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Chronologie des israelisch-palästinensischen Konflikts
1 Anfänge (1878–1920) · 2 Mandatszeit (1920–1948) · 3 Staatsgründung Israels (1948–1966) · 4 Kriege (1967–1986) · 5 Intifadas (1987–2005) · 6 Trennungsplan und …
Inhalt6 Abschnitte
Vorläufer und politische Grundlagen
Der Konflikt entwickelte sich vor dem Ende des Osmanischen Reiches aus konkurrierenden politischen und nationalen Vorstellungen für Palästina. Ab 1882 wanderten in der ersten Alija jüdische Menschen nach Palästina ein; eine zweite Alija folgte von 1905 bis 1914. 1896 schlug Theodor Herzl in Der Judenstaat die Schaffung eines jüdischen Staates vor. Auf dem ersten Zionistenkongress in Basel wurde 1897 die Schaffung einer „Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina“ zum Programm. In dieser Zeit entstanden unter anderem Poale Zion, Misrachi, HaPoel HaZair, HaSchomer, der Kibbuz Degania und Tel Aviv.
Während des Ersten Weltkriegs machten mehrere Mächte unterschiedliche Zusagen für die Zukunft der Region. Großbritannien stellte Hussein ibn Ali 1915–1916 arabische Unabhängigkeit in Aussicht. Gleichzeitig vereinbarten Großbritannien und Frankreich am 16. Mai 1916 im geheimen Sykes-Picot-Abkommen die Aufteilung osmanischer Gebiete. Am 2. November 1917 sagte die Balfour-Erklärung eine „nationale Heimstätte“ für die jüdische Bevölkerung in Palästina zu. Frankreich äußerte am 4. Juni 1917 sein Wohlwollen gegenüber einer Wiedergeburt jüdischen Lebens. 1917–1918 eroberte die britische Armee unter General Edmund Allenby Palästina.
Auf der Pariser Friedenskonferenz wurde am 3. Januar 1919 das Faisal-Weizmann-Abkommen geschlossen, das einen jüdischen Staat in Palästina vorsah. Zugleich untersuchte die King-Crane-Kommission die Lage im Nahen Osten. Die Spannungen zwischen der arabischen und der jüdischen Bevölkerung nahmen zu: Bei einer Schießerei bei Tel Chai am 29. Februar 1920 starben 8 Juden und 5 Araber; bei den Nabi-Musa-Unruhen vom 4. bis 7. April 1920 gab es vier arabische und fünf jüdische Tote.
Britische Herrschaft und Teilungspläne
Die Konferenz von Sanremo beschloss am 25. April 1920, die Balfour-Erklärung umzusetzen und Großbritannien das Mandat zu übertragen. 1922 bestätigte der Völkerbund diese Entscheidung und schuf das Völkerbundsmandat für Palästina über die Gebiete des heutigen Jordanien, Israel und Palästina. Der Mandatstext verwies auf die historische Verbindung des jüdischen Volkes mit Palästina und auf die Wiederherstellung seiner nationalen Heimstätte. Am 25. März 1923 wurde das Gebiet östlich des Jordans als Emirat Transjordanien abgetrennt und für jüdische Ansiedlungen geschlossen.
Auf jüdischer Seite entstanden politische, gewerkschaftliche und militärische Organisationen wie die Histadrut, die Hagana, die Irgun und später die Palmach. Auf arabisch-palästinensischer Seite wurde Mohammed Amin al-Husseini 1921 Mufti von Jerusalem. 1929 kulminierten die Spannungen in Unruhen; beim Massaker von Hebron starben 67 Juden, darunter Frauen und Kinder, und die Überlebenden wurden evakuiert. Der Arabische Aufstand von 1936–1939 richtete sich gegen die britische Herrschaft und die jüdische Einwanderung.
Die Peel-Kommission schlug 1937 eine Teilung Palästinas in einen kleineren jüdischen und einen größeren arabischen Teil vor. Die jüdische Seite stimmte zu, die arabische Seite lehnte den Vorschlag ab. Das britische Weißbuch von 1939 begrenzte anschließend die jüdische Einwanderung und Ansiedlung. Während des Zweiten Weltkriegs ermordeten die Nationalsozialisten systematisch Menschen, überwiegend Juden; ab 1942 geschah dies auch mit industriellen Methoden. Nach dem Krieg wurden die Vereinten Nationen gegründet. Die UN-Generalversammlung beschloss am 29. November 1947 mit 33 zu 13 Stimmen bei 10 Enthaltungen die Teilung Palästinas: 609.000 Juden, 30,6 % der Bevölkerung, sollten 55 % des Bodens erhalten, davon drei Viertel in der Wüste Negev; 1,38 Millionen Araber, 69,4 % der Bevölkerung, sollten 42 % des Landes erhalten. Die arabischen Staaten, die Arabische Liga und das palästinensische Arabische Hohe Komitee lehnten die Teilung ab. Am 9. April 1948 kam es zum Massaker von Deir Yasin.
Staatsgründung, Krieg und Flüchtlingsfragen
Am 14. Mai 1948 wurde die israelische Unabhängigkeit erklärt. Am 15. Mai griffen Ägypten, Jordanien, Irak, Syrien und Libanon Israel an; damit begann der Israelische Unabhängigkeitskrieg, der von Palästinensern als Nakba bezeichnet wird. Ende Mai 1948 wurden die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte gegründet; andere bewaffnete Gruppen wie Hagana und Irgun wurden verboten. Der Irgun legte nach einem kurzen Zusammenstoß die Waffen nieder, und Menachem Begin wandelte ihn in die Partei Cherut um.
Der Krieg endete faktisch durch Waffenstillstände mit Ägypten am 24. Februar 1949, mit dem Libanon am 23. März, mit Jordanien am 3. April und mit Syrien am 20. Juli 1949. Etwa 750.000 palästinensische Araber wurden zu Flüchtlingen oder Vertriebenen. Ebenfalls etwa 750.000 Juden aus arabischen Ländern wurden zu Flüchtlingen oder Vertriebenen; sie wurden in Israel als Staatsbürger integriert. Diese beiden Flüchtlingsbewegungen gehören seitdem zu den zentralen Folgen des Konflikts. Israel erklärte Jerusalem am 1. Januar 1950 zur Hauptstadt und beschloss am 5. Juli 1950 das Rückkehrrecht jedes Juden nach Israel. Transjordanien hatte am 24. April 1950 das Westjordanland und Ostjerusalem annektiert.
In den folgenden Jahren entstanden weitere staatliche und politische Strukturen. 1956 führte die Sperrung des Suezkanals durch Ägypten zur Suezkrise. 1959 gründete Jassir Arafat mit anderen Studenten die Fatah, die den „bewaffneten Kampf zur Befreiung Palästinas“ zum Programm machte. 1964 wurde auf der ersten Sitzung des Palästinensischen Nationalrates in Ostjerusalem die PLO gegründet und die Palästinensische Nationalcharta verabschiedet. Sie proklamierte den bewaffneten Kampf gegen Israel und lehnte den UN-Teilungsplan ab.
Besatzung, Kriege und Friedensverträge
Im Sechstagekrieg vom 5. bis 10. Juni 1967 besetzte Israel nach einem Präventivschlag gegen Ägypten, Jordanien und Syrien das Westjordanland, die syrischen Golanhöhen, die ägyptische Sinai-Halbinsel und den von Ägypten verwalteten Gazastreifen. In den folgenden Jahren begann Israel, die besetzten Gebiete systematisch zu besiedeln. Die UN-Resolution 242 erklärte den Erwerb von Territorien durch Krieg für unzulässig und forderte den Abzug aus besetzten Gebieten. Außerdem verlangte sie die politische Unabhängigkeit der Staaten der Region und das Recht, innerhalb sicherer und anerkannter Grenzen ohne Bedrohung oder Gewalt zu leben.
1967 wurde die PFLP gegründet; 1969 vereinigten sich Fatah und PLO. Nach dem „Schwarzen September“ wurde die PLO 1970 aus Jordanien vertrieben und ging in den Libanon. Der Jom-Kippur-Krieg vom 6. bis 24. Oktober 1973 führte unter anderem zur Ölkrise. In den 1970er-Jahren kam es zu Anschlägen palästinensischer Organisationen, darunter dem Massaker am Flughafen Lod am 30. Mai 1972 und dem Olympia-Attentat in München am 5. September 1972. 1974 gründete Abu Nidal die Abu-Nidal-Organisation als Abspaltung der PLO.
Ein wichtiger diplomatischer Wendepunkt waren die Gespräche zwischen Anwar as-Sadat und Menachem Begin. Das 1978 in Camp David unterzeichnete Abkommen sah palästinensischen Gewaltverzicht sowie ein Ende des Siedlungsbaus und den Rückzug Israels aus besetzten Gebieten vor. Der israelisch-ägyptische Friedensvertrag folgte am 26. März 1979. Israel zog sich 1982 aus dem Sinai zurück. Im Juli 1980 annektierte Israel Ostjerusalem per Gesetz und erklärte Jerusalem zur „ewigen“ und „ungeteilten“ Hauptstadt; dies löste besonders in der arabischen Welt Proteste aus.
Am 6. Juni 1982 begann der Libanonkrieg. Die PLO wurde aus Beirut und anschließend nach Tunesien vertrieben; im Zusammenhang mit der Einnahme Beiruts kam es zum Massaker von Sabra und Schatila durch christliche libanesische Phalange-Milizen. 1982 entstand die Hisbollah. 1985 bombardierte die israelische Luftwaffe das PLO-Hauptquartier in Tunis; Jassir Arafat blieb dabei unversehrt.
Intifadas und Oslo-Friedensprozess
Am 8. Dezember 1987 begann die Erste Intifada, ein palästinensischer Aufstand gegen die israelische Kontrolle. In dieser Zeit trat die Hamas als neuer Akteur auf; ihre Charta wurde am 18. August 1988 veröffentlicht. Am 15. November 1988 rief die PLO den Staat Palästina aus. Nach der Madrider Konferenz, die am 30. Oktober 1991 begann, führten Israel und die PLO vom 20. Januar bis 20. August 1993 Geheimverhandlungen in Oslo. Am 13. September 1993 unterzeichneten sie eine gemeinsame Prinzipienerklärung. 1994 wurden die Palästinensische Autonomiebehörde und ihr Sicherheitsdienst gegründet. Das Gaza-Jericho-Abkommen folgte am 4. Mai 1994, 1995 ein Interimsabkommen über das Westjordanland und den Gazastreifen.
Der Friedensprozess wurde durch Gewalt und politische Morde belastet. Die Hamas begann im April 1993 mit Selbstmordattentaten in Israel. Am 25. Februar 1994 tötete Baruch Goldstein in der Machpelahöhle in Hebron 29 betende Muslime. Jitzchak Rabin wurde am 4. November 1995 von dem israelischen Rechtsextremisten Jigal Amir ermordet. 1996 gewannen Jassir Arafat und seine Fatah die ersten Parlamentswahlen in den Palästinensergebieten. 1997 übergab Israel Hebron zu 80 Prozent an die Verwaltung der Palästinenser; 1998 wurde das Wye-Abkommen zwischen Arafat und Benjamin Netanjahu vereinbart.
Am 28. September 2000 begann die Zweite Intifada. Auf erfolglose Gespräche in Camp David im Juli 2000 folgten neue Anschläge, israelische Militäroperationen und Gegengewalt. Die Operation Schutzschild begann am 29. März 2002 und führte zur Wiederbesetzung fast aller Autonomiegebiete. 2003 legte US-Präsident George W. Bush die Roadmap zum Frieden vor; sie sah palästinensischen Gewaltverzicht und die Anerkennung Palästinas als autonomen Staat durch Israel vor. Am 8. Juli 2003 begann der Bau der Sperranlage zum Westjordanland. Am 11. November 2004 starb Jassir Arafat. Ein Waffenstillstand von Scharm El-Scheich zwischen Mahmud Abbas und Ariel Scharon beendete die Zweite Intifada am 8. Februar 2005 offiziell.
Abkopplung, Gaza-Konflikt und aktuelle Entwicklung
Am 15. August 2005 räumte Israel im Rahmen des Abkoppelungsplans alle Siedlungen im Gazastreifen und vier Siedlungen im nördlichen Westjordanland. Mahmud Abbas wurde am 9. Januar 2005 zum Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde gewählt. Bei den palästinensischen Parlamentswahlen am 26. Januar 2006 gewann die Hamas; in der Folge kam es zur Gaza-Blockade. Im Juni 2007 erlangte die Hamas nach bürgerkriegsähnlichen Kämpfen die vollständige Kontrolle über den Gazastreifen, während die Fatah die Kontrolle über das Westjordanland übernahm. Damit endete auch die Regierung der Nationalen Einheit.
Seitdem wechselten bewaffnete Auseinandersetzungen und diplomatische Initiativen. Der Zweite Libanonkrieg 2006 wurde durch einen Überfall der Hisbollah auf israelische Soldaten ausgelöst. Die Operation Gegossenes Blei dauerte vom 27. Dezember 2008 bis 18. Januar 2009. 2012 wurden von Januar bis Mitte November knapp 1700 Raketen auf Israel abgefeuert; Israel reagierte vom 14. bis 21. November mit der Operation Wolkensäule. Weitere schwere Auseinandersetzungen waren die Operation Protective Edge vom 8. Juli bis 26. August 2014, der Israel-Gaza-Konflikt 2021, die Operation Breaking Dawn vom 5. bis 8. August 2022 sowie israelische Angriffe im Mai 2023. Verhandlungen über eine Zwei-Staaten-Lösung scheiterten im April 2014. 2018 begann der „Marsch der Rückkehr“; am 14. Mai 2018 eröffneten die Vereinigten Staaten ihre Botschaft in Jerusalem.
Seit dem 7. Oktober 2023 führt der Terrorangriff der Hamas auf Israel, auch „Operation Al-Aqsa-Flut“ genannt, zum Krieg in Israel und Gaza. Die internationale und rechtliche Auseinandersetzung setzte sich fort: Der Internationale Gerichtshof veröffentlichte am 19. Juli 2024 ein Gutachten zu den rechtlichen Folgen der israelischen Besatzungspolitik. Die UN-Generalversammlung forderte am 18. September 2024 mit Resolution ES-10/24 den Rückzug Israels aus den besetzten Palästinensergebieten innerhalb eines Jahres. Am 21. November 2024 erließ der Internationale Strafgerichtshof Haftbefehle gegen Premierminister Netanjahu, Verteidigungsminister Galant und Hamas-Führer wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Gazastreifen. Am 17. September 2025 begann die Bodenoffensive der israelischen Regierung in Gaza-Stadt.
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