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Subjuntivo
Der Subjuntivo oder auch modo de subjuntivo („Subjunktiv“) ist ein Modus oder eine Aussageweise in der Grammatik der spanischen Sprache.
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Bedeutung und Grundfunktion
Der Subjuntivo ist ein Modus, also eine grammatische Aussageweise des spanischen Verbs. Er zeigt vor allem, aus welcher Perspektive ein Sprecher ein Ereignis betrachtet. Dabei geht es häufig um Wünsche, Gefühle, Bewertungen, Zweifel, Möglichkeiten, Forderungen oder noch nicht sicher eingetretene Ereignisse. Der Modus ist ein grammatisches Mittel der Modalität; Modalität bezeichnet die Einstellung des Sprechers zu seiner Aussage und zu deren Verhältnis zur Wirklichkeit.
Vereinfacht steht der Indicativo für die Darstellung eines Sachverhalts als Tatsache oder „gültige“ Aussage, der Subjuntivo dagegen für eine subjektiv oder objektiv eingeschränkte Gültigkeit. Nach Martin Hummel ist der Indicativo der „Existenzmodus“: Er beschreibt Ereignisse aus der Perspektive ihres tatsächlichen Eingetretenseins. Der Subjuntivo ist der „Inzidenzmodus“: Er richtet den Blick auf das mögliche Eintreten eines Ereignisses und auf Alternativen, ohne festzustellen, ob es in der wirklichen Welt tatsächlich eintritt. Deshalb kann er auch bei einem Ereignis stehen, das faktisch stattgefunden hat, wenn dieses nicht als Tatsache, sondern etwa als Gegenstand einer Bewertung präsentiert wird.
Der Subjuntivo ist meistens eine abhängige Verbform in einem Nebensatz, häufig nach que oder einer anderen unterordnenden Konjunktion. Er kann aber auch in Hauptsätzen vorkommen. Seine Formen drücken Zeit weniger eindeutig aus als die des Indicativo. Der Subjuntivo situiert ein Ereignis nicht unabhängig und scharf in Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft, sondern beschreibt vor allem sein zeitliches Verhältnis zu einem anderen Ereignis. Darum muss seine genaue Zeitbedeutung aus dem Hauptsatz und dem Zusammenhang erschlossen werden.
Typische Verwendungsbereiche
Der Subjuntivo steht häufig in folgenden Zusammenhängen:
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Wünsche und Hoffnungen: ¡Que se divierta! („Viel Vergnügen!“), ¡Ojalá apruebes el examen! („Hoffentlich bestehst du die Prüfung!“). Nach ojalá steht das Presente de subjuntivo bei einem möglichen oder nicht unwahrscheinlichen zukünftigen Wunsch, das Pretérito imperfecto de subjuntivo bei einem gegenwärtig unmöglichen oder eher unwahrscheinlichen Wunsch und das Pretérito pluscuamperfecto de subjuntivo bei einem nicht mehr erfüllbaren Wunsch der Vergangenheit: ¡Ojalá lo hubiera sabido antes! („Hätte ich es doch früher gewusst!“).
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Wille, Rat, Forderung oder Empfehlung: Verben wie esperar, recomendar, exigir, aconsejar und insistir können den Subjuntivo auslösen. Beispiele sind Espero que todo te vaya bien („Ich hoffe, dass alles gut für dich läuft“) und Exijo que me digas la verdad („Ich verlange, dass du mir die Wahrheit sagst“).
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Gefühle und subjektive Bewertungen: Me alegro de que hayáis aprobado el examen („Ich freue mich, dass ihr die Prüfung bestanden habt“) oder Me molesta que estés tan ruidoso („Es stört mich, dass du so laut bist“). Der bewertete Sachverhalt kann dabei durchaus wahr sein.
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Zweifel, Unsicherheit und Wahrscheinlichkeit: Dudo que los profesores siempre tengan razón („Ich bezweifle, dass die Lehrer immer recht haben“) und Es probable que yo venga („Wahrscheinlich komme ich“). Auch verneinte Aussagen des Meinens oder der Sicherheit verlangen oft den Subjuntivo: No creo que mañana llueva. Dagegen steht in Creo que mañana no llueve der Indicativo, weil nicht das Meinen, sondern nur der Inhalt des Nebensatzes verneint wird. Ebenso: Es cierto que Pedro va a comprarse un coche, aber No es cierto que Pedro vaya a comprarse un coche.
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Unpersönliche Ausdrücke: Konstruktionen wie es aconsejable que, es importante que, es fundamental que und es probable que stehen bei einem persönlichen Subjekt häufig mit Subjuntivo: Es aconsejable que estudiéis la lengua. Ohne persönliches Subjekt steht der Infinitiv: Es aconsejable estudiar la lengua.
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Relativsätze: Der Subjuntivo steht bei Forderungen, Bedingungen, unbestimmten oder nicht vorhandenen Bezugsgrößen, etwa Necesitamos una oficiala que tenga conocimientos en informática oder No hay nadie que lo sepa. Er folgt außerdem unter anderem auf quienquiera, cualquiera und comoquiera.
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Konjunktionen und feste Wendungen: antes de que, para que, a fin de que und sin que verlangen den Subjuntivo. Bei cuando, aunque, mientras, si und weiteren Konjunktionen hängt der Modus von der Bedeutung ab. Aunque mit Indicativo bedeutet beispielsweise „obwohl“, mit Subjuntivo „selbst wenn“. Feste Wendungen sind Como tú digas und Que yo sepa.
Diese Zuordnungen sind wichtige Lernhilfen, erklären aber nicht jeden Fall. Nach Hummel kann der gemeinsame Grundwert darin gesehen werden, dass das Ereignis unter dem Gesichtspunkt seines Eintretens und nicht seines faktischen Eingetretenseins dargestellt wird.
Zeitenfolge und Zeitverhältnisse
Die Zeitenfolge, correspondencia de tiempos, beschreibt die zeitliche Beziehung zwischen dem Ereignis im Hauptsatz und dem Ereignis im Nebensatz. Man unterscheidet Vorzeitigkeit, Gleichzeitigkeit und Nachzeitigkeit. Vorzeitigkeit bedeutet, dass das Nebensatzereignis früher stattfindet; Gleichzeitigkeit, dass beide Ereignisse gleichzeitig verlaufen; Nachzeitigkeit, dass das Nebensatzereignis später eintritt.
Für die Wahl der Subjuntivo-Form werden die Tempora des Hauptsatzes in zwei Gruppen eingeteilt:
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Gegenwartsgruppe: Presente, Futuro simple oder perfecto und Pretérito perfecto. Bei Gleich- oder Nachzeitigkeit steht normalerweise das Presente de subjuntivo: Me molesta que fumes. Bei Vorzeitigkeit steht das Pretérito perfecto de subjuntivo: Es lógico que no hayan aprobado el examen.
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Vergangenheitsgruppe: Pretérito imperfecto, Pretérito indefinido, Pretérito pluscuamperfecto sowie Condicional simple oder perfecto. Bei Gleich- oder Nachzeitigkeit steht das Pretérito imperfecto de subjuntivo: Me molestó que fumaras oder fumases. Bei Vorzeitigkeit steht das Pretérito pluscuamperfecto de subjuntivo: Fue lógico que no hubieran oder hubiesen aprobado el examen.
Auch nach einem Futur im Hauptsatz stehen bei Gleich- oder Nachzeitigkeit das Presente de subjuntivo und bei Vorzeitigkeit das Perfecto de subjuntivo. Nach einem Condicional folgen entsprechend Imperfecto beziehungsweise Pluscuamperfecto de subjuntivo.
Die Analyse kann mithilfe von drei Bezugspunkten erfolgen: Ereigniszeit E, Sprechzeit S und Referenzzeit R. Der Aspekt beschreibt dabei die innere zeitliche Struktur eines Ereignisses: aspecto perfectivo bezeichnet ein abgeschlossenes, aspecto imperfectivo ein nicht abgeschlossenes oder andauerndes Geschehen. Der Subjuntivo besitzt keine eigene Form, die dem spanischen Pretérito indefinido als perfektiver Vergangenheitsform entspricht. Seine Formen unterscheiden daher besonders zwischen Vorzeitigkeit und Nicht-Vorzeitigkeit beziehungsweise zwischen abgeschlossenem und nicht abgeschlossenem Vorgang.
Bildung und Formen
Der Subjuntivo besitzt formal drei einfache und drei zusammengesetzte Formen: Presente, Pretérito imperfecto, Futuro simple, Pretérito perfecto, Pretérito pluscuamperfecto und Futuro perfecto. Er kann nicht für das Pretérito indefinido und das Pretérito anterior gebildet werden.
Das Presente de subjuntivo beruht auf der ersten Person Singular des Indicativo. Die Endungen wechseln: Verben auf -ar erhalten -e, -es, -e, -emos, -éis, -en; Verben auf -er und -ir erhalten -a, -as, -a, -amos, -áis, -an. Beispiele sind tome, tomes, tome, tomemos, toméis, tomen sowie coma und viva. Die Formen entsprechen dem verneinten Imperativ. Unregelmäßige Beispiele sind esté, sepa und vaya.
Das Pretérito perfecto de subjuntivo besteht aus dem Presente de subjuntivo von haber und dem Partizip Perfekt: haya, hayas, haya, hayamos, hayáis, hayan hablado. Es bezeichnet gewöhnlich ein gegenüber einem gegenwärtigen Bezugspunkt vorzeitiges Geschehen.
Das Pretérito imperfecto de subjuntivo wird aus der dritten Person Plural des Pretérito indefinido gebildet. Bei -ar-Verben wird -aron durch -ara oder -ase ersetzt, bei -er- und -ir-Verben -ieron durch -iera oder -iese: hablara oder hablase, comiera oder comiese, viviera oder viviese. Beide Reihen sind grundsätzlich gleichwertig und ihre Verteilung ist häufig regional. Die -ra-Form kann jedoch nicht in jeder historisch bedingten Verwendung durch -se ersetzt werden. Unregelmäßige Beispiele sind estuviera/estuviese, supiera/supiese und fuera/fuese.
Das Pretérito pluscuamperfecto de subjuntivo wird mit hubiera oder hubiese und dem Partizip gebildet: hubiera/hubiese hablado. Es bezeichnet besonders ein Ereignis, das vor einem vergangenen Bezugspunkt lag oder unter anderen Bedingungen in der Vergangenheit hätte stattfinden können.
Das Futuro simple de subjuntivo wird ebenfalls aus der dritten Person Plural des Indefinido abgeleitet und besitzt Formen wie hablare, hablares, hablare, habláremos, hablareis, hablaren. Es wird heute nur noch selten und fast ausschließlich schriftlich gebraucht, besonders in Gesetzestexten und festen Wendungen: Sea lo que fuere; heute häufiger Sea lo que sea. Das Futuro perfecto besteht aus dem Futuro de subjuntivo von haber und dem Partizip, etwa hubiere hablado.
Zusammengesetzte Passivformen verwenden ser oder estar mit dem Partizip. Das Vorgangspassiv mit ser bezeichnet einen Prozess, das Zustandspassiv mit estar dessen Ergebnis oder Zustand: Las peras fueron comidas por Pedro. Im Subjuntivo entstehen etwa sea tomado, haya sido tomado oder estuviera radiado.
Abgrenzung zum deutschen Konjunktiv
Der spanische Subjuntivo ist keine direkte Entsprechung des deutschen Konjunktivs. Der deutsche Konjunktiv I wird vor allem für indirekte Rede sowie für Wünsche, Aufforderungen, Vermutungen und bestimmte Vergleiche gebraucht. Der Konjunktiv II bezeichnet vor allem Irrealität, Potenzialität, hypothetische Bedingungen und höfliche Einstellungen.
Im Spanischen steht in der indirekten Rede normalerweise kein Subjuntivo, sondern der Indicativo: Sie sagt, er gehe entspricht Dice que sale. Eine Ausnahme kann entstehen, wenn der ursprüngliche Satz einen Imperativ enthält oder wenn eine Verneinung beziehungsweise andere Auslöser hinzukommen: No dice que salga. Umgekehrt verlangt das Spanische in vielen Sätzen einen Subjuntivo, obwohl im Deutschen gewöhnlich der Indikativ steht: Quiero que vengas wird normalerweise mit „Ich möchte, dass du kommst“ übersetzt. Die spanische Form Quiero que *vienes ist in diesem Zusammenhang grammatisch falsch.
Beide Sprachen können mit ihren Möglichkeitsformen Wünsche, Aufforderungen, Möglichkeiten und Nichtwirklichkeit kennzeichnen. Die konkreten Regeln unterscheiden sich jedoch deutlich. Eine formale Übersetzung mit deutschem Konjunktiv I oder II kann daher nur als Hinweis dienen. Für die richtige spanische Form müssen Auslöser, Satzart, Bedeutung und Zeitenfolge berücksichtigt werden.
Erklärungsmodelle und Forschungsstand
In der Sprachwissenschaft ist umstritten, ob der Subjuntivo vor allem morphosyntaktisch, semantisch oder pragmatisch zu erklären ist. Antoni Maria Badia i Margarit vertritt eine morphosyntaktische Sicht: Im Nebensatz zeige der Subjuntivo hauptsächlich dessen Abhängigkeit vom Hauptsatz. Martin Hummel vertritt eine semantische Erklärung, Ralph Ludwig exemplarisch eine pragmatische Betrachtung.
Zu den vorgeschlagenen Gegensatzpaaren gehören Realität und Nichtwirklichkeit, Objektivität und Subjektivität, Aussage und Aussetzung der Aussage, behauptbar und nicht behauptbar sowie gültige und eingeschränkt gültige Aussage. Diese semantischen Gegensätze reichen nach dem Artikel allein nicht aus, weil auch syntaktische Faktoren wie Satzart, Konjunktionen und Adverbien wichtig sind.
Zwei zentrale Modelle sind das Auslösungsmodell und das Inzidenzmodell. Das Auslösungsmodell erklärt den Subjuntivo durch übergeordnete Verben, Konjunktionen und Einstellungen wie Wunsch, Gefühl, Zweifel, Bitte oder Befehl. Es ist für den Unterricht praktisch, führt aber zu vielen Einzelregeln; Borrego fand 1998 mehr als siebzig Gebrauchsregeln.
Hummels Inzidenzmodell sucht dagegen einen gemeinsamen Grundwert: Der Subjuntivo fokussiert ein Ereignis unter dem Aspekt seines möglichen Eintretens, während der Indicativo es unter dem Aspekt seiner faktischen Existenz präsentiert. Diese Erklärung schließt ein, dass auch ein tatsächlich eingetretenes Ereignis im Subjuntivo stehen kann, wenn es auf einer sekundären Ebene der Vorstellung, Bewertung oder Interpretation dargestellt wird. Die unterschiedlichen Modelle schließen sich in der praktischen Beschreibung nicht vollständig aus: Signalwörter und Konstruktionen helfen bei der Formenwahl, während der Grundwert erklären soll, was die vielen Verwendungsweisen verbindet.
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