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Britische Kolonisierung Amerikas

Die Besiedlung und Kolonisierung des amerikanischen Doppelkontinents durch das Königreich England, hernach Königreich Großbritannien, Vereinigtes Königreich …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Frühe englische Kolonien in Nordamerika
  3. 3. Schottische Beteiligung und gescheiterte Kolonien
  4. 4. Britisches Nordamerika und Kanada
  5. 5. Wichtige nordamerikanische Kolonien
  6. 6. Karibische Kolonien

Überblick und Bedeutung

Die britische Kolonisierung Amerikas bezeichnet die Besiedlung und politische Kontrolle von Teilen des amerikanischen Doppelkontinents durch England und später Großbritannien beziehungsweise das Vereinigte Königreich. Sie begann Ende des 16. Jahrhunderts und erreichte ihren Höhepunkt, als britische Kolonien in allen Teilen Amerikas bestanden und auf Hawaii ein Protektorat eingerichtet worden war. Im Prozess der europäischen Kolonisierung Amerikas waren die Briten lange die wichtigsten Rivalen des spanischen Kolonialreichs.

Die Eroberung und Kolonisierung veränderte die indianischen Zivilisationen Amerikas tiefgreifend. Diese Veränderungen geschahen direkt durch britische Militärkräfte und indirekt durch eingeschleppte europäische Krankheiten sowie durch den „Columbian Exchange“, also den Austausch von Pflanzen und Tieren zwischen östlicher und westlicher Hemisphäre. Viele indianische Gesellschaften hatten eigene Kriegergruppen und Kriegserfahrung, unterlagen aber letztlich den britischen Kräften. Viele eroberte Völker verschwanden oder wurden in das koloniale System eingegliedert.

Auf dem Höhepunkt des Britischen Weltreichs gab es drei wichtige Kolonieformen: Pachtgebiete („charter colony“), Eigentumssiedlungsgebiete („proprietary colony“) und Kronkolonien („royal colonies“ oder „crown colonies“). Nach dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg erhielten die verbliebenen britischen Gebiete in Amerika mehr Eigenständigkeit, bis viele unabhängig wurden. Zwei Länder in Nordamerika, zehn in der Karibik und eines in Südamerika wurden von Großbritannien unabhängig. Heute bestehen in Amerika noch acht britische Überseegebiete mit unterschiedlichem Grad an Selbstverwaltung. Außerdem sind neun ehemalige britische Besitzungen in Amerika heute Commonwealth Realms: Sie sind unabhängig vom Vereinigten Königreich, aber durch ein gemeinsames Staatsoberhaupt in Personalunion verbunden.

Frühe englische Kolonien in Nordamerika

England gründete seine Kolonien vor allem entlang der Ostküste Nordamerikas, von Neufundland im Norden bis Florida im Süden. Anfangs wurde der Name „Virginia“ für die ganze Küste verwendet; er bezog sich auf Elisabeth I., die als „The Virgin Queen“ bezeichnet wurde.

Zu den frühen Versuchen gehörte St. John’s auf Neufundland, das 1583 von Sir Humphrey Gilbert in Besitz genommen wurde, aber erst zwei Jahrzehnte später dauerhaft besiedelt wurde. Die Kolonie Roanoke wurde 1585–1587 gegründet und 1590 unter ungeklärten Umständen verwüstet; sie gilt als eine der ersten Kolonien. Die 1607 gegründete Siedlung Jamestown war die erste erfolgreiche englische Ansiedlung. Ebenfalls 1607 entstand die Popham Colony im heutigen Maine, wurde aber nach einem Jahr aufgegeben. Cuper’s Cove wurde 1610 in Neufundland gegründet, die Plymouth Colony 1620 im heutigen Massachusetts. Nach den 1620er Jahren entstanden viele weitere Kolonien an der Nordostküste, darunter 1630 die Massachusetts Bay Colony.

Die frühen Kolonien bestanden aus englischen Landwirten und Herren sowie aus angeheuerten Ausländern. Manche Kolonien wurden durch Eigentumsgouverneure organisiert. Diese handelten auf Grundlage von Handelschartas englischer Aktiengesellschaften, die Ansiedlungen gründen und betreiben durften.

England übernahm 1664 außerdem niederländische Kolonien wie Nieuw Nederland mit Nieuw Amsterdam. Dieses Gebiet wurde in Province of New York umbenannt. Mit Neu-Niederlanden kam auch das frühere Neuschweden unter britische Kontrolle; es wurde später Teil von Pennsylvania.

Schottische Beteiligung und gescheiterte Kolonien

Auch das Königreich Schottland versuchte, Kolonien in Amerika zu gründen. Ein früher Versuch in Darien blieb erfolglos. Ebenso scheiterte eine kurze schottische Besiedlung Nova Scotias von 1629 bis 1632.

Trotz dieser Misserfolge beteiligten sich viele Schotten an der englischen Kolonisierung Nordamerikas. Das geschah schon vor der Vereinigung Englands und Schottlands im Jahr 1707. Diese Realunion folgte auf die seit 1603 bestehende Personalunion, also die Verbindung beider Königreiche durch ein gemeinsames Staatsoberhaupt.

Britisches Nordamerika und Kanada

Nach der Entstehung des Königreichs Großbritannien kamen weitere Gebiete hinzu. 1713 übernahm Großbritannien die französische Kolonie Akadien. Nach dem Sieg im Siebenjährigen Krieg erhielt es 1763 den nördlichen Teil Neufrankreichs sowie die spanische Kolonie Florida. Aus der am dichtesten besiedelten Region Neufrankreichs entstanden „Die Kanadas“, nämlich Oberkanada und Niederkanada.

Im Norden spielte die Hudson’s Bay Company eine wichtige Rolle. Sie betrieb Pelzhandel mit den Indianern und konkurrierte mit französischen Pelzhändlern. Die Gesellschaft kontrollierte das gesamte Einzugsgebiet der Hudson Bay, das Ruperts Land genannt wurde. Der kleine Teil dieses Gebiets südlich des 49. Breitengrades ging 1818 an die USA.

Ab 1775 rebellierten die Dreizehn Kolonien vor allem wegen Fragen der Mitbestimmung, lokaler Gesetze und Steuern. Sie gründeten die Vereinigten Staaten von Amerika. Großbritannien behielt jedoch weitere Gebiete in Nordamerika und kolonisierte auch die Westküste, besonders das Oregon Country, das von 1818 bis 1848 gemeinsam mit den USA beansprucht wurde. Vancouver Island wurde 1849 gegründet, New Caledonia 1846; beide wurden später zusammengelegt und British Columbia genannt.

1867 wurden New Brunswick, Nova Scotia und die Provinz Kanada zum selbstregierten Dominion Kanada innerhalb des Britischen Weltreichs zusammengeschlossen. Die Provinz Kanada umfasste den südlichen Teil des heutigen Ontario und Québec. Prince Edward Island und British Columbia traten in den folgenden sechs Jahren bei, Neufundland 1949. Ruperts Land und das „North-Western Territory“ wurden 1870 Kanada überlassen. Daraus gingen unter anderem Manitoba, Saskatchewan, Alberta, die Nordwest-Territorien, das Yukon-Territorium und Nunavut hervor.

Wichtige nordamerikanische Kolonien

Die Liste britischer Kolonien in Nordamerika zeigt, wie viele sehr unterschiedliche Siedlungen, Handelsgebiete und Kolonien entstanden. Roanoke wurde 1586 gegründet und im Folgejahr aufgegeben; bei einem zweiten Versuch 1587 verschwanden die Bewohner, weshalb sie auch „Verlorene Kolonie“ genannt wird. Die Virginia Company wurde 1606 gegründet und wurde 1624 zur Kolonie und Dominion von Virginia. Jamestown entstand 1607. Die Bermuda-Inseln wurden 1609 von der Londoner Virginia Company besiedelt und gehören noch heute zu den britischen Überseeterritorien.

Weitere frühe Kolonien waren die Popham Colony von 1607 bis 1608, Cuper’s Cove ab 1610, Renews ab 1615, Bristol’s Hope ab 1618 und die Plymouth Colony ab 1620. In Neuengland entstanden außerdem die Province of Maine, die Province of New Hampshire, Salem Colony, Massachusetts Bay Colony, Connecticut Colony, Rhode Island and Providence Plantations und New Haven Colony. Maryland wurde 1632 gegründet.

Ab 1664 kamen durch Eroberung die Province of New York und die Province of New Jersey hinzu. Ruperts Land wurde 1670 Eigentum der Hudson’s Bay Company. Pennsylvania wurde 1682 als englische Kolonie gegründet, obwohl es zuerst von Niederländern und Schweden besiedelt worden war; Delaware wurde 1704 von Pennsylvania abgetrennt. Aus der Province of Carolina entstanden North Carolina und South Carolina als eigenständige Kolonien. Georgia wurde zuerst um 1670 besiedelt und 1732 formell Kolonie.

Spätere britische Gebiete umfassten unter anderem Nova Scotia, Québec, Ostflorida und Westflorida, St. John’s Island beziehungsweise Prince Edward Island, New Brunswick, Oberkanada beziehungsweise Ontario, New Caledonia beziehungsweise British Columbia und Vancouver Island.

Karibische Kolonien

Auch in der Karibik gründeten oder eroberten die Briten zahlreiche Kolonien. St. Kitts wurde 1623 von Sir Thomas Warner besiedelt; im folgenden Jahr besiedelten auch Franzosen Teile der Insel. Nach Konflikten zwischen Briten, Franzosen und Kariben wechselte St. Kitts mehrfach den Besitzer, bis die Insel mit dem Frieden von Paris 1783 an die Briten fiel. Sie wurde 1983 als St. Kitts und Nevis unabhängig.

Barbados wurde 1625 besiedelt und 1966 unabhängig. Nevis war seit 1628 ständig besiedelt und wurde ebenfalls 1983 als Teil von St. Kitts und Nevis unabhängig. Antigua und Barbuda wurden 1632 besiedelt und 1981 als Antigua und Barbuda unabhängig. Montserrat wurde ebenfalls 1632 besiedelt, war 1664–1668 und 1782–1784 von den Franzosen besetzt und ist weiterhin britisches Territorium.

Die Bahamas wurden ab 1647 besiedelt und 1971 unabhängig. Anguilla wurde 1650 besiedelt; seine Regierung war von 1882 mit der von St. Christopher verbunden, bis Anguilla 1967 seine Abtrennung erklärte. 1969 kam die Insel wieder unter britische Verwaltung und ist bis heute britisches Territorium. Jamaika wurde 1655 von Spanien erobert und 1962 unabhängig. Die Britischen Jungferninseln wurden ab 1666 besiedelt und sind weiterhin britisches Territorium. Die Cayman Islands wurden erstmals in den 1750er Jahren ständig besiedelt und sind ebenfalls weiterhin britisches Territorium.

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