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Christi Himmelfahrt
Auferstehung und Himmelfahrt. Das Verhältnis von Auferstehung und Himmelfahrt Christi war und ist Gegenstand theologischer Debatte. In traditioneller Theologie …
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Bedeutung und biblische Grundlagen
Christi Himmelfahrt bezeichnet im Christentum die Aufnahme und Erhöhung Jesu Christi als Sohn Gottes zu seinem Vater in den Himmel. In der Deutschschweiz und in Liechtenstein heißt das Fest auch Auffahrt. Es erinnert daran, dass der auferstandene Christus den Jüngern nicht mehr sichtbar gegenwärtig ist und in Gottes Herrlichkeit aufgenommen wurde.
Als sichtbaren Vorgang erzählen nur das Lukasevangelium (Lk 24,50–53) und die Apostelgeschichte (Apg 1,1–11) die Himmelfahrt: Christus wird vor den Augen der Jünger emporgehoben, und eine Wolke entzieht ihn ihren Blicken. Nur die Apostelgeschichte nennt vierzig Tage, in denen der Auferstandene den Jüngern erschien und vom Reich Gottes sprach. Eine Erhebung in den Himmel fehlt allerdings in wichtigen griechischen Handschriften.
Weitere kurze Hinweise finden sich in 1 Petr 3,22, Heb 4,14 und Heb 9,24; christlich werden auch Psalm 47 und Psalm 68,19 darauf bezogen. Die übrigen Evangelien enthalten keine Himmelfahrtserzählung. Mk 16,19 gilt als spätere Erweiterung des Evangelientextes aus dem 2. Jahrhundert. Auch Paulus erwähnt keine von der Auferstehung unabhängige Himmelfahrt.
Lukas und die symbolische Deutung
In Apg 1,3.9–10 erscheint Jesus vierzig Tage lang und wird danach vor den Jüngern emporgehoben; eine Wolke nimmt ihn auf. Lk 24,50–51 beschreibt, wie Jesus die Jünger nahe Betanien segnet und währenddessen zum Himmel emporgehoben wird.
Die heutige Theologie versteht dies nicht als Ortswechsel oder „Weltraumstart“. Die vierzig Tage gelten als symbolische Zahl mit hohem biblischem Symbolwert. Die Wolke ist bereits im Alten Testament ein Zeichen der machtvollen Erscheinung und Gegenwart Gottes. Sie bedeutet, dass Jesus in Gottes raum- und zeitübersteigende Welt und Herrlichkeit eingegangen ist.
Der Himmel meint dabei weder Atmosphäre noch Weltall noch eine räumliche „Hinterwelt“. Er steht für den endgültigen Eintritt der menschlichen Natur in die göttliche Herrlichkeit: Jesus lebt in Gemeinschaft mit dem Vater und übt mit ihm Gottes Herrschaft aus.
Auferstehung, Erhöhung und Glaubensbekenntnis
Der Glaube an die Himmelfahrt ist schon in frühchristlichen Texten und Glaubensbekenntnissen belegt, etwa bei Polykarp von Smyrna, Justin und Irenäus von Lyon. Das Romanum, ein Vorläufer des Apostolicums und des Nicäno-Konstantinopolitanums, bekennt: Jesus sei am dritten Tag auferstanden, in den Himmel aufgestiegen, sitze zur Rechten des Vaters und werde kommen, um Lebende und Tote zu richten.
Traditionell wird zwischen Auferstehung und Himmelfahrt unterschieden: An Ostern wird Jesu Auferstehung am dritten Tag nach seinem Tod gefeiert; die Himmelfahrt bezeichnet seine spätere leibliche Aufnahme ins Jenseits, ohne nochmals zu sterben oder einen Leichnam zurückzulassen. Nach Apg 1,3.9f liegen vierzig Tage dazwischen; Lk 24,51 kann dagegen eine Himmelfahrt schon am Ostertag nahelegen.
Viele Theologen betonen jedoch die Einheit beider Aussagen. Auferstehung ist nicht bloß Wiederbelebung eines Leichnams, sondern Jesu Einsetzung in eine einzigartige Würde. „Auferweckung“ und „Erhöhung“ meinen daher sachlich dasselbe, auch wenn die Texte unterschiedliche Akzente setzen. Die Himmelfahrt fällt in der lukanischen Christologie mit der letzten Ostererscheinung zusammen.
Zur Rechten Gottes
Dass Christus „zur Rechten Gottes sitzt“, ist bildlich gemeint. In der antiken Vorstellung sitzt dort bei einem Herrscher eine besonders ranghohe Person, etwa ein Kanzler oder Regierungschef. Das Bild sagt aus, dass Jesus Anteil an Gottes Herrlichkeit, Herrschaft, Macht und Göttlichkeit hat und als „der Herr“ eingesetzt ist.
Die Erhöhung wird als Einsetzung Jesu in gottgleiche Machtstellung verstanden. Johannes von Damaskus erklärt, der Sohn sei als Gott von Ewigkeit her wesensgleich mit dem Vater; nach seiner Menschwerdung sitze er nun auch dem Leibe nach in dieser Herrlichkeit, weil sein Fleisch mitverherrlicht sei. Die Erhöhung wird mit Dan 7,14 und mit Phil 2,8–9 verbunden: Nach Jesu Erniedrigung und Tod am Kreuz habe Gott ihn über alle erhöht.
Feier, Liturgie und Bildtradition
Das Hochfest Ascensio Domini ist in der Jerusalemer Liturgie seit 383/384 bezeugt. Die drei Tage davor heißen Bitttage (Rogationes oder Litaniae minores). Bittprozessionen, auch Feldumgänge, waren ursprünglich Fürbitten für eine gute Ernte. Heute können sie außerdem Bewahrung der Schöpfung, Arbeit für alle, Frieden, Brot für die Welt und Ehrfurcht vor dem menschlichen Leben zum Thema haben. Die neun Tage bis Pfingsten bilden die Pfingstnovene, in der besonders um die Gaben des Heiligen Geistes gebetet wird.
Regional gibt es besondere Formen: In Erftstadt-Gymnich findet der Gymnicher Ritt statt; in manchen katholischen Kirchen wird eine Statue des Auferstandenen durch ein „Heiliggeistloch“ auf den Kirchenspeicher gezogen. Evangelische Gemeinden feiern oft Gottesdienste im Freien oder verbinden sie mit Wanderungen. Im byzantinischen Ritus endet die Osterzeit am Vortag; das Epitaphion, Symbol des leeren Grabs, wird in einer Prozession vom Altar weggetragen.
In der Ikonographie erscheint das Motiv ab dem 4. Jahrhundert. Christus kann zur Hand Gottes schreiten; seit dem 6. Jahrhundert ist er häufig von einer Mandorla, einem mandelförmigen Heiligenschein, umgeben und wird von vier Engeln getragen. Um 1000 entsteht der Typ des entschwindenden Christus, bei dem Beine oder Füße und später nur Fußabdrücke sichtbar sind. Musikalische Beispiele sind Johann Sebastian Bachs Oratorium Lobet Gott in seinen Reichen, BWV 11, und Carl Philipp Emanuel Bachs Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu, Wq 240 (H 777).
Termin und Feiertag
Christi Himmelfahrt wird in der katholischen, orthodoxen und anglikanischen Kirche als Hochfest begangen. Es liegt 39 Tage nach dem Ostersonntag, nach traditioneller Zählung am 40. Tag der Osterzeit, weil Ostersonntag mitgezählt wird. Deshalb ist es stets ein Donnerstag und liegt frühestens am 30. April, spätestens am 3. Juni. Für 2026 fällt das Fest auf den 14. Mai, für 2027 auf den 6. Mai, für 2028 auf den 25. Mai, für 2029 auf den 10. Mai, für 2030 auf den 30. Mai, für 2031 auf den 22. Mai, für 2032 auf den 6. Mai und für 2033 auf den 26. Mai.
Gesetzlicher Feiertag ist Christi Himmelfahrt unter anderem in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Liechtenstein, Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen und Schweden. In Italien, Polen und Ungarn wurde der gesetzliche Feiertag abgeschafft; kirchlich wird das Fest dort am folgenden Sonntag begangen. In Deutschland entwickelte sich daneben der weltliche Vatertag beziehungsweise Herrentag mit Wanderungen, Kutschfahrten oder Ausflügen. 2008 fiel Christi Himmelfahrt auf den 1. Mai; zuvor war dies 1913 der Fall, danach erst wieder 2160.