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David Steindl-Rast
... Benediktinermönch, Eremit, sowie spiritueller Lehrer, Autor und Vortragsreisender. Er ist Mönch der Abtei Mount Saviour und wohnt im Europaklosters Gut Aich.
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Person und Bedeutung
David Steindl-Rast OSB (* 12. Juli 1926 in Wien als Franz Kuno Steindl) ist ein österreichisch-US-amerikanischer Benediktinermönch, Eremit, spiritueller Lehrer, Autor und Vortragsreisender. Er gehört der Abtei Mount Saviour an und lebt im Europakloster Gut Aich in Sankt Gilgen.
Seine Arbeit verbindet benediktinisch-christliche Spiritualität mit interreligiösem Dialog, besonders mit dem Zen-Buddhismus. Im Mittelpunkt seiner Lehre stehen Dankbarkeit als spiritueller Weg, Mystik, die Verbundenheit aller Lebewesen und die Beziehung zwischen innerer Erfahrung und gesellschaftlichem Engagement.
Jugend, Ausbildung und Klostereintritt
Steindl-Rast wuchs mit seiner Mutter und seinen beiden jüngeren Brüdern in Edlach an der Rax in einem traditionell katholischen Umfeld auf. Ab seinem zehnten Lebensjahr besuchte er die reformpädagogische Neuland-Schule in Wien und kam dort mit dem Choralgesang in Berührung. 1944 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Nach einem Jahr desertierte er und lebte im Untergrund. Nach Kriegsende half er beim Aufbau von Flüchtlingslagern und bei der Trümmerräumung auf dem Gelände der Universität Wien.
Ein Satz aus der Regula Benedicti, der Ordensregel des heiligen Benedikt, wurde für ihn zum religiösen Schlüsselerlebnis: „Den unberechenbaren Tod täglich vor Augen haben“. Er bezog ihn auf seine Kriegserfahrungen und beschloss, Benediktiner zu werden. Kontakte zum Ordensleben hatte er unter anderem durch seinen Beichtvater, den Zisterzienser Walter Schücker, und durch Besuche in der Abtei Seckau.
Von 1946 bis 1952 studierte er an der Akademie der bildenden Künste Wien und schloss als Restaurator ab. Außerdem studierte er Kunst, Psychologie und Anthropologie an der Universität Wien. 1952 promovierte er in Psychologie mit der Dissertation „Die Merkmale von Stimme und Sprechweise als Ausdruck der Einstellung zum Gesprächspartner“. Daneben war er Mitbegründer der Kinderzeitschrift „Der goldene Wagen“ und bereiste als Präfekt der Wiener Sängerknaben die Vereinigten Staaten.
1953 folgte er seiner in die USA ausgewanderten Familie und trat in das Benediktinerkloster Mount Saviour in Elmira im Bundesstaat New York ein. Sein Noviziat, also die erste Ausbildungszeit im Orden, absolvierte er im kanadischen Kloster Saint-Benoît-du-Lac. Dort erhielt er den Ordensnamen David. 1955 legte er seine einfache Profess, das zeitlich begrenzte Ordensgelübde, ab. 1958/59 arbeitete er mit einem Postdoc-Stipendium als Lektor an der Cornell University. Von 1982 bis 1997 lebte er bei den Kamaldulensern im kalifornischen Kloster Big Sur, zunächst wegen einer möglichen Verbindung mit seinem Mutterkloster und später als Gast.
Interreligiöser Dialog und Lebensweise
Seit 1965 widmete sich Steindl-Rast im Auftrag seines Abtes Damasus Winzen dem Dialog zwischen Christentum und Buddhismus. Als katholischer Mönch praktizierte er Zen-Meditation, zunächst bei Zen-Meistern in New York und später bei Shunryū Suzuki Rōshi im Bergkloster Tassajara in Kalifornien. 1968 gründete er in New York gemeinsam mit Swami Satchidananda, dem liberalen chassidischen Rabbi Joseph Gelberman und weiteren Beteiligten das interreligiöse Center for Spiritual Studies. In den 1970er-Jahren unterstützte er das House of Prayer Movement, dem nach eigener Angabe rund 200.000 Ordensleute angehörten.
1988 nahm er in Hannover am Kongress „Geist und Natur“ teil. Vertreter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen kritisierten, dass seine Rolle als katholischer Ordensmann und Zen-Lehrer zur Legitimation von New-Age- und Bewusstseinsströmungen sowie verschiedener Zen-Meister beigetragen habe. Sein Einfluss wurde dabei mit dem des Benediktiners und Zen-Meisters Willigis Jäger verglichen.
1989 gründete Steindl-Rast mit dem Zen-Priester Vanja Palmers in Dienten am Hochkönig das Haus der Stille Puregg, eine Begegnungsstätte für spirituelle Praxis und Besinnung. 1999 initiierten beide die Zen-Gemeinschaft Felsentor am Rigi, aus der ein buddhistisches Seminarhaus entstand. Im San Francisco Zen Center leitete Steindl-Rast außerdem die katholische Taufe der Tochter von Fritjof Capra. Nach seiner Darstellung wurde sie „ganz katholisch und ganz buddhistisch“ vollzogen.
Seit den 1970er-Jahren verbindet er Zeiten als Eremit, also als zurückgezogen lebender religiöser Mensch, mit weltweiten Vortragsreisen. Mit John Giuliani gründete er die Benedictine Grange in Connecticut als Zentrum liturgischer Erneuerung. 1975 war er Mitgründer der Sky Farm in Sonoma; von 2002 bis 2010 gehörte er deren Direktorium an. Von 1994 bis 1997 war er Teacher in Residence am Esalen Institute in Kalifornien. Viele Jahre lebte er zwischen seinen Reisen als Eremit, unter anderem nahe der Abtei Mount Saviour.
Lehre und christliche Positionen
Steindl-Rast schreibt seinen Namen nach eigener Entscheidung klein und verwendet statt „Gott“ häufig die Bezeichnung „das Große Geheimnis“. Er versteht den Menschen grundsätzlich als „Mystiker“. Mystik bezeichnet dabei die unmittelbare Erfahrung einer tieferen religiösen Wirklichkeit. Dankbarkeit gilt ihm als spiritueller Weg und als Kern des Gebets. Weitere zentrale Gedanken sind die Zugehörigkeit zu allen Lebewesen und die Verbindung von Mystik mit gesellschaftlichem Handeln.
Seine Aussagen über das Leben nach dem Tod erscheinen widersprüchlich. In einem Interview vom Mai 2025 antwortete er auf die Frage, was nach dem Tod komme: „Nichts! Wir gehen hinüber, aber wir wissen nicht, wie es dort ausschaut.“ In dem gemeinsam mit Johannes Pausch und Kristina Proleta im Juli 2026 veröffentlichten Buch „Gut leben, gut sterben“ heißt es dagegen: „Uns erwartet kein ewiges Nichts. So … ist auch das Sterben bloß eine Erde, in die wir die Saat eines neuen Lebens legen.“
Bei einer Podiumsdiskussion im Mai 2025 bezeichnete er die weibliche Perspektive im Christentum als „unverzichtbar“. Er befürwortete auch die Möglichkeit einer Frau als Papst: „Man kann auch eine Frau als Papst haben – ich sehe überhaupt keinen Grund, warum nicht.“
Zum 100. Geburtstag würdigte der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl Steindl-Rasts Einsatz für ein demütiges, angstfreies und friedfertiges Miteinander der Religionen. Bei einem Gottesdienst am 11. Juli 2026 in der Benediktinerabtei Kremsmünster fasste Grünwidl diese Bedeutung mit dem Satz zusammen: „Ohne Religionsfrieden kein Weltfrieden.“
Bücher, Internetprojekte und Auszeichnungen
Steindl-Rasts erstes Buch „A Listening Heart“ erschien 1983 als Sammlung kürzerer, teilweise zuvor veröffentlichter Texte. Es folgten zahlreiche deutsch- und englischsprachige Bücher über Gebet, Dankbarkeit, Mystik, christliche Spiritualität und den Dialog mit anderen religiösen Traditionen. Zu den zentralen Veröffentlichungen gehören „Gratefulness, the Heart of Prayer“ (1984), später auf Deutsch unter anderem als „Dankbarkeit – das Herz allen Betens“, „Belonging to the Universe“ mit Fritjof Capra (1990), „The Ground We Share“ mit Robert Aitken (1996), „Credo: Ein Glaube, der alle verbindet“ (2010), „99 Namen Gottes“ (2019), „Orientierung finden“ (2021), „Die Kraft des Staunens“ (2022) und „Der Fließweg“ über das Daodejing des Laozi (2024). Seine Beiträge in Sammelbänden behandeln unter anderem Jesus, Mystik, Gottesvorstellungen, das Verhältnis von Handeln und Kontemplation sowie die politische Umsetzbarkeit der Bergpredigt.
Im Jahr 2000 war er Mitgründer von „A Network for Grateful Living“ und der Website grateful.org, die Dankbarkeit als spirituellen Lebensweg vermittelt. Im deutschsprachigen Raum entstanden daraus die Netzwerke „Dankbar leben“ und „dankbar leben begegnungsräume“ sowie die Online-Bibliothek David Steindl-Rast OSB. Aus dieser ging 2025 der KI-gestützte „Bruder David Bot“ hervor. Sein TED-Vortrag „Want to Be Happy? Be Grateful“ von 2013 wurde millionenfach aufgerufen. 2024 übergab er der Paris Lodron Universität Salzburg seinen Vorlass, also eine noch zu Lebzeiten überlassene Sammlung persönlicher Dokumente und Aufzeichnungen.
Für seine Arbeit erhielt er unter anderem 1975 den Martin-Buber-Preis für sein Engagement im Dialog der Religionen, 2022 den Theologischen Preis der Salzburger Hochschulwochen und 2023 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Hinzu kamen Auszeichnungen des Sri-Chinmoy-Zentrums Salzburg in den Jahren 2017 und 2025 sowie 2025 die „Trompete von Jericho“ der Österreichischen Kirchenreformbewegungen gemeinsam mit Martin M. Lintner. Die österreichische Dokumentation „Dem Geheimnis auf der Spur. Porträt von David Steindl-Rast“ unter der Regie von Robert Neumüller wurde am 6. Dezember 2016 erstmals ausgestrahlt.