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Interkulturelle Theologie
Interkulturelle Theologie ist eine Disziplin der Theologie und fachlich zwischen Missionswissenschaft und Religionswissenschaft anzusiedeln.
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Definition und Bedeutung
Interkulturelle Theologie ist eine theologische Disziplin zwischen Missionswissenschaft und Religionswissenschaft. Sie untersucht, wie Kultur und Religion einander in konkreten Kontexten beeinflussen, vergleicht unterschiedliche religiöse Entwicklungen und fragt danach, wie interreligiöser Dialog möglich wird.
In einer globalisierten Welt soll sie dazu beitragen, Menschen und Gemeinschaften in ihrem jeweils kulturspezifischen religiösen Selbstverständnis wahrzunehmen und zu verstehen. Eine zentrale Aufgabe besteht darin, das Verhältnis von Universalität und Partikularität zu untersuchen: Einerseits erhebt die christliche Heilsbotschaft einen universalen Geltungsanspruch, andererseits nimmt das Christentum in unterschiedlichen lokalen Zusammenhängen jeweils besondere Formen an.
Entstehung und grundlegender Gegenstand
Der wissenschaftliche Begriff des Interkulturellen erschien erstmals in den 1960er Jahren und wurde wenige Jahre später von der Theologie aufgegriffen. Die Disziplin hat ihren Ursprung in der hegemonialen Missionstheologie der europäischen Kolonialzeitalter und in der Ausdifferenzierung christlicher Theologie beim Kontakt mit fremden Kulturen. Im Jahr 2005 machten die Deutsche Gesellschaft für Missionswissenschaft sowie die Fachgruppe Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie den Begriff zu einem zentralen Bezugspunkt.
Untersucht werden partikulare, also an bestimmte Orte und Bedingungen gebundene, sowie divergente, das heißt unterschiedlich verlaufende, religiöse Entwicklungen in verschiedenen Regionen. Beim Zusammentreffen westlicher Theologie mit anderen Kulturen entstanden Differenzierungen, Nuancierungen und neue Sichtweisen. Die Interkulturelle Theologie vergleicht und deutet diese Entwicklungen.
Lokale Christentumsvarianten und Interaktionen
Grenzüberschreitende missionarische Interaktionen des christlichen Glaubenszeugnisses treffen auf kulturelle, religiöse, gesellschaftliche und weitere Kontexte und Akteure. Daraus entsteht eine Vielzahl lokaler Christentumsvarianten. Weil diese sich zugleich als zusammengehörig verstehen, müssen sie normative Inhalte christlicher Lehre und Praxis im Spannungsfeld zwischen universellem Anspruch und lokalen Besonderheiten immer wieder neu aushandeln.
Zum Untersuchungsgegenstand gehören besonders, aber nicht ausschließlich in außereuropäischen Ländern, die Ausdrucksgestalten dieser lokalen Varianten. Dazu zählen mediale Formen wie Symbole und Riten, außerdem Lehren, Weltanschauungsmuster sowie moralisch-ethische Positionierungen. Sie lassen sich nur aus ihrem Zusammenwirken mit den jeweiligen kulturell-religiösen Bedingungen und beteiligten Akteuren verstehen.
Das Fach untersucht außerdem unterschiedliche Muster grenzüberschreitender Interaktionen. Diese hängen unter anderem vom kulturellen, religiösen und gesellschaftlichen Kontext sowie vom konfessionellen oder denominationsspezifischen Profil ab. Wichtige Themen sind soziales und gesellschaftliches Handeln, interreligiöse Verständigung, Konversions- und Transformationsprozesse, ökologische Fragen und Gender.
Aushandlungsprozesse und Methoden
Interkulturelle Theologie betrachtet auch die Aushandlungsprozesse zwischen verschiedenen lokalen Christentumsvarianten sowie deren Beziehungen zu kontextuellen oder translokalen Akteuren. Dabei geht es um interkulturelle Hermeneutik, also das Verstehen über kulturelle Grenzen hinweg, um Identitätsbehauptungen und die Konstruktion gemeinsamer Identität. Ebenso untersucht das Fach Stereotypisierungen des Anderen oder Fremden sowie Fragen von Macht und Status.
Zu den grundlegenden Methoden gehören Differenzhermeneutik, Komparatistik und Dialogik. Die Differenzhermeneutik deutet Unterschiede, die Komparatistik vergleicht religiöse und kulturelle Erscheinungen, und die Dialogik untersucht Verständigung und Austausch. Gegenwärtig sind außerdem semiotische Ansätze, die Zeichen und ihre Bedeutungen betrachten, sowie diskurstheoretische Ansätze, die gesellschaftliche Rede- und Deutungsmuster analysieren, besonders wichtig.
Für seine vielfältigen Gegenstände nutzt das Fach Methoden der Kultur- und Religionswissenschaft. Daneben kann es in einem ausdrücklich theologischen Zugang zu normativen Fragen Stellung beziehen, also Aussagen darüber treffen, was in Lehre und Praxis gelten soll. Der kultur- und religionswissenschaftliche Zugang und der reflektiert theologische Zugang werden methodisch deutlich voneinander unterschieden.