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Condicional

Der spanische Begriff „condicional“ geht auf das lateinische Wort condicio (also zu deutsch „Bedingung“, „Lage“, „Verhältnisse“, „Beschaffenheit …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und grammatische Einordnung
  2. 2. Bildung der beiden Formen
  3. 3. Gebrauch des Condicional simple und perfecto
  4. 4. Aufbau des Bedingungssatzes
  5. 5. Prüfungsrelevante Unterscheidung

Grundidee und grammatische Einordnung

Der spanische Condicional, auch potencial genannt, beschreibt vor allem Handlungen, Ereignisse oder Zustände, die nur unter bestimmten Voraussetzungen eintreten würden oder eintreten könnten. Er kann außerdem eine von einem vergangenen Zeitpunkt aus betrachtete Zukunft ausdrücken.

Seine grammatische Einordnung ist nicht einheitlich: Von Beginn der 1930er Jahre bis 1973 galt er als eigener Modus, der modo potencial. Seit 1973 wird er vielfach als besondere Tempusform des Indikativs eingeordnet. Die verschiedenen Bezeichnungen spiegeln dieses Problem wider: Condicional beziehungsweise potencial, futuro hipotético, pospretérito sowie für die zusammengesetzte Form antefuturo hipotético oder antepospretérito.

Ein Tempus stellt zeitliche Beziehungen zwischen dem Sprechzeitpunkt und dem Inhalt einer Aussage her. Ein Modus zeigt dagegen die Einstellung des Sprechers zum Sachverhalt, etwa ob etwas als wirklich, möglich, bedingt oder erwünscht dargestellt wird. Der Condicional besitzt sowohl temporale als auch modale Funktionen.

Im Spanischen gibt es zwei Formen:

  • den Condicional simple oder Potencial simple für mögliche oder bedingte Vorgänge, die sich auf Gegenwart oder Zukunft beziehen;
  • den Condicional perfecto oder Potencial compuesto für vergangene Vorgänge, die unter anderen Voraussetzungen möglich gewesen wären, aber nicht zustande kamen.

Beide Formen können auch im Passiv stehen. Das Vorgangspassiv, pasiva de proceso, wird mit ser und einem veränderlichen Partizip gebildet; das Zustandspassiv, pasiva de estado, entsprechend mit estar und einem veränderlichen Partizip.

Bildung der beiden Formen

Der Condicional simple wird bei regelmäßigen Verben gebildet, indem man dieselben Endungen an den vollständigen Infinitiv auf -ar, -er oder -ir anhängt. Die Endungen lauten:

  • yo: -ía
  • tú: -ías
  • usted, él, ella: -ía
  • nosotros/-as: -íamos
  • vosotros/-as: -íais
  • ustedes, ellos, ellas: -ían

Daraus entstehen beispielsweise tomaría („würde nehmen“), comerías („würdest essen“) und viviríamos („würden leben“). Die Form wird auch Futuro hipotético, also „Futur der Annahme“, und Pospretérito genannt.

Der Condicional perfecto ist eine zusammengesetzte Form. Er besteht aus dem Condicional simple des Hilfsverbs haber und dem Partizip Perfekt, participio perfecto, des jeweiligen Vollverbs:

  • yo: habría + Partizip
  • tú: habrías + Partizip
  • usted, él, ella: habría + Partizip
  • nosotros/-as: habríamos + Partizip
  • vosotros/-as: habríais + Partizip
  • ustedes, ellos, ellas: habrían + Partizip

Beispiele sind habría tomado („würde genommen haben“), habrías comido („würdest gegessen haben“) und habríamos vivido („würden gelebt haben“). Das Vorgangspassiv wird durch Formen wie sería tomado im Condicional simple beziehungsweise habría sido tomado im Condicional perfecto gebildet.

Gebrauch des Condicional simple und perfecto

Der Condicional simple wird verwendet, um eine Bitte oder einen Wunsch auszudrücken, einen hypothetischen Sachverhalt zu beschreiben, einen Rat oder eine Aufforderung zu geben und Aussagen höflicher oder vorsichtiger zu formulieren. Weitere Funktionen sind die „Zukunft in der Vergangenheit“, eine Vermutung über die Vergangenheit und die Wiedergabe indirekter Rede.

Typische Beispiele sind:

  • ¿Podrías darme el vaso? – „Könntest du mir das Glas geben?“ Die Form mildert eine Bitte ab.
  • Me gustaría vivir en Menorca. – „Ich würde gern auf Menorca wohnen.“ Damit wird ein Wunsch ausgedrückt.
  • No lo haría. – „Ich würde es nicht machen.“ Die eigene Meinung wird abgeschwächt.
  • Dijo que me llamaría. – „Er sagte, er riefe mich an.“ Llamaría bezeichnet hier eine Zukunft aus der Sicht eines vergangenen Zeitpunkts.
  • Sería mejor que no tomaras tanto. – „Es wäre besser, wenn du nicht so viel tränkest.“ Damit wird ein Rat erteilt.

Die Zukunft in der Vergangenheit kann auch durch die Verbalperiphrase iba + a + Infinitiv wiedergegeben werden, auf Deutsch etwa „später sollte“ oder „würde“.

Der Condicional perfecto bezeichnet dagegen meist einen vergangenen Sachverhalt, der möglich gewesen wäre, dessen Voraussetzung aber nicht erfüllt wurde. Er kann außerdem Vermutungen über die Vergangenheit, irreale Bedingungssätze, Ungewissheiten in der indirekten Rede und eine „abgeschlossene Zukunft in der Vergangenheit“ ausdrücken.

Beispiele:

  • Te habría visitado, pero no tuve tiempo. – „Ich hätte dich besucht, aber ich hatte keine Zeit.“
  • Oí un choque. ¿Qué habría sido? – „Ich hörte einen Schlag. Was mag das wohl gewesen sein?“
  • Si me hubieras hecho caso, no te habrías ido a esquiar y no te habrías roto la pierna. – „Wenn du auf mich gehört hättest, wärest du nicht zum Skifahren gegangen und hättest dir nicht das Bein gebrochen.“

Aufbau des Bedingungssatzes

Ein spanischer Bedingungs- oder Wenn-dann-Satz besteht aus zwei Teilen. Die Protasis ist der Nebensatz, der die Bedingung nennt, meist mit si („wenn“). Die Apodosis ist der Hauptsatz, der die Folge oder das eigentliche Geschehen ausdrückt. Die Protasis steht meistens vor der Apodosis, kann aber auch folgen.

Der Bedingungssatz gehört zu den Adverbialsätzen. Sein Nebensatz wirkt wie eine Adverbialbestimmung und erläutert, unter welcher Voraussetzung der Sachverhalt des Hauptsatzes eintritt oder nicht eintritt. Verknüpft werden beide Teile durch konditionale Konjunktionen wie si, excepto si, salvo si oder por si. Andere Verbindungen wie en caso de que, siempre que, con tal que, excepto que, a poco que, supuesto que oder en tanto que verlangen den Subjunktiv.

Eine zentrale Regel lautet: Der Condicional steht nicht im mit si eingeleiteten Bedingungs- oder Wenn-Satz. Dort steht je nach Bedeutung der Indikativ oder Subjunktiv; der Condicional erscheint im Haupt- oder Dann-Satz. Beispiel: Si tuviera dinero, me compraría un coche. Der Nebensatz Si tuviera dinero nennt im Pretérito imperfecto de subjuntivo die Voraussetzung; me compraría un coche nennt im Condicional simple die Folge.

Beim realen Bedingungssatz des Typs I kann die Bedingung eintreten. Nach si steht dann das Presente de indicativo, niemals das Futur. Der Hauptsatz kann im Presente de indicativo, Futuro simple de indicativo oder Imperativo stehen: Si tengo tiempo, te ayudo. Ein weiteres Beispiel ist Viajaré a Chile si me dan el peso.

Beim potenziellen Bedingungssatz des Typs II ist die Verwirklichung möglich, wahrscheinlich oder unwahrscheinlich. Für eine unwahrscheinliche Voraussetzung steht häufig das Pretérito imperfecto de subjuntivo in der Protasis und der Condicional simple in der Apodosis: Si pudiera, viajaría por toda la América Latina.

Beim irrealen Bedingungssatz des Typs III ist die Verwirklichung nicht mehr möglich, meist weil es um die Vergangenheit geht. In der Protasis steht dann das Pretérito pluscuamperfecto de subjuntivo, in der Apodosis häufig der Condicional perfecto: Habríamos comprado el coche si hubiéramos tenido dinero.

Prüfungsrelevante Unterscheidung

Für die Wahl der Form sind zwei Fragen entscheidend: Ist die Bedingung erfüllbar, und auf welche Zeit bezieht sich die Aussage?

  • Eine reale, erfüllbare Bedingung verwendet nach si den Indikativ: si + Presente de indicativo. Im si-Satz darf kein Futur stehen.
  • Eine wenig wahrscheinliche oder nur gedachte gegenwärtige beziehungsweise zukünftige Bedingung verwendet gewöhnlich si + Pretérito imperfecto de subjuntivo; die Folge steht oft im Condicional simple.
  • Eine in der Vergangenheit nicht erfüllte und daher irreale Bedingung verwendet si + Pretérito pluscuamperfecto de subjuntivo; die nicht eingetretene Folge steht gewöhnlich im Condicional perfecto.

Der Condicional simple entspricht im Deutschen häufig Formen mit „würde“, „wäre“, „hätte“ oder „könnte“. Der Condicional perfecto entspricht oft „hätte …“ beziehungsweise „wäre …“ mit einem Partizip. Eine vollständig gleiche grammatische Form gibt es im Deutschen jedoch nicht; je nach Zusammenhang werden Indikativ, Konjunktiv I, Konjunktiv II, eine würde-Umschreibung oder andere Konstruktionen verwendet.

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