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Byzantion
Byzantium wurde unter römischer Herrschaft zu einer mittelmäßig wichtigen Stadt in der römischen Provinz Thracia. Aufgrund seiner günstigen Lage an der …
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Grundlagen und Bedeutung
Byzantion (altgriechisch Βυζάντιον, latinisiert Byzantium, deutsch Byzanz, türkisch Bizans) war eine antike Koloniestadt am südwestlichen Ausgang des Bosporus. Sie wurde um 660 v. Chr. von dorischen Griechen aus Megara, Argos und Korinth gegründet. Der Ort lag auf der europäischen Seite des Bosporus, auf der Ostspitze einer Halbinsel zwischen Marmarameer und Goldenem Horn. Damit kontrollierte Byzantion einen strategisch wichtigen Punkt: die Verbindung zwischen Europa und Asien sowie den Seeweg von der Ägäis ins Schwarze Meer.
Diese Lage machte die Stadt für Handel, Versorgung und Militär bedeutend. Schon für die Griechen war der Bosporus wichtig, weil dort Schiffe entlangfuhren, die Athen und andere Poleis mit Getreide aus dem Schwarzmeergebiet versorgten. Das antike Byzantion lag ungefähr dort, wo sich heute die Stadtteilgemeinde Fatih von Istanbul befindet.
Frühe Besiedlung und Gründung
Funde aus der Jungsteinzeit nahe dem heutigen Stadtteil Kadıköy und aus der Bronzezeit im Stadtteil Sultanahmed zeigen, dass die Ufer des Bosporus schon sehr früh besiedelt waren. Um 685 v. Chr. gründeten megarische Siedler auf der asiatischen Seite des Bosporus die Kolonie Kalchedon (griechisch Καλχηδών), an der Stelle des heutigen Kadıköy.
Um 660 v. Chr. folgte auf der europäischen Seite eine zweite Stadtgründung durch Megarer zusammen mit Kolonisten aus Argos und Korinth. Die Gegend war bereits von Thrakern besiedelt. Der thrakische Name der neuen Siedlung war Byzantion; später wurde er als Name eines legendären Anführers, Byzas aus Megara, gedeutet. Das Gebiet der Neugründung entsprach etwa dem des heutigen Topkapı-Palastes. Weil diese Lage für eine Stadtgründung günstiger war als Kalchedon, galt Kalchedon danach als „Stadt der Blinden“, weil seine Bewohner angeblich den weniger geeigneten Platz gewählt hatten.
Stadtbild und Kultur
Im Stadtzentrum von Byzantion standen Tempel zu Ehren der griechischen Götter Apollon, Artemis und Aphrodite. Außerdem wurden eine Pferderennbahn und ein griechisches Theater errichtet. Das zeigt, dass Byzantion als griechische Polis nicht nur ein Handels- und Militärstützpunkt war, sondern auch religiöse und kulturelle Einrichtungen besaß.
Münzen belegen die wirtschaftliche und politische Bedeutung der Stadt. Genannt werden zwei Drachmen aus Byzantion, etwa 350 v. Chr. geprägt, mit einer Kuh auf einem Delphin und einem Incusum. Byzantion und Kalchedon prägten später auch gemeinsame Münzen, besonders mit dem Kopf der Demeter auf der Vorderseite und Poseidon auf einem Felsen auf der Rückseite. Auf solchen Gemeinschaftsmünzen konnten die Stadtnamen beider Städte neben Poseidon erscheinen.
Griechische Zeit und Bündnisse
Wegen ihrer Lage waren Byzantion und Kalchedon in viele Kriege des griechisch-kleinasiatischen Raums verwickelt. Während des Ionischen Aufstands wurden beide Städte von den Persern belagert und eingenommen. Teile der Bevölkerung wichen daraufhin in andere griechische Schwarzmeerkolonien wie Mesembria aus. Nach den erfolglosen persischen Feldzügen gegen Griechenland wurde Byzantion oligarchisch, also von einer kleineren führenden Gruppe regiert.
478 v. Chr. nahm der Spartaner Pausanias Byzantion ein und herrschte dort zwei Jahre, wurde dann aber von der Bevölkerung vertrieben. Seit 476 v. Chr. hatte Byzantion eine Demokratie als Regierungsform. Byzantion war von 476 bis 405 v. Chr. Mitglied im Attisch-Delischen Seebund und zahlte dort einen sehr hohen Tribut. 411 v. Chr. traten Byzantion und Kalchedon nach einem Konflikt mit Samos zum Peloponnesischen Bund über, wurden aber 409 v. Chr. durch Alkibiades für den Attischen Seebund zurückerobert.
Nach dem Ende des Peloponnesischen Krieges und der späteren Neugründung eines zweiten Attischen Seebunds 378/377 v. Chr. trat Byzantion diesem wieder bei. Ab 387 v. Chr. stand Kalchedon unter persischer Oberherrschaft, wurde aber 357 v. Chr. von Byzantion aus befreit. Im Jahr darauf verließ Byzantion den geschwächten attischen Seebund. 340/339 v. Chr. belagerte der Makedonenkönig Philipp II. Byzantion vergeblich. Auch unter Alexander, seinem Sohn und Nachfolger, behauptete Byzantion seine Selbständigkeit.
Hellenistische und römische Zeit
In der hellenistischen Zeit blieben Byzantion und Kalchedon eng miteinander verbunden. Kalchedon wurde 315 v. Chr. durch Zipoites belagert, doch Antigonos beendete die Belagerung. 302/301 v. Chr. war eine Belagerung erfolgreich; durch Vermittlung von Byzantion kam es zum Frieden. 281 v. Chr. traten beide Städte in die antiseleukidische Allianz ein. 220 v. Chr. führte Byzantion einen Wirtschaftskrieg gegen Rhodos.
In den Kriegen gegen Philipp V., Antiochos III. und Perseus standen Byzantion und Kalchedon auf Seiten der Römer. 202 v. Chr. wurde Kalchedon jedoch von Philipp V. erobert. 196 v. Chr. verkündete Titus Quinctius Flamininus die Freiheit der Griechen; Byzantion wurde civitas libera et foederata, also eine freie und verbündete Stadt.
Unter Kaiser Vespasian (69–79) wurde Byzantion als Teil der Provinz Bithynia et Pontus in das Römische Reich eingegliedert. Unter römischer Herrschaft war Byzantium eine mittelmäßig wichtige Stadt in der römischen Provinz Thracia. Seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. hatte die Kontrolle des Seehandels zu wirtschaftlicher Blüte geführt, doch die Steuerpflicht gegenüber dem römischen Statthalter bremste das Wachstum. Septimius Severus ließ die Stadt 196 n. Chr. zerstören, weil sie seinen Rivalen Pescennius Niger unterstützt hatte. Auf Fürsprache Caracallas wurde sie wieder aufgebaut. 258 wurden Byzantion und Kalchedon von den Goten geplündert und zerstört.
Von Byzantion zu Konstantinopel
Die größte Veränderung brachte die Zeit Konstantins des Großen. Wegen ihrer günstigen Lage baute Kaiser Konstantin I. Byzantion von 326 bis 330 zur neuen Hauptstadt des Römischen Reiches aus. Am 11. Mai 330 n. Chr. machte er die Stadt zu seiner Hauptresidenz, vergrößerte sie großzügig und benannte sie offiziell Nova Roma (Νέα Ρώμη Nea Rhome), also „Neues Rom“.
Wenig später, besonders nach Konstantins Tod im Jahr 337, setzte sich zunehmend der Name Constantinopolis (griechisch Κωνσταντινούπολις, „Stadt des Konstantin“) durch. Nach der Eroberung der Stadt und des nach ihr benannten Byzantinischen Reichs durch die Türken war sie von 1453 bis 1923 Hauptstadt des Osmanischen Reiches. Aus dieser Stadt ging das heutige Istanbul hervor.