Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Venezuela
... Verteilungspolitik führte zur, für lateinamerikanische Verhältnisse, außerordentlich hohen politischen Stabilität des Landes. ... Politik. Bearbeiten …
Inhalt6 Abschnitte
Staat, Raum und Bevölkerung
Venezuela, amtlich Bolivarische Republik Venezuela, liegt im Norden Südamerikas zwischen Kolumbien, Brasilien, Guyana und der Karibik. Hauptstadt ist Caracas, Amtssprache Spanisch; indigene Sprachen besitzen für ihre Völker ebenfalls offiziellen Status. Das Land hat 912.050 km² Fläche und nach Schätzung 2025 28,6 Millionen Einwohner. Es ist de jure eine föderale präsidentielle Republik, wird im Artikel de facto jedoch als Einparteiendiktatur bezeichnet. Staatsoberhaupt und Regierungschef war de jure Nicolás Maduro; nach seiner Entmachtung am 3. Januar 2026 wurde Delcy Rodríguez kommissarische Präsidentin. Das Parlament ist die Nationalversammlung. Die Währung heißt Bolívar digital, die Zeitzone ist UTC−4.
Das Land gliedert sich in fünf geografische Großräume: die bis knapp 5000 m hohen Anden, die zentralen Llanos oder Orinoco-Ebenen, das Maracaibo-Tiefland, das Hochland von Guayana und die Karibikinseln. Höchster Berg ist der Pico Bolívar mit 4981 m. Das Hochland von Guayana nimmt mehr als die Hälfte der Landesfläche ein. Seine isolierten Tafelberge, die Tepuis, besitzen zahlreiche endemische Arten, also Arten, die nur dort vorkommen. Vom Hochland fällt der Salto Ángel 978 m tief und gilt als höchster Wasserfall der Welt.
Der 2574 km lange Orinoco ist der wichtigste von über tausend Flüssen. Eine Besonderheit ist seine Bifurkation, die Teilung in zwei Arme: Der Brazo Casiquiare verbindet das Orinoco- mit dem Amazonassystem. Der Río Caroní liefert durch Wasserkraft einen erheblichen Teil der Energie. Venezuela liegt an der Grenze der Karibischen und Südamerikanischen Platte und ist seismisch aktiv. Laut Artikel verursachte ein Doppelbeben der Magnituden 7,3 und 7,4 am 24. Juni 2026 mehr als 5.000 Tote und über 16.000 Verletzte; die tatsächlichen Zahlen könnten höher sein.
Das Klima reicht je nach Höhenlage von tropisch-feucht bis alpin. Meist dauert die Regenzeit von Mai bis Oktober. Unter 800 m liegen die Jahresmitteltemperaturen bei 26 bis 28 °C, zwischen 800 und 2000 m bei 12 bis 25 °C und über 3000 m unter 8 °C; oberhalb von 4000 m gibt es dauerhafte Schneefelder. Venezuela zählt wegen seiner großen Artenvielfalt zu den Megadiversitätsländern. 43 Nationalparks und 36 Naturdenkmäler schützen Teile dieser Natur.
2023 hatte Venezuela 28,3 Millionen Einwohner; 88 Prozent lebten in Städten. Die Bevölkerung konzentriert sich im Norden, während südlich des Orinoco auf fast der Hälfte der Landesfläche nur 5 Prozent wohnen. 51,6 Prozent gelten als Mestizen, 43,6 Prozent als europäischer, 3,6 Prozent als schwarzafrikanischer und 2,8 Prozent als indigener Abstammung. Zu den indigenen Gruppen gehören Wayuu, Warao, Pemón, Yanomami und Ye’kuana. 66 Prozent der Bevölkerung sind römisch-katholisch. Bis Dezember 2025 verließen wegen der politischen und wirtschaftlichen Lage etwa 8 Millionen Menschen das Land.
Geschichte und politische Entwicklung
Vor der europäischen Eroberung lebten im Gebiet des heutigen Venezuela indigene Bauern, Fischer, Jäger und Sammler. Christoph Kolumbus erreichte 1498 die Küste und die Orinoco-Mündung. Die erste feste spanische Siedlung Nueva Cádiz entstand 1522, Caracas wurde 1567 gegründet. Plantagen für Kakao, Zucker, Tabak, Kaffee und Baumwolle stützten sich auf versklavte Arbeitskräfte. Nach mehreren Unabhängigkeitsversuchen führte Simón Bolívar den Krieg 1821 zum Erfolg. Venezuela gehörte zunächst zu Großkolumbien, löste sich aber 1830 daraus. Seit 1864 ist es eine Bundesrepublik; politische Umstürze und Diktaturen prägten lange Zeit seine Geschichte.
Nach der Diktatur von Juan Vicente Gómez setzte in den 1930er- und 1940er-Jahren eine teilweise Liberalisierung ein. 1946 wurden das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht sowie das aktive und passive Frauenwahlrecht eingeführt. Der 1947 direkt gewählte Präsident Rómulo Gallegos wurde jedoch bald durch einen Militärputsch gestürzt. Nach der Militärherrschaft unter Marcos Pérez Jiménez wurde Venezuela 1958 demokratisch. Bis in die 1990er-Jahre dominierten Acción Democrática und COPEI. Hohe Erdöleinnahmen brachten in den 1970er-Jahren Wohlstand und politische Stabilität. Der Ölpreisverfall ab 1983, Auslandsschulden, Korruption und vernachlässigte Wirtschaftszweige führten anschließend in eine schwere Krise. Beim Caracazo 1989 wurden Proteste gewaltsam niedergeschlagen; offiziell starben 246 Menschen, inoffizielle Schätzungen nennen weit über 1000 bis 3000. 1992 scheiterten zwei Putschversuche, einer unter Hugo Chávez.
Chávez gewann 1998 mit 56 Prozent die Präsidentschaftswahl und leitete die Bolivarische Revolution ein. Die Verfassung von 1999 benannte das Land um, stärkte direktdemokratische Referenden und ermöglichte die Abwahl von Abgeordneten und Präsident ab der Mitte ihrer Amtszeit. Chávez überstand 2002 einen Putsch und wurde 2004 in einem Abwahlreferendum mit 59,25 Prozent bestätigt. Er gewann auch die Wahlen 2006 und 2012. Sozialprogramme verbesserten zeitweise Bildung, Gesundheit und Ernährung; zugleich konzentrierte sich politische Macht zunehmend beim Präsidenten. Nach Chávez’ Tod am 5. März 2013 gewann Nicolás Maduro die Neuwahl mit 50,78 Prozent.
Unter Maduro verschärften sich Inflation, Korruption, Kriminalität und Versorgungskrise. Die Opposition gewann 2015 die Mehrheit in der Nationalversammlung, doch Wahlrat, Oberstes Gericht und Regierung behinderten ihre Arbeit. 2017 entzog das Oberste Gericht dem Parlament Kompetenzen; Maduro ließ ohne das verfassungsrechtlich vorgesehene Referendum eine verfassunggebende Versammlung wählen. Proteste wurden gewaltsam unterdrückt. Die Präsidentschaftswahl 2018 wurde von zahlreichen Staaten nicht anerkannt. 2019 erklärte die Nationalversammlung Maduros Wiederwahl für unrechtmäßig; Parlamentspräsident Juan Guaidó beanspruchte daraufhin das Amt des Interimspräsidenten und wurde von rund 60 Staaten unterstützt. Ende 2022 beendete die oppositionelle Nationalversammlung seine Übergangsregierung.
Nach der Präsidentschaftswahl 2024 erklärte der Wahlrat Maduro mit 51 Prozent zum Sieger. Die Opposition meldete Unregelmäßigkeiten und beanspruchte den Sieg für Edmundo González; unabhängige Auswertungen deuteten auf mehr als 60 Prozent für ihn hin. Das Carter Center kritisierte vor allem die völlige Intransparenz des Ergebnisses. Vor der Parlamentswahl 2025 wurden Oppositionelle und Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen verhaftet. Am 3. Januar 2026 wurden Maduro und seine Frau laut Artikel von den USA entführt und ausgeflogen; danach setzte das Oberste Gericht Delcy Rodríguez als kommissarische Präsidentin ein.
Staatsordnung, Rechte und Sicherheit
Die Verfassung von 1999 sieht eine Präsidialdemokratie, Gewaltenteilung und direktdemokratische Beteiligung vor. In der Praxis wird Venezuela im Artikel jedoch als autokratisch beschrieben: Fast alle Institutionen einschließlich großer Teile der Medien stehen unter Kontrolle der Regierungspartei. Die Nationalversammlung besitzt formal 165 Sitze und eine fünfjährige Legislaturperiode, wurde aber nach dem Oppositionssieg von 2015 durch Gerichtsurteile, Notverordnungen und die verfassunggebende Versammlung entmachtet. 2024 bewerteten Demokratieindex und Freedom in the World Venezuela als autoritäres beziehungsweise unfreies Land; im Korruptionswahrnehmungsindex lag es 2025 auf Rang 180 von 181.
Human Rights Watch und Amnesty International berichten über politisch beeinflusste Gerichte, Einschüchterung von Kritikern, Folter, politische Gefangene und außergerichtliche Hinrichtungen. 2021 leitete der Internationale Strafgerichtshof förmliche Ermittlungen wegen möglicher Menschenrechtsverletzungen ein. Die Pressefreiheit ist stark eingeschränkt: Sender verloren Lizenzen, Zeitungen erhielten kein Papier, Internetseiten wurden blockiert und private Medien übten Selbstzensur. 2026 belegte Venezuela in der Rangliste der Pressefreiheit mit 30,5 von 100 Punkten Rang 159 von 180.
Das 2016 eingeführte Carnet de la Patria dient als Nachweis für Sozialleistungen, Lebensmittel, Gesundheitsversorgung, Wohnungen oder subventioniertes Benzin. Kritiker sehen darin ein Mittel sozialer und politischer Kontrolle, weil umfangreiche persönliche Angaben erfasst und Leistungen an politisches Verhalten geknüpft werden können. Auch die Lebensmittelpakete der Lokalkomitees CLAP erreichten nicht alle Menschen und wurden mit Günstlingswirtschaft und Stimmenkontrolle verbunden.
Kriminalität und staatliche Gewalt sind zentrale Sicherheitsprobleme. Für 2018 nennt eine Nichtregierungsorganisation 23.047 Tötungen, davon 7.523 im Zusammenhang mit angeblichem Widerstand gegen staatliche Autoritäten. Die Zahlen verschiedener Stellen unterscheiden sich deutlich; viele Verbrechen bleiben unaufgeklärt. Die Streitkräfte wuchsen von 85.000 Angehörigen im Jahr 2006 auf später über 300.000. Hinzu kommen Nationalgarde, Milizen und bewaffnete Colectivos. Das Militär besitzt große politische und wirtschaftliche Macht, kontrollierte zeitweise die Güterverteilung und führte mehrere Ministerien. Russland lieferte unter anderem Suchoi-Su-30-MK2-Flugzeuge, Hubschrauber, AK-103-Gewehre und T-72-Panzer.
Wirtschaft, Erdöl und Versorgungskrise
Venezuela besitzt die größten nachgewiesenen Erdölreserven der Welt und ist eine Rentenwirtschaft: Staat und Volkswirtschaft hängen besonders stark von Einnahmen aus einem Rohstoff ab. 2014 stammten 96 Prozent der Staatseinnahmen aus dem Ölgeschäft. Das venezolanische Öl ist überwiegend schwer, zähflüssig und schwefelhaltig; es muss verdünnt und aufwendig verarbeitet werden und erzielt deshalb Preisabschläge. Fehlende Wartung und Investitionen ließen die Förderung stark fallen: von etwa 3,3 Millionen Barrel täglich 1997 auf 570.000 im Mai 2020. Der Artikel nennt später wieder 1,2 Millionen Barrel täglich. Für eine Rückkehr auf 3 Millionen Barrel wären nach einer Schätzung bis 2040 Investitionen von etwa 180 Milliarden US-Dollar nötig.
Dirigistische Politik, Verstaatlichungen, Devisenkontrollen, sinkende Förderung, der Ölpreisverfall seit 2014 und internationale Sanktionen führten zu einem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Zwischen 2013 und 2017 sank die Wirtschaftsleistung um ein Drittel; von 2013 bis 2023 schrumpfte das BIP laut Artikel um rund 80 Prozent. Ende 2018 überschritt die Inflation zeitweise 1.000.000 Prozent, wobei Berechnungen voneinander abwichen. Mehrere Währungsreformen strichen Nullen, ohne die Ursachen zu beseitigen. Der Abstand zwischen amtlichem Wechselkurs und Schwarzmarktkurs förderte Korruption und Warenmangel. Bargeld verschwand weitgehend, während US-Dollar, elektronische Zahlungen und Tauschhandel wichtiger wurden. Seit Mitte 2019 tolerierte die Regierung eine inoffizielle Dollarisierung.
Die Armutsquote sank während des Ölbooms zunächst von 50,4 Prozent 1998 auf 25,4 Prozent 2012, stieg nach 2014 aber stark an; für 2020 werden 96 Prozent genannt. Die Versorgungskrise führte zu Mangel- und Unterernährung. 2016/2017 verloren drei Viertel der Bevölkerung durchschnittlich acht Kilogramm Körpergewicht. Die Caritas meldete 2018, zwölf Prozent der Kinder seien stark unterernährt und 300.000 in Lebensgefahr. Frühere Programme wie Mercal-Märkte und Volksküchen hatten Grundnahrungsmittel subventioniert und die Unterernährung zunächst verringert.
Auch das Gesundheitssystem verschlechterte sich nach anfänglichen Verbesserungen durch die Misión Barrio Adentro. Ende 2006 arbeiteten dort 20.000 kubanische und 4000 venezolanische Ärzte. Später fehlten Personal, Medikamente und funktionierende Geräte. Malaria breitete sich erneut aus; 2018 wurden im ersten Halbjahr 500.000 Erkrankungen und 820 Tote gemeldet. Bis Anfang 2019 war nach Schätzung der Berufsvereinigung ein Drittel der Ärzte ausgewandert.
Die Regierung lockerte später Kontrollen, gab verstaatlichte Unternehmen teilweise zurück und hob den festen Dollarkurs auf. Seit 2022 wuchs die Wirtschaft wieder. Für 2024 nennt die Tabelle 5,3 Prozent reales Wachstum und 49,0 Prozent Inflation, während eine andere Textangabe für dieses Jahr eine Inflation von über 620 Prozent nennt; diese Angaben widersprechen sich. 2025 betrug das Wachstum laut Artikel 5 Prozent. Landwirtschaft spielt trotz großer Flächen nur eine geringe Rolle; etwa die Hälfte ihrer Erträge stammt aus der Rinderzucht. Wasserkraft, besonders der Guri-Staudamm am Caroní, liefert den Großteil der Elektrizität, doch Wartungsmängel und die Abhängigkeit vom Wasserstand verursachen häufige Stromausfälle.
Außenbeziehungen, Infrastruktur und Umwelt
Venezuelas Außenpolitik strebte unter Chávez und Maduro ein sozialistisch verbundenes Lateinamerika an. Das Land gründete mit Kuba die ALBA und belieferte über Petrocaribe karibische Staaten zu günstigen Kreditbedingungen mit Erdöl. Kuba entsandte im Gegenzug Ärzte, Lehrer, Sporttrainer und Berater. Kritiker beschrieben den kubanischen Einfluss auf Militär, Geheimdienste und Behörden als sehr weitreichend. Zugleich vertiefte Venezuela Beziehungen zu Russland, China und Iran. Die Beziehungen zu den USA verschlechterten sich besonders nach dem Putschversuch von 2002. Die USA verhängten Sanktionen, Maduro brach 2019 die diplomatischen Beziehungen ab, und 2020 wurde er in New York unter anderem wegen Drogenschmuggels und Narco-Terrorismus angeklagt. Ab 2022 fanden wieder Gespräche statt und Sanktionen wurden teilweise gelockert.
Venezuela gehört unter anderem den Vereinten Nationen, der OPEC, CELAC und ALBA an, ist bei den UN wegen Beitragsrückständen seit 2022 aber nicht stimmberechtigt. Dem Mercosur trat es 2012 bei und wurde 2016 ausgeschlossen. Mit Guyana besteht ein Grenzkonflikt um das Gebiet westlich des Essequibo. In einem Referendum vom 3. Dezember 2023 befürworteten rund 96 Prozent der Teilnehmer die Schaffung eines venezolanischen Bundesstaats Guayana Esequiba. Guyana, die USA und Brasilien reagierten mit militärischen Vorsichtsmaßnahmen.
Das Verkehrsnetz umfasst 82.700 km Straßen und 584 km Eisenbahnstrecken, von denen 336 km staatlich betrieben werden. Wegen des schwachen Bahnnetzes sind Busse das wichtigste Verkehrsmittel. Caracas besitzt seit 1983 eine Metro, Maracaibo und Valencia seit 2006. Für das Landesinnere sind 7100 km Wasserstraßen, besonders der Orinoco, bedeutend. Sieben internationale Flughäfen verbinden das Land; seit 2014 stellten jedoch zahlreiche internationale Fluggesellschaften wegen Devisenkontrollen ihre Verbindungen ein.
In der Umweltpolitik stehen Schutzmaßnahmen und schwere Probleme nebeneinander. Venezuela verbot 2008 das Fischen mit Trawlern und pflanzte im Programm Misión Árbol bis 2010 auf 34.000 Hektar 42 Millionen Bäume. Zugleich gehörte es zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu den Ländern mit der höchsten Entwaldungsrate. Wiederkehrende Ölverschmutzungen und stark belastetes Leitungswasser im Gebiet des Valenciasees gefährden Umwelt und Bevölkerung.
Bildung, Medien und Kultur
Venezuela besitzt staatliche und private Schulen und Hochschulen; die Schulpflicht beträgt neun Jahre. 1998 erfüllten sie nur etwa 60 Prozent der schulpflichtigen Kinder. Alphabetisierungskampagnen wie Misión Robinson senkten den Analphabetenanteil nach offiziellen Angaben; der Zensus von 2011 ergab 5,23 Prozent. Behauptungen, das Land sei praktisch frei von Analphabetismus, wurden jedoch angezweifelt. Ab 2003 entstand ein paralleles bolivarisches Bildungssystem mit Erwachsenenprogrammen, dezentralen Studienangeboten und Ganztagsschulen. Die 2003 gegründete Universidad Bolivariana nimmt grundsätzlich alle Interessierten mit Sekundarschulabschluss auf. Venezuela nimmt nicht an der PISA-Studie teil.
Das Musikerziehungsprogramm El Sistema bietet seit 1975 Kindern und Jugendlichen kostenlosen Unterricht und Instrumente; 2017 waren offiziell 827.000 Jugendliche eingeschrieben. Es brachte das international bekannte Orquesta Sinfónica Simón Bolívar hervor. Seine soziale Wirkung wird positiv dargestellt, doch Kritiker bemängeln Autoritarismus, übertriebene Disziplin, Wettbewerb und Geschlechterdiskriminierung.
Das Mediensystem umfasst private, staatliche und seit 2002 auch lokale Bürgermedien. Fernsehen ist das Leitmedium; Radio ist mit Hunderten Sendern besonders vielfältig. Staatliche Pflichtübertragungen, sogenannte Cadenas nacionales, zwangen alle Sender zur Ausstrahlung von Regierungsbotschaften. Lizenzentzug, Papiermangel, Blockaden und Gesetze gegen angeblich hasserfüllende Meldungen schränkten unabhängige Berichterstattung zunehmend ein.
Zur venezolanischen Alltagskultur gehören Arepas, gefüllte Maisfladen, sowie das Nationalgericht Pabellón Criollo aus schwarzen Bohnen, Kochbananen, Reis und Faserfleisch. Weitere Gerichte sind Hallacas, Mondongo und Sancocho. Der Joropo ist die bekannte Tanzmusik der Llanos. Nationalfeiertag ist der 5. Juli, der an die Unabhängigkeitserklärung von 1811 erinnert.
In Architektur und Kunst verbinden sich koloniale und moderne Einflüsse. Die Altstadt und der Hafen von Coro gehören zum UNESCO-Welterbe. Carlos Raúl Villanueva entwarf die Ciudad Universitaria de Caracas. Seit den 1950er-Jahren prägten abstrakte und kinetische Kunstschaffende wie Alejandro Otero, Carlos Cruz-Diez und Jesús Rafael Soto die moderne Kunst. Der Nationalsport ist Baseball; Fußball und Basketball folgen in der Beliebtheit. Venezuelas Männer-Fußballnationalmannschaft ist die einzige aus der CONMEBOL, die sich noch nie für eine WM-Endrunde qualifiziert hat.