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Ein-Kind-Politik

Die Ein-Kind-Politik (chinesisch 一孩政策, Pinyin Yīhái Zhèngcè) war eine Politik zur Kontrolle des Bevölkerungswachstums in der Volksrepublik China, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und Entwicklung
  2. 2. Vorgeschichte und Gründe
  3. 3. Regeln und Durchsetzung
  4. 4. Lockerungen bis zum Ende
  5. 5. Demografische Auswirkungen
  6. 6. Soziale Folgen und andere Staaten

Kern und Entwicklung

Die Ein-Kind-Politik war eine staatliche Politik zur Kontrolle des Bevölkerungswachstums in der Volksrepublik China. Nach ihr durfte eine Familie grundsätzlich nur ein Kind haben. Vorläufer waren seit den 1960er Jahren Versuche, die Kinderzahl auf zwei zu begrenzen. Die Ein-Kind-Politik wurde 1979 zunächst auf Provinzebene und 1980 landesweit eingeführt.

Die Durchsetzung war von Anfang an lückenhaft. Es gab viele Ausnahmen, etwa für Minderheiten und Teile der Landbevölkerung. Auch die statistische Erfassung war ungenau und durch politische Anreize beeinflusst. Aus der offiziellen Ein-Kind-Vorgabe wurde in den 1980er Jahren intern eher eine Planzahl von 1,5 bis 1,7 Kindern pro Frau; bis 1990 soll die tatsächliche Zahl bei 2,2 bis 2,3 gelegen haben, in einzelnen Jahren über 2,5.

Ab Anfang 2016 wurde die Regel wegen Sorgen vor Überalterung allgemein auf zwei Kinder gelockert. Ende Mai 2021 kündigte die Kommunistische Partei nach neuen Volkszählungsergebnissen eine Lockerung auf drei Kinder pro Paar an. Im Juli 2021 wurden alle Beschränkungen der Kinderzahl aufgehoben.

Vorgeschichte und Gründe

Vor 1949 begrenzten Hungersnöte, Naturkatastrophen, fehlende medizinische Versorgung und Kriege lange Zeit das Bevölkerungswachstum. Nach der politischen Stabilisierung ab 1949 begann ein starkes Bevölkerungswachstum, das zunächst teilweise begrüßt wurde. Erst nach dem Tod Mao Zedongs setzte ein grundlegendes Umdenken ein.

Die Bevölkerung Chinas wuchs stark: von etwa 100 Millionen im Jahr 1700 auf etwa 300 Millionen 1800, 570 Millionen 1951, 1014 Millionen 1981 und 1445 Millionen 2021. Die Bevölkerungsdichte ist zwar geringer als in vielen europäischen Staaten, doch Wüsten und Gebirge führen dazu, dass die Bevölkerung auf einzelne Gebiete konzentriert ist.

Ein wichtiger Grund für die Politik war die Sorge um Ernährungssicherheit. China ernährt 2021 etwa 22 % der Weltbevölkerung mit 7 % der Ackerflächen. Zwischen 1980 und 2016 konnte der landwirtschaftliche Ertrag pro Hektar verdoppelt werden, doch China wurde zugleich ein großer Nachfrager auf dem Weltmarkt, etwa bei Soja und Schweinefleisch. In den 1970er Jahren war diese wirtschaftliche Entwicklung nicht vorhersehbar. Bei ungebremstem Wachstum und damals ärmlicher Versorgung wurden regelmäßige Hungersnöte befürchtet. Das aus ökonomischer und ökologischer Sicht angenommene Bevölkerungsoptimum lag Mitte der 1990er Jahre bei 700 Millionen Menschen; die tatsächliche Bevölkerung lag damals bereits 75 bis 80 % darüber.

Regeln und Durchsetzung

Bei der Einführung galten mehrere Regeln: Das Mindestheiratsalter wurde auf 20 Jahre für Frauen und 22 Jahre für Männer festgelegt. Für eine Heirat war eine Erlaubnis nötig, und die Frau musste nachweisen, dass sie mit Empfängnisverhütung vertraut war. Ehepaare der Mehrheitsbevölkerung durften grundsätzlich nur ein Kind haben; viele Minderheiten waren ausgenommen. Ein eigenes Amt für Bevölkerungskontrolle sollte Geburten genehmigen. Betriebe und teilweise Wohngebiete erhielten Geburtenquoten, für deren Einhaltung nicht nur einzelne Personen, sondern ganze Betriebe hafteten.

Die Durchsetzung konnte besonders in den ersten Jahren und in Einzelfällen sehr hart sein. Betriebe, Nachbarn und lokale Kontrolleure wurden einbezogen. Bei Verstößen drohten Geldstrafen und Sanktionen wie Verlust von Arbeitsplatz oder Wohnung, sozialer Druck sowie in einzelnen Fällen Zwangsabtreibungen und Zwangssterilisationen.

Gleichzeitig gab es große Widerstände und praktische Probleme. Schon um 1984/85 umfasste der Ausnahmenkatalog für ein erlaubtes Zweitkind 17 Fälle, darunter eine erste Geburt, die vier Jahre zurücklag. Hinzu kamen viele ungenehmigte Geburten. Auf dem Land war das Kontrollsystem bis 1991 unterhalb der Kreisebene nur durch nebenberufliche Helfer vertreten, stark unterfinanziert und unübersichtlich organisiert. Die Ein-Kind-Politik war daher in Städten deutlich erfolgreicher als auf dem Land.

Lockerungen bis zum Ende

Besonders auf dem Land erschwerten konfuzianische Traditionen und die wirtschaftliche Bedeutung von Söhnen als Alterssicherung die Durchsetzung. Deshalb entstanden früh Ausnahmen: Bauernfamilien durften ein zweites Kind bekommen, wenn das erste Kind ein Mädchen war.

Später wurden die Regeln weiter gelockert. Ab April 2004 durften in Shanghai Geschiedene und wiederverheiratete Partner Kinder bekommen, auch wenn sie schon ein Kind aus einer früheren Ehe hatten. Paare, bei denen beide Elternteile selbst Einzelkinder waren, durften ebenfalls ein zweites Kind haben; seit 2013 galt das auch für Paare, bei denen nur ein Partner Einzelkind war. Der Ausnahmenkatalog wurde bis hinunter auf Dorf- und Betriebsebene erweitert, wodurch große regionale Unterschiede entstanden.

Mit Wirkung ab Januar 2016 erklärte das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei die Ein-Kind-Politik offiziell für beendet. Seitdem durfte jedes Paar zwei Kinder haben. Da dies nicht zu einem starken Anstieg der Geburtenrate führte, wurde Ende Mai 2021 eine Drei-Kind-Regel angekündigt. Im Juli 2021 wurden alle Beschränkungen der Kinderzahl aufgehoben.

Demografische Auswirkungen

Nach Angaben der chinesischen Regierung verringerte die Ein-Kind-Politik von 1994 bis 2004 die Zahl der Geburten um 300 Millionen. Das Ziel, die Bevölkerungszahl Chinas auf höchstens 1,2 Milliarden Menschen zu begrenzen, wurde bis Ende 2018 dennoch um etwa 194 Millionen überschritten. Dazu trug auch die steigende Lebenserwartung bei: Seit Einführung der Politik, die zeitlich mit wirtschaftlichen Liberalisierungen zusammenfiel, stieg sie um knapp 15 Jahre auf 78,2 Jahre im Jahr 2021.

Das Bevölkerungswachstum war zuletzt niedrig, aber lange noch leicht positiv: Von 2005 bis 2018 lag es zwischen 0,52 und 0,54 % pro Jahr, für 2019 wurde es auf 0,52 % geschätzt. Kritiker merkten an, dass die Daten geschönt sein könnten und möglicherweise schon früher ein Schrumpfungsprozess begonnen habe. Auch wegen unsicherer Daten gibt es unterschiedliche Einschätzungen: Manche Wissenschaftler vermuteten das Maximum der chinesischen Bevölkerung bereits 2025 oder sogar 2018. Laut Staatlichem Amt für Statistik der Volksrepublik China wurde das Maximum 2021 erreicht, also der Punkt, an dem die Sterberate höher war als die Geburtenrate. Forscher erwarten, dass die Bevölkerung Chinas in den nächsten Jahrzehnten stark zurückgeht und sich bis 2100 halbieren könnte.

Soziale Folgen und andere Staaten

Die Ein-Kind-Politik führte zu sozialen Problemen. In Städten entstand eine Generation von Einzelkindern, auf Chinesisch „xiǎo huángdì“ („kleiner Kaiser“) genannt, die nach dieser Darstellung oft stark von Eltern und Großeltern verwöhnt wurden. Ein weiteres Problem ist die Überalterung der Gesellschaft. Durch weniger Kinder kehrte sich der demografische Wachstumsbonus in eine Belastung um, etwa für Rente und Gesundheitsversorgung. Dies betrifft vor allem Städte, weil die Politik auf dem Land weniger strikt umgesetzt wurde.

Ein besonders wichtiges Problem war das Ungleichgewicht zwischen Jungen und Mädchen. Wegen der konfuzianischen Tradition, die männliche Erblinie zu erhalten, wurden weibliche Embryonen und Föten häufiger abgetrieben. 1982 kamen bereits 108,5 geborene Jungen auf 100 geborene Mädchen; 2009 lag das Verhältnis bei gut 120 zu 100. Zeitweise kamen auf 100 Lebendgeborene 30 bis 50 Abtreibungen. Mädchen wurden außerdem in Waisenhäuser gegeben; in schweren Fällen kam es auch zu Tötungen durch Eltern. Die Regierung reagierte mit einem Verbot, das Geschlecht des ungeborenen Kindes zu bestimmen. Bei Verstößen drohten hohe Geldstrafen bis zu 30.000 Yuan, etwa ein Jahresgehalt, teilweise auch Gefängnis.

Weitere Folgen waren eine Zunahme von Menschenhandel in China und angrenzenden Regionen. Wegen der starken gesellschaftlichen Folgen wird die Ein-Kind-Politik von Experten als schlimmster politischer Fehler der Nach-Mao-Ära bezeichnet. In anderen Staaten gab es ähnliche Ansätze: Vietnam beschloss 1988 eine Zwei-Kind-Politik, setzte sie aber nicht streng durch.

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