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Demografie der Niederlande

Die demografische Entwicklung der Niederlande ist geprägt von einer langen Phase natürlichen Wachstums im 20. Jahrhundert, gefolgt von sinkenden Geburtenraten, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grunddaten und demografischer Wandel
  2. 2. Historische Entwicklung
  3. 3. Siedlung und regionale Verteilung
  4. 4. Migration, Herkunft und Sprachen
  5. 5. Religion, Gesundheit und Bildung
  6. 6. Statistische Trends

Grunddaten und demografischer Wandel

Die Demografie der Niederlande beschreibt die Bevölkerungsentwicklung, Verteilung und soziale Zusammensetzung des Landes. 2024 hatten die Niederlande rund 18 Millionen Einwohner. Bei einer Landesfläche von etwa 33.900 km² ergibt sich eine Bevölkerungsdichte von über 500 Einwohnern pro Quadratkilometer; innerhalb der EU ist nur Malta dichter besiedelt.

Das Bevölkerungswachstum ist seit den 1990er-Jahren moderat und wird inzwischen fast ausschließlich durch Wanderungsgewinne getragen. Die Geburtenrate liegt unter dem Bestanderhaltungsniveau, also unter der Kinderzahl, die nötig wäre, damit eine Bevölkerung ohne Migration langfristig gleich groß bleibt. Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau lag zuletzt bei etwa 1,4 bis 1,44. Zugleich ist die Lebenserwartung hoch: 2023 lag sie insgesamt bei rund 82,0 Jahren, bei Männern bei etwa 80,5 Jahren und bei Frauen bei 83,4 Jahren. Die Bevölkerung altert deutlich: Gut 15 % sind unter 15 Jahre alt, etwa 20 % sind 65 Jahre oder älter.

Die langfristige Entwicklung lässt sich als Übergang von natürlichem Wachstum zu einer alternden, stärker durch Migration geprägten Gesellschaft beschreiben. Im 20. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung lange vor allem durch Geburtenüberschüsse. Seit den späten 1960er-Jahren sanken die Geburtenzahlen stark, und seit dem späten 20. Jahrhundert wurden Zuwanderung und Alterung zu den zentralen demografischen Themen. Etwa 27 bis 28 % der Bevölkerung haben heute einen Migrationshintergrund, darunter rund 16 % im Ausland Geborene.

Historische Entwicklung

Um 1300 lebten im Gebiet der heutigen Niederlande schätzungsweise knapp 0,9 Millionen Menschen. Im 14. Jahrhundert verursachte die Pest schwere Bevölkerungsverluste. Danach setzte wieder Wachstum ein. Bereits um 1400 waren die Niederlande eine der am stärksten urbanisierten Regionen Europas: Etwa ein Drittel der Bevölkerung lebte in Städten.

Im 16. und 17. Jahrhundert zogen religiös verfolgte Gruppen und andere Einwanderer in die Niederlande, darunter Hugenotten aus Frankreich sowie jüdische Sepharden und Aschkenasim aus Spanien, Portugal und Osteuropa. Mit der Unabhängigkeitserklärung von 1581, dem Westfälischen Frieden von 1648 und dem Goldenen Zeitalter nahm das Wachstum zu. Zwischen 1500 und 1650 stieg die Einwohnerzahl von etwa 1,1 Millionen auf rund 1,85 Millionen. Amsterdam wuchs von etwa 65.000 Einwohnern um 1600 auf etwa 200.000 um 1700. Mitte des 17. Jahrhunderts lebte über die Hälfte der Bevölkerung in Städten. Im 18. Jahrhundert stagnierte die Bevölkerungszahl bei etwa 2 Millionen; Gründe waren unter anderem Kriege, Epidemien, Missernten und Abwanderung.

Im 19. Jahrhundert setzte mit Industrialisierung, besserer Landwirtschaft, Hygiene und medizinischer Versorgung wieder starkes Wachstum ein. Die Sterblichkeit sank, besonders die Säuglings- und Kindersterblichkeit. Die Lebenserwartung stieg von rund 35 bis 40 Jahren um 1800 auf etwa 50 Jahre um 1900. Die Bevölkerung wuchs von etwa 2 Millionen um 1800 auf 3 Millionen um 1850 und 5,1 Millionen um 1900. Diese Phase entspricht dem ersten demografischen Übergang: Die Sterberaten sanken, während die Geburtenraten zunächst hoch blieben. Zwischen 1850 und 1914 wanderten zugleich hunderttausende Niederländer nach Übersee aus, vor allem nach Nordamerika, aber auch nach Südafrika, Australien und Neuseeland.

Im 20. Jahrhundert gab es starke Schwankungen. 1918 erhöhte die Spanische Grippe die Sterblichkeit. Im Zweiten Weltkrieg kamen schätzungsweise 300.000 Niederländer ums Leben, darunter viele niederländische Juden im Holocaust; 1945 stieg die Sterblichkeit durch Krieg und den Hongerwinter stark an. 1946 folgte mit rund 180.000 zusätzlicher Bevölkerung und +2,5 % ein historisches Höchstwachstum. Zwischen 1945 und 1970 stieg die Einwohnerzahl von etwa 9 auf über 13 Millionen. Ab Ende der 1960er führte der „Pillenknick“ zusammen mit gesellschaftlichem Wertewandel zu einem starken Rückgang der Fertilität: von 3,0 Kindern pro Frau 1965 auf 1,7 im Jahr 1975. Seit den 1990er-Jahren bestimmen Alterung und internationale Migration die Entwicklung. Prognosen nennen bis 2060 über 20 Millionen Einwohner; zugleich ist politisch umstritten, wie viel Nettozuwanderung nötig oder tragbar ist.

Siedlung und regionale Verteilung

Die Niederlande sind sehr stark urbanisiert. Etwa 93 % der Bevölkerung leben in städtischen Siedlungen oder dicht besiedelten Gebieten. Die vier größten Städte Amsterdam, Rotterdam, Den Haag und Utrecht werden als „G4“ bezeichnet. Sie liegen im Westen des Landes und bilden wichtige Zentren der Randstad, einer Metropolregion in den Provinzen Nordholland, Südholland, Utrecht und Flevoland.

Die Randstad hat etwa 8 Millionen Einwohner und damit fast die Hälfte der Landesbevölkerung. Dort liegen zentrale Funktionen des Staates und der Wirtschaft: Den Haag ist Regierungssitz, Rotterdam hat den größten Hafen, Amsterdam ist ein internationales Finanz- und Dienstleistungszentrum, und Utrecht ist ein bedeutender Verkehrsknoten. In der Randstad werden sehr hohe Bevölkerungsdichten erreicht, etwa über 1.300 Einwohner pro km²; Südholland liegt bei etwa 1.400 Einwohnern pro km².

Dünner besiedelt sind vor allem Drenthe, Friesland, Groningen und Zeeland mit ungefähr 200 Einwohnern pro km². Einige ländlichere Gebiete verlieren durch die Abwanderung junger Menschen Bevölkerungsanteile, während Vorstädte wachsen. Die Raumordnungspolitik versucht seit den 1960er-Jahren, das Wachstum zu steuern. Beispiele sind das „groene hart“, also freigehaltene Grünflächen im Zentrum der Randstad, und Wachstumsstädte wie Almere, das in den 1970er-Jahren gegründet wurde und heute über 200.000 Einwohner hat. Insgesamt sind die Niederlande dicht besiedelt, aber nicht in einer einzigen Megacity konzentriert; viele mittelgroße Städte und gut angebundene Dörfer bleiben wichtig.

Migration, Herkunft und Sprachen

Die niederländische Bevölkerung war historisch vergleichsweise homogen, ist aber seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts deutlich vielfältiger geworden. Das Statistikamt CBS spricht heute von Personen mit niederländischem oder ausländischem Hintergrund. Am 1. Januar 2024 waren rund 72 % der Einwohner im Inland geboren und hatten zwei in den Niederlanden geborene Eltern. Weitere 11,6 % waren selbst in den Niederlanden geboren, hatten aber mindestens einen im Ausland geborenen Elternteil. 16,2 % waren Zugewanderte der ersten Generation. Damit hat über ein Viertel, rund 28 %, einen Migrationshintergrund.

Wichtige Herkunftsgruppen hängen mit der Kolonialgeschichte und Arbeitsmigration zusammen. Nach der Unabhängigkeit Indonesiens 1949 kamen etwa 300.000 Indo-Niederländer und weitere Gruppen wie Molukker. Aus Suriname, das 1975 unabhängig wurde, wanderte rund die Hälfte der Bevölkerung in die Niederlande aus. Hinzu kommen Menschen von den karibischen Inseln des Königreichs. Große Gruppen stammen außerdem aus der Türkei und Marokko: 2024 lebten rund 450.000 Menschen türkischer Herkunft und etwa 420.000 Menschen marokkanischer Herkunft in den Niederlanden. Weitere größere Gruppen sind unter anderem Polen, Deutsche, Syrer, Indonesier und Surinamer. Die Friesen in Friesland gelten als regionale autochthone Minderheit mit etwa 400.000 Sprechern der friesischen Sprache; auch Sinti und Roma werden als autochthone Minderheit genannt.

Die Migration wandelte sich mehrfach. Zwischen 1590 und 1800 lag der Einwandereranteil stets über 5 %, im 19. Jahrhundert wurden die Niederlande zeitweise eher zum Auswanderungsland. Nach dem Zweiten Weltkrieg warb das Land Arbeitsmigranten an, unter anderem durch Abkommen mit Italien 1960, Spanien 1961, Portugal 1963, der Türkei 1964, Griechenland 1967, Marokko 1969, Jugoslawien 1970 und Tunesien 1971. Seit den 1980er-Jahren kamen außerdem Flüchtlinge aus Krisengebieten, etwa aus Jugoslawien, Afghanistan, Somalia, Irak, Syrien, Eritrea, Iran und Äthiopien. Durch EU-Freizügigkeit nahm die Zuwanderung aus Polen, Rumänien und Bulgarien zu. 2022 erreichte die Migration wegen der Fluchtbewegung aus der Ukraine einen Höchstwert: 403.108 Immigranten und ein Wanderungsgewinn von 223.798 Personen.

Die Hauptsprache ist Niederländisch. Friesisch ist in Friesland anerkannt und wird dort von Regierung und Schulen verwendet. Niedersächsische Dialekte im Norden und Osten sowie Limburgisch in Limburg sind als Regionalsprachen anerkannt. Wichtige Einwanderersprachen sind Indonesisch, Türkisch, Arabisch, Berberisch, Papiamento, Deutsch und Polnisch. Fremdsprachenkenntnisse sind verbreitet: 2023 sprachen 95 % der Bevölkerung Englisch und 61 % Deutsch als Fremdsprache.

Religion, Gesundheit und Bildung

Die religiöse Struktur hat sich stark verändert. Vom 19. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts prägte die „Verzuiling“ die Niederlande: Gesellschaftliche Gruppen waren in getrennten religiös-weltanschaulichen Säulen organisiert, etwa protestantisch, katholisch, sozialistisch und liberal-bürgerlich. Um 1900 waren etwa 55 % Protestanten, 35 % Katholiken, 2 % Juden und geschätzt 8 % konfessionslos. Seit Mitte der 1960er-Jahre setzte eine schnelle Säkularisierung ein, die als „Ontkerkelijking“ bezeichnet wird. 2024 gehörten nur noch 44 % der Bevölkerung ab 15 Jahren einer Glaubensgemeinschaft an; 56 % waren konfessionslos. Die größten religiösen Gruppen waren Römisch-Katholische mit etwa 17 %, Protestanten mit etwa 14 %, Muslime mit rund 6 % und sonstige Religionen mit etwa 7 %. Nur 13 % besuchten 2024 mindestens einmal im Monat einen Gottesdienst oder eine religiöse Versammlung.

Das Gesundheitsniveau ist hoch. Die Lebenserwartung lag 2023 bei rund 82 Jahren. Das Gesundheitssystem beruht seit 2006 auf einer obligatorischen Krankenversicherung mit konkurrierenden privaten Versicherern unter staatlicher Regulierung. Nahezu 100 % der Bevölkerung sind versichert. Die Gesundheitsausgaben pro Kopf betrugen 2021 rund 3.967 Euro kaufkraftbereinigt; etwa 84 % der Kosten werden öffentlich oder über Pflichtversicherungen gedeckt. Die Niederlande haben niedrige Sterberaten bei vermeidbaren und behandelbaren Krankheiten: 2018 starben pro 100.000 Einwohner rund 92 an potenziell vermeidbaren und 65 an gut behandelbaren Krankheiten. Gesundheitlich wichtig sind auch Vorsorgeprogramme, moderne Medizin und eine aktive Alltagsmobilität mit viel Fahrradverkehr. 2019 lag die Adipositasrate bei etwa 14 %, und etwa 18 % der Erwachsenen rauchten täglich, deutlich weniger als 1980 mit 42 %.

Auch das Bildungswesen ist ein wichtiger Teil der gesellschaftlichen Entwicklung. Die allgemeine Schulpflicht wurde 1900 eingeführt; 1909 lag die Analphabetenquote unter jungen Erwachsenen nur noch bei etwa 3 %. Ein Verfassungskompromiss von 1917 beendete den „Schulkampf“ zwischen konfessionellem und staatlichem Schulwesen und sicherte freie Schulwahl sowie gleiche Finanzierung. Bis heute gibt es öffentliche und besondere, oft konfessionelle Privatschulen, die staatlich kontrolliert und finanziert werden; fast 65 % aller Schüler besuchen privat geführte Schulen. Nach der 8-jährigen Grundschule werden Kinder mit etwa 12 Jahren auf VMBO, HAVO oder VWO verteilt. VMBO ist praktisch und berufsvorbereitend, HAVO führt zu Fachhochschulen, VWO berechtigt zum Universitätsstudium. 2023 hatten 55,6 % der 25- bis 34-Jährigen einen Hochschul- oder Fachhochschulabschluss, gegenüber 43,1 % im EU-Durchschnitt. Rund 18 % der Studierenden waren 2023 Ausländer.

Die Statistik zeigt den langfristigen Wandel besonders deutlich. 1900 hatte das Land 5.142.000 Einwohner, 2024 waren es 17.942.942. Die Geburtenrate sank von 31,6 Geburten je 1000 Einwohner im Jahr 1900 auf 9,2 im Jahr 2024. Die Sterberate sank zunächst stark, lag 1900 bei 17,9 je 1000 Einwohner und 2024 bei 9,6. Die natürliche Änderung, also Geburten minus Todesfälle, war 1900 mit 70.568 Personen positiv, wurde aber in den jüngsten Jahren negativ: 2022 lag sie bei −2.608, 2023 bei −5.034 und 2024 bei −6.022.

Die Fertilitätsrate fiel langfristig von 4,45 Kindern pro Frau im Jahr 1900 auf 1,440 im Jahr 2024. Besonders auffällig ist der Rückgang nach dem Babyboom: 1946 lag sie bei 3,97, 1965 bei 3,04, 1975 bei 1,66 und 1983 bei 1,47. Die Kindersterblichkeit sank ebenfalls stark, von 155,2 je 1000 im Jahr 1900 auf Werte um 3 bis 4 je 1000 in den 2010er- und frühen 2020er-Jahren. Die Lebenserwartung stieg deutlich: 1950 lag sie bei Männern bei 70,3 Jahren und bei Frauen bei 72,6 Jahren; 2024 lagen die Werte bei 80,5 und 83,3 Jahren.

Seit den 2000er-Jahren wird das Wachstum zunehmend durch Migration bestimmt. In den Jahren 2004 bis 2007 war der Wanderungssaldo zeitweise negativ oder nur schwach, danach überwiegend positiv. Besonders hoch war er 2022 mit +223.798 Personen. 2024 wurden 316.305 Zuzüge und 208.537 Fortzüge gezählt, also ein positiver Saldo von +107.768.

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