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Christopher Clark
Sir Christopher Munro Clark (* 14. März 1960 in Sydney) ist ein in Großbritannien lebender australischer Historiker. Christopher Munro Clark (2022).
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Historiker und zentrale Themen
Sir Christopher Munro Clark (* 14. März 1960 in Sydney) ist ein in Großbritannien lebender australischer Historiker. Er ist Regius Professor of History an der University of Cambridge und Professor für Neuere Europäische Geschichte am St Catharine’s College in Cambridge.
Seine Forschung ist besonders wichtig für das Verständnis der preußischen Geschichte und des Ersten Weltkriegs. Clark untersucht unter anderem Pietismus, Judentum in Preußen, den Kulturkampf sowie das Verhältnis von Religion und modernem Staat. Pietismus bezeichnet eine religiöse Bewegung innerhalb des Protestantismus, die persönliche Frömmigkeit betont. Der Kulturkampf war der politische Konflikt zwischen Staat und katholischer Kirche im 19. Jahrhundert.
Ausbildung und beruflicher Weg
Clark besuchte von 1972 bis 1978 die Sydney Grammar School. Anschließend studierte er Geschichte: von 1979 bis 1985 an der Universität Sydney, von 1985 bis 1987 an der Freien Universität Berlin und von 1987 bis 1991 am Pembroke College der University of Cambridge. 1991 wurde er in Cambridge mit einer Arbeit über das Verhältnis von Juden und Protestanten im Preußen des 18. und 19. Jahrhunderts zum Ph.D. promoviert.
Seit 1991 ist Clark Fellow des St Catharine’s College in Cambridge und Director of Studies in History. Nach Stationen als University Lecturer (2003) und Reader für Neuere Europäische Geschichte (2006) wurde er 2008 Professor. 2014 erhielt er die Professur Regius Professor of History als Nachfolger von Richard J. Evans.
Clark ist mit der deutschen Kunsthistorikerin Nina Lübbren verheiratet; das Paar hat zwei Söhne.
Deutungen zu Preußen und Wilhelm II.
Mit Iron Kingdom. The Rise and Downfall of Prussia 1600–1947 legte Clark 2006 eine Gesamtdarstellung der Geschichte Preußens von 1600 bis 1947 vor. Seine Hauptthese lautet, Deutschland sei „nicht die Erfüllung Preußens [war], sondern sein Verderben“. Clark betont einerseits die besondere Schärfe und Radikalität des Kulturkampfs in Preußen. Andererseits hebt er hervor, dass Preußen im europäischen Vergleich in vieler Hinsicht normal gewesen sei. Damit widerspricht er der Sonderwegsthese, nach der die deutsche Geschichte einen besonderen, problematischen Weg in Richtung Nationalsozialismus genommen habe.
Die preußischen Reformen zu Beginn des 19. Jahrhunderts und die Bedeutung des Deutschen Zollvereins beurteilt Clark zurückhaltender als ältere Forschung. In seiner Biographie über Kaiser Wilhelm II. wendet er sich gegen eine überwiegend negative Darstellung des Kaisers durch John C. G. Röhl. Psychohistorische Deutungen, die historische Personen vor allem mit psychologischen Erklärungen untersuchen, sieht Clark skeptisch. Er versucht stattdessen, das Verhalten Wilhelms II. im jeweiligen historischen Kontext als möglichst „rational“ zu analysieren.
Der Erste Weltkrieg und die Hohenzollern-Gutachten
In The Sleepwalkers: How Europe Went to War in 1914 (2012; deutsche Übersetzung 2013: Die Schlafwandler. Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog) stellte Clark die in der Forschung bislang vorherrschende Annahme einer besonderen Kriegsschuld des Deutschen Kaiserreichs infrage. Er beschreibt die Mechanismen, die 1914 zum Krieg führten. Nach Clark war der Krieg nicht unausweichlich; in den beteiligten Ländern seien jedoch die Risiken ihrer jeweiligen Strategien nicht ausreichend abgewogen oder erkannt worden.
Das Buch wurde breit und kontrovers diskutiert. Innerhalb von fast zwei Jahren erschien es in neunzehn Auflagen, wurde in vier Sprachen übersetzt und stand vom 30. September bis zum 24. November 2013 auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste.
Für den Streit über Entschädigungsforderungen der Hohenzollern erstellte Clark 2011 eines von vier historischen Gutachten. Es ging um die Frage, ob Kronprinz Wilhelm der nationalsozialistischen Diktatur erheblichen Vorschub geleistet und damit mögliche Ansprüche auf Lastenausgleich für nach 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone enteigneten Besitz verwirkt habe. Anders als Stephan Malinowski und Peter Brandt kam Clark zunächst zu dem Ergebnis, der Kronprinz habe dem nationalsozialistischen System keinen erheblichen Vorschub geleistet; er verwies auf dessen „Unfähigkeit“, in einem komplexen und schnell veränderlichen politischen Umfeld wirksam zu handeln. Clark revidierte dieses Urteil später.
Vermittlung, Auszeichnungen und Filme
Clark ist seit 2010 Fellow der British Academy. Im Oktober 2010 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für seinen Beitrag zu den deutsch-britischen Beziehungen. Weitere Auszeichnungen sind der Braunschweiger Geschichtspreis 2013, der Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch 2013 für Die Schlafwandler, der Arenberg-Preis 2014 und die Erhebung zum Knight Bachelor 2015 durch Elisabeth II. für Verdienste um die britisch-deutschen Beziehungen.
Er wurde 2015 korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, ist seit 2019 Mitglied des Ordens Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste und erhielt 2022 die Karlsmedaille für europäische Medien, den Bayerischen Buchpreis als Ehrenpreis des Ministerpräsidenten sowie das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Es folgten 2025 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst und 2026 die Zusprache des Ludwig-Börne-Preises.
Als Moderator historischer ZDF-Reihen vermittelte Clark Geschichte auch einem breiten Publikum: Terra X: Deutschland-Saga (2014–2015, 6 Folgen), Australien-Saga (2016, 2 Folgen), Die Europa-Saga (2017, 6 Folgen), Welten-Saga (2020–2023, 12 Folgen in 2 Staffeln) und Macht der Götter – Weltgeschichte der Religionen (2024, 3 Folgen).