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Buch der Jubiläen

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Aufbau und Zeitrechnung
  3. 3. Engel, Sprache und Wissen
  4. 4. Überlieferung und Entstehung
  5. 5. Wirkung in Religionen

Grundidee und Bedeutung

Das Buch der Jubiläen, auch Jubiläenbuch oder früher Kleine Genesis genannt, ist eine jüdische Schrift aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. Seine Handlung läuft weitgehend parallel zum Buch Genesis und zur ersten Hälfte des Buches Exodus. Es erzählt die Geschichte von der Schöpfung bis zu Mose auf dem Sinai neu und ordnet sie in eine besondere Zeitrechnung ein. Der Name des Buches hängt mit dieser Zeitrechnung zusammen: Sie ist von Siebenerperioden bestimmt, vor allem von Jahrwochen und Jubiläen.

Das Buch gilt heute in der äthiopisch-orthodoxen Kirche und bei den Beta Israel als kanonisch, also als verbindliche Heilige Schrift. In den übrigen christlichen Konfessionen wird es zu den Pseudepigraphen des Alten Testaments gerechnet, also zu religiösen Schriften, die nicht zum biblischen Kanon gehören. Im rabbinischen Judentum wird es ebenfalls nicht als heilige oder verbindliche Schrift anerkannt, sondern als außerkanonisches Werk aus der Zeit des Zweiten Tempels ohne normative Bedeutung für Glauben oder Praxis.

Wichtig ist das Buch auch, weil seine ältesten Fragmente unter den Schriftrollen vom Toten Meer gefunden wurden. In Qumran war es offenbar sehr verbreitet und wurde sogar als autoritative Schrift zitiert.

Aufbau und Zeitrechnung

Das Buch beginnt mit einer Offenbarung Gottes an Mose auf dem Sinai. Dort erhält der „Engel des Angesichts“ den Auftrag, für Mose die ganze Weltgeschichte von der Erschaffung der Welt bis zum Bau des Heiligtums aufzuschreiben. Der Hauptteil des Buches erzählt diese Geschichte aus der Perspektive des Engels: von der Schöpfung und der Begründung des Schabbats bis zu Mose auf dem Sinai, der genaue Vorschriften zum Schabbat empfängt.

Im Vergleich zur Tora wird manches gekürzt, anderes mit zusätzlichen Einzelheiten ausgeschmückt. Besonders wichtig ist die genaue zeitliche Einordnung aller Ereignisse. Die Geschichte wird in eine Zeitrechnung gestellt, die mit der Schöpfung beginnt und in Jahrwochen und Jubiläen gegliedert ist. Eine Jahrwoche besteht aus sieben Jahren, sieben Jahrwochen ergeben ein Jubiläum. Ein Jubiläum umfasst also 49 Jahre. So wird zum Beispiel die Verführung Evas durch die Schlange auf „nach Ablauf der sieben Jahre (…) und zwar im 2. Monat, am 17. Tage“ datiert. Adams Tod wird auf „am Ende des 19. Jubiläums, in der 7. Jahrwoche, in ihrem 6. Jahre“ gelegt.

Die wichtigste Grundeinheit ist aber die Siebentagewoche mit dem Schabbat. Das Jubiläenbuch vertritt einen Kalender mit einem Jahr von 364 Tagen. Dieses Jahr besteht aus 4 Quartalen mit je 13 Schabbatot, also insgesamt genau 52 Wochen. Dadurch fällt jedes Fest immer auf denselben Wochentag. Das Problem ist, dass diese Jahreslänge nicht mit dem wirklichen Sonnenjahr übereinstimmt und die Monate von 30 oder 31 Tagen nicht zur tatsächlichen Mondphase passen. Die Verfasser wussten das und erklären es damit, dass der Mond die Zeiten „verdirbt“ und jedes Jahr zehn Tage vorangehe.

Das Werk enthält außerdem viele Speise- und Reinheitsvorschriften, darunter Regeln zur Tahara, also zur rituellen Reinheit, und das Verbot der Exogamie, also der Heirat außerhalb der eigenen Gruppe.

Engel, Sprache und Wissen

Engel spielen im Jubiläenbuch eine große Rolle. Das Buch nennt vier Klassen von Engeln: „Engel des Angesichts“, „Engel der Heiligung“, „Engel der Natur“ und „Schutzengel“. Es berichtet, dass die Engel am ersten Schöpfungstag geschaffen wurden. Außerdem erzählt es von abtrünnigen Engeln, die sich sündhaft mit Menschentöchtern verbunden hätten. Aus dieser Verbindung sei das Riesengeschlecht der Nephilim entstanden, das später in der Sintflut vernichtet wurde. In der äthiopischen Fassung wird diese Stelle anders erklärt: Dort sind mit „Engeln“ die Nachkommen Sets und mit „Menschen“ die Nachkommen Kains gemeint.

Nach Auffassung des Autors war Hebräisch ursprünglich die Sprache aller Geschöpfe, also der Menschen, der Tiere und auch des Himmels. Nach der Zerstörung des Turms zu Babel sei diese Sprache vergessen worden, bis Engel sie Abraham wieder beigebracht hätten. Henoch gilt im Buch als der erste Mensch, den Engel in der Kunst des Schreibens unterwiesen. Danach habe er Geheimnisse der Astronomie, der Zeitmessung und der Weltgeschichte niedergeschrieben.

Überlieferung und Entstehung

Die Originalsprache des Jubiläenbuches ist Hebräisch. In fünf verschiedenen Qumranhöhlen wurden Fragmente von 16 Handschriften gefunden: 1Q17–18; 2Q19–20; 3Q5; 4Q176a; 4Q216 bis 4Q224; und 11Q12. Das zeigt, dass das Buch in der Qumrangemeinschaft eines der meistgelesenen Bücher war. Ein Zitat in der Damaskusschrift zeigt außerdem, dass es dort als kanonisch angesehen wurde.

Das hebräische Buch wurde früh ins Griechische übersetzt. James VanderKam setzt diese Übersetzung spätestens um 200 n. Chr. an, Klaus Berger hält eine Übersetzung wahrscheinlich schon vor 70 n. Chr. Für die griechische Fassung sind aber nur Bruchstücke erhalten, die auf ein Werk des Epiphanios von Salamis zurückgehen. Dazu kommen einige lateinische Fragmente, deren textkritischer Wert meist hoch eingeschätzt wird. Ein syrisches Fragment im British Museum mit dem Titel Namen der Patriarchengattinen gemäß dem Hebräischen Buch der Jubiläen weist darauf hin, dass es auch eine syrische Fassung gegeben haben muss. Vollständig erhalten ist das Buch nur in altäthiopischer Sprache, weil es Teil der altäthiopischen Bibel ist. Die ältesten bekannten äthiopischen Handschriften stammen aus dem 14. und 15. Jahrhundert.

Die genaue Entstehungszeit ist umstritten. Ältere Forschung datierte das Werk teils in die Zeit des Hasmonäers Johannes Hyrkanos I. (135–104 v. Chr.). Heute nimmt die Mehrheit der Forschenden eher eine vorhasmonäische Entstehung an, also im frühen 2. oder sogar im 3. Jahrhundert v. Chr. Für eine spätere Datierung wurden angebliche Hinweise auf den Makkabäeraufstand oder auf die Eroberung Idumäas unter Hyrkanos I. angeführt; diese Deutungen gelten aber als unsicher. Für eine frühere Datierung spricht, dass das Buch in Qumran bereits im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. als autoritative Schrift verwendet wurde. Das älteste Manuskript des hebräischen Originals wird paläographisch auf 125–100 v. Chr. datiert. Über den Verfasser ist nichts bekannt; ältere Thesen einer pharisäischen Autorschaft gelten als überholt. Heute wird meist eine jüdische Randgruppe als Entstehungskontext angenommen, manchmal „proto-qumranisch“ oder „proto-essenisch“ genannt.

Wirkung in Religionen

In Qumran hatte das Jubiläenbuch große Bedeutung, wurde aber nicht in den jüdischen Kanon aufgenommen. Auch im Christentum wurde es trotz hohen Ansehens bei Kirchenvätern kein Teil des Kanons der Reichskirche. Dass es erhalten blieb, liegt vor allem an den Orientalisch-Orthodoxen Kirchen, besonders an der äthiopischen Kirche, und an den Funden der Schriftrollen vom Toten Meer. Durch den Gebrauch in Äthiopien gewann das Buch in neuerer Zeit auch in Teilen der jamaikanischen Rastafari-Bewegung Ansehen.

Für den Islam wird ein möglicher Einfluss diskutiert. Andrew Rippin und Roberto Tottolio vergleichen in Books and Written Culture of the Islamic World die Koransuren 19:41–48 und 21:51–73 mit dem Jubiläenbuch. Sie sehen Berührungen, aber auch klare Unterschiede in den Abrahamüberlieferungen. Im Jubiläenbuch möchte Abraham vor allem seinen Vater vom Götzendienst abbringen. Im Koran tritt Abraham dagegen als von Gott ernannter Prophet für sein Volk auf und versucht, eine ganze Gemeinschaft vom Götzendienst abzubringen. Auch die Erzählung um die Götzenstatuen und das Feuer verläuft unterschiedlich: Im Koran zerstört Abraham die Statuen bis auf eine, wird angeklagt und von Gott vor dem Feuer gerettet. Im Jubiläenbuch legt Abraham nach dem Gespräch mit seinem Vater Feuer am Tempel der Götzen und flieht unerkannt; sein Bruder Haran stirbt bei den Löscharbeiten.

Der Artikel betont, dass die Ähnlichkeiten zwischen Jubiläenbuch und Koran nicht spezifisch genug sind, um eine unmittelbare Abhängigkeit zu beweisen. Sie zeigen vielmehr, dass der Koran stark im jüdisch-christlichen Traditionsstrom verwurzelt ist.

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