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Neuseeländisches Englisch
Neuseeländisches Englisch ist die Variante der englischen Sprache, die in Neuseeland gesprochen wird. Neuseeländisches Englisch zeichnet sich vor allem …
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Überblick und Entstehung
Neuseeländisches Englisch ist die in Neuseeland gesprochene Variante des Englischen. Es unterscheidet sich besonders durch seine Aussprache, vor allem durch Vokale, und durch zahlreiche Wörter aus dem Māori. Māori-Lehnwörter bezeichnen häufig die besondere Tier- und Pflanzenwelt des Landes sowie Orte; Beispiele sind Kiwi, Cape Reinga / Te Rerenga Wairua und Tiwai Point.
Vor der europäischen Besiedlung war Māori die einzige Sprache auf den neuseeländischen Inseln. Die Māori, die aus Polynesien stammten, entdeckten Neuseeland um 925 unserer Zeitrechnung; um 1150 bestanden feste Siedlungen. Abel Tasman entdeckte Neuseeland 1642 als erster Europäer. Mit Captain Cook 1769–1770 begann die Geschichte des Englischen in Neuseeland. Ab 1790 siedelten europäische Walfänger und Händler. Nach dem Vertrag von Waitangi von 1840 zwischen der britischen Krone und Māori-Häuptlingen wurde Neuseeland offiziell britische Kolonie.
Die Einwanderung stieg von 2.000 Personen im Jahr 1840 auf 25.000 im Jahr 1850 und 750.000 im Jahr 1900. Üblicherweise werden drei Einwanderungswellen unterschieden: 1840–1860 entstanden unter anderem Siedlungen bei Wellington und Nelson mit Zuwanderern aus London und Südostengland; Otago wurde stark schottisch besiedelt. Nach Goldfunden ab 1860 kamen besonders nach Otago und an die Westküste der Südinsel viele Menschen, darunter viele aus Australien. Ab 1870 wurde Einwanderung staatlich gesteuert; viele Einwanderer kamen nun aus Südengland. Seit 1890 überwogen in Neuseeland geborene Neuseeländer gegenüber Einwanderern.
Angaben zur Herkunft sind nur grobe Schätzungen, da unter anderem Schiffs-, Militär- und Todesfallregister unvollständig oder nicht eindeutig sind. Die Volkszählung von 1871 nennt 51 % Einwanderer aus England, 27,3 % aus Schottland und 22 % aus Irland. Die frühen Siedler stammten meist aus der Arbeiterklasse, aus landwirtschaftlichen Berufen oder der unteren Mittelschicht. Neuseeland war im Unterschied zu Australien keine Sträflingskolonie.
Englisch aus Australien und Māori waren wichtige Einflüsse. Anders als in Australien entstand kein Pidgin als Verständigungssprache: Māori bildete eine einheitliche Sprache und Kultur, Māori erhielten früh Zugang zum Bildungssystem und lernten Englisch, während Beamte Māori lernten. Frank Swinnerton beschrieb neuseeländisches Englisch 1912 erstmals ausdrücklich als von anderen englischen Varietäten abgegrenzt und nannte es ein „sorgfältig moduliertes Gemurmel“.
Regionale und soziale Unterschiede
Regionale Unterschiede sind gering und durch sprachwissenschaftliche Forschung weitgehend nicht belegt. Eine Ausnahme ist der Süden der Südinsel: Der Southland burr, ein Akzent mit gerolltem r, geht auf die zahlreichen schottischen Einwanderer zurück.
Deutlich hörbar sind dagegen soziale Unterschiede. Die Sprachwissenschaft unterscheidet Cultivated New Zealand English, General New Zealand English und Broad New Zealand English. Sie werden ungefähr höheren, mittleren und unteren sozialen Klassen zugeordnet. Die Unterschiede betreffen besonders die Vokale. Cultivated New Zealand English ähnelt der britischen Standardaussprache Received Pronunciation (RP) am stärksten; Broad New Zealand English weicht am weitesten davon ab.
Aussprache: Konsonanten, Vokale und Satzmelodie
Die Konsonanten entsprechen im Wesentlichen dem britischen Englisch. Neuseeländisches Englisch ist normalerweise nicht-rhotisch: Ein /r/ wird nicht in allen Schreibpositionen gesprochen. Im Süden der Südinsel gibt es wegen des schottischen Einflusses auch rhotische Varianten. Das /r/ kann als [r] oder als leicht retroflexes [ɹ] realisiert werden.
Besonders wichtig ist eine seit etwa 1960 andauernde Vokalverschiebung im Broad und General New Zealand English. Der Vokal in bit verschiebt sich in Richtung Schwa [ə]. Daher wird fish and chips scherzhaft als fush and chups beschrieben. Der Vokal in bed, ten und Ben wird sehr hoch artikuliert und ähnelt [ɪ] in kit. Dadurch können letter wie litter, pen wie pin, pet wie pit und bet wie bit klingen. Langvokale wie /iː/ in fleece und /uː/ in goose können fast wie Diphthonge wirken; in sehr breiter Aussprache kann goose beinahe wie goat klingen und feet wie fuh-eet [fɪə].
In chance und dance steht typischerweise ein langes dunkles [ɑː] wie in car, ähnlich wie in Südengland. In Australien ist dagegen häufiger [æ] wie in rat zu hören. Zu den Diphthongen gehören /əi, eə, ʊə, aʊ, ei, ai, oʊ/. Die Lippenbewegung ist bei vielen davon geringer als im RP. Lautverschiebungen können dazu führen, dass einzelne Wörter gleich ausgesprochen werden; dies hängt jedoch von Akzentstärke und Region ab.
Manche Sprecher fügen ein Schwa ein: grown, thrown und mown können als grow-en [ˈɡɹɐʉ̯ən], throw-en [ˈθɹɐʉ̯ən] und mo-wen [ˈmɐʉ̯ən] ausgesprochen werden. Groan, throne und moan [-ɐʉ̯n] bleiben unverändert; diese Wortpaare sind daher unterscheidbar. Außerdem steigt die Tonhöhe oft am Satzende, auch bei Aussagen. Diese Intonationskontur heißt High Rising Terminal (HRT).
Māori-Wörter und Wortschatz
Der Māori-Einfluss prägt den Wortschatz stark. Namen für Vögel wie Kea, Kaka, Tui und Kokako, für Fische wie Kahawai und für Pflanzen wie Kahikatea, Rimu, Totara und Manuka stammen aus dem Māori. Kiwi bezeichnet nicht nur den Vogel, sondern auch Neuseeländer und Neuseeländisches, etwa in Kiwibank oder Kiwisaver. Die Frucht heißt stets kiwi fruit; Kiwi allein kann missverstanden werden.
Weitere übernommene Wörter sind tangi („Beerdigung, Trauerfeier“), pa („befestigtes Dorf“), kai („Essen“), kia ora als Ausdruck guten Willens und Begrüßung am Telefon sowie pakeha für „weißer Neuseeländer, Nicht-Māori“. Viele Ortsnamen stammen ebenfalls aus dem Māori. Bei Māori-Lehnwörtern wird zunehmend auf korrekte Pluralformen geachtet: Der Plural von Māori lautet Māori, nicht Māoris. Meist bleibt das Wort im Plural unverändert; te zeigt den Singular und ngā den Plural an. Seit Māori Amtssprache ist und öffentliche Webseiten sowie Gesetzestexte beispielsweise zweisprachig sein müssen, hat dieser Einfluss zugenommen.
Viele Lehnwörter wurden im 19. und 20. Jahrhundert anglisiert. Seit den 1980er Jahren wird stärker eine Aussprache nahe dem Māori angestrebt; bei Ortsansässigen bleibt jedoch oft die anglisierte Aussprache erhalten. Aotearoa wird im Māori [aɔ'tɛaɾɔa], anglisiert [ɐ:ətæeə'ɺo:ə] gesprochen; katipo [kati'pɔ:] beziehungsweise ['kɛtipɐʉ] und manuka [ma:nʉka] beziehungsweise ['mɘ'nʉ:kə]. Māori-Namen werden zudem oft verkürzt, etwa Paraparaumu zu Parapram, Waimakariri zu Waimak und Wainuiomata zu Wainui; Verfechter korrekter Māori-Aussprache missbilligen dies.
Daneben gibt es englischbasierte Wortbildungen wie bush hen, cabbage tree, farm bike und freezing works. Umgangssprachlich werden Wörter oft gekürzt und mit -y oder -ie versehen, etwa shornie, roughie oder roughy und water joey. Das Dictionary of New Zealand English erschien 1998 bei Oxford University Press und beruht nach Verlagsangabe auf mehr als 40 Jahren Forschung.
Grammatik, Schreibweise und Gespräch
Die Grammatik weist weniger ausschließlich neuseeländische Besonderheiten auf als Aussprache und Wortschatz. Wie im australischen Englisch steht will für alle Personen, während britisches Englisch bei I und we teils noch shall verwendet. Gelegentlich bedeutet shall im neuseeländischen Englisch „sollen“; dies wird möglicherweise mit schottischem Englisch verbunden.
Bei Vergangenheitsformen kommen etwa come statt came, done statt did und rung als Past Tense von ring statt britisch rang vor. Als Satzsubjekt wird she häufig anstelle von it verwendet, besonders in kurzen Sätzen am Anfang: She’s right. ist allgemeines Lob, etwa für ein Barbecue; She’ll be right. bedeutet sinngemäß „Das geht in Ordnung.“ Für die zweite Person Plural gibt es unter anderem yous bei Schulkindern in Canterbury und you guys.
Die Rechtschreibung folgt im Allgemeinen britischen Konventionen, etwa colour und travelled. Manche Universitäten erlauben jedoch britische oder amerikanische Schreibweise, sofern sie konsequent verwendet wird. Bei -ise/-ize wird in Neuseeland ausschließlich -ise verwendet; Amerikaner und Kanadier verwenden -ize, Briten und Australier beide Formen. Im Gespräch wird eh häufig ans Satzende gesetzt und kann Question Tags wie isn’t it, is it oder wasn’t it ersetzen.