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Deckung (Wirtschaft)

Unter Deckung versteht man in der Wirtschaft allgemein den Ausgleich von mindestens zwei gegensätzlichen oder korrespondierenden ökonomischen Größen oder …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung der Deckung
  2. 2. Geld- und Bilanzdeckung
  3. 3. Anleihen und ihre Besicherung
  4. 4. Risiken unbesicherter Anleihen
  5. 5. Weitere Anwendungen

Bedeutung der Deckung

Deckung bedeutet in der Wirtschaft allgemein den Ausgleich von mindestens zwei gegensätzlichen oder korrespondierenden ökonomischen Größen. Speziell kann damit die Besicherung von Anleihen gemeint sein. Deckungsfragen sind wichtig, weil sie die Stabilität und Sicherheit von Wirtschaftssubjekten – Privathaushalten, Unternehmen sowie Staat, Verwaltung und Staatsunternehmen – und von Wirtschaftsobjekten wie Forderungen und Verbindlichkeiten beeinflussen.

Geld- und Bilanzdeckung

Gelddeckung oder Notendeckung ist die Bereithaltung von Edelmetallen wie Gold und Silber oder von Devisen zur Deckung des umlaufenden Geldes. Hintergrund ist, dass eine Zentralbank ausgegebenes Bargeld als Verbindlichkeit bilanziert und dieser Verbindlichkeit Vermögen gegenüberstehen soll. Zunächst dienten Goldbestände, später Silber und anschließend Devisen als Vermögen. Deckungsklauseln sollten den Geldumlauf begrenzen und dadurch die Währungsstabilität erhöhen. Bei Golddeckung konnten Banknoten jederzeit gegen Gold eingetauscht werden.

Das Vereinigte Königreich begann im September 1717 mit einer Goldparität von 3.17.10 ½ Pfund Sterling, dezimal 3,89 Pfund, pro Feinunze Gold. Die Currency-Theorie vertrat 1809 die Auffassung, Stabilität sei nur durch volle Golddeckung möglich. Die seit 1844 aufkommende Banking-Theorie verlangte dagegen, den Geldumlauf an die Geldnachfrage anzupassen.

In Deutschland legte das Gesetz vom Dezember 1871 den Goldgehalt der neuen Währung „Mark“ fest; das Münzgesetz vom Juli 1873 dehnte sie auf alle Landeswährungen aus. Es galt das Proportionalsystem mit Dritteldeckung: Der Goldvorrat der Notenbank musste ein Drittel der umlaufenden Geldmenge aus Münzen und Banknoten entsprechen. Nach dem Bankgesetz vom August 1924 betrug die Bardeckung 40 %, davon mindestens 75 % Gold und der Rest Devisen; für die übrigen 60 % bestand Deckung durch Wechsel.

Das Bretton-Woods-System vom Juli 1944 beruhte zusätzlich zu Goldreserven auf Währungsreserven goldkonvertierbarer Währungen. Die Aufhebung der absoluten Goldbindung des US-Dollars durch Richard Nixon am 15. August 1971 gilt als endgültiger Zusammenbruch dieses Systems. Im Januar 1976 empfahl der Internationale Währungsfonds, Gold mit der Aufhebung der Goldbindung der Währungen jede währungspolitische Rolle zu nehmen. Staaten halten zwar weiterhin Goldreserven, doch ist damit keine festgelegte Golddeckung ihrer Währung mehr verbunden.

Eine Bilanz kann als Deckungsrechnung verstanden werden: Eigen- oder Fremdkapital auf der Passivseite sollen durch Vermögensgegenstände auf der Aktivseite gedeckt sein. Für Gläubiger ist entscheidend, dass Forderungen notfalls durch Verkauf von Vermögensgegenständen zurückgezahlt werden können. Eine Kennzahl dafür ist die Anlagendeckung.

2018 versprach Venezuela bei Einführung der staatlichen „Kryptowährung“ Petro eine Deckung durch Rohöl, um Vertrauen zu schaffen. Das venezolanische Öl war zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits auf Jahre hinaus mehrfach verpfändet.

Anleihen und ihre Besicherung

Anleihen sind Schuldtitel und deshalb für Anleger mit Kreditrisiko verbunden. Dazu gehören Unternehmens-, Bank-, Staats- und Kommunalanleihen, Kommunalobligationen sowie Pfandbriefe. Emittenten mit schwacher Bonität können ihr Emittentenrisiko durch eine in den Anleihebedingungen vorgesehene Besicherung mindern. Besicherte Anleihen heißen covered bonds, unbesicherte uncovered bonds. Anleger können sich nachträglich auch mit Credit Default Swaps absichern.

Unternehmens-, Bank- und Staatsanleihen sind meist unbesichert. Bankanleihen dürfen nicht aus dem Vermögen des emittierenden Kreditinstituts besichert werden, können aber einer institutsübergreifenden Einlagensicherung unterliegen. Pfandbriefe sind durch Grundpfandrechte auf Grundstücken und grundstücksgleichen Rechten oder durch Forderungen an die öffentliche Hand besichert und müssen die strengen Vorgaben des Pfandbriefgesetzes (PfandBG) erfüllen. Schiffspfandbriefe und Flugzeugpfandbriefe sind durch Hypotheken auf Schiffe beziehungsweise Flugzeuge gesichert. Hypothekenanleihen sind ebenfalls durch Grund und Boden gedeckt, unterliegen aber nicht den strengen Anforderungen des PfandBG. Covered Bonds ähneln Pfandbriefen.

Bei Pfandbriefen verlangt die Deckungskongruenz, dass der Gesamtbetrag aller umlaufenden Pfandbriefe einer Gattung jederzeit mindestens in Höhe ihres Nennwertes durch Grundpfandrechte gedeckt sein muss (§ 4 Abs. 2 PfandBG). Ein Treuhänder überwacht dies (§ 8 PfandBG). Grundlage der UK covered bonds ist die Regulated Covered Bonds Regulation aus dem Jahr 2008.

Weitere Formen sind Brady Bonds, also Staatsanleihen von Schwellenländern, die durch Nullkuponanleihen bonitätsstarker Emittenten gesichert werden. Bei forderungsbesicherten Wertpapieren (asset-backed securities, ABS) bestehen Zahlungsansprüche gegen eine Zweckgesellschaft (special purpose vehicle); ein Portfolio aus Forderungen deckt diese Ansprüche. Katastrophenanleihen übertragen Naturkatastrophenrisiken von Versicherern auf den Kapitalmarkt. Die Zweckgesellschaft investiert das Kapital in ausfallrisikofreie Anleihen. Bleibt die Katastrophe aus, erhalten Anleger den vereinbarten Schuldendienst; tritt sie ein, wird zunächst der Schaden des Versicherers bezahlt.

Credit Enhancements sind besondere Deckungen bei Verbriefungen. Sie verbessern insbesondere bei ABS oder besicherten Geldmarktpapieren das Emittentenrisiko und das Rating von Zweckgesellschaften oder Conduits. Besicherte Anleihen erhalten von Ratingagenturen ein eigenes Emissionsrating und können deshalb einer besseren Risikoklasse als unbesicherte Anleihen zugeordnet werden.

Risiken unbesicherter Anleihen

Bundesanleihen sind unbesichert, weil deutsche Gebietskörperschaften nicht insolvenzfähig sind. Bei ausländischen Staatsanleihen gilt dies nicht unbedingt. Eine Negativerklärung des Emittenten ist keine Besicherung: Sie verpflichtet ihn nur dazu, bei künftigen Anleihen ebenfalls keine Sicherheiten zu bestellen.

In den USA und Kanada können Gemeinden bei Zahlungsunfähigkeit nach Chapter 9 United States Bankruptcy Code insolvenzfähig sein. Dort enthalten Anleihen häufig ein bond pledge. Dies ist kein Pfandrecht, sondern sind Covenants: Verpflichtungen des Schuldners, bestimmte Schuldenkennzahlen einzuhalten. Monoliner, also spezialisierte Anleiheversicherer, können echte Ausfallgarantien bieten. Sie stellen jedoch selbst ein eigenständiges Adressausfallrisiko dar und können insolvent werden.

Die Argentinien-Krise und die Griechenlandkrise mit teilweisem Schuldenerlass zeigen, dass unbesicherte Staatsanleihen ein hohes Kreditrisiko haben können. Auch die Sowjetunion weigerte sich als Rechtsnachfolgerin des zaristischen Russland, Anleihen aus dieser Zeit zu bedienen; dadurch besaß sie lange keine Kreditwürdigkeit.

Weitere Anwendungen

Im Zahlungsverkehr bedeutet Kontodeckung, dass für einen Scheck, Wechsel oder eine Lastschrift ausreichend Geld auf dem belasteten Girokonto vorhanden ist. Bei Auslandszahlungsaufträgen muss das empfangende Kreditinstitut seiner Korrespondenzbank den Zahlungsgegenwert bereitstellen; dies heißt Deckungsanschaffung. Ein Importakkreditiv kann durch Deckungsanschaffung des Importeurs eröffnet werden, andernfalls liegt ein Akkreditivkredit der Bank vor. Im Börsenwesen bezeichnet man als Deckungsgeschäfte auch die Eindeckung von Leerverkäufen, damit diese am Fälligkeitstag erfüllt werden können. Gedeckte Einlagen sind durch das gesetzliche Einlagensicherungssystem erfasste Einlagen bis zu 100.000 € je Einleger und Kreditinstitut (§ 2 Abs. 5 EinSiG).

Im Versicherungswesen liegt eine Indeckungnahme vor, wenn ein Versicherer ein Risiko durch Versicherungsvertrag absichert (§ 49 Abs. 1 VVG). Er muss dafür eine Deckungsrückstellung bilden, also den handelsrechtlichen Wert seiner Schuld aus übernommenen Versicherungsverpflichtungen. Das Sicherungsvermögen, früher Deckungsstock, soll Ansprüche der Versicherungsnehmer bei Insolvenz sichern. In der Schadenversicherung heißt die Versicherungssumme Deckungssumme. Eine Rückdeckungsversicherung ermöglicht einem Arbeitgeber, das Risiko aus seiner Pensionszusage für die betriebliche Altersversorgung auf ein Lebensversicherungsunternehmen zu übertragen.

Kostendeckung und das Kostendeckungsprinzip sind wichtige Ziele beziehungsweise Grundsätze des Kostenmanagements. Kongruente und inkongruente Deckung sind Rechtsfragen der Insolvenzanfechtung.

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