Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Demografie der Volksrepublik China

In der mittleren Bevölkerungsprognose der Vereinten Nationen wird von einer Bevölkerung von 1,364 Milliarden im Jahre 2050 ausgegangen. 2100 soll die …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grunddaten und räumliche Verteilung
  2. 2. Historische Entwicklung und Volkszählungen
  3. 3. Geburtenkontrolle, Fertilität und Alterung
  4. 4. Aktuelle Kennzahlen und Zukunft
  5. 5. Ethnien, Migration und Religion
  6. 6. Gesundheit und Urbanisierung

Grunddaten und räumliche Verteilung

Die Demografie der Volksrepublik China beschreibt Größe, Zusammensetzung, Verteilung und Entwicklung der Bevölkerung des Landes. China ist nach Indien das Land mit der zweitgrößten Bevölkerungszahl der Welt. Für 2018 wurden unterschiedliche Werte genannt: 1,415 Milliarden Menschen nach den Vereinten Nationen, 1,384 Milliarden nach der CIA und 1,395 Milliarden nach dem Staatlichen Amt für Statistik der Volksrepublik China. Die Volkszählung 2020 ergab 1,412 Milliarden Einwohner. Diese Zahl wird jedoch von einigen Experten als stark übertrieben angezweifelt; nach dieser Einschätzung könnte die tatsächliche Bevölkerung 2020 etwa 10 % niedriger, also bei rund 1,28 Milliarden Menschen, gelegen haben.

Mit 151 Personen pro km² liegt China bei der Bevölkerungsdichte im weltweiten Mittelfeld. Die Bevölkerung ist sehr ungleich verteilt: Besonders dicht besiedelt sind die Küstengebiete, während das Innere Chinas dünn besiedelt ist. Eine zentrale Herausforderung ist, dass das Land etwa 20 % der Weltbevölkerung mit nur 10 % der weltweiten Ackerflächen ernähren muss. Die Regierung führt alle 10 Jahre eine Volkszählung für das chinesische Festland durch; 2020 fand die sechste nationale Volkszählung statt. Nach ihr waren 91,1 % der Bevölkerung Han-Chinesen und 8,9 % Angehörige ethnischer Minderheiten. Das Bevölkerungswachstum ist inzwischen negativ, und China befindet sich in einem demografischen Übergang zu einer älteren Bevölkerungsstruktur.

Historische Entwicklung und Volkszählungen

China hatte um 1990 betrachtet historisch immer mindestens 15 % Anteil an der Weltbevölkerung. Während der Han-Dynastie schwankte die Einwohnerzahl zwischen 30 und 86 Millionen. Nach dem Zusammenbruch der Han-Dynastie blieb sie bis zum Aufkommen der Tang-Dynastie bei rund 50 Millionen. In der Tang-Zeit stieg sie in etwa 200 Jahren von 45 auf 80 Millionen. Zu Beginn der Song-Dynastie lag sie bei über 100 Millionen. Nach der Ming-Dynastie und in der frühen Qing-Zeit wuchs sie bis 1700 von 100 auf 150 Millionen; zwischen 1749 und 1851 verdoppelte sich die Bevölkerung. Damals lebte mehr als ein Drittel der Menschheit im heutigen China.

Unter Mao Zedong verdoppelte sich die Bevölkerung beinahe: von 540 Millionen im Jahr 1949 auf 969 Millionen im Jahr 1979. In diese Zeit fällt die große chinesische Hungersnot von 1958 bis 1961, eine der größten demografischen Katastrophen der chinesischen Geschichte, mit schätzungsweise 15 bis 40 Millionen Toten. Erst mit der Ein-Kind-Politik verlangsamte sich das Wachstum deutlich. 2015 erreichte die Bevölkerung mit 1,4 Milliarden ihren historischen Höchststand.

Die Volksrepublik China führte 1953 ihre erste Volkszählung durch. Weitere Zählungen folgten 1964, 1982, 2000, 2010 und 2020. Die Volkszählung von 1982 gilt als erste nach modernen Standards durchgeführte Zählung und als Meilenstein der demografischen Erfassung Chinas und der Weltbevölkerung; sie bestätigte erstmals, dass mehr als eine Milliarde Menschen in China leben. Die Zählung 2020 war die bisher größte Volkszählung der Menschheitsgeschichte. Die nächste Volkszählung ist für 2030 vorgesehen.

Geburtenkontrolle, Fertilität und Alterung

Nach 1949 betrachtete die chinesische Führung eine große Bevölkerung zunächst ideologisch als Vorteil. Bald wurde jedoch sichtbar, dass schnelles Bevölkerungswachstum Entwicklungsprobleme verursachte. Ab August 1956 wurden Programme zur Geburtenkontrolle unterstützt, zunächst mit geringem Einfluss. Nach dem Großen Sprung nach vorn wuchs das Interesse an Geburtenkontrolle erneut. In den frühen 1960er Jahren warb man besonders für späte Ehe; 1964 entstanden Geburtenkontrollbüros. Zwischen 1963 und 1966 halbierte sich in Städten die Geburtenrate, doch die Kulturrevolution brachte das Programm zum Erliegen.

1972 und 1973 organisierte die Kommunistische Partei eine landesweite Geburtenkontrolle. In Städten und auf dem Land wurden Verwaltungsstrukturen aufgebaut; auf dem Land verteilten „barfüßige Ärzte“ Informationen und Verhütungsmittel. Um 1975 wurden maximal zwei Kinder in Städten und drei oder vier Kinder auf dem Land empfohlen. 1979 führte die Regierung eine Ein-Kind-Grenze für Stadt und Land ein, mit maximal zwei Kindern unter besonderen Umständen. Ab 1986 galt für Minderheiten meist eine Grenze von zwei Kindern pro Paar, drei unter besonderen Umständen und keine Begrenzung für ethnische Gruppen mit sehr geringer Bevölkerungszahl. Ziel war, die Bevölkerung im Jahr 2000 auf 1,2 Milliarden zu beschränken.

Die Ein-Kind-Politik verband öffentliche Aufklärung, sozialen Druck und teils Zwang mit wirtschaftlichen Vor- und Nachteilen. Paare mit nur einem Kind konnten ein „Ein-Kind-Zertifikat“ erhalten, das Geldleistungen, längeren Mutterschaftsurlaub, bessere Kinderbetreuung und bevorzugte Wohnungen brachte. In ländlichen Gebieten wurden Haushalte regelmäßig kontrolliert; Berichten zufolge wurden unverheiratete junge Menschen zum Aufschieben der Ehe gedrängt, Frauen mit nicht genehmigten Schwangerschaften zu Abtreibungen gezwungen und Paare mit mehr als einem Kind zur Sterilisation aufgefordert. Die Politik verlangsamte das Bevölkerungswachstum stark, wurde in Städten aber deutlich strenger durchgesetzt als auf dem Land.

Umstritten ist, ob der Geburtenrückgang nach 1980 vor allem auf staatliche Politik oder auf die allgemeine Modernisierung Chinas zurückgeht. Kritisiert wird, dass das Zwangssystem zum heutigen Männerüberschuss beitrug, weil viele Eltern weibliche Föten abtreiben ließen. 2010 kamen bei der Geburt 118,06 Jungen auf 100 Mädchen; in vielen westlichen Ländern liegt der Wert bei 105 Jungen auf 100 Mädchen. 2014 gab es in China etwa 34 Millionen mehr Männer als Frauen. Die Fertilitätsangaben sind uneinheitlich: Die Volkszählung 2010 ergab 1,18 Kinder pro Frau, das Ministerium für Gesundheit und Familienplanung schätzte 1,5 bis 1,6, die UN 1,6. Wegen des Männerüberschusses wäre laut Artikel langfristig eine Rate über 2,1 nötig, um die Bevölkerungszahl stabil zu halten. 2015 wurde die Ein-Kind-Politik abgeschafft und durch eine Zwei-Kind-Politik ersetzt; 2021 folgte eine Drei-Kind-Politik. 2020 wurden Berichte über verstärkte Geburtenkontrolle gegen Kasachen und Uiguren in Xinjiang bekannt, darunter Sterilisierungen internierter Personen und erzwungene Abtreibungen.

Aktuelle Kennzahlen und Zukunft

Die jährlichen Daten zu Geburten und Todesfällen zeigen den langfristigen Übergang von starkem Wachstum zu Schrumpfung. 1950 hatte China 546,815 Millionen Einwohner, 20,232 Millionen Geburten, 9,843 Millionen Todesfälle und eine natürliche Zunahme von 10,389 Millionen; die Fertilität lag bei 5,29 Kindern pro Frau. 1960 war die natürliche Änderung während der Hungersnot negativ: 13,915 Millionen Geburten standen 16,964 Millionen Todesfällen gegenüber, also −3,049 Millionen. 1980 betrug die Fertilität 2,32, 2000 noch 1,45. 2020 wurden 12,050 Millionen Geburten, 10,010 Millionen Todesfälle und eine natürliche Zunahme von 2,040 Millionen verzeichnet, bei einer Fertilität von 1,30. Ab 2022 war die natürliche Änderung negativ: 2022 −850.000, 2023 −2,080 Millionen und 2024 −1,390 Millionen.

Weitere CIA-Schätzungen für 2018 nennen eine Bevölkerung von 1.384.688.986, eine Wachstumsrate von 0,37 %, ein Medianalter von 37,7 Jahren, eine Geburtenrate von 12,1 je 1.000 Einwohner, eine Sterberate von 8,0 je 1.000 Einwohner und eine Netto-Migrationsrate von −0,4 je 1.000 Einwohner. Die Lebenserwartung bei Geburt lag nach CIA-Schätzung bei 75,8 Jahren, für Männer bei 73,7 und für Frauen bei 78,1 Jahren. Die Alphabetisierungsrate wurde 2015 auf 96,4 % geschätzt.

Für die Zukunft erwartet die mittlere Bevölkerungsprognose der Vereinten Nationen 1,364 Milliarden Menschen im Jahr 2050 und etwa 1 Milliarde im Jahr 2100, also ungefähr wieder das Niveau der 1980er Jahre. Weitere erwartete Entwicklungen sind fortschreitende Urbanisierung, ein hoher Männerüberschuss in jüngeren Altersgruppen, eine sinkende Zahl von Arbeitskräften und eine stark steigende Zahl von Rentnern. Bis 2050 könnte der Anteil der über 60-Jährigen auf 35,1 % steigen, das wären etwa 430 Millionen Menschen.

Ethnien, Migration und Religion

Die Volksrepublik China erkennt offiziell 56 ethnische Gruppen an. Die größte Gruppe sind die Han, die 2020 91,1 % der Bevölkerung ausmachten und damit die größte ethnische Gruppe der Welt bilden. Sie stellen in allen Provinzen die Mehrheit außer in Xinjiang und Tibet. Ethnische Minderheiten machten 2020 8,9 % oder 125 Millionen Menschen aus. Ihr Anteil stieg von 6,1 % im Jahr 1953 auf 8,04 % im Jahr 1990, 8,47 % im Jahr 2000 und 8,4 % im Jahr 2010. Wichtige Minderheiten nach der Volkszählung von 2010 sind unter anderem Zhuang, Hui, Mandschu, Uiguren, Miao, Yi, Tujia, Tibeter und Mongolen. In China werden 297 verschiedene Sprachen und Dialekte gesprochen. Mandarin ist Amtssprache, wird von etwa 900 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen und von vielen als Zweitsprache gelernt. Weitere wichtige Sprachen sind Wu, Kantonesisch und Min Nan.

Der Ausländeranteil in China gehört zu den niedrigsten der Welt. Die Volkszählung 2010 zählte 234.829 Einwohner aus Hongkong, 21.201 aus Macau, 170.283 aus Taiwan und 593.832 aus anderen Orten, insgesamt 1.020.145 Personen. Viele Menschen chinesischer Herkunft leben im Ausland; ihre Zahl wird auf etwa 50 Millionen geschätzt. Historisch war Südostasien ein wichtiges Ziel, heute leben viele chinesische Migranten auch in Nordamerika, Australien, Europa und zunehmend Afrika. 2017 lebten die meisten in China geborenen Einwanderer in den Vereinigten Staaten, Japan, Kanada, Südkorea und Australien. 2015 studierten mehr als 500.000 Studenten aus der Volksrepublik China im Ausland.

Die Regierung ist offiziell atheistisch, erkennt aber fünf Religionen an: Buddhismus, Taoismus, Katholizismus, Protestantismus und Islam. Konfuzianismus und chinesische Volksreligionen wurden im frühen 21. Jahrhundert als Teil des kulturellen Erbes anerkannt. Laut CIA-Schätzungen waren 21,9 % Anhänger chinesischer Volksreligionen, 18,2 % Buddhisten, 5,1 % Christen, 1,8 % Muslime und 0,7 % Angehörige anderer Religionen. 52,2 % gehörten keiner religiösen Gruppe an. Religiöse Minderheiten sind laut Artikel weiterhin von Repression und Verfolgung betroffen.

Gesundheit und Urbanisierung

Die chinesische Gesundheitspolitik wird von der Nationalen Gesundheits- und Familienplanungskommission und den örtlichen Kommissionen geprägt. Seit den frühen 1950er Jahren lag ein Schwerpunkt auf öffentlicher Gesundheit und Prävention, also Vorbeugung von Krankheiten. Die Patriotische Gesundheitskampagne sollte Hygiene verbessern und Krankheiten wie Cholera, Typhus und Scharlach behandeln oder verhindern; diese Krankheiten wurden dadurch nahezu ausgerottet. Nach Deng Xiaopings Wirtschaftsreformen ab 1978 verbesserte sich die Gesundheit durch bessere Ernährung rasch, zugleich verschwanden viele kostenlose Gesundheitsdienste auf dem Land mit den Volkskommunen. 2009 startete die Regierung eine dreijährige Gesundheitsinitiative mit Investitionen von 124 Milliarden US-Dollar; 2011 hatten 95 % der Bevölkerung einen grundlegenden Krankenversicherungsschutz.

Die Lebenserwartung stieg stark: von 43,8 Jahren in der Periode 1950–1955 auf 75,7 Jahre in der Periode 2010–2015. 2016 betrug die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt 76,3 Jahre. Die Säuglingssterblichkeit lag 2018 bei 0,7 %. Wachstumsstörungen bei Kleinkindern durch Unterernährung sanken von 33,1 % im Jahr 1990 auf 9,9 % im Jahr 2010. Probleme bleiben Luftverschmutzung, viele Zigarettenraucher, zunehmende Adipositas städtischer Jugendlicher und Seuchenausbrüche. 2010 verursachte Luftverschmutzung 1,2 Millionen Todesfälle. Ende 2019 begann in Zentralchina der Ausbruch von SARS-CoV-2, der zur weltweiten COVID-19-Pandemie führte.

Die Urbanisierung, also der wachsende Anteil der Stadtbevölkerung, setzte besonders nach der wirtschaftlichen Liberalisierung und Industrialisierung ab den 1980er Jahren ein. Bis 1979 hatte die Regierung die städtische Bevölkerung begrenzt. Seitdem zogen mehrere hundert Millionen Menschen in Städte, darunter viele Wanderarbeiter aus inneren Provinzen wie Sichuan oder Yunnan in die Küstenstädte. Ihre Zahl wird auf über 200 Millionen geschätzt. 2017 lebten etwa 58 % der Bevölkerung in Städten, das waren 803 Millionen Menschen und damit die größte städtische Bevölkerung der Welt. Das Houkou-System benachteiligt viele jüngere städtische Migranten, weil sie von staatlichen Dienstleistungen ausgeschlossen bleiben. Bis 2030 werden weitere 250 Millionen Migranten in chinesischen Städten erwartet, wodurch die Stadtbevölkerung auf 1 Milliarde steigen könnte. Shenzhen steht beispielhaft für diesen Wandel: Die Stadt wuchs von einem Fischerdorf mit 3.000 Bewohnern zu einer Megastadt mit über 10 Millionen Einwohnern.

Weiterlesen

Volksrepublik China Grenzübergang zwischen Vietnam und China, Seitdem ist es zu massiver Binnenmigration aus den ländlichen Räumen in die Ballungszentren gekommen. Die Volkszä … Vereinte Nationen Die Vereinten Nationen (kurz VN; englisch United Nations, kurz UN; auch Organisation der Vereinten Nationen (OVN) oder UNO (von englisch United Nations … Central Intelligence Agency Die Central Intelligence Agency (zu deutsch Zentrale Nachrichtendienstagentur), offizielle Abkürzung CIA, ist ein Auslandsgeheimdienst der Vereinigten … Bevölkerungsdichte Die Bevölkerungsdichte oder Einwohnerdichte ist eine sozialwissenschaftliche Kennzahl, die die mittlere Anzahl der Einwohner pro Fläche für ein bestimmtes … Demografischer Übergang Das Modell des demografischen Übergangs ist im wissenschaftlichen Sinn keine Theorie, sondern eine modellhafte Beschreibung der Bevölkerungsentwicklung. Es geht … Ein-Kind-Politik Die Ein-Kind-Politik (chinesisch 一孩政策, Pinyin Yīhái Zhèngcè) war eine Politik zur Kontrolle des Bevölkerungswachstums in der Volksrepublik China, … Peking Das gesamte 16.411 Quadratkilometer (fast so groß wie Thüringen) große Verwaltungsgebiet Pekings hat 21.893.095 Einwohner (Stand: Zensus 2020). Der größte Teil … Shanghai Shanghai, auch Schanghai (chinesisch 上海, Pinyin) ist die bedeutendste Industriestadt der Volksrepublik China und eine der größten Städte der Welt. Chongqing Die urbane Agglomeration wurde 2017 von den UN auf 14,3 Millionen Einwohner geschätzt. Die Fläche des Verwaltungsgebietes ist mit 82.403 km² annähernd so groß … Überbevölkerung Nach Angaben der Food and Agricultural Organization of the United Nations ist der Waldverlust unter anderem durch Armut, sogenanntes Landgrabbing ... Geographie ) … Großer Sprung nach vorn Mit Hilfe dieser Kampagne sollten die drei großen Unterschiede Land und Stadt, Kopf und Hand sowie Industrie und Landwirtschaft eingeebnet, der Rückstand zu den … Muttersprache Als Muttersprache bezeichnet man eine vom Sprecher in der frühen Kindheit ohne formalen Unterricht erlernte Sprache. Das Wort wird oft im Sinne der …