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Überbevölkerung

Nach Angaben der Food and Agricultural Organization of the United Nations ist der Waldverlust unter anderem durch Armut, sogenanntes Landgrabbing ... Geographie ) …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Bedeutung
  2. 2. Probleme und Beispiele
  3. 3. Weltweite Lage
  4. 4. Menschenrechte und Bevölkerungspolitik
  5. 5. Kritik und Streitpunkte

Grundbegriff und Bedeutung

Überbevölkerung, auch Übervölkerung, bezeichnet heute einen Zustand, in dem die Anzahl der Lebewesen die ökologische Tragfähigkeit ihres Lebensraums überschreitet. Beim Menschen geht es um die Beziehung zwischen der Größe der menschlichen Bevölkerung und dem verfügbaren Lebensraum auf der Erde. Der Begriff wird auch in den Sozialwissenschaften verwendet, besonders in Demografie und Bevölkerungsgeografie.

Eine allgemein anerkannte Definition gibt es nicht. Umstritten ist, nach welchen Kriterien man Überbevölkerung misst: etwa Bevölkerungsdichte, Selbstversorgungsgrad, Flächenverbrauch, Umweltschäden oder Lebensqualität. Deshalb kann von globaler, regionaler oder lokaler Überbevölkerung gesprochen werden. Eine weite Definition sieht Überbevölkerung schon dann, wenn einer Bevölkerung bei ihrem gewünschten Lebensstil keine nachhaltige Lebensweise mehr möglich ist. Eine enge Definition spricht erst dann von Überbevölkerung, wenn bereits Engpässe bei Nahrungsmitteln, Wasser oder Energie auftreten und das Überleben der Bevölkerung bedroht ist.

Probleme und Beispiele

Einige Wissenschaftler sehen Überbevölkerung als eines der zentralen Probleme der Menschheit. Sie verbinden starkes Bevölkerungswachstum, besonders in Entwicklungsländern, mit Armut, Hunger, Arbeitslosigkeit und dem Wachstum von Slums. Als „Bevölkerungsexplosion“ gilt besonders rasches Bevölkerungswachstum von jährlich mehr als 2,5 %. Auch Umweltprobleme werden im Zusammenhang mit Bevölkerungswachstum diskutiert, etwa Flächenverbrauch, Erdölverbrauch, Überfischung, Entwaldung, Wasserverbrauch und Schadstoffausstoß.

Ein Beispiel ist Waldverlust. Entwaldung bedeutet die Umwandlung von Waldflächen in andere Nutzungsformen. Nach Angaben der Food and Agricultural Organization of the United Nations hängt sie unter anderem mit Armut, Landgrabbing und starkem Bevölkerungswachstum zusammen. In vielen ärmeren afrikanischen Ländern rodeten Menschen Wald, weil die vorhandene Ackerfläche für wachsende Familien nicht mehr reichte. Das kann langfristig neue Probleme schaffen, weil Wald vor Bodenerosion, Überschwemmungen und Lawinen schützt und oft die wichtigste Quelle für Heizmaterial ist.

Ein weiteres Beispiel ist Wasserverfügbarkeit, also die Menge an Süßwasser, die einer Person pro Jahr zur Verfügung steht. Daraus ergeben sich Begriffe wie Wasserknappheit, Wassermangel, Wassernotstand und Wasserkrise. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung bezeichnete Wassermangel 2013 als eines der zentralen Probleme der Gegenwart. Nach Vorausberechnungen der Vereinten Nationen könnte bei gleichbleibendem Bevölkerungswachstum die Zahl der durch Wassermangel bedingten Todesfälle stark steigen; außerdem werden bewaffnete Konflikte um Wasser befürchtet. Für 2010 wurden 71 % der Weltbevölkerung mit ausreichender Wasserverfügbarkeit, 23 % mit Wasserknappheit und 6 % mit gefährlichem Wassermangel angegeben. Für 2050 wurden 55 %, 22 % und 23 % genannt.

Weltweite Lage

2016 wuchs die Weltbevölkerung um mehr als 1,5 Millionen Menschen pro Woche. Obwohl die Geburtenraten in den meisten Ländern sinken, blieb dieser Zuwachs seit etwa 15 Jahren nahezu unverändert. Im weltweiten Durchschnitt bekam eine Frau 2,5 Kinder; 2,1 Kinder wären nötig, um die Weltbevölkerung konstant zu halten.

Stand April 2020 wuchs die Weltbevölkerung mit etwa 1,05 % pro Jahr. Zum Vergleich: 2019 waren es 1,08 %, 2018 1,10 % und 2017 1,12 %. Das durchschnittliche jährliche Bevölkerungswachstum wurde auf 81 Millionen Menschen geschätzt. Laut UNO lag die Weltbevölkerung 2020 bei 7.794.798.739 Menschen, mit einer Fertilitätsrate von 2,47 Kindern pro Frau, einem Durchschnittsalter von 31 Jahren und 52 Personen pro Quadratkilometer. 1955 waren es 2.773.019.936 Menschen, mit einer Fertilitätsrate von 4,97 und 19 Personen pro Quadratkilometer.

Die Fertilität, also die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau, sinkt weltweit. In Asien sank sie von 2,3 Kindern pro Frau im Zeitraum 2005–2010 auf 2,2 im Zeitraum 2010–2015. In Afrika, dem Kontinent mit der höchsten Fertilität, bekam eine Frau derzeit 4,7 Kinder, nach 4,9 im Zeitraum 2005–2010. Europa ist die einzige Region mit leicht steigender Fertilität: 2016 waren es 1,6 Kinder pro Frau, nach 1,55 im Zeitraum 2005–2010. Als Gründe für sinkende Fertilität nennt der Artikel unter anderem staatliche Bevölkerungspolitik und die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen, die Zugang zu sexueller Aufklärung und Verhütungsmitteln schaffen. In vielen Ländern fehlt Frauen jedoch weiterhin der Zugang zur Familienplanung.

Menschenrechte und Bevölkerungspolitik

Seit den 1960er Jahren wurde Reproduktivität in Bezug auf Überbevölkerung auf Ebene der Vereinten Nationen unter dem Oberbegriff der Menschenrechte behandelt. Die Proklamation von Teheran vom 13. Mai 1968 hielt fest, dass jedes Paar das Grundrecht haben solle, frei über die Anzahl der Kinder und die Abstände zwischen Geburten zu entscheiden. Dieses Prinzip wurde in den Aktionsprogrammen der Weltbevölkerungskonferenzen 1974 in Bukarest, 1984 in Mexiko-Stadt und 1994 in Kairo bestätigt. In der Frauenkonvention von 1979 wurde das Recht auf Familienplanung erstmals verbindlich festgeschrieben.

Wichtige Maßnahmen gegen starkes Bevölkerungswachstum sind bessere Bildungschancen für Mädchen, Zugang zu Verhütungsmitteln, sexuelle Aufklärung, Familienplanung und die Stärkung der rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Stellung von Frauen. Joel E. Cohen betonte die Bedeutung sekundärer Bildung für Mädchen, weil sie dadurch ihre Fertilität planen, das Überleben ihrer Kinder sichern und die Gesundheit der Familie verbessern könnten. Auf globaler Ebene findet seit 1954 alle zehn Jahre eine Weltbevölkerungskonferenz der UNO statt.

Einzelne Länder gingen sehr unterschiedlich vor. Im Iran unterstützten muslimische Geistliche zeitweise das nationale Familienplanungsprogramm; 2004 hatte Iran eine der höchsten Verhütungsraten islamischer Länder. 2011 sprach sich Präsident Ahmadineschad dagegen für eine Abschaffung der Familienplanung aus. Auf den Philippinen verhinderte starker katholischer Widerstand 2003 ein Gesetz zur staatlichen Finanzierung von Kondomen und anderen Verhütungsmitteln. In Indien setzte die Regierung auf Aufklärung, Verhütungsmittel und das Ziel von höchstens zwei Kindern pro Familie; 2013 wurden in Nordindien Preise für freiwillige Sterilisationen ausgelobt. China führte seit Anfang der 1970er Jahre die Ein-Kind-Politik ein, mit Vergünstigungen, Benachteiligungen und in der Anfangsphase auch Zwangsmaßnahmen. Sie wurde Ende Oktober 2015 offiziell beendet; seit Mai 2021 sollten verheiratete Paare bis zu drei Kinder bekommen dürfen. In Ruanda blieb eine geplante Drei-Kinder-Politik Empfehlung; zugleich sanken durch Gesundheitssystemausbau und Aufklärung die durchschnittlichen Kinderzahlen von 6,1 im Jahr 2005 auf 4,6 im Jahr 2010.

Kritik und Streitpunkte

Der Begriff und das Konzept Überbevölkerung sind umstritten. Historisch wurde die Debatte stark durch Thomas Robert Malthus geprägt. Er veröffentlichte 1798 sein Essay on the Principle of Population und nahm an, dass Bevölkerung exponentiell wachse, während die Nahrungsmittelproduktion nur linear steigen könne. Ohne Begrenzung durch niedrige Geburtenraten oder hohe Sterblichkeit drohe eine „Bevölkerungsfalle“ mit Armut und Hungerkatastrophen. Später befürwortete Malthus Enthaltsamkeit, späte Heirat und Bildungsinvestitionen, lehnte aber Empfängnisverhütung und Abtreibung ab. David Ricardo, Karl Marx und andere kritisierten, Malthus erkläre damit Armut zu stark aus dem Verhalten der Armen.

Weitere Kritik richtet sich gegen die Annahme, es gebe „zu viele“ Menschen. Einige sehen darin eine menschenverachtende Übertragung biologischer Gesetzmäßigkeiten auf die Gesellschaft. Kritiker bezweifeln, dass die Tragfähigkeit der Erde erschöpft sei, und erklären Hunger, Armut und Umweltprobleme eher durch politische Fehler, soziale Ungleichheit und schlechte Verteilung ausreichender Ressourcen. Jean Ziegler sah den Begriff als Ablenkung von den eigentlichen Ursachen des Welthungers.

Auch der Zusammenhang zwischen Armut und hohen Kinderzahlen wird unterschiedlich interpretiert. Eine Kritik lautet, nicht hohe Geburtenraten verursachten Armut, sondern Armut führe zu hohen Geburtenraten, weil Bildung, Verhütungsmittel und soziale Absicherung fehlten. Viele Schwangerschaften seien ungeplant, und Frauen in Entwicklungsländern wünschten sich oft weniger Kinder, als sie bekommen. Außerdem wird darauf verwiesen, dass Industrieländer trotz kaum wachsender Bevölkerung einen viel größeren ökologischen Fußabdruck haben. 2010 lagen etwa die Vereinigten Arabischen Emirate bei 10,68 gha/Person, Katar bei 10,51 gha/Person, Bahrain bei 10,4 gha/Person und die USA bei 8,00 gha/Person; Deutschland und die Schweiz lagen bei 5,46 beziehungsweise 5,28 gha/Person. Bangladesch wurde mit 0,62 gha/Person, Osttimor mit 0,44 gha/Person und Puerto Rico mit 0,04 gha/Person genannt. Andere Autoren wie John Bongaarts und Brian C. O’Neill bewerteten 2018 schnelles Bevölkerungswachstum dennoch als einen Hauptgrund für steigende Emissionen. Eine 2023 erschienene Studie legte nahe, dass die Erde 10 Milliarden Menschen mangelfrei versorgen könne, wenn räumliche Neuordnungen und Abstimmungen von Klimazonen und angebauten Lebensmitteln erfolgten.

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