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Christian Schad

Christian Schad (* 21. August 1894 in Miesbach, Oberbayern; † 25. Februar 1982 in Stuttgart) war ein deutscher Maler der Neuen Sachlichkeit.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Künstler und Bedeutung
  2. 2. Ausbildung, Dada und Weg zum Realismus
  3. 3. Neue Sachlichkeit und Berliner Porträts
  4. 4. Zeit des Nationalsozialismus und spätes Werk
  5. 5. Nachlass, Museum und Archiv

Künstler und Bedeutung

Christian Schad (* 21. August 1894 in Miesbach, Oberbayern; † 25. Februar 1982 in Stuttgart) war ein deutscher Maler der Neuen Sachlichkeit. Er zählt neben Otto Dix, George Grosz, Rudolf Schlichter, Karl Hubbuch und Richard Ziegler zu den wichtigsten Vertretern des Verismus. Verismus bezeichnet innerhalb der Neuen Sachlichkeit eine besonders nüchterne, wirklichkeitsnahe und oft schonungslose Darstellungsweise.

Schad arbeitete in Malerei, Druckgrafik, Holzschnitt, Holzrelief und Fotografie. Besonders bekannt sind seine Porträts der 1920er Jahre: Sie zeigen Menschen der Großstadt und der damaligen Gesellschaft mit kühlem, präzisem Farbauftrag. Für die Darstellung der Haut verwendete er die aufwendige Lasurtechnik, bei der mehrere durchscheinende Farbschichten übereinander aufgetragen werden.

Außerdem war Schad ein früher Vertreter des Fotogramms. Dabei werden Gegenstände ohne Kamera direkt auf lichtempfindlichem Papier oder einer lichtempfindlichen Platte belichtet; ihre Konturen erscheinen als Bild. Seine seit 1919 entstandenen Fotogramme heißen nach ihm auch Schadographien.

Ausbildung, Dada und Weg zum Realismus

Schad wuchs nach dem frühen Umzug seiner Familie in München in behüteten, kultivierten Verhältnissen auf. Mit 18 Jahren verließ er das Gymnasium und studierte an der Kunstakademie München bei Heinrich von Zügel und Carl Johann Becker-Gundahl. Nach wenigen Semestern brach er das Studium ab, weil er sich „nicht prüfen lassen wollte“. In seinem Schwabinger Atelier entstanden erste expressionistische Holzschnitte. 1914 hielt er sich zu Studien in Volendam in den Niederlanden auf.

Nach Beginn des Ersten Weltkriegs simulierte Schad einen Herzfehler, um nicht zur Infanterie eingezogen zu werden, und floh 1915 ins neutrale Zürich. Dort erlebte er die Entstehung der Dada-Bewegung um Hans Arp, Hugo Ball und Emmy Hennings und besuchte Veranstaltungen im Cabaret Voltaire. Dada war eine avantgardistische Kunstbewegung, die mit herkömmlichen Kunstformen und gesellschaftlichen Konventionen brach. Mit dem Dichter Walter Serner war Schad eng befreundet; er half bei dessen Zeitschrift Sirius und bei Dada-Aktionen.

Ende 1916 zog Schad nach Genf. Er fertigte dort Malstudien in einer „Irrenanstalt“ an und begann seine eigentliche Dada-Phase. Neben Holzschnitten und Grafiken schuf er Holzreliefs, kubistisch geprägte Ölbilder und ab 1919 die später sogenannten Schadographien. Ab 1920 lebte er mehrere Jahre in Rom und, zusammen mit Serner, in Neapel. Dort entstanden seine ersten realistischen Porträts. 1923 heiratete er Marcella Arcangeli, 1924 wurde ihr Sohn Nikolaus geboren. Im Winter 1924 malte Schad mit Einwilligung des Vatikans ein Porträt von Papst Pius XI.

Neue Sachlichkeit und Berliner Porträts

1925 zog die Familie nach Wien. Schad beteiligte sich in Berlin an der Ausstellung Die Neue Sachlichkeit bei Neumann-Nierendorf und entwarf Umschlagzeichnungen für eine siebenbändige Werkausgabe Walter Serners. Nach der Trennung von seiner Frau ging er 1928 nach Berlin, reiste aber auch nach Paris und Schweden. Er bewegte sich als Dandy sowohl in der Kunstszene als auch in Salons, Tanzbars und Nachtlokalen. Um 1930 steuerte er Zeichnungen zu Curt Morecks Führer durch das „lasterhafte“ Berlin bei, einer Schilderung des Berliner Nachtlebens. Seine Figuren und Motive zeigen die mondäne Seite der „goldenen“ zwanziger Jahre. 1931 ertrank seine Frau beim Baden im Meer; der Sohn lebte danach bei den Großeltern.

Die ungefähr 30 Porträts von 1925 bis 1930 gehören zur Neuen Sachlichkeit. Dazu zählen Lotte und Sonja als Beispiele eines neuen selbstbewussten Frauentyps mit Bubikopf und Zigarette, Graf St. Genois und Freundinnen als Bilder eines erotisierten Großstadtlebens sowie Porträts von Egon Erwin Kisch, Maika und den Jahrmarktsartisten Agosta, der Flügelmensch, und Rasha, die schwarze Taube. Weitere wichtige Werke sind die Operation und das 1927 entstandene Selbstporträt mit Modell.

Selbstporträt mit Modell ist ein Ölbild auf Holz von 1927 im Format 76 × 62 cm und befindet sich als Leihgabe aus Privatbesitz in der Tate Modern in London. Es gehört zu Schads bekanntesten und am häufigsten reproduzierten Werken sowie zu den bekanntesten Bildern der Neuen Sachlichkeit. Mann und Frau wenden sich nach vollzogenem Akt voneinander ab; die Atmosphäre wird als unterkühlt und eisig beschrieben. Eine helle Blüte vor einem verschleierten Hintergrund mit dunklem Himmel und Schornsteinen steht als Symbol für den Narzissmus der Figuren. Die Frau mit Pagenschnitt und Seitenscheitel entspricht einem damals verbreiteten Frauentypus. Schad erklärte, ihr Gesicht gehe auf eine unbekannte Kundin in einem Schreibwarengeschäft zurück. Die Gesichtsnarbe, der sfregio, verstand er als „Liebesbeweis“, wie ihn Frauen in Neapel nach Verletzungen durch eifersüchtige Ehemänner oder Liebhaber stolz gezeigt hätten.

Zeit des Nationalsozialismus und spätes Werk

Am 1. Mai 1933 trat Schad der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 2.645.200). Sein Werk wurde im Nationalsozialismus nicht als „entartete Kunst“ eingestuft, keines seiner Werke wurde beschlagnahmt. 1937 reichte er zum ersten und einzigen Mal zwei Gemälde für die „Große deutsche Kunstausstellung“ ein. Seine Bilder dieser Zeit waren weniger scharf als frühere Arbeiten und richteten sich teilweise nach dem Geschmack der Auftraggeber. Wegen seiner Dada-Vergangenheit befürchtete er dennoch ein Berufsverbot. Er zog sich ins innere Exil zurück, malte nur wenige Werke und leitete ab 1935 einen Brauereibetrieb.

Schad beschäftigte sich intensiv mit ostasiatischer Mystik. 1936 zeigte das Museum of Modern Art in New York ohne sein Wissen frühe Schadographien. Während eines Porträtauftrags in Aschaffenburg wurde sein Berliner Atelier 1942 durch einen Bombentreffer zerstört. Danach zog er ganz nach Aschaffenburg und erhielt den Auftrag, die Stuppacher Madonna von Matthias Grünewald zu kopieren.

1947 vollendete er die Kopie und heiratete die Schauspielerin Bettina Mittelstädt (1921–2002), die er zuvor als Modell kennengelernt hatte. In den 1950er Jahren wandte er sich wieder expressiver Malerei und Druckgrafik zu; diese Phase wird als „Magischer Realismus“ bezeichnet. Ab 1960 schuf er nach mehr als 40 Jahren Unterbrechung erneut Fotogramme und führte drei Werkzyklen bis 1977 fort. In den frühen 1970er Jahren kehrte er zur realistischen Malweise seiner neusachlichen Zeit zurück. Eine Ausstellung im Palazzo Reale in Mailand 1972 und die Retrospektive in der Kunsthalle Berlin 1980 trugen zu seiner Wiederentdeckung bei. Schad starb 1982; sein Grab liegt in Keilberg bei Aschaffenburg.

Nachlass, Museum und Archiv

Bettina Schad schenkte der Stadt Aschaffenburg im Jahr 2000 den vollständigen Nachlass ihres Mannes. Die Christian-Schad-Stiftung Aschaffenburg (CSSA) war bereits 1999 als unselbstständige Stiftung der Stadt gegründet worden. Sie bewahrt den künstlerischen und privaten Nachlass und arbeitet sein Werk kunsthistorisch auf.

Das Christian Schad Museum in Aschaffenburg wurde bis Ende 2019 als erster Bauabschnitt des „Museumsquartiers“ errichtet und im Juni 2022 eröffnet. Der Nachlass umfasst mehr als 3.200 Werke aus Malerei, Grafik, Fotografie und Schadographie. Das Museum zeigt auf drei Etagen alle Schaffensperioden des Künstlers; Aschaffenburg ist laut Artikel weltweit der einzige Standort, der diese Gesamtheit dokumentiert.

In Miesbach konnte ein früher geplantes Christian-Schad-Zentrum nicht verwirklicht werden: Schads Sohn Nikolaus wollte der Stadt 80 Werke schenken, falls geeignete Räume geschaffen würden, doch die Pläne scheiterten an den Kosten. Ende 2017 kaufte die Stadt stattdessen das Christian-Schad-Archiv. Es enthält seit 1972 gesammelte Materialien zur Zusammenarbeit Schads mit der Edition Richter, private Korrespondenz, Autographen von Schad und Walter Serner, ein Werkverzeichnis und die vollständige Sekundärliteratur. Das dem Stadtarchiv angegliederte wissenschaftliche Archiv soll öffentlich zugänglich werden.

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