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Buddhismus in Österreich
Der Buddhismus in Österreich ist eine seit 1983 staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft. Österreich war das erste Land in Europa, das den Buddhismus …
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Buddhismus in Österreich und Mitgliederzahlen
Der Buddhismus ist in Österreich seit Februar 1983 eine staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft. Österreich war damit das erste Land in Europa, das den Buddhismus offiziell als Religion anerkannte. Vertreten wird er vor allem durch die Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft (ÖBR). Die buddhistische Landschaft umfasst jedoch auch Gruppen, die nicht Mitglied der ÖBR sind.
Die Zahlen zur Größe der Gemeinschaft sind unterschiedlich. Die ÖBR hat etwa 3000 Mitglieder. Bei der letzten Volkszählung, die 2001 nach dem Religionsbekenntnis fragte, bekannten sich mehr als 10.000 in Österreich lebende Personen zum Buddhismus. 2008 schätzte ÖBR-Präsident Gerhard Weißgrab die Zahl der „dem Buddhismus ernsthaft Nahestehenden“ auf etwa 20.000. Zusätzlich leben zahlreiche asiatische Buddhisten in Österreich. Die thailändische Gemeinde gehörte mit 4400 Einwohnern (Stand Ende 2015) zu den größten buddhistischen Gemeinden.
Frühe Entwicklung bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs
In der Österreichisch-Ungarischen Monarchie prägte vor allem Karl Eugen Neumann (1865–1915) die frühe buddhistische Beschäftigung. Er wurde im Mai 1884 Buddhist und übersetzte buddhistische Originaltexte aus dem Pali-Kanon ins Deutsche. Da der Pali-Kanon damals selbst nur teilweise ins Englische übersetzt war, leistete Neumann Pionierarbeit.
Weitere frühe Ansätze bestanden in Vorlesungen und öffentlichen Vorträgen über buddhistische Lehrreden. 1923 gründete Ing. Axel Grasel eine Buddhistische Gesellschaft in Wien. Nach dem Anschluss Österreichs an NS-Deutschland 1938 wurde der Buddhismus wegen des intoleranten politischen Klimas und der erzwungenen Emigration mehrerer Buddhisten bis 1945 fast völlig zurückgedrängt. Der Theravada-Kreis um Anton Kropac hielt jedoch gelegentliche private Treffen ab und wurde nach dem Krieg zu einer Anlaufstelle für Interessierte.
Aufbau buddhistischer Organisationen und Anerkennung
1949 wurde die Buddhistische Gesellschaft Wien gegründet. Fritz Hungerleider leitete sie ab 1955 und brachte durch Vorträge in den 1950er Jahren viele Menschen mit dem Buddhismus in Kontakt. Ab 1961 veranstaltete er nach einem Japan-Aufenthalt Zen-Seminare. Eine buddhistische Buchhandlung in Wien und später Rundfunksendungen über Entstehung, Verbreitung und Wesenszüge des Buddhismus unterstützten die Verbreitung buddhistischer Literatur und Kenntnisse.
In den 1970er Jahren entstanden wichtige Zentren: 1975 das Buddhistische Zentrum Scheibbs, 1976 das Buddhistische Zentrum Wien und 1977 die Buddhistische Gemeinschaft Salzburg. Als Dachorganisation wurde die Österreichische Buddhistische Union gegründet. Das Zentrum Scheibbs war 1976 Schauplatz des ersten Jahreskongresses der Europäischen Buddhistischen Union. 1977 entstand dort außerdem die Zeitschrift Bodhibaum, die der Vernetzung und Diskussion österreichischer Buddhisten diente. Besuche asiatischer Lehrer und die Gründung verschiedener Zen-, Theravada- und tibetisch-buddhistischer Einrichtungen stärkten die Entwicklung.
Die staatliche Anerkennung wurde seit den 1970er Jahren angestrebt. Die Kultusbehörde forderte unter anderem ein Religionsbekenntnis, eine Andachtsordnung, ein Statut für den Dachverband und Absichtserklärungen von mindestens 1000 Personen. Nach langen Verzögerungen kam es zu einer Säumnisbeschwerde beim Verwaltungsgerichtshof. Im Februar 1983 wurde der Buddhismus schließlich staatlich anerkannt.
Ausbau von 1983 bis 2009
Die staatliche Anerkennung ermöglichte buddhistischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen und buddhistische Sendungen im ORF. 1983 wurde in Wien eine Friedenspagode eingeweiht; im selben Jahr entstanden das Heinrich-Harrer-Museum in Hüttenberg und das Gelug-Kloster Letzehof in Feldkirch. In den folgenden Jahren wurden Zentren verschiedener buddhistischer Traditionen gegründet, darunter Theravada-, Zen-, tibetische, koreanische und japanische Einrichtungen.
Der buddhistische Religionsunterricht begann 1993 mit 3 Lehrern und etwa 25 Schülern. Im Schuljahr 1999/2000 nahmen 130 Schüler bei acht Lehrern in sechs Bundesländern teil. Bis 2004 verdoppelte sich die Zahl der Lehrer und Schüler. An mehreren Schulen legten Schüler die mündliche Reifeprüfung im Fach Buddhistische Religion ab.
Wichtige Ereignisse waren die Einweihung des ersten Stupas auf öffentlichem Grund in Österreich durch den Dalai Lama am 12. Juni 1998 im Grazer Volksgarten, die Kalachakra-Zeremonie in Graz im Herbst 2002 mit etwa 10.000 Besuchern, die Eröffnung des buddhistischen Friedhofs auf dem Wiener Zentralfriedhof im Mai 2005 und die Feier zum 25. Jahrestag der staatlichen Anerkennung im Jahr 2008. 2004 wurde Rangjung Yeshe Gomde in Scharnstein als internationales Zentrum für Praxis und Studium des tibetischen Buddhismus errichtet. 2008 eröffnete außerdem das Internationale Institut für Höhere Tibetische Studien in Kärnten.
Seit 2001 wird die Religionszugehörigkeit in Österreich nicht mehr amtlich erfasst; deshalb beruhen spätere Angaben auf Schätzungen. Innerhalb der buddhistischen Gemeinschaft bestehen teilweise Aufspaltungstendenzen, unter anderem wegen politischer Spannungen in den Herkunftsländern und unterschiedlicher Linienhalter in tibetischen Schulen. Gleichzeitig gibt es eine wachsende Zahl österreichischer Mönche, Nonnen und Dharmalehrer sowie asiatischer Ordensangehöriger, die buddhistische Zentren in Österreich leiten oder unterstützen. Der Buddhismus nimmt insgesamt keine besonders prominente Stellung ein, spielt im Dialog der Religionen aber eine angesehene Rolle.
Entwicklungen seit 2010 und thailändische Tempel
Im Mai 2012 besuchte der 14. Dalai Lama Klagenfurt, Salzburg und Wien. Die Veranstaltungen zogen 30.000 Besucher an; weitere 15.000 Menschen verfolgten sie per Live-Stream. Mehr als 330 akkreditierte Journalisten aus 17 Nationen berichteten darüber. Beim Harrer-Museum wurde ein tibetischer Gebetsraum eingeweiht; in Wien-Liesing entstand der bhutanisch-buddhistische Druk-Yul-Park.
Der Bau buddhistischer Sakralbauten ist teilweise umstritten. Eine geplante Stupa in Gföhl wurde im Februar 2012 bei einer Volksbefragung mit etwa zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen abgelehnt. Der erste buddhistische Tempel in Innsbruck wurde im Mai 2013 ohne Zwischenfälle eröffnet. Die Stupa Linz am Freinberg wurde im August 2013 eingeweiht, die buddhistische Stupa am Wagram in Grafenwörth 2019 errichtet.
Zu den thailändischen Theravada-Tempeln in Österreich zählen der Buddhadham Tempel in Graz, Wat Saengthampathip in Klagenfurt, der Thai Temple Thamwisutthi Innsbruck in Rum (Tirol) und der Thai-Austria Dhammaram Tempel in Wien. Die thailändische Gemeinde betreut insgesamt vier als Wat bezeichnete Klöster.