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House of Lords
Das House of Lords (englisch, auch House of Peers; deutsch „Herrenhaus“) ist das Oberhaus des britischen Parlaments. Während es einst die mächtigste …
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Aufgabe und Stellung im Parlament
Das House of Lords, auch House of Peers oder auf Deutsch „Herrenhaus“, ist das Oberhaus des britischen Parlaments. Es tagt gemeinsam mit dem House of Commons im Palace of Westminster in London. Seine erste Sitzung in der heutigen staatsrechtlichen Form fand am 22. Januar 1801 statt. Im September 2026 hatte es 797 Mitglieder.
Das Oberhaus war früher die mächtigere Parlamentskammer und zugleich ein oberstes Gericht. Heute erfüllt es vor allem eine beratende und überprüfende Aufgabe. Es prüft die vom House of Commons beschlossenen Gesetze, gibt Stellungnahmen ab und kann Änderungen oder eigene Gesetze vorschlagen. Das House of Commons hat jedoch grundsätzlich das letzte Wort.
Nach den Parliament Acts von 1911 und 1949 kann das House of Lords viele Gesetze höchstens zwölf Monate verzögern, aber nicht endgültig verhindern. Dieses Recht heißt aufschiebendes Veto. Bei Finanzgesetzen, den sogenannten money bills, einschließlich des Staatshaushalts, besitzt es keinen entsprechenden Einfluss. Für die Abberufung eines Richters des Supreme Court of the United Kingdom ist dagegen ein übereinstimmender Beschluss beider Parlamentskammern notwendig.
Als Vorteil des Oberhauses gilt, dass seine auf Lebenszeit ernannten Mitglieder weniger unmittelbar von Wahlen und tagespolitischen Überlegungen abhängig sind. Dadurch soll es Gesetzentwürfe mit größerem zeitlichem Abstand und aufgrund der Erfahrungen seiner Mitglieder prüfen können.
Historische Entwicklung und Machtverlust
Das britische Parlament entstand aus dem mittelalterlichen Kronrat, der den König beriet. Ihm gehörten Kleriker, Adlige sowie Vertreter der Grafschaften und Städte an. Das Modellparlament von 1295 umfasste Erzbischöfe, Bischöfe, Äbte, Grafen, Barone und gewählte Vertreter. Unter Eduard III. teilte sich das Parlament deutlich in zwei Kammern: das House of Commons für die Vertreter der Grafschaften und Städte und das House of Lords für die führenden Geistlichen und Adligen. Das Oberhaus bildete sich damit im 14. Jahrhundert heraus; die Bezeichnung House of Lords ist jedoch erst seit 1544 belegt.
Während des Englischen Bürgerkriegs verlor das Oberhaus seine Stellung. Nach der Hinrichtung Karls I. wurde es am 19. März 1649 abgeschafft und trat bis 1660 nicht mehr zusammen. Mit der Wiederherstellung der Monarchie wurde es erneut eingerichtet und blieb bis ins 19. Jahrhundert die stärkere Kammer.
Ein Wendepunkt war die Reformkrise von 1831/1832. Das damalige Wahlsystem des Unterhauses bevorzugte kleine, teilweise kaum noch bewohnte Wahlbezirke. Old Sarum hatte beispielsweise nur 11 Bewohner, durfte aber zwei Abgeordnete wählen, während Manchester keinen eigenen Vertreter besaß. Nachdem das Oberhaus eine Reform zunächst blockiert hatte, drohte Premierminister Charles Grey, 2. Earl Grey, mit der Ernennung zahlreicher reformfreundlicher Peers. Daraufhin ließen die Lords das Reformgesetz von 1832 passieren. Es beseitigte bedeutungslos gewordene Wahlbezirke und verbesserte die Vertretung bevölkerungsreicher Städte. In der Folge gewann das House of Commons zunehmend die politische Vorrangstellung.
Die entscheidende Entmachtung erfolgte nach dem Streit um das „Volksbudget“ von 1909. Das überwiegend konservative Oberhaus lehnte die von David Lloyd George vorgeschlagenen höheren Steuern für vermögende Landbesitzer ab. Die liberale Regierung Herbert Henry Asquiths setzte daraufhin den Parliament Act von 1911 durch, wobei sie mit der Ernennung von 500 neuen liberalen Peers drohte. Das Gesetz beseitigte die legislative Gleichrangigkeit beider Kammern: Die meisten Gesetze konnte das Oberhaus zunächst höchstens drei Parlamentssitzungen oder zwei Jahre, Finanzgesetze nur einen Monat verzögern. Der Parliament Act von 1949 verkürzte die allgemeine Frist auf zwei Sitzungen beziehungsweise höchstens ein Jahr.
Der Life Peerages Act von 1958 erlaubte nichtvererbbare Adelstitel auf Lebenszeit ohne zahlenmäßige Obergrenze und öffnete das Oberhaus zugleich für Frauen als Life Peers. Durch den House of Lords Act von 1999 verloren die meisten erblichen Peers ihre Sitze; als Übergangslösung durften 92 bleiben. Im März 2026 beschloss das Parlament schließlich, auch diese erblichen Sitze abzuschaffen.
Zusammensetzung und Mitgliedschaft
Das House of Lords besteht aus geistlichen und weltlichen Lords. Im September 2026 umfasste es 797 Sitze: einen Lord Speaker, 25 Bischöfe und 771 weltliche Lords. Politisch entfielen 232 Sitze auf Labour, 247 auf die Conservative Party, 80 auf die Liberal Democrats, sechs auf die DUP, drei auf die UUP, jeweils zwei auf Green Party und Plaid Cymru sowie einer auf einen Unabhängigen. Hinzu kamen 43 Fraktionslose und 155 Crossbencher. Crossbencher sind weltliche Lords, die öffentlich keiner Partei angehören.
Geistliche Lords, die Lords Spiritual, sitzen aufgrund eines kirchlichen Amtes im Oberhaus. Ihre Höchstzahl beträgt seit 1847 insgesamt 26. Ständig vertreten sind der Erzbischof von Canterbury, der Erzbischof von York sowie die Bischöfe von London, Durham und Winchester. Hinzu kommen grundsätzlich die 21 dienstältesten übrigen Bischöfe der Church of England; von 2015 bis 2030 werden weibliche Bischöfe dabei bevorzugt. Geistliche Lords gehören dem Haus nur während ihrer kirchlichen Amtszeit an. Sie vertreten ausschließlich die Church of England, die Staatskirche ist. Die Church of Scotland, die Scottish Episcopal Church sowie seit 1871 die Church of Ireland und seit 1920 die Church in Wales sind nicht vertreten.
Die weltlichen Lords, Lords Temporal, sind seit 2026 ausnahmslos Life Peers. Das sind auf Lebenszeit ernannte Adlige im Rang eines Barons oder einer Baroness; ihr Titel und ihr Parlamentssitz sind nicht erblich. Der Monarch ernennt sie auf Vorschlag des Premierministers. Dieser schlägt vor allem Angehörige seiner Partei vor, räumt gewöhnlich aber auch anderen Parteien Vorschlagsmöglichkeiten ein. Parteilose Ernennungen können auf Vorschlag der unabhängigen House of Lords Appointments Commission erfolgen. Die Zahl der Life Peers ist nicht gesetzlich begrenzt.
Von 1999 bis 2026 durften noch 92 Hereditary Peers, also erbliche Peers, im Oberhaus sitzen. Zwei Sitze waren mit den erblichen Ämtern Earl Marshal und Lord Great Chamberlain verbunden. Von den übrigen wurden 15 durch das gesamte Oberhaus und 75 innerhalb bestimmter politischer Gruppen gewählt: 42 Konservative, drei Liberal Democrats, zwei Labour-Mitglieder und 28 Crossbencher. Frei werdende Sitze wurden nach dem Instant-Runoff-Voting-Verfahren neu besetzt. Der House of Lords (Hereditary Peers) Act von 2026 beendete diese Übergangsregelung vollständig.
Ein Mitglied muss mindestens 21 Jahre alt und Bürger des Vereinigten Königreichs, eines britischen Überseegebiets oder eines anderen Commonwealth-Staates sein. Bestimmte Insolvenzbeschränkungen sowie eine noch nicht vollständig verbüßte oder begnadigte Verurteilung wegen Hochverrats schließen die Mitgliedschaft aus. Eine Haftstrafe wegen anderer Vergehen führt nicht automatisch zum Ausschluss.
Frühere Aufgabe als oberstes Gericht
Das House of Lords war früher oberstes Appellationsgericht in Zivilsachen für das gesamte Vereinigte Königreich sowie in Strafsachen für England, Wales und Nordirland. Schottland besitzt ein eigenes oberstes Strafgericht. Seit dem 19. Jahrhundert wurden erfahrene Juristen eigens zu Baronen ernannt, damit sie als Lords of Appeal in Ordinary, meist Law Lords genannt, die Rechtsprechung übernahmen. Sie arbeiteten im Appellate Committee of the House of Lords. Das letzte Mal beteiligten sich 1832 nicht juristisch ausgebildete Lords an einer Revisionsentscheidung.
Die aktiven Law Lords waren auf zwölf begrenzt. Sie mussten grundsätzlich mit 70 Jahren, auf Wunsch der Regierung spätestens mit 75 Jahren, aus dem Richteramt ausscheiden und nahmen üblicherweise nicht an politischen Debatten teil. Dadurch sollten richterliche Unabhängigkeit und Gewaltenteilung gewahrt bleiben.
Der Constitutional Reform Act von 2005 bereitete die Trennung von Parlament und höchstem Gericht vor. Am 1. Oktober 2009 nahm der eigenständige Supreme Court of the United Kingdom seine Arbeit auf und übernahm die Rechtsprechungsaufgaben des Oberhauses. Die bisherigen Law Lords wurden Richter des Supreme Court; ihre bereits verliehene Peerswürde behielten sie. In einigen Angelegenheiten war außerdem der Privy Council und nicht das House of Lords die letzte Revisionsinstanz.
Leitung, Verwaltung und Ausschüsse
Bis 2006 führte der Lord Chancellor den Vorsitz im House of Lords. Dieses Amt verband Aufgaben in Legislative, Exekutive und Judikative: Der Lordkanzler war Sprecher des Oberhauses, Kabinettsmitglied und Oberhaupt der Justiz von England und Wales. Der Constitutional Reform Act von 2005 veränderte seine Aufgaben und erlaubte dem Oberhaus, einen eigenen Parlamentssprecher zu wählen. Helene Hayman, Baroness Hayman, wurde am 4. Juli 2006 die erste Lord Speaker. Der Artikel nennt für die Zeit seit dem 1. Mai 2021 John McFall, Baron McFall of Alcluith, während die Basisdaten für September 2026 Michael Forsyth, Baron Forsyth of Drumlean, als Vorsitzenden ausweisen.
Der Leader of the House of Lords wird vom Premierminister ausgewählt, gehört dem Kabinett an und steuert die Gesetzesvorhaben der Regierung durch das Oberhaus. Der Clerk ist der von der Krone ernannte Chefsekretär. Er berät in Verfahrensfragen, unterzeichnet amtliche Dokumente, zeichnet Gesetze gegen und führt Protokoll. Der Gentleman Usher of the Black Rod übernimmt zeremonielle Aufgaben, beaufsichtigt die Hausmeister und kann auf Anordnung Störungen in der Kammer beseitigen.
Ausschüsse untersuchen Gesetze im Detail, schlagen Änderungen vor und kontrollieren die Regierung. Im Committee of the Whole House gehören alle Mitglieder dem Ausschuss an; sie dürfen zu einem Antrag mehrfach sprechen. Grand Committees stehen ebenfalls allen Mitgliedern offen, tagen aber in Ausschussräumen. Dort gibt es keine förmliche Stimmauszählung, und Änderungen müssen einstimmig angenommen werden, weshalb sie vor allem unstrittige Gesetze behandeln.
Ein Public Bill Committee besteht aus zwölf bis sechzehn Mitgliedern und wird für ein bestimmtes Gesetz gebildet. Ein Special Public Bill Committee darf zusätzlich Anhörungen durchführen und Beweise sammeln. Dauerhafte oder zeitweilige Select Committees überwachen insbesondere die Regierung, führen Anhörungen durch und sammeln Beweismaterial. Domestic Committees beaufsichtigen schließlich die internen Verfahren und die Verwaltung des Oberhauses.
Reformdebatten seit 2003
Mehrere Versuche, das ernannte Oberhaus durch eine stärker demokratisch legitimierte zweite Kammer zu ersetzen, blieben erfolglos. 2003 lehnte das House of Commons alle Modelle ab, die von einem vollständig ernannten bis zu einem vollständig gewählten Oberhaus reichten; auch die völlige Abschaffung fand keine Mehrheit. 2007 stimmte das Unterhaus mehrheitlich für ein zu 80 Prozent oder vollständig gewähltes Oberhaus, während das House of Lords für eine weiterhin vollständig ernannte Kammer votierte.
2017 empfahl ein Ausschuss, das Oberhaus zu verkleinern und die lebenslange Mitgliedschaft auf 15 Jahre zu begrenzen. Im September 2024 begann die Labour-Regierung das Verfahren zur Entfernung der letzten erblichen Peers. Der Beschluss von 2026 vollendete diesen Schritt, ließ aber die grundlegende Reformfrage offen. Für weitere Veränderungen wurden ein mögliches Ruhestandsalter, Mindestanforderungen an die Teilnahme und mehr besoldete Minister im Oberhaus angekündigt. Im Frühjahr 2026 hatte das Haus noch mehr als 800 Mitglieder, ein Durchschnittsalter von 71 Jahren und einen Männeranteil von rund 70 Prozent. Diskutiert wurden außerdem eine Altersgrenze von 80 Jahren sowie Modelle, bei denen Kommunalräte einen großen Teil der Mitglieder indirekt wählen und Fachleute weitere zeitlich befristete Sitze erhalten könnten. Auch eine umfassendere Ersetzung des Oberhauses bis zum Sommer 2029 stand in der öffentlichen Debatte.