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Marokko
Marokko ; Fläche, 446.550 km² · 712.550 (mit Westsahara) km² ; Einwohnerzahl, 38,4 Millionen (40.) (2025) ; Bevölkerungsdichte, 86 Einwohner pro km² ; Bevölkerungs …
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Staat, Lage und Bevölkerung
Marokko ist ein Staat im Nordwesten Afrikas. Das Land liegt am Atlantischen Ozean und am Mittelmeer und ist durch die Straße von Gibraltar von Europa getrennt. Im Osten grenzt es an Algerien. Die Südgrenze ist wegen des Westsaharakonflikts international umstritten. Alle amtlichen Grundangaben beziehen sich auf das Kerngebiet ohne Westsahara: Es umfasst 446.550 km²; mit Westsahara wären es 712.550 km². Hauptstadt ist Rabat, größte Stadt Casablanca. 2025 hatte Marokko schätzungsweise 38,4 Millionen Einwohner.
Marokko ist eine konstitutionelle Monarchie mit König Mohammed VI. als Staatsoberhaupt. Regierungschef ist Premierminister Aziz Akhennouch. Arabisch und Marokkanisches Tamazight, eine Berbersprache, sind Amtssprachen; der Islam ist Staatsreligion. Zahlungsmittel ist der Dirham. Das Land wurde am 2. März 1956 von Frankreich unabhängig.
2023 lebten 65 % der Bevölkerung in Städten. Die Einwohner sind räumlich sehr ungleich verteilt: Zwei Drittel leben auf etwa einem Zehntel der Landesfläche, vor allem im Norden und Westen. 2023 zählte Marokko 37,8 Millionen Einwohner, die Bevölkerung wuchs um 1,0 %. 2022 betrug die statistische Kinderzahl je Frau 2,3 und die Lebenserwartung 75 Jahre. 2023 waren 26,3 % der Menschen jünger als 15 Jahre und 8,0 % älter als 64 Jahre.
Etwa 90 % sprechen Darija, das marokkanische Arabisch. Gut die Hälfte beherrscht eine Berbersprache. Französisch dient weithin als Handels-, Bildungs- und Arbeitssprache; regional wird Spanisch verwendet, während Englisch unter gebildeten Jugendlichen an Bedeutung gewinnt. Etwa 98,7 % der Bevölkerung sind Muslime, davon 90 % Sunniten malikitischer Richtung. Kleine christliche und jüdische Gemeinschaften bestehen ebenfalls.
Landschaft, Klima und Natur
Marokkos Landschaft gliedert sich in die Küstenregionen, die atlantische Marokkanische Meseta, die Gebirge Hoher Atlas, Mittlerer Atlas und Rif sowie die südöstlichen Plateaus und Sahara-Randgebiete. Die Mittelmeerküste ist meist steil und felsig, die Atlantikküste dagegen flach und wegen starken Sandtransports nur begrenzt für Häfen geeignet. Der tiefste Punkt liegt in der Sabcha Tah bei Tarfaya, 55 m unter dem Meeresspiegel.
Das Atlasgebirge bildet das landschaftliche Rückgrat und eine wichtige Klima- sowie Kulturbarriere. Der Hohe Atlas zieht sich etwa 800 km durch das Land. In ihm liegt der 4167 m hohe Jabal Toubkal, der höchste Berg Marokkos und ganz Nordafrikas. Nördlich schließen sich der Mittlere Atlas und das bis zu 2456 m hohe Rif an. Südöstlich liegen Anti-Atlas, Jabal Sarhro, Jabal Bani und Randlandschaften der Sahara. Erdbeben wie 1960 bei Agadir und am 9. September 2023 südlich von Marrakesch zeigen, dass die Gebirgsbildung noch nicht vollständig abgeklungen ist.
Das Klima geht vom mediterranen Nordwesten zum saharisch-kontinentalen Südosten über. Im Nordwesten sind die Sommer trocken und heiß, die Winter mild und regenreich. Die Jahresniederschläge reichen dort beispielsweise von 900 mm in Tanger bis 200 mm in Agadir. Im Inneren sind die Temperaturunterschiede größer: Marrakesch erreicht im Sommer bis zu 45 °C, während im Winter Temperaturen um den Gefrierpunkt möglich sind. An westlichen Gebirgshängen fallen stellenweise mehr als 1000 mm Niederschlag, oberhalb von 1000 m im Winter oft als Schnee. Südlich des Hohen Atlas herrscht Wüstenklima mit selten mehr als 200 mm Niederschlag; Landwirtschaft ist dort meist nur in bewässerten Oasen möglich.
Nordwestlich des Atlas überwiegt mediterrane Vegetation, südöstlich Wüstensteppe. Wälder bedecken nur etwa ein Zehntel der Landesfläche. Zu den Tierarten gehören Berberaffen, Gazellen, Hyänen, Schakale und Fenneks; Leopard und Wüstenluchs sind vom Aussterben bedroht. Nationalparks wie der Toubkal- und der Ifrane-Nationalpark schützen Gebirgsräume, Zedernwälder und Berberaffen.
Geschichtliche Entwicklung
Berberstämme besiedelten das Gebiet bereits im 2. Jahrtausend v. Chr. Seit dem 12. Jahrhundert v. Chr. gründeten Phönizier Handelsplätze an der Küste. Nach der Zerstörung Karthagos 146 v. Chr. geriet das Gebiet unter römischen Einfluss; 42 n. Chr. entstanden die Provinzen Mauretania Tingitana und Mauretania Caesariensis.
Um 700 erreichten arabische Eroberer das Gebiet und leiteten Islamisierung und Arabisierung ein. 789 gründete Idris I. die Idrisiden-Dynastie mit Fès als Hauptstadt. Es folgten mächtige Berberdynastien: Die Almoraviden herrschten von 1062 bis 1147 und machten Marrakesch zur Hauptstadt; die Almohaden regierten von 1147 bis 1269 ein Reich, das zeitweise bis nach Spanien und Sizilien reichte. Danach folgten Meriniden, Wattasiden und Saadier. Seit 1669 herrscht die Dynastie der Alawiden bis heute.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert nahm der europäische Einfluss zu. Nach den Marokkokrisen von 1905 und 1911 wurde das Land 1912 in französische und spanische Protektoratsgebiete geteilt; Tanger erhielt 1923 internationalen Status. Widerstand leisteten unter anderem Berbergruppen und die Rifkabylen unter Abd al-Karim. Sultan Mohammed V. wurde 1953 verbannt, konnte aber 1955 zurückkehren. 1956 erlangte Marokko die volle Unabhängigkeit von Frankreich und Spanien; Ceuta, Melilla und zunächst Sidi Ifni blieben spanisch.
Unter Hassan II. orientierte sich Marokko eng am Westen. Nach Spaniens Rückzug aus der Westsahara 1976 beanspruchte Marokko das Gebiet. Es folgte ein Krieg gegen die von Algerien unterstützte Frente Polisario. Seit 1991 gilt ein Waffenstillstand, doch das geplante Referendum wurde wiederholt verschoben. Am 31. Oktober 2025 forderte der UN-Sicherheitsrat mit Resolution 2797 Verhandlungen auf Grundlage eines marokkanischen Autonomievorschlags. Die Zugehörigkeit der Westsahara bleibt international umstritten.
Proteste des Arabischen Frühlings führten 2011 zu einer Verfassungsreform. Tamazight wurde zweite Amtssprache, und einige Kompetenzen gingen an Premierminister und Parlament über. Der König behielt jedoch weitreichende Macht.
Politik, Rechte und Außenbeziehungen
Marokko ist nominell eine konstitutionelle Monarchie, wird in der Praxis aber teilweise autoritär regiert. Der König ist Oberbefehlshaber, ernennt den Premierminister und weitere Minister, bestätigt das Kabinett und kann Parlament und Regierung stark beeinflussen. Nach der Verfassung von 2011 muss der Premierminister aus der bei der Wahl stärksten Partei kommen. Das Repräsentantenhaus besitzt 395 Sitze; 60 Sitze der nationalen Liste sind für Frauen und 30 für Abgeordnete unter 40 Jahren vorgesehen. Bei der Wahl 2021 wurde die RNI stärkste Partei, und Aziz Akhennouch erhielt den Auftrag zur Regierungsbildung.
Das Rechtssystem orientiert sich weitgehend am französischen Vorbild. Familien- und Erbrecht werden durch die Moudawana geregelt, die europäisches Zivilrecht und Regeln des sunnitischen Islam verbindet. Für Juden gilt talmudisches Familienrecht. Die Richter des Obersten Gerichtshofs in Rabat ernennt der König.
Menschenrechtsorganisationen berichten regelmäßig über Einschränkungen der Meinungs-, Presse-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit. Kritik an Monarchie, Behörden oder der Politik in der Westsahara kann strafrechtlich verfolgt werden. Frauen und Männer sind laut Verfassung gleichberechtigt, Frauen werden gesellschaftlich und rechtlich jedoch weiterhin deutlich benachteiligt. Gleichgeschlechtliche Handlungen werden nach Artikel 489 des Strafgesetzbuchs mit sechs Monaten bis drei Jahren Gefängnis und einer Geldbuße bestraft.
Marokko gehört unter anderem den Vereinten Nationen, der Afrikanischen Union, der Arabischen Liga und der Welthandelsorganisation an. Wegen der Aufnahme der Arabischen Demokratischen Republik Sahara hatte es die Afrikanische Union 33 Jahre lang verlassen und kehrte 2017 zurück. Die Beziehungen zu Algerien sind wegen der Westsahara und anderer Konflikte stark belastet; Algerien brach 2021 die diplomatischen Beziehungen ab. Mit Spanien bestehen Streitigkeiten über Ceuta, Melilla und kleinere Inseln, zugleich arbeiten beide Länder wirtschaftlich und bei der Migrationskontrolle zusammen. Marokko ist seit 2004 wichtiger Verbündeter der USA außerhalb der NATO. Mit der EU bestehen enge Handels- und Nachbarschaftsbeziehungen; ein EG-Beitrittsantrag von 1987 wurde aus geografischen Gründen abgelehnt.
Wirtschaft, Energie und Verkehr
Marokko besitzt eine marktwirtschaftlich orientierte Wirtschaftsordnung. Wichtige Bereiche sind Landwirtschaft, Bergbau, Industrie, Fischerei, Dienstleistungen und Tourismus. Das Bruttoinlandsprodukt betrug 2024 nominal 161 Milliarden US-Dollar und nach Kaufkraftparität 403 Milliarden US-Dollar. Das kaufkraftbereinigte BIP je Einwohner lag bei 10.794 US-Dollar. Der HDI, der Entwicklungsstand anhand von Gesundheit, Bildung und Einkommen misst, betrug 2023 0,710.
Marokko verfügt über große Phosphatvorkommen. 2018 kamen rund 14 % der weltweiten Phosphatförderung aus Marokko und der Westsahara; dort sollen etwa 72 % der weltweiten Reserven liegen. Das Unternehmen OCP ist Weltmarktführer bei Phosphat und Düngemitteln. Daneben sind Textilien, Nahrungsmittel, Chemie, Fahrzeugbau, Elektrogeräte und traditionelles Handwerk wichtig. Seit der Eröffnung des Renault-Werks in Tanger 2012 nahmen die Automobilexporte stark zu.
Die Landwirtschaft beschäftigte 2003 43,6 % der Erwerbstätigen und erzeugte 17 % des BIP. Angebaut werden unter anderem Getreide, Hülsenfrüchte, Oliven, Zitrusfrüchte und Gemüse. Trockenheit und ungleiche Landverteilung stellen große Probleme dar. Seit Ende 2021 erlebte das Land die schwerste Dürre seit 30 Jahren. Fischerei und Fischverarbeitung sind wichtige Exportzweige, zugleich führten industrielle Fangmethoden zur Überfischung.
Der Dienstleistungssektor erzeugte 2003 54 % des BIP. Der Tourismus trägt etwa 10 % zum BIP bei und sichert mehr als 500.000 Arbeitsplätze. 2016 kamen 10,3 Millionen Touristen. Bedeutende Ziele sind Marrakesch, Agadir, Casablanca, Tanger, Fès, Ouarzazate und Rabat. Zudem wächst die Call-Center-Branche.
Da Marokko seinen Energiebedarf nur zu etwa 13 % selbst decken kann, baut es Wind- und Solarenergie aus. Bis 2030 soll die Hälfte des Stroms aus Sonne, Wind und Wasserkraft stammen. Bedeutende Projekte sind der 301-MW-Windpark Tarfaya und das Solarkraftwerk Ouarzazate. Das Stromnetz ist seit 1997 mit dem europäischen Verbundsystem verbunden; 2016 betrug die Übertragungskapazität zu Spanien 1400 MW. Die Elektrifizierungsquote auf dem Land stieg von 20 % Mitte der 1990er Jahre auf 99,4 %.
Das Verkehrsnetz konzentriert sich auf den Nordwesten. Es umfasst etwa 62.000 km Straßen und mehr als 1677 km Autobahnen. Das Eisenbahnnetz ist 2109 km lang; 2018 wurde die Hochgeschwindigkeitsstrecke Tanger–Kenitra eröffnet. Marokko besitzt 15 internationale Flughäfen. Der große Hafen Tanger bietet Container-, Güter- und Fährverkehr nach Spanien, Frankreich und Italien.
Bildung, Gesundheit und Kultur
Für Kinder von 5 bis 15 Jahren besteht Schulpflicht. Die Einschulungsquote beträgt 92 %, doch mit 15 Jahren besucht nur noch etwa die Hälfte die Schule. 2015 konnten 72,4 % der Erwachsenen lesen und schreiben; bei Frauen waren es 62,5 %, bei Männern 82,7 %. Unterrichtet wird zunächst auf Arabisch, später werden Mathematik und Naturwissenschaften auf Französisch vermittelt. Trotz höherer Bildungsausgaben bleiben Abbruchquoten, Unterfinanzierung, fehlende Praxisplätze und eine geringe Abstimmung auf den Arbeitsmarkt wichtige Probleme.
Das Gesundheitswesen ist im afrikanischen Vergleich gut entwickelt, weist jedoch große Unterschiede zwischen Stadt und Land auf. 2021 entsprachen die Gesundheitsausgaben 5,7 % des BIP. 2017 kamen 7,3 Ärzte auf 10.000 Einwohner. Die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren lag 2022 bei 17,3 je 1000 Lebendgeburten. Zu den Problemen gehören Durchfall- und Parasitenkrankheiten, Malaria und teilweise Mangelernährung.
Marokkos Kultur verbindet arabisch-islamische und berberische Traditionen. Die traditionelle Literatur umfasst arabische religiöse Dichtung sowie mündlich überlieferte berberische Epen, Legenden und Lyrik. Moderne Literatur behandelt häufig Identität, Kolonialismus, Exil, Migration, Geschlechterverhältnisse und politische Unterdrückung. Zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe gehören unter anderem das Moussem-Festival von Tan-Tan, das Kirschfest von Sefrou, Musik und Rituale der Gnawa, die Tbourida-Reiterspiele und die poetisch-musikalische Kunst Malhun.
Marokko ist außerdem ein wichtiger Drehort für internationale Historien- und Bibelfilme, besonders in Ouarzazate und Aït-Ben-Haddou. Nationalsport ist Fußball. Bei der Weltmeisterschaft 2022 erreichte die Männernationalmannschaft als erstes afrikanisches Team das Halbfinale.