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Cecilienhof

Weltgeschichtlich bekannt wurde Cecilienhof als Ort der Potsdamer Konferenz vom 17. Juli bis 2. August 1945. Auf der Rasenfläche im Ehrenhof befindet sich …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Bau und Besitzgeschichte
  3. 3. Architektur und Räume
  4. 4. Potsdamer Konferenz
  5. 5. Nutzung nach 1945 und Erhaltung

Überblick und Bedeutung

Schloss Cecilienhof ist ein Schloss im nördlichen Teil des Neuen Gartens in Potsdam, nahe dem Ufer des Jungfernsees. Es wurde von 1913 bis 1917 nach Plänen des Architekten Paul Schultze-Naumburg im englischen Tudorstil erbaut. Der Bau entstand unter Kaiser Wilhelm II. als Residenz für Kronprinz Wilhelm und dessen Ehefrau Cecilie aus dem Haus Mecklenburg-Schwerin. Cecilienhof gilt als letzter Schlossbau der Hohenzollern.

Weltgeschichtlich bekannt wurde Cecilienhof als Austragungsort der Potsdamer Konferenz vom 17. Juli bis 2. August 1945. Dort berieten die alliierten Siegermächte nach dem Zweiten Weltkrieg über zentrale politische Fragen der Nachkriegsordnung. Seit dieser Zeit befindet sich auf der Rasenfläche im Ehrenhof ein fünfzackiger Sowjetstern aus roten Blumen; die Erstbepflanzung führte Gartenoberinspektor Paul Molske aus.

Bau und Besitzgeschichte

Kaiser Wilhelm II. ordnete 1912 an, Mittel für ein neues Palais im Neuen Garten bereitzustellen. Das Ministerium des Hauses Hohenzollern schloss mit den Saalecker Werkstätten, die Paul Schultze-Naumburg 1904 mitbegründet hatte, einen Vertrag. Darin wurden eine Bausumme von 1.498.000 Mark und die Fertigstellung zum 1. Oktober 1915 festgelegt. Im Mai 1913 legte Kronprinz Wilhelm den Grundstein.

Paul Schultze-Naumburg plante Cecilienhof nach den Wünschen des Kronprinzenpaars im Stil englischer Landsitze. Vorbild war unter anderem der Cottage-Stil des Jagdschlosses Gelbensande, das den Eltern von Kronprinzessin Cecilie gehörte. Die Außenfassaden werden von Backstein und Fachwerkelementen aus dunkler Eiche geprägt. Besonders auffällig sind die Schornsteine im Tudorstil, von denen keiner dem anderen gleicht. Die Gebäudeteile gruppieren sich um fünf Innenhöfe: den großen Ehrenhof, den kleinen Gartenhof beziehungsweise Prinzengarten und drei Wirtschaftshöfe.

Der Erste Weltkrieg verzögerte den Bau. Kronprinzessin Cecilie bezog im August 1917 ihre fertiggestellten Räume und brachte dort im September ihr sechstes Kind, Prinzessin Cecilie, zur Welt. Am 1. Oktober 1917 war der Schlossneubau endgültig beendet. Nach der Abdankung des Kaisers 1918 erhielten Wilhelm und Cecilie das Schloss 1926 vom Staat als Privateigentum zurück. Das Kronprinzenpaar bewohnte Cecilienhof bis zur Flucht 1945. Im September 1945 enteignete die sowjetische Besatzungsmacht die Familie Hohenzollern entschädigungslos. Nach 1990 gab es Auseinandersetzungen um Rechtmäßigkeit, Umfang und mögliche Rückgabe- oder Nutzungsforderungen; 2019 betrafen diese auch Cecilienhof. Im März 2023 zog das Haus Hohenzollern alle Forderungen und erhobenen Ansprüche zurück.

Architektur und Räume

Cecilienhof besitzt 176 Zimmer, deren Größe durch die Anordnung um fünf Innenhöfe weniger wuchtig wirkt. Die repräsentativen Wohnräume lagen im Erdgeschoss des Mittelbaus. Darüber befanden sich, über vier Treppen erreichbar, die privaten Schlaf-, Ankleide- und Badezimmer.

Das Innere war von schlichter Eleganz und edlen Materialien geprägt und spiegelte die gehobene Wohnkultur des frühen 20. Jahrhunderts. Zu den Räumen gehörten ein Rauchsalon mit holzgetäfelter Decke, eine Bibliothek, ein Frühstückszimmer, ein Musiksalon und ein Schreibzimmer. Fast alle Privaträume wurden von Paul Ludwig Troost entworfen, der durch die Ausstattung von Passagierdampfern bekannt war. Besonders ungewöhnlich war ein Raum, der auf Wunsch von Kronprinzessin Cecilie wie eine Kajüte gestaltet und eingerichtet wurde. Da das Mobiliar dort eingebaut war, ist es weitgehend erhalten.

Das Inventar blieb beim Verlassen des Schlosses Anfang 1945 zurück. Für die Umgestaltung der Räume zur Konferenz brachte die sowjetische Seite es in die Alte Meierei am Jungfernsee. Dort wurde die Originalausstattung bei einem Feuer am 25. Juli 1945 zerstört. Fehlende Möbel wurden später durch Einzelstücke im Stil der Zeit ersetzt. Für die Konferenz wurden Möbel aus nahegelegenen Schlössern zusammengetragen: Josef Stalins Eckzimmer erhielt eine dunkle Ledercouch und einen schweren Schreibtisch, Harry S. Trumans Zimmer klassizistische Möbel aus dem Marmorpalais und Winston Churchills Raum neogotische Möbel aus Schloss Babelsberg.

Potsdamer Konferenz

Im Zentrum des Hauptgebäudes liegt die Große Halle. Sie ist 26 Meter lang und 12 Meter hoch und reicht durch beide Geschosse. Ursprünglich diente sie als Wohnhalle mit bequemen Möbeln. Holzvertäfelung, sichtbare Holzbalken an der Decke und eine große kassettierte Fensterfront zeigen den englischen Landhausstil der Zeit. Eine aus dunklem Eichenholz im Danziger Barock geschnitzte Treppe, ein Geschenk der Stadt Danzig, führte zu den Privaträumen des Kronprinzenpaars.

Während der Potsdamer Konferenz wurde diese Wohnhalle zum Konferenzsaal. Der runde Tisch hatte einen Durchmesser von 3,05 Metern und wurde eigens für die Verhandlungen von der Moskauer Möbelfirma Lux hergestellt. An ihm saßen die Staats- und Regierungschefs der alliierten Siegermächte: Harry S. Truman für die USA, Winston Churchill beziehungsweise später Clement Attlee für Großbritannien, Josef Stalin für die UdSSR sowie weitere führende Mitglieder der drei Delegationen. Während der Konferenz gab Truman telefonisch den Befehl zum Atombombenabwurf über Hiroshima.

Nutzung nach 1945 und Erhaltung

Nach der Konferenz 1945 wurden Schloss und Park erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich. Zunächst nutzte der Demokratische Frauenbund (DFD) das Schloss als Schulungszentrum. Im Westflügel wurde 1960 ein Hotel des Reisebüros der DDR mit 42 Zimmern eingerichtet, das auch nach der friedlichen Revolution in der DDR weiterbestand. Ende 2013 wurde der Hotelbetrieb wegen einer dringenden Renovierung des Gebäudes eingestellt. Neben der Gedenkstätte des Potsdamer Abkommens können die ehemaligen Wohnräume des Kronprinzenpaares besichtigt werden.

1990 wurde Schloss Cecilienhof zusammen mit den Schlössern und Parks von Potsdam-Sanssouci und Berlin, darunter Glienicke und Pfaueninsel, als Weltkulturerbe unter den Schutz der UNESCO gestellt. Es steht unter der Verwaltung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Gelegentlich nutzt die Landesregierung Brandenburg das Schloss für Empfänge. Im November 2004 besuchte Königin Elisabeth II. Cecilienhof; am 30. Mai 2007 trafen sich dort die Außenminister der G8.

Von 2014 bis 2018 wurden Dach und Fassade für knapp 10 Millionen Euro saniert. Außerdem wurden die Außenanlagen nach historischem Vorbild wiederhergestellt. Für Frühjahr 2019 war die Suche nach einem neuen Hotelbetreiber angekündigt; vor einer Wiedereröffnung sollten zusätzlich umfangreiche Sanierungen im Innern stattfinden.

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