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Cardanische Formeln

... annimmt. In Folge erfüllt die sogenannte Diskriminante, die als Quadrat des Differenzenprodukts, das heißt durch. Δ = ( x 1 − x 2 ) 2 ( x 1 − x 3 ) 2 …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Zweck und Grundformel
  2. 2. Alle Lösungen und Umformung
  3. 3. Herleitung und Diskriminante
  4. 4. Reelle Koeffizienten und Sonderfälle
  5. 5. Beispiele und Bedeutung

Zweck und Grundformel

Die Cardanische Formel löst kubische Gleichungen, also Gleichungen dritten Grades, und berechnet damit die Nullstellen eines kubischen Polynoms. Sie ist vor allem für exakte Darstellungen wichtig; für bloße Dezimalnäherungen sind universelle iterative Verfahren wie das Newton-Verfahren meist schneller.

Für die reduzierte kubische Gleichung x^3+px+q=0 lautet eine Lösung x=\sqrt[3]{-\frac q2+\sqrt{\left(\frac q2\right)^2+\left(\frac p3\right)^3}}+\sqrt[3]{-\frac q2-\sqrt{\left(\frac q2\right)^2+\left(\frac p3\right)^3}}. Ist der Radikand der Quadratwurzel nicht negativ, lässt sich damit unmittelbar eine Lösung finden. Die Formel ähnelt in ihrer Rolle der p-q-Formel für quadratische Gleichungen x^2+px+q=0.

Alle Lösungen und Umformung

Allgemein seien p,q Elemente eines Körpers K mit Charakteristik ungleich 2 und 3; typische Fälle sind K=\mathbb R und K=\mathbb C. Setzt man u=\sqrt[3]{-\frac q2+\sqrt{\left(\frac q2\right)^2+\left(\frac p3\right)^3}},\qquad v=\sqrt[3]{-\frac q2-\sqrt{\left(\frac q2\right)^2+\left(\frac p3\right)^3}}, so müssen die Kubikwurzeln so gewählt werden, dass uv=-\frac13p gilt. Diese Nebenbedingung verhindert unpassende Kombinationen der mehrdeutigen Kubikwurzeln.

Mit einer primitiven dritten Einheitswurzel \zeta sind die drei Lösungen x_1=u+v,\quad x_2=\zeta^2u+\zeta v,\quad x_3=\zeta u+\zeta^2v. Für reelle Koeffizienten kann \zeta=e^{2\pi\mathrm i/3}=-\frac12+\frac{\sqrt3}{2}\mathrm i gewählt werden.

Die Formel setzt eine reduzierte Gleichung ohne quadratisches Glied voraus. Jede allgemeine kubische Gleichung Ax^3+Bx^2+Cx+D=0, A\ne0, wird zunächst zu x^3+ax^2+bx+c=0 normiert. Mit z=x+\frac a3 entsteht z^3+pz+q=0, wobei p=b-\frac{a^2}{3} und q=\frac{2a^3}{27}-\frac{ab}{3}+c sind. Nach der Berechnung von z gilt x=z-\frac a3.

Herleitung und Diskriminante

Die Substitution z=u+v nutzt die Identität (u+v)^3=u^3+3uv(u+v)+v^3. Beim Vergleich mit z^3+pz+q=0 müssen daher 3uv=-p und u^3+v^3=-q gelten. Für t_1=u^3 und t_2=v^3 folgt t_1+t_2=-q,\qquad t_1t_2=-\frac{p^3}{27}. Nach dem Satz von Vieta lösen t_1,t_2 somit die quadratische Lagrange-Resolvente t^2+qt-\frac{p^3}{27}=0. Ihre Lösungen sind t_{1,2}=-\frac q2\pm\sqrt{\frac{q^2}{4}+\frac{p^3}{27}}, und aus ihren Kubikwurzeln entstehen u und v.

Die Diskriminante einer reduzierten Gleichung ist \Delta=-4p^3-27q^2. Sie ist (-108)-mal so groß wie der Quadratwurzelradikand \Omega=\left(\frac q2\right)^2+\left(\frac p3\right)^3: \Delta=-108\Omega. Allgemein ist sie definiert als \Delta=(x_1-x_2)^2(x_1-x_3)^2(x_2-x_3)^2.

Reelle Koeffizienten und Sonderfälle

Ein kubisches Polynom mit reellen Koeffizienten besitzt entweder eine oder drei reelle Lösungen; nichtreelle Lösungen treten paarweise konjugiert komplex auf. Bei \Delta<0 gibt es genau eine reelle Lösung, bei \Delta>0 drei verschiedene reelle Lösungen und bei \Delta=0 nur reelle Lösungen, darunter mindestens eine mehrfache.

Bei \Delta=0 beziehungsweise \Omega=0 gilt: Sind p=q=0, ist z=0 eine dreifache reelle Lösung. Sind p\ne0 und q\ne0, gibt es die einfache Lösung z_1=\frac{3q}{p} und die zweifache Lösung z_{2,3}=-\frac{3q}{2p}.

Bei \Delta<0 beziehungsweise \Omega>0 können u,v reell gewählt werden. Dann ist z_1=u+v reell, während z_{2,3}=-\frac{u+v}{2}\pm\frac{u-v}{2}\mathrm i\sqrt3 ein nichtreelles konjugiert komplexes Paar bilden.

Bei \Delta>0 beziehungsweise \Omega<0 entstehen in der Formel notwendigerweise nichtreelle Zwischenwerte, obwohl drei verschiedene reelle Lösungen vorliegen. Dies heißt casus irreducibilis. Beispielsweise liefert x^3-15x-4=0 formal \sqrt[3]{2+11\mathrm i}+\sqrt[3]{2-11\mathrm i}=4, weil (2\pm\mathrm i)^3=2\pm11\mathrm i. Die drei reellen Werte können auch trigonometrisch nach Vieta bestimmt werden.

Beispiele und Bedeutung

Für x^3-6x-6=0 ergibt die Formel die Lösung x=\sqrt[3]{2}+\sqrt[3]{4}=2{,}847\dots. Für x^3-3x-4=0 erhält man x=\sqrt[3]{2+\sqrt3}+\sqrt[3]{2-\sqrt3}=2{,}196\dots.

Die Formel wurde 1545 von Gerolamo Cardano in der Ars magna veröffentlicht. Ihre Behandlung von Fällen mit nichtreellen Zwischenwerten gab wichtige Impulse für die Entwicklung negativer und komplexer Zahlen.

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