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Kulturkampf
Der Begriff Kulturkampf bezeichnet den Kampf um die Dominanz bestimmter kultureller Wertvorstellungen und Weltanschauungen.
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Bedeutung und heutige Verwendung
Kulturkampf bezeichnet einen Kampf um die Dominanz kultureller Wertvorstellungen und Weltanschauungen. Der Ausdruck wird, in Anlehnung an das englische „culture wars“, allgemein für Konflikte zwischen verschiedenen Kulturkreisen oder für Auseinandersetzungen um kulturelle Vorherrschaft und kulturelle Identitäten innerhalb einer Gesellschaft verwendet.
In gegenwärtigen politischen Debatten wird der Begriff unter anderem im Zusammenhang mit rechtsgerichteten Kreisen, der Alt-Right-Bewegung, der „Neuen Rechten“ und dem von Armin Mohler geschaffenen Konstrukt der „Konservativen Revolution“ gebraucht. Genannt werden dabei Diskussionen in den USA unter Trump, in Argentinien unter Milei, in Brasilien unter Bolsonaro sowie in europäischen Staaten wie Frankreich, Italien, Russland, Ungarn und Deutschland.
Zentrale Streitpunkte sind Werte der Französischen Revolution – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – sowie Begriffe wie Leitkultur, Identitätspolitik, Political Correctness, Cancel Culture, Wokeness und Wertewandel. Als Gegner werden etwa die 68er-Bewegung, die Neue Linke und die Neuen Sozialen Bewegungen bezeichnet und kritisiert.
Beispiele gegenwärtiger Deutungen
Heinz Josef Algermissen, Bischof von Fulda, erklärte im September 2008 auf einem Kongress des Forums Deutscher Katholiken, er sehe Katholiken in Deutschland angesichts der Diskussion über Gender-Mainstreaming und einer angeblichen „Propagierung der Homosexualität“ in einem neuen Kulturkampf um die „reale Stärkung der Familie“.
Anders Behring Breivik vertrat in seinem Prozess und in einem umfangreichen „Manifest“ die Ansicht, Westeuropa werde schrittweise von „Marxisten und Multikulturalisten“ übernommen. Die Presse bezog sich bei dieser Vorstellung auf den Begriff Kulturkampf. Auch außerhalb Deutschlands wird das deutsche Wort verwendet: Le Monde schrieb von „Le Kulturkampf“ und verwies dabei auf den amerikanischen Soziologen James Davison Hunter und dessen Buch „Culture Wars“ von 1991.
Kulturkampf im 19. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert bezeichnet Kulturkampf Auseinandersetzungen zwischen Staat und katholischer Kirche in mehreren Staaten Europas und Südamerikas. Grundsätzlich ging es um den Versuch, das Verhältnis von Staat und Kirche gewaltsam neu zu ordnen. Dabei standen sich zwei konkurrierende Weltanschauungen gegenüber: eine konservative und eine liberale.
Die Schweiz hatte dabei eine gewisse Vorreiterrolle. Auch der badische und der bayerische Kulturkampf fanden zeitlich vor dem preußischen statt.
Der Konflikt im Deutschen Kaiserreich
In Deutschland bezieht sich Kulturkampf vor allem auf den Konflikt zwischen Preußen beziehungsweise später dem Deutschen Kaiserreich unter Reichskanzler Otto von Bismarck und der katholischen Kirche unter Papst Pius IX. Die Auseinandersetzungen eskalierten nach der Reichsgründung 1871: Der protestantisch geprägte erste deutsche Nationalstaat begann gegen die katholische Minderheit vorzugehen.
Die Konflikte wurden bis 1878 beendet und 1887 diplomatisch beigelegt.