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Hiberno-Englisch
Aussprache · 'r' ähnelt sehr der Aussprache im amerikanischen Englisch und wird immer ausgesprochen, egal wo es im Wort vorkommt, was Hiberno-Englisch zu einem …
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Grundlagen und Einordnung
Hiberno-Englisch oder irisches Englisch bezeichnet die regionalen Varianten der englischen Sprache, die auf der irischen Insel gesprochen werden. Es hat etwa 4 Millionen Muttersprachler und ist in Irland de facto Amtssprache. Linguistisch gehört es zur indogermanischen Sprachfamilie, zum Germanischen, Westgermanischen und zur englischen Sprache.
Irisches Englisch ist eine nationale Varietät des Englischen, ähnlich wie amerikanisches Englisch oder neuseeländisches Englisch. Es zählt zu den Varietäten, die für die meisten Sprecher die Muttersprache sind. Damit unterscheidet es sich von Varietäten wie indischem Englisch, das zwar in Verwaltung und Bildung wichtig ist, aber für viele Sprecher eine Zweitsprache bleibt.
Die Bezeichnungen „irisches Englisch“ und „Hiberno-Englisch“ werden beide verwendet. „Anglo-irisch“ kommt vor allem in älterer Literatur vor, wird in der neueren Sprachwissenschaft aber meist vermieden, weil es auch die Nachfahren englischer Einwanderer in Irland sowie deren Sprache und Literatur bezeichnen kann. „Hiberno-Englisch“ wurde durch den Linguisten T. P. Dolan bekannt; heute sind „irisches Englisch“ oder „Englisch in Irland“ häufiger verständlich.
Historische Entwicklung
Die früheste auf der irischen Insel dokumentierte Sprache ist Irisch, eine keltische Sprache. Zwar gab es Wikingersiedlungen in Irland, doch im 12. Jahrhundert waren deren Nachfahren vermutlich weitgehend assimiliert und sprachen ebenfalls Irisch.
Englisch verbreitete sich in Irland in zwei Hauptphasen. Die erste begann 1169 mit der Eroberung Irlands durch eine Streitmacht aus Anglo-Normannen, mittelenglisch sprechenden Soldaten, Walisern und einigen Flamen. Soldaten und später Siedler brachten Mittelenglisch nach Irland. Die daraus entstandenen Dialekte blieben vor allem auf den Südosten und Osten beschränkt, weil viele neue Siedler mit der Zeit irische Sitten und die irische Sprache übernahmen. Zwei alte Dialekte dieser frühen Phase überlebten bis ins 18. beziehungsweise 19. Jahrhundert: nördlich von Dublin und in Forth and Bargy in der Grafschaft Wexford.
Die wichtigere Phase begann im 16. Jahrhundert mit den Plantations, also der gezielten Ansiedlung englischer und schottischer Siedler, besonders im Norden Irlands. Diese Siedler brachten Frühneuenglisch mit. Auf dieses Frühneuenglische gehen fast alle heutigen Varianten des Hiberno-Englischen zurück, mit Ausnahme des Ulster Scots. Seit dem 16. Jahrhundert entwickelten sich zwei Hauptvarianten: südirisches Englisch und nordirisches Englisch. Im Nordosten, besonders in Ulster, prägten nordenglische und schottische Dialekte sowie Scots die dortige Variante stark; dieser Einfluss fehlt im Süden.
Ab dem 18. Jahrhundert nahm die Zahl englischsprachiger Iren gegenüber irischsprachigen Iren immer weiter zu. Im 19. Jahrhundert ging das Irische dramatisch zurück, auch wegen der großen Hungersnot von 1845 bis 1848, bei der bis zu zwei Millionen vor allem irischsprachige Einwohner starben oder auswanderten. 1891 gab es noch etwa 30.000 bis 40.000 Muttersprachler des Irischen, hauptsächlich im Westen Irlands.
Regionale Formen
In der Forschung werden zwei geografische Hauptvarianten unterschieden: nordirisches Englisch und südirisches Englisch. Wichtig ist dabei, dass „nordirisches Englisch“ nicht genau mit dem Staat Nordirland gleichzusetzen ist. Gemeint ist eher das Gebiet der historischen Provinz Ulster, das große Teile Nordirlands und auch einen Teil der Republik Irland südlich der inneririschen Grenze umfasst.
Die nordirische Variante enthält unter anderem mehr Lehnwörter aus dem Scots, also aus der schottisch geprägten Sprache beziehungsweise den schottischen Dialekten. Innerhalb der beiden Hauptvarianten gibt es weitere Dialekte, zum Beispiel Ulster Scots, Mid-Ulster English und South Ulster English.
Aussprache
Irisches Englisch unterscheidet sich deutlich von der englischen Standardaussprache, der Received Pronunciation. Besonders wichtig ist, dass Hiberno-Englisch rhotisch ist: Der Laut „r“ wird immer ausgesprochen, unabhängig davon, wo er im Wort steht. Darin ähnelt irisches Englisch dem amerikanischen Englisch und unterscheidet sich vom britischen Standardenglisch.
Auffällig ist auch die Aussprache der Laute [θ] und [ð], wie in thing oder that. Sie werden häufig wie ein aspiriertes oder dentales [t] gesprochen. Für Nicht-Iren kann this thing deshalb eher wie dis ting klingen. Auch der Unterschied zwischen thin und tin ist oft kaum hörbar.
Eine ältere Unterscheidung zwischen w [w] und wh [hw], etwa in wine und whine, ist im irischen Englisch erhalten, während sie in den meisten englischen Dialekten verschwunden ist. Außerdem wird d oder t am Silbenende vielerorts durch [ʃ] ersetzt, zum Beispiel [iʃ] für it oder [graʊnʃ] für ground.
Grammatik und Satzbau
Die Grammatik des irischen Englisch weicht in mehreren Punkten vom englischen Standardenglisch ab. Bei den Personalpronomen wird them häufig als Demonstrativpronomen oder als Subjekt verwendet, ähnlich wie in manchen britischen Nicht-Standard-Dialekten. Ein Beispiel ist: „... that time the people were rich that used to live in them houses.“
Für die zweite Person Plural wird als Subjekt oft yis verwendet. Statt „Are you proud of it?“ kann man also „Are yis proud of it?“ finden. Als Objektform der zweiten Person steht statt you häufig ye, zum Beispiel „God bless ye“ statt „God bless you“.
Auch im Satzbau gibt es typische Konstruktionen. Mit do + Verbform auf -ing werden wiederholte oder gewohnheitsmäßige Handlungen ausgedrückt, zum Beispiel „I do be here every day.“ Außerdem kann im irischen Englisch Present oder Past Tense stehen, wo im britischen Standardenglisch Present Perfect oder Past Perfect erwartet wird: „Did you have lunch yet?“ statt „Have you had lunch yet?“ Im Futur wird will statt shall verwendet.
Wortschatz
Der Wortschatz des irischen Englisch ist geprägt durch Einflüsse des Irischen, des Scots und durch ältere englische Formen, die in den meisten anderen englischen Dialekten nicht mehr vorkommen. Aus dem Irischen stammen unter anderem Wörter aus Regierung und Verwaltung: Dáil bezeichnet das irische Parlament, Taoiseach bedeutet „Anführer“ und meint in Irland den Premierminister, Gardaí bedeutet „Polizei“. In öffentlichen Gebäuden finden sich außerdem Wörter wie Ollscoil für „Universität“ oder An Post für „Postamt“.
Auch im Alltag gibt es irische Lehnwörter, etwa feile für „Festival“, fleadh für ein traditionelles Musikfestival oder Gaeltacht für eine irischsprachige Region Irlands. In literarischem irischem Englisch können englische Sätze mit gälischstämmigen Ausdrücken gemischt werden. Das Wort Sea kann dabei statt yes stehen und ist eine Verkürzung von irisch is ea, also „[ja,] es ist [so]“.
Solche Lehnwörter können für Sprecher des irischen Englisch ein Gemeinschaftsgefühl ausdrücken. Manche schließen auch Lücken im englischen Wortschatz, etwa curragh für ein kleines Fischerboot aus wickerwood oder seanachí für einen traditionellen Geschichtenerzähler in Irland.
In Ulster finden sich wegen des schottischen Einflusses auch Scots-Lehnwörter wie wee für „klein“. Daneben bewahrt irisches Englisch archaische Formen: mad und bold können ältere Bedeutungen wie „begierig auf“ und „schlecht benommen, aus dem Rahmen gefallen“ haben. Eigene Entwicklungen sind ebenfalls typisch: Statt great im Sinn von „wundervoll“ oder „großartig“ wird oft grand verwendet, etwa „it's a grand day“. Statt thing ist yoke gebräuchlich.