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Christentum in Nigeria
Das Christentum ist neben dem Islam die am meisten verbreitete Religion in Nigeria. ... 46 Prozent der Bevölkerung, laut Afrobarometer sind es 56 % Christen.
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Bedeutung und religiöse Zusammensetzung
Das Christentum ist neben dem Islam eine der beiden am weitesten verbreiteten Religionen Nigerias. Sein genauer Anteil an der Bevölkerung ist unsicher: Laut The World Factbook stellen Christen ebenso wie Muslime jeweils etwa 46 Prozent der Bevölkerung; Afrobarometer nennt dagegen einen christlichen Anteil von 56 Prozent. Seit 1963 gibt es keine offiziellen Zensusdaten zur Verteilung der religiösen Identität. Deshalb kommen Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen darüber, ob Christen oder Muslime die Bevölkerungsmehrheit bilden.
Als Dachverbände, also als übergreifende Zusammenschlüsse christlicher Kirchen, gelten der zuerst gegründete Christian Council of Nigeria und die größere Christian Association of Nigeria. Das nigerianische Christentum umfasst unter anderem die römisch-katholische und anglikanische Kirche, Baptisten, Methodisten, Presbyterianer, Pfingstkirchen, neuapostolische Gemeinden sowie unabhängige afrikanische Kirchen.
Regionale Verbreitung
Nigeria ist religiös deutlich regional geprägt: Der Süden ist mehrheitlich christlich, während im Norden überwiegend Muslime leben. Innerhalb des Südens bestehen weitere Unterschiede. Im Gebiet der Yoruba ist das Christentum traditionell vor allem protestantisch und anglikanisch geprägt; Igboland bildet dagegen einen Schwerpunkt des römischen Katholizismus.
Im muslimisch dominierten Norden bestanden zunächst nur wenige, voneinander isolierte Missionen und christliche Buchhandlungen. Da Missionierung in muslimisch dominierten Regionen verboten war, konzentrierte sie sich anfangs auf Gebiete mit animistischer Religion. Aus den ersten Missionskirchen ging die Association of Evangelical Churches of West Africa als erste indigene, also einheimisch entstandene, Kirche hervor.
Der Anteil der Christen im Norden stieg nach den genannten Zahlen von 2,7 Prozent im Jahr 1952 auf 9,7 Prozent im Jahr 1963. Der Missionar Patrick Johnstone bezifferte ihn für 2001 auf 29 Prozent. Wegen der fehlenden aktuellen amtlichen Zensusdaten sind solche Angaben jedoch von der jeweils verwendeten Quelle abhängig.
Kirchen und Glaubensrichtungen
Die römisch-katholische Kirche in Nigeria hat etwa 19 Millionen Mitglieder. Ihre Erzdiözesen sind Abuja, Benin City, Calabar, Ibadan, Jos, Kaduna, Lagos, Onitsha und Owerri. Als ranghöchster nigerianischer Katholik wird Kardinal Francis Arinze genannt.
Die anglikanische Church of Nigeria zählt etwa 17 Millionen Mitglieder. Damit ist sie nach der Church of England die zweitgrößte Provinz der weltweiten anglikanischen Gemeinschaft. Ihre Kirchenprovinzen sind Lagos, Ibadan, Ondo, Bendel, The Niger, Niger Delta, Owerri, Abuja, Kaduna und Jos; als Primas wird Peter Jasper Akinola genannt.
Unabhängige afrikanische Kirchen sind besonders durch die Aladura-Kirchen vertreten und haben schätzungsweise 12 bis 15 Millionen Anhänger. Dazu gehören die Christ Apostolic Church, die Cherubim and Seraphim Society, die Himmlische Kirche Christi und The Church of the Lord.
Weitere große Gemeinschaften sind die Nigerian Baptist Convention mit 3,5 Millionen Mitgliedern, darunter etwa drei Millionen getaufte Mitglieder, die Methodist Church Nigeria mit zwei Millionen und die Presbyterian Church of Nigeria mit etwa einer Million Mitgliedern. Außerdem leben ungefähr 380.000 neuapostolische Christen in Nigeria.
Am stärksten wachsen die Pfingstkirchen. Möglicherweise stellen sie inzwischen die Mehrheit der nigerianischen Christen. Verlässliche Mitgliederzahlen sind jedoch schwer zu ermitteln, weil diese Kirchen ihre Mitglieder oft nicht registrieren und organisatorisch nur locker miteinander verbunden sind. Die größte Pfingstkirche ist die Redeemed Christian Church of God; ihr Dachverband ist die Pentecostal Fellowship of Nigeria.
Pfingstbewegung und Fernsehprediger
Nigeria ist für zahlreiche Televangelisten, also Fernsehprediger, bekannt. Sie stehen meist Pfingstsekten oder neocharismatischen Gruppen nahe. Zu ihren Lehren gehören das Prosperity Gospel, das Wohlstand mit dem Glauben verbindet, die „geistliche Kriegsführung“ gegen vermeintliche Kräfte des Bösen, Geistheilungen sowie die Irrtumsfreiheit der Bibel.
Pastor Chris Oyakhilome betreibt mit seiner Christ Embassy drei Satelliten-Fernsehsender. Sie übertragen Aufnahmen seiner Predigten, Wunderheilungen und Teufelsaustreibungen in Nigeria, Südafrika und Großbritannien. Forbes schätzte sein Vermögen 2011 auf 30 bis 50 Millionen US-Dollar. Auch Temitope Balogun Joshua war mit einem eigenen Fernsehkanal aktiv und wurde von Forbes als drittreichster Prediger Nigerias bezeichnet.
Religiöse Konflikte
Seit der Einführung des Strafrechts der Scharia in den nördlichen Bundesstaaten hat sich die Gewalt zwischen Christen und Muslimen verstärkt. Die Scharia ist das islamische Recht. Nach Darstellung der AG Friedensforschung der Universität Kassel bilden seit Jahrzehnten bestehende Konflikte eine Ursache der religiösen Auseinandersetzungen. Streit besteht besonders über das Verhältnis zwischen dem nigerianischen Common Law und der Scharia. Die nördlichen Bundesstaaten akzeptieren demnach keine entsprechenden Kompromisse und versuchen, ein zentrales Scharia-Appellationsgericht durchzusetzen.
Andere Darstellungen betonen den Beitrag christlicher Missionstätigkeit zu den Spannungen. Ein Beitrag des Fernsehsenders Arte verband die Einführung der Scharia im islamisch geprägten Norden mit der Ausbreitung evangelikaler Gruppen. Bartholomäus Grill verwies ebenfalls auf zunehmende Aktivitäten fundamentalistischer Christen, besonders im Norden. Der adventistische Pressedienst hielt dagegen, dass Missionierung durch die Religionsfreiheit geschützt sei und zum Informationsrecht gehöre. Erhard Kamphausen von der Missionsakademie der Universität Hamburg sprach von einer „geistlichen Kriegführung“ in muslimischen Kerngebieten. Von 1999 bis 2004 soll der Konflikt auf beiden Seiten etwa 10.000 Menschenleben gekostet haben.
Umstritten ist, wie die heutige Gewalt einzuordnen ist. Donald Trump und zuvor Bill Maher sprachen von einem Genozid an Christen; Trump schloss einen möglichen Militäreinsatz nicht aus. Open Doors erklärte, der Begriff Genozid besitze hier keine analytische Schärfe, betonte aber massive, ausdrücklich gegen Christen gerichtete Gewalt. Die nigerianische Regierung widersprach der einseitigen Einordnung und erklärte, islamistische Gewalt treffe auch Muslime und Angehörige anderer Religionen.
Auch die Opferzahlen gehen je nach Quelle, Methode und angenommenen Motiven stark auseinander. Genannt werden einerseits 100.000 getötete Christen seit 2009, andererseits 53.000 getötete Menschen im gleichen Zeitraum, von denen nur ein Bruchteil ausdrücklich wegen seines christlichen Glaubens ermordet worden sei. Erzbischof Fortunatus Nwachukwu erklärte, der Islam diene häufig als Vorwand für Verbrechen gegen Christen, während tatsächlich andere Ursachen dahinterstünden.