber Rom und gewinnt den Feldzug.
Später erkennt Livius, dass Commodus aufgehalten werden muss. Lucilla unterstützt ihn nun. Livius kann Commodus stoppen, sieht aber zugleich, dass nicht nur Commodus verdorben ist: Rom selbst ist bereits von Korruption geprägt. Am Ende wenden sich Livius und Lucilla von Rom ab. Das Kaiseramt wird an den Meistbietenden versteigert. Dies zeigt im Film deutlich, dass die politische Ordnung zerfällt und Rom unaufhaltsam dem Untergang entgegengeht.
Historische Einordnung
Der Film hat einen historischen Rahmen, erzählt aber keine genaue Darstellung der tatsächlichen Ereignisse. Der Niedergang des Römischen Reiches war in Wirklichkeit ein sehr langer und komplexer Prozess, der sich über Hunderte von Jahren erstreckte. Der Film macht daraus eine stark vereinfachte Beispielgeschichte über Marcus Aurelius, Commodus und die innere Korruption Roms.
Wichtige Teile der Handlung sind frei erfunden. Marcus Aurelius wurde historisch nicht vergiftet, sondern starb in Vindobona oder Sirmium an einer Krankheit. Die zentrale Figur Livius ist fiktiv. Historisch belegt sind dagegen Marcus Aurelius, Commodus und Commodus’ Schwester Lucilla.
Auch Lucillas Darstellung weicht stark von der Geschichte ab. Der Historiker Allen M. Ward hält den fiktiven Livius im Film für realistischer gezeichnet als Lucilla. Die historische Annia Aurelia Galeria Lucilla war zur Zeit ihrer Zwangsheirat bereits Witwe; ein Leben als Vestalin hatte sie vermutlich nie ernsthaft erwogen. Ihr im Film gezeigter Hass auf ihre Mutter Faustina ist nicht durch historische Quellen belegt. Wahrscheinlicher ist, dass Mutter und Tochter gemeinsam versuchten, Lucillas Verheiratung mit Pompeianus zu verhindern.
Lucilla wurde bereits 182 beschuldigt, an einer Verschwörung gegen Commodus beteiligt gewesen zu sein. Sie wurde nach Capri verbannt und hingerichtet. Damit starb sie zehn Jahre vor Commodus, während sie ihn im Film überlebt. Auch Commodus’ Tod wird verändert: Historisch starb er nicht in einem Zweikampf, sondern wurde in seinem Bad von einem Athleten namens Narcissus erdrosselt.
Bei Kostümen und Ausstattung achteten die Macher teilweise wenig auf archäologische Genauigkeit, besonders bei militärischer Ausrüstung und bei den nur leicht antikisierenden Gewändern von Sophia Loren. Positiv hervorgehoben wird jedoch die Rekonstruktion des Forum Romanum: Die Kulisse vermittelt nach dem Artikel einen weitgehend zutreffenden Eindruck der Bauten.
Entstehung und Besetzung
Produzent Samuel Bronston stellte den Film für Paramount Pictures her. Gedreht wurde in Spanien, aufgenommen wurde in Ultra Panavision. Für Regisseur Anthony Mann war es nach seinem kurzen Einsatz bei Spartacus der zweite antike Monumentalfilm. Stephen Boyd war nach Ben Hur erneut in einem Wagenrennen zu sehen.
Die Produktion war sehr aufwendig. Es wurden 1500 Pferde und große Menschenmengen eingesetzt. Auf einem 94 Hektar großen Privatgelände Bronstons nahe Madrid entstand eine der größten Kulissen der Filmgeschichte: 27 Gebäude des Forum Romanum und ein Teil der Via Appia wurden von über 1000 Arbeitern nachgebaut.
Zur prominenten Besetzung gehörten Sophia Loren als Lucilla, Stephen Boyd als Livius, Christopher Plummer als Commodus, Alec Guinness als Marcus Aurelius, James Mason als Timonides und Omar Sharif als Sohamus. Die deutsche Synchronisation entstand 1964 bei der Rank Film Synchronproduktion in Berlin. Hans Joachim Szelinski schrieb das Dialogbuch, Edgar Flatau führte Synchronregie.
Alec Guinness schrieb später in seiner Autobiographie Blessings in Disguise von 1985, er habe nie mehr als 20 Minuten des fertigen Films gesehen. Während des Flugs nach Spanien habe er Korrekturen am Drehbuch vorgenommen, weil ihm sein Text lächerlich erschienen sei. Christopher Plummer kritisierte das Drehbuch ebenfalls und nannte es hölzern und stumpfsinnig. Plummer berichtete außerdem von Wutausbrüchen Anthony Manns gegenüber Assistenten und Statisten, während Mann mit den Stars wohlwollend umgegangen sei.
Erfolg, Kritik und Auszeichnungen
An den Kinokassen war Der Untergang des Römischen Reiches ein Misserfolg. Die Verluste betrugen 14,3 Millionen US-Dollar und führten zum Bankrott des Produzenten Samuel Bronston. Trotz dieses Misserfolgs gilt der Film heute als Genreklassiker.
Die Bewertungen fielen unterschiedlich aus. Rotten Tomatoes nennt im Artikel einen Tomatometer-Wert von 93 %. Das Lexikon des internationalen Films kritisiert den Film als aufwendig ausgestatteten Abenteuerfilm mit üblicher Geschichtsklitterung. Einige spannende Szenen könnten die Mischung aus pathetischer Redseligkeit und Schlachten-Panoramen nicht aufwiegen. Cinema beschreibt ihn als „wuchtig-melancholischen Hollywood-Pomp“. Prisma lobt die erstklassige Besetzung. Der Bayerische Rundfunk würdigte den Film 2022 als Meisterwerk des Monumentalfilms, das neben Ben Hur und Spartacus bestehen könne.
Der Guardian urteilte 2024 deutlich kritischer. Er sah in dem schwermütigen Kassenflop einen Film, der das römische Epos für Jahrzehnte geschwächt habe. Märsche, Prozessionen und Schlachten stünden über erzählerischer Kohärenz. Sophia Loren und Stephen Boyd brächten Glamour ohne Chemie, während Christopher Plummers Leistung als zunehmend geistesgestörter Commodus in der Mischung untergehe.
1965 gewann der Film den Golden Globe in der Kategorie Beste Filmmusik. Im selben Jahr war er für den Oscar in der Kategorie Beste Filmmusik nominiert.
Spätere Adaption
Fast 40 Jahre später drehte Ridley Scott den Film Gladiator. Dieser übernahm nach dem Artikel den historischen Rahmen, die Personenstruktur und verschiedene Motive aus Der Untergang des Römischen Reiches. Auch dort entsteht ein Konflikt zwischen einem erfolgreichen Feldherrn und Commodus, nachdem Marcus Aurelius vor seiner Ermordung nicht Commodus, sondern den Feldherrn zu seinem Nachfolger machen wollte.
Die weiteren Handlungen der beiden Filme unterscheiden sich deutlich. Ähnlich ist jedoch das Ende: In beiden Filmen kommt es zu einem Zweikampf zwischen Commodus und Livius beziehungsweise Maximus. Dieser Kampf endet mit dem Tod des Kaisers; in Gladiator stirbt zusätzlich auch Maximus.