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Otto Dix

Am bekanntesten sind diejenigen seiner Gemälde, die der Neuen Sachlichkeit (Verismus) zugerechnet werden.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Künstlerisches Profil und frühe Jahre
  2. 2. Krieg, Dada und Neue Sachlichkeit
  3. 3. Verfolgung im Nationalsozialismus
  4. 4. Nachkriegszeit, Familie und Tod
  5. 5. Werk, Ausstellungen und Nachlass

Künstlerisches Profil und frühe Jahre

Wilhelm Heinrich Otto Dix (* 2. Dezember 1891 in Untermhaus bei Gera; † 25. Juli 1969 in Singen am Hohentwiel) war ein deutscher Maler und Grafiker des 20. Jahrhunderts. Sein Werk ist stilistisch vielfältig, blieb in seiner künstlerischen Grundhaltung aber dem Realismus verpflichtet. Besonders bekannt sind seine der Neuen Sachlichkeit, genauer dem Verismus, zugerechneten Gemälde. Der Verismus bezeichnet dabei eine besonders wirklichkeitsnahe, häufig schonungslose Darstellung.

Dix wuchs als Sohn des Formers Ernst Franz Dix und der Näherin Pauline Louise Dix in einfachen, aber nicht mittellosen und keineswegs ungebildeten Verhältnissen auf. Sein Zeichenlehrer Ernst Schunke förderte ihn. Von 1905 bis 1909 lernte er bei dem Dekorationsmaler Carl Senff in Gera. Ein Stipendium des Fürsten von Reuß ermöglichte ihm von 1910 bis 1914 das Studium an der Kunstgewerbeschule Dresden, unter anderem bei Johann Nikolaus Türk und Richard Guhr.

Dix studierte die Alten Meister in der Dresdner Gemäldegalerie und schuf zunächst spätimpressionistische und expressionistische Arbeiten. Schon vor dem Ersten Weltkrieg experimentierte er außerdem mit kubistischen und futuristischen Formen. Diese Verbindung unterschiedlicher Stilrichtungen blieb kennzeichnend für sein späteres Werk.

Krieg, Dada und Neue Sachlichkeit

Im August 1914 wurde Dix als ungedienter Ersatz-Reservist eingezogen. Er diente zunächst im Feldartillerie-Regiment 48 in Dresden und war anschließend als Feldartillerist und Maschinengewehr-Schütze an der West- und Ostfront eingesetzt. Sein zuletzt erreichter Dienstgrad war Vizefeldwebel. Während des Krieges entstanden futuristische Zeichnungen und Gouachen über das Kriegsgeschehen. Zwischen 1915 und 1918 fertigte er gut 400 Zeichnungen und Gouachen an.

Nach seiner Rückkehr studierte Dix an der Dresdner Akademie der bildenden Künste als Meisterschüler von Otto Gussmann. Im Sommer 1919 erhielt er ein Freiatelier im Gebäude der ehemaligen Polytechnischen Schule am Antonsplatz. Als Gründungsmitglied der Dresdner Sezession Gruppe 1919 beteiligte er sich an Ausstellungen in Dresden und deutschlandweit. 1919/1920 stand er in Kontakt mit den Berliner Dadaisten und schuf Dada-Gemälde mit Collage-Elementen, bewegliche Bilder und Dada-Puppen. 1920 nahm er an der Ersten Internationalen Dada-Messe teil.

In Düsseldorf, wohin er im Herbst 1922 zog, erhielt Dix an der Kunstakademie ein Meisterschüler-Atelier bei Heinrich Nauen. Wilhelm Herberholz unterrichtete ihn in grafischen Techniken. In dieser Zeit entstand sein Hauptwerk Schützengraben, das im Artikel als bedeutendstes Kriegs- beziehungsweise Anti-Kriegsbild seiner Zeit bezeichnet wird. Hans Friedrich Secker kaufte es 1923 für das Wallraf-Richartz-Museum; die politische Tendenz des Bildes löste heftige Diskussionen aus. 1924 wurde es anlässlich des Antikriegsjahres in der Preußischen Akademie der Künste gezeigt. Im selben Zusammenhang veröffentlichte Karl Nierendorf Dix’ Grafikmappe Der Krieg mit fünfzig Radierungen. In der Werkauswahl wird Schützengraben allerdings zugleich für 1920–1923 als „verschollen“ geführt.

1925 zog Dix nach Berlin und nahm an der Wanderausstellung Neue Sachlichkeit teil, die dieser realistischen Kunstrichtung ihren Namen gab. Sein Werk prägte die Richtung entscheidend. Von 1927 bis 1933 war er Professor an der Kunstakademie Dresden; 1931 wurde er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. Bedeutende Arbeiten dieser Zeit sind das Triptychon Großstadt von 1927/1928 und das 1932 vollendete Triptychon Der Krieg.

Verfolgung im Nationalsozialismus

Nach der Machtübernahme des NS-Regimes im Januar 1933 wurde Dix als einer der ersten Kunstprofessoren entlassen. Eine Immobilie in Düsseldorf-Unterbilk wurde zwangsversteigert. In Dresden versuchte er zunächst, als freischaffender Künstler weiterzuarbeiten; dort entstand unter anderem Die sieben Todsünden, ein Gemälde, das an die Alten Meister erinnert.

Im Herbst 1933 zog sich Dix wegen der Diffamierungen nationalsozialistischer Künstler nach Süddeutschland zurück. Zunächst wohnte er im Schloss Randegg, ab 1936 in seinem eigenen Haus in Hemmenhofen am Bodensee. Er malte und zeichnete dort die Landschaft des Hegau und die Ufer des Untersees auf der Halbinsel Höri.

Bis 1936 blieb Dix teilweise in der deutschen Kunstszene präsent. Er stellte unter anderem 1933 in Dresden, Magdeburg und Saarbrücken, 1935 in Chemnitz sowie 1936 in Hamburg aus. Nach der letzten Jahresausstellung des später verbotenen Deutschen Künstlerbundes im Juli 1936 verfiel er vollständig der Verfemung als „entartet“.

1937 beschlagnahmten die Nationalsozialisten im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ zahlreiche Werke von Dix aus Museen und öffentlichen Sammlungen. Einige wurden in der Propaganda-Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt und als „gemalte Wehrsabotage“ diffamiert. Dix durfte danach nicht mehr ausgestellt werden. Im Juni 1939 wurde er in einer geheimen Materialsammlung des Reichssicherheitshauptamts über führende Männer der „Systemzeit“ aufgeführt. Im November 1939, zwei Wochen nach dem Attentat auf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller, nahm ihn die Gestapo vorübergehend fest.

Danach lebte Dix in der sogenannten inneren Emigration. Er nahm weiterhin private Aufträge an und malte etwa für den Besitzer der Köstritzer Schwarzbierbrauerei den Heiligen Christophorus im altmeisterlichen Stil. 1945 wurde Dix zum Volkssturm eingezogen und geriet in französische Kriegsgefangenschaft. Im Lager in Colmar im Elsass durfte er nach der Feststellung seiner Identität als Künstler arbeiten. Im Februar 1946 kehrte er nach Hemmenhofen zurück.

Nachkriegszeit, Familie und Tod

1945 wandte sich Dix von der altmeisterlichen Lasurmalerei wieder der modernen Alla-Prima-Malerei zu, bei der die Farbe ohne aufeinander aufbauende Lasurschichten aufgetragen wird. Zugleich kehrte er zum expressionistischen Malstil seiner Frühzeit zurück. Dix blieb in beiden deutschen Staaten ein Außenseiter: Mit dem Sozialistischen Realismus der DDR und der abstrakten Nachkriegskunst der BRD konnte er sich nicht identifizieren. Dennoch erhielt er in beiden Staaten Anerkennung, Ehrungen und Preise. Viele Werke seines Spätwerks behandeln christliche Themen.

Dix arbeitete nach dem Krieg regelmäßig in Dresden und ließ dort Lithografien drucken. Einen großen Teil der Dresdner Arbeiten vertrieb die Kunsthandlung NOVA seines Freundes Horst Kempe. 1949 lehnte Dix entschieden eine mögliche Professur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart ab. 1959 erhielt er das Große Bundesverdienstkreuz und den Cornelius-Preis der Stadt Düsseldorf. Für den Nationalpreis der DDR war er 1950 erfolglos vorgeschlagen worden. 1966 wurde er Ehrenbürger von Gera; 1967 erhielt er den Lichtwark-Preis, den Martin-Andersen-Nexö-Kunstpreis und den Hans-Thoma-Preis, 1968 den Rembrandt-Preis der Goethe-Stiftung in Salzburg. Dix starb nach einem zweiten Schlaganfall und wurde in Hemmenhofen am Bodensee beigesetzt.

Dix heiratete am 1. Februar 1923 Martha Koch geb. Lindner (1895–1985). Sie brachte zwei Kinder aus ihrer Ehe mit Hans Koch in die neue Familienkonstellation ein. Martha und Otto Dix hatten drei eigene Kinder: Nelly (1923–1955), Ursus (1927–2002) und Jan (1928–2019). Nach Nellys frühem Tod nahm das Ehepaar deren Tochter Bettina (* 1950) auf; Martha adoptierte sie später. Neben seiner Ehe führte Dix eine langjährige Beziehung mit Käthe König (1901–1981), mit der er die 1939 geborene Tochter Katharina hatte. Dix behielt sein Dresdner Atelier bis 1943 und von 1947 bis 1966 für jährliche Arbeitsaufenthalte. Die umfangreiche Korrespondenz mit Käthe und Katharina ist aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes bis 2040 gesperrt.

Werk, Ausstellungen und Nachlass

Zu den wichtigen Werken gehören Selbstbildnisse und Porträts, etwa Selbstbildnis als Soldat (1914), Bildnis der Eltern (1921), Bildnis der Tänzerin Anita Berber (1925) und Bildnis der Journalistin Sylvia von Harden (1926). Weitere zentrale Arbeiten sind Die Skatspieler (1920), der Radierzyklus Der Krieg (1924), Großstadt (1928), Der Krieg (1932), Die sieben Todsünden (1933), Madonna vor Stacheldraht und Trümmern (1945), Große Kreuzigung (1948) und das 12 × 5 m große Fresko Krieg und Frieden (1960) im Sitzungssaal des Rathauses Singen. Das Spätwerk umfasst außerdem Lithografien zu Das Evangelium nach Matthäus.

Nach dem Ende des NS-Staats nahm Dix unter anderem 1951 an der ersten Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes, 1955 an der documenta I und 1964 an der documenta III teil. Spätere wichtige Ausstellungen fanden 2007/2008 im Kunstmuseum Stuttgart, 2010 in der Neuen Galerie in New York, 2014 in Dresden, 2017 in Düsseldorf und Liverpool sowie 2018 im Museum Gunzenhauser in Chemnitz statt. 2022 wurde Dix gemeinsam mit George Grosz in Berlin gezeigt, 2023/24 in der Ausstellung Dix und die Gegenwart in Hamburg.

Dix hinterließ mehr als 6000 Zeichnungen und Skizzen. Umfangreiche Sammlungen befinden sich im Kunstmuseum Stuttgart und im Museum Gunzenhauser in Chemnitz; die Galerie Albstadt besitzt weltweit den größten Bestand an Arbeiten auf Papier. Der schriftliche Nachlass liegt seit 1976 im Deutschen Kunstarchiv im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, der Bildnachlass im Archiv der Otto-Dix-Stiftung in Bevaix in der Schweiz. Weitere Nachlassteile befinden sich im Archiv der Akademie der Künste in Berlin.

Das Wohn- und Atelierhaus in Hemmenhofen, in dem Dix von 1936 bis 1969 lebte und arbeitete, ist heute als Museum Haus Dix eine Außenstelle des Kunstmuseums Stuttgart. 2011 wurden vier verschollene Aquarelle entdeckt; 2012 fand man sechs großflächige Wandzeichnungen von 1966 im Keller des Hauses; 2013 wurde beim Schwabinger Kunstfund ein unbekanntes Selbstbildnis entdeckt. Gera nennt sich Otto-Dix-Stadt, vergibt seit 1992 den Otto-Dix-Preis und benannte ein Straßenbahnfahrzeug nach ihm. Außerdem tragen der Asteroid (6776) Dix, eine Briefmarke von 2016 und eine 20-Euro-Sammlermünze von 2016 seinen Namen. Über Dix entstanden unter anderem die Dokumentarfilme Otto Dix – Der schonungslose Maler (2016), Der Maler Otto Dix – Trau deinen Augen (2014) und Otto Dix – Das Auge der Welt (1989) sowie das Radio-Feature Die zwei Welten des Otto Dix (2014).

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