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Bodhidharma
Bodhidharma (chinesisch 菩提達摩 / 菩提达摩, war ein aus Indien stammender buddhistischer Mönch und gilt als der erste Patriarch der Chan- und Zen-Linien.
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Bodhidharma und seine Bedeutung
Bodhidharma war ein aus Indien stammender buddhistischer Mönch. Er gilt als erster Patriarch, also als frühester maßgeblicher Lehrer, der Chan- und Zen-Linien. Chan ist die chinesische Form dieser buddhistischen Tradition; in Korea heißt sie Son, in Vietnam Thien und in Japan Zen. Ab dem 19. Jahrhundert wurde sie vom japanischen Zen aus auch im Westen bekannt.
Bodhidharmas Existenz gilt teilweise als historisch gesichert. Die Einzelheiten seines Lebens bleiben jedoch unklar. Viele bekannte Erzählungen entstanden erst einige Jahrhunderte nach seinem Tod und wurden im Laufe der Zeit immer weiter ausgeschmückt. Deshalb muss zwischen möglichen historischen Ereignissen und späteren Legenden unterschieden werden.
Reise und Lehre in China
Nach der überlieferten Darstellung verließ Bodhidharma 480 n. Chr. sein Herkunftsland, das einige Quellen als die „Westlichen Regionen“ bezeichnen. Er überquerte den Himalaya und gelangte in die nördlichen Provinzen. Danach reiste er nach China, zunächst nach Südchina und anschließend an den Kaiserhof der Liang-Dynastie.
523 n. Chr. ließ er sich wieder im Norden nieder, und zwar in der Provinz Henan. Dort befindet sich das bis heute aktive Shaolin-Kloster. Der Legende nach lehrte Bodhidharma dort eine aus dem Mahayana-Buddhismus abgeleitete Philosophie der Selbstbetrachtung und entwickelte gemeinsam mit den Mönchen den Chan-Buddhismus. Mahayana bezeichnet eine große Strömung des Buddhismus. In chinesischen Chroniken wurde Bodhidharma als „blauäugiger Barbare/Nicht-Chinese“ beschrieben.
Verbindung zur Kampfkunst
Der Legende zufolge schuf Bodhidharma im Shaolin-Kloster die Grundlage für einige chinesische Kampfkünste. Das Kloster war zu dieser Zeit daoistisch geprägt. Dort sollen Meditationspraktiken des Chan beziehungsweise Zen mit körperkräftigenden Bewegungen verbunden worden sein.
Zu diesen Bewegungslehren gehörten Xǐsuǐjīng (洗髓經) und Yìjīnjīng (易筋經). Aus ihnen sollen später die Shaolin-Kampfkunst und die Form Shiba luohan shou (十八羅漢手), auf Deutsch „Die 18 Hände der Arhats“, hervorgegangen sein. Arhats sind im Buddhismus Menschen, die eine hohe Stufe geistiger Befreiung erreicht haben.
Bodhidharma soll die Kampfkunst jedoch anders als spätere Shaolin-Nachfolger nur als ergänzende Disziplin gelehrt haben. Ihr Zweck bestand demnach darin, das Erreichen der Erleuchtung zu unterstützen. Diese wird chinesisch wù (悟), japanisch satori (悟) und im Sanskrit bodhi genannt.
Die Sage von der Entstehung des Tees
Eine Sage verbindet Bodhidharma mit der Entstehung der Teepflanze. Während einer Meditation in einer Höhle seien ihm die Augen schwer geworden. Um nicht einzuschlafen, habe er sich die Augenlider abgerissen beziehungsweise abgeschnitten und fortgeworfen. An der Stelle, an der sie auf den Boden fielen, sei der erste Teestrauch gewachsen. Die Form der Teeblätter werde in der Sage ebenfalls auf die Augenlider zurückgeführt.
Alan W. Watts schilderte 1957 in „The Way of Zen“ eine ähnliche Fassung: Bodhidharma sei während einer Zazen-Meditation eingeschlafen, habe sich aus Zorn darüber die Augenlider abgeschnitten und dadurch unabsichtlich den ersten Tee hervorgebracht. Zazen ist die sitzende Meditation des Zen.
Entstehung und Ausbau der Legende
Die hagiographische, also religiös verherrlichende Darstellung von Bodhidharmas Leben entwickelte sich über mehrere Jahrhunderte. Einzelne Bestandteile der heute bekannten Erzählung tauchten zu unterschiedlichen Zeiten in der Literatur auf:
• 547 wurde berichtet, Bodhidharma sei zwischen 516 und 526 im Alter von 150 Jahren aus Persien nach Luoyang gekommen.
• 645 wurde er als blauäugiger, haariger buddhistischer Mönch persischer Herkunft beschrieben.
• 667 erschien die Erzählung, er habe das Lankavatara-Sutra an Huike weitergegeben.
• 689 wurde eine Patriarchenreihe genannt: 1. Bodhidharma, 2. Huike, 3. Sengcan, 4. Daoxin und 5. Hongren.
• Um 710 wurde Bodhidharma mit dem Shaolin-Tempel verbunden. Der Legende nach schnitt sich sein späterer Nachfolger Huike einen Arm ab, um zu zeigen, wie ernst sein Wunsch nach Unterweisung war.
• Um 715 wurde Bodhidharma als dritter Sohn eines südindischen Brahmanenkönigs und als zweiter Patriarch nach Gunabhadra dargestellt.
• 730 erschien die Geschichte seiner Begegnung mit Kaiser Wu von Liang. Außerdem soll er seine Lehre schließlich an Huike übertragen haben.
• Um 758 wurde er erstmals ausdrücklich als „erster Patriarch“ bezeichnet. Nun wurde ihm auch die Weitergabe des Diamant-Sutras an Huike zugeschrieben.
• 801 kam die Erzählung hinzu, er habe auf dem Sterbebett einen Vers über die Weitergabe der Lehre rezitiert.
• 952 wurde ein Dialog mit Huike über die „Beruhigung des Geistes“ überliefert.
• 988 hieß es, Bodhidharma habe beim Meditieren auf eine Wand geblickt.
• Um 1200 verehrte die japanische Daruma-shū angebliche Reliquien aus seinem eingeäscherten Körper.
• 1224 wurde schließlich erzählt, er habe neun Jahre lang mit dem Blick auf eine Wand meditiert.
Diese zeitlich gestaffelte Entwicklung zeigt, warum viele Einzelheiten nicht als sichere historische Tatsachen gelten können: Zentrale Motive wurden erst lange nach Bodhidharmas vermuteter Lebenszeit schriftlich belegt.