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Schottisches Englisch

Das schottische Englisch unterscheidet sich vom Englischen Englands vor allem durch seine Aussprache, z. B. eine fehlende Unterscheidung zwischen langen und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff, Einordnung und Entwicklung
  2. 2. Sprachformen und gesellschaftlicher Gebrauch
  3. 3. Vokale und grundlegende Aussprachemerkmale
  4. 4. Konsonanten und Intonation
  5. 5. Grammatik
  6. 6. Wortschatz und Forschung

Begriff, Einordnung und Entwicklung

Schottisches Englisch ist die englische Standardsprache, die in Schottland als Amts- und Bildungssprache verwendet wird. Es wird von etwa 5 Millionen Muttersprachlern gesprochen und ist in Schottland de facto Amtssprache. Sprachwissenschaftlich gehört es zu den Varietäten der englischen Sprache innerhalb der westgermanischen Sprachen. Es ist klar vom Schottisch-Gälischen, einer keltischen Sprache der Highlands und Inseln, sowie vom Scots abzugrenzen.

Wie amerikanisches, irisches oder neuseeländisches Englisch ist es eine nationale Varietät des Englischen und für seine Sprecher in der Regel Muttersprache. Damit unterscheidet es sich etwa vom indischen Englisch, das zwar Amtssprache sowie Verwaltungs- und Bildungssprache ist, für viele Sprecher aber eine Zweitsprache darstellt.

Die englischen Einflüsse in Schottland reichen bis ins 7. Jahrhundert n. Chr. zurück: Das von Angeln gegründete Nordhumbrien wirkte bis in die heutigen Lowlands. Um 1200 kamen vermehrt englischsprachige Siedler aus Nordengland. Daraus entstand Scots, eine englische Varietät mit keltischen und altnordischen Einflüssen. Scots war literarische Sprache und seit 1398 Sprache des Parlaments; bis etwa ins 18. Jahrhundert besaß es den Status einer schottischen Standardsprache. Nach der Vereinigung der Königreiche Schottland und England 1707 nahm der Einfluss des Englischen zu. Es entwickelte sich schottisches Englisch mit eigener regionaler Aussprache und eigenem Wortschatz, das Scots allmählich verdrängte.

Sprachformen und gesellschaftlicher Gebrauch

Zwischen schottischem Standardenglisch und Scots besteht kein scharfer Übergang, sondern ein Kontinuum: Es reicht von stark an der offiziellen Aussprache orientiertem Standardenglisch über breiteres schottisches Englisch bis zu Scots. Welche Form gesprochen wird, hängt unter anderem von Region, sozialem Hintergrund und Gesprächssituation ab. Deshalb fasst ein Teil der Literatur Scots als Spielart des schottischen Englisch auf; andere Literatur trennt beide ausdrücklich.

Die Verwendung von Scots oder besonders breitem schottischem Englisch korreliert tendenziell mit dem sozialen Status. Angehörige der Arbeiterklasse sprechen eher Varianten, deren Wortschatz und Aussprache näher am Scots liegen. Mittel- und Oberschicht, besonders Akademiker wie Rechtsanwälte, verwenden häufiger Educated Standard Scottish English. Diese Variante weicht in Aussprache und Wortschatz weniger stark vom britischen Standardenglisch ab. Ein kleiner Teil der Oberschicht, darunter schottischer Hochadel und königliche Familie, verwendet aufgrund einer Sozialisation an englischen Public Schools ausschließlich die offizielle englische Aussprache.

In Radio und Fernsehen war lange die offizielle englische Aussprache der Standard. Zunehmend wird jedoch Educated Standard Scottish English von Moderatoren und Sprechern bevorzugt. Breiteres schottisches Englisch erscheint vor allem in Interviews und Zuhöreranrufen. Sprecher der Mittelschicht können je nach Kontext und Gesprächspartner zwischen Varianten wechseln; bei englischen Gesprächspartnern wurde Anpassung beobachtet.

Vokale und grundlegende Aussprachemerkmale

Die wichtigsten Unterschiede zur Received Pronunciation (RP), der Standardaussprache Englands, liegen im Vokalsystem. Schottisches Englisch unterscheidet nicht zwischen Kurz- und Langvokalen: Alle Vokale haben grundsätzlich dieselbe Länge. Daher sind pull und pool Homophone und werden ungefähr wie RP pull gesprochen. Die tatsächliche Vokallänge wird jedoch durch die Scottish Vowel Length Rule bestimmt: Vokale sind vor /v/, /ð/, /z/ und /r/ sowie am Wortanfang länger.

Vor /r/ wurden die Kurzvokale /ɪ/, /ʌ/ und /ɛ/ nicht zentralisiert; der Vokal /ɝ/ beziehungsweise /ɜː/ entwickelte sich nicht. Daher lauten die schottischen Aussprachen word /wʌrd/, serve /sɛrv/ und firm /fɪrm/, gegenüber RP /wɜːd/, /sɜːv/ und /fɜːm/. Außerdem besitzt schottisches Englisch die langen Vokale /oː/ und /eː/, die im Englischen bereits in der Tudor-Zeit zu Diphthongen wurden. boat und bait werden ungefähr wie die deutschen Wörter Boot und Beet gesprochen. Beispielsweise steht RP stone /stəʊn/ dem schottisch-englischen stone /stoːn/ gegenüber; Scots hat stane /steːn/.

Zum Vokalsystem gehören die reinen Vokale /i, ɪ, e, ɛ, a, ə, ʌ, ɔ, o, ʊ, u, ʉ/. Daneben gibt es die Diphthonge /əi, ae, oe, ʌʉ/. Typische Beispiele sind meet /mit/ statt RP /mi:t/, boot /but/ statt RP /bu:t/, bait /bet/ statt RP /beit/ und cat /kat/ statt RP /kæt/. Weitere abweichende Aussprachen sind length /lɛnθ/ statt /lɛŋθ/, though /θo/ statt /ðou/ und with /wɪθ/ statt /wɪð/.

Konsonanten und Intonation

Schottisches Englisch ist rhotisch: Ein geschriebenes <r> wird auch vor Konsonanten und am Wortende ausgesprochen, während es in der RP außerhalb der Stellung vor Vokalen stumm bleibt. Postvokalisches <r> wird in Schottland oft als alveolares Zungenspitzen-r realisiert und wirkt dadurch besonders deutlich. Für /r/ sind Trills, post-alveolare und retroflexe Approximanten [ɹ], [ɻ] sowie alveolare Taps [ɾ] möglich.

Anders als in der RP wird zwischen <w> und <wh> unterschieden. Wales und whales sowie wear und where sind deshalb Minimalpaare: Ihre Anfangslaute sind die verschiedenen Phoneme /w/ und /ʍ/. Besonders im Glasgower schottischen Englisch und im urbanen Scots kann [t] in Wortmitte oder am Wortende durch den Glottal Stop [ʔ] ersetzt werden. Der velare Frikativ /x/, ähnlich dem deutschen <ch> in Dach, kommt in einigen Wörtern gälischer Herkunft vor, etwa loch.

Zur Intonation gibt es nur wenige Erkenntnisse. Sie gleicht im Wesentlichen der RP. Einige Studien deuten jedoch darauf hin, dass in schottischem Englisch – außer in Glasgow – eine fallende Intonation sowohl für Fragen als auch für Aussagen typisch ist.

Grammatik

Die Grammatik des schottischen Englisch unterscheidet sich insgesamt nur wenig vom englischen Standardenglisch. In der Morphologie, also der Wortbildung, fällt besonders das Diminutivsuffix -ie auf. Es drückt Vertraulichkeit zwischen Sprecher und Hörer aus. Beispiele sind lassie von lass („Mädchen“), postie von postman („Postbote“) und pinkie („kleiner Finger“). Spezifische Wortbildungen sind auch Komposita wie kirkman („Mitglied der Kirche von Schottland“), Präfixableitungen wie unchancy („gefährlich“) und flesher, ein veraltetes Wort für butcher („Metzger“).

In der Syntax gibt es mehrere typische Abweichungen. Teilweise werden andere Modalverben verwendet: will kann die Bedeutung „sollen“ haben, can die Bedeutung von may, also „dürfen“. Die Verlaufsform wird auch bei Verben genutzt, bei denen sie im englischen Standardenglisch in diesem Zusammenhang nicht üblich ist, zum Beispiel: I’m thinking you’re right. Der bestimmte Artikel the steht häufiger, etwa he’s at the school statt britisch-standardsprachlich he’s at school. Als Frageanhängsel dient amn’t I?, während britisches Standardenglisch aren’t I? und amerikanisches Englisch ain’t I? verwendet.

Wortschatz und Forschung

Der Wortschatz ist überwiegend englischen Ursprungs, enthält aber Lehnwörter und Wörter, die im britischen Standardenglisch nicht oder nicht mehr vorkommen. Aus dem Gälischen stammen beispielsweise ben („Bergspitze“, „Berg“), loch („See“) und strath („weites Tal in den Bergen“); slogan wird auch außerhalb Schottlands verwendet. Französische Lehnwörter aus der Zeit der engen Allianz Schottlands und Frankreichs gegen England sind ashet („großer Teller oder Schüssel“) und gey („beachtlich“). Skandinavische Einflüsse gelangten durch Kontakte mit Dänen im Königreich Nordhumbrien zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert zunächst in nordenglische Dialekte und dann ins schottische Englisch, zum Beispiel gate („Straße“), kirk („Kirche“) und lass („Mädchen“).

Erhaltene oder dialektale Wörter sind auld („alt“), burgh („Bezirk“) und laird („Grundbesitzer“). outwith ist das Gegenteil von within; außerdem steht häufig wee statt little, etwa in a wee bit more. Aus Recht, Bildung und der schottischen Staatskirche stammen advocate statt barrister, law agent statt solicitor und panel für „Angeklagter“ oder „Angeklagte“.

Die Forschung untersucht vor allem phonologische, morphologische und syntaktische Unterschiede zum britischen Standardenglisch. Weitere Themen sind der Zusammenhang zwischen Akzent und Identität, Lautentwicklungen im schottisch-englischen Grenzgebiet sowie die gegenseitige Beeinflussung von schottischem Standardenglisch und Scots.

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