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Commonwealth Realm

Inhaber der britischen Krone ist seit dem 8. September 2022 Charles III., der damit Staatsoberhaupt auch aller Commonwealth Realms ist. Die Commonwealth Realms …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und heutige Staaten
  2. 2. Vom Dominion zum Commonwealth Realm
  3. 3. Ehemalige Realms und Republiken
  4. 4. Staatsoberhaupt und Königstitel
  5. 5. Thronfolge und Flaggen

Begriff und heutige Staaten

Ein Commonwealth Realm (englisch etwa „Commonwealth-Königreich“) ist ein souveräner Mitgliedstaat des Commonwealth of Nations, der mit der britischen Krone in Personalunion verbunden ist. Personalunion bedeutet, dass dieselbe Person Staatsoberhaupt mehrerer unabhängiger Staaten ist. Seit dem 8. September 2022 ist Charles III. Inhaber der britischen Krone und damit formal auch Staatsoberhaupt aller Commonwealth Realms.

Die Commonwealth Realms sind nicht mit dem Commonwealth of Nations insgesamt gleichzusetzen. Stand 24. Juli 2025 gibt es 15 Realms, daneben 35 Republiken und 5 konstitutionelle Monarchien anderer Dynastien. Im Commonwealth haben Realms und andere Mitgliedstaaten grundsätzlich den gleichen Status. Eine Ausnahme besteht darin, dass nur Bürger der Realms von der britischen Krone in den Adelsstand erhoben werden können.

Die 15 heutigen Commonwealth Realms sind: Antigua und Barbuda, Australien, die Bahamas, Belize, Grenada, Jamaika, Kanada, Neuseeland, Papua-Neuguinea, die Salomonen, St. Kitts und Nevis, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen, Tuvalu sowie das Vereinigte Königreich.

Vom Dominion zum Commonwealth Realm

Die Entwicklung zu den heutigen Commonwealth Realms verlief über die britischen Dominions. In den 1860er Jahren wurde erwogen, die Kanadische Konföderation in „Kingdom of Canada“ umzubenennen. Wegen des Widerstands des britischen Kolonialministeriums und der Vereinigten Staaten wurde Kanada 1867 jedoch als „Dominion of Canada“ bezeichnet.

Bei der Reichskonferenz von 1907 wurde „Dominion“ für selbstverwaltete britische Kolonien verwendet. Dazu gehörten Australien, Neuseeland, Neufundland, die Kapkolonie, Natal und Transvaal. 1910 schlossen sich die Kapkolonie, Natal und Transvaal mit der Oranjefluss-Kolonie zur Südafrikanischen Union zusammen, die ebenfalls Dominionstatus erhielt. 1921 kam der Irische Freistaat hinzu.

Die Dominions waren zunächst zwar selbstverwaltet, ihre Gesetzgebung unterlag theoretisch aber weiterhin dem britischen Parlament. Der Monarch des Vereinigten Königreichs herrschte über sie als Teil des Britischen Weltreichs, und ein Generalgouverneur vertrat die britische Regierung. Das Vereinigte Königreich war außerdem für Außen- und Verteidigungspolitik verantwortlich. In der Praxis wurden die Dominions jedoch zunehmend eigenständig: Sie unterzeichneten den Friedensvertrag von Versailles, erhielten zusammen mit Indien einen Sitz im Völkerbund, tauschten eigene Gesandte aus und schlossen eigene Abkommen. 1925 lehnten sie es ab, an die britische Unterschrift unter den Verträgen von Locarno gebunden zu sein.

Der Balfour-Bericht von 1926 erkannte diesen souveräneren Status an. Die Dominions und das Vereinigte Königreich wurden als „autonome Gemeinschaften innerhalb des Britischen Weltreichs, gleichberechtigt, in keiner Weise […] einander untergeordnet […] dennoch vereinigt durch eine gemeinsame Untertanentreue zur Krone und freiwillig zusammengeschlossen als Mitglieder des Britischen Commonwealth of Nations“ beschrieben. Danach unterhielten die Regierungen der Dominions getrennte und direkte Beziehungen zum Königshaus. Der Generalgouverneur wurde persönlicher Vertreter des Monarchen. Der Royal and Parliamentary Titles Act von 1927 machte deutlich, dass der König als König jedes einzelnen Staates und nicht nur als britischer König in diesen Staaten regierte.

Das Statut von Westminster von 1931 verlieh Kanada, Australien, Neuseeland, der Südafrikanischen Union, dem Irischen Freistaat und Neufundland gesetzgeberische Unabhängigkeit. Bestimmte Rechte, etwa bei Verfassungsänderungen, sowie eine Übernahme der Regierungsgeschäfte auf Anfrage blieben beim britischen Parlament. Australien ratifizierte das Statut 1942, Neuseeland 1947; Neufundland ratifizierte es nie, wurde 1934 wieder Kolonie und schloss sich 1949 Kanada an. Der Irische Freistaat bildete spätestens 1949 eine von der britischen Monarchie unabhängige Republik.

Der Zerfall Britisch-Indiens führte zu weiteren Veränderungen. Die Cripps Declaration von 1942 erkannte an, dass eine Kolonie unabhängig werden konnte, ohne im Commonwealth zu bleiben. Burma wurde 1948 eine eigenständige Republik außerhalb des Commonwealth. Indien, Pakistan und Ceylon wurden dagegen Dominions. Die London Declaration von 1949 schuf schließlich eine Grundlage dafür, dass auch Republiken freiwillig im Commonwealth bleiben konnten.

Um die Gleichrangigkeit der unabhängigen Staaten auszudrücken, wurde der British Commonwealth in Commonwealth of Nations umbenannt. Die Dominions wurden zunächst als „Commonwealth countries“, später als „Commonwealth Realms“ bezeichnet. Diese Entwicklung begann mit der Thronbesteigung Elisabeths II. 1952: Sie wurde als Königin des Vereinigten Königreichs und ihrer „anderen Reiche und Territorien“ sowie als Oberhaupt des Commonwealth bezeichnet. 1953 wurden in den bisherigen Dominions Royal Style and Titles Acts erlassen, die Unabhängigkeit und Gleichrangigkeit der Staaten festhielten.

Viele weitere Realms entstanden während des sogenannten „Wind of Change“, der durch eine Rede des britischen Premierministers Harold Macmillan Anfang 1960 die Unabhängigkeitsbewegungen in den Kolonien stärkte. Auch der Zerfall der Westindischen Föderation führte zur Unabhängigkeit mehrerer Mitgliedstaaten. Papua-Neuguinea wurde 1975 unabhängig von Australien und dadurch ein Commonwealth Realm. Es ist neben dem Vereinigten Königreich die einzige Ausnahme unter den heutigen Realms, die ihre Unabhängigkeit nicht unmittelbar von Großbritannien erhielt.

Ehemalige Realms und Republiken

Mehrere ehemalige Commonwealth Realms wurden Republiken und blieben im Commonwealth. Indien war nach der London Declaration das erste Beispiel. Pakistan wurde 1956 zur ersten Islamischen Republik. Ghana folgte 1960. Bis in die 1970er Jahre wurden außerdem Tanganjika, Nigeria, Uganda, Kenia, Malawi, Gambia und Sierra Leone Republiken. Guyana wurde 1970 Republik, Malta 1974 und Trinidad und Tobago 1976.

Südafrika wurde nach einem Referendum 1961 Republik und trat aus dem Commonwealth aus; seit 1994 ist es wieder Mitglied, aber kein Realm mehr. Fidschi beendete nach einem Militärputsch 1987 seine konstitutionelle Monarchie und wurde Republik. Das Land wurde 1997 wieder in das Commonwealth aufgenommen, am 1. September 2009 jedoch erneut suspendiert. Obwohl der Große Häuptlingsrat Charles III. als obersten Häuptling anerkennt, ist er nicht Staatsoberhaupt Fidschis.

Barbados sagte sich als bislang letztes Land am 30. November 2021 von der Krone los. Antigua und Barbuda, die Bahamas und Jamaika erklärten 2022 ihre Absicht, Republiken zu werden, haben dies bislang aber nicht umgesetzt.

Zu den ehemaligen Realms gehören mit ihren jeweiligen Zeiträumen unter anderem: Ceylon, heute Sri Lanka (4. Februar 1948 bis 22. Mai 1972), Indien (15. August 1947 bis 26. Januar 1950), Pakistan (15. August 1947 bis 23. März 1956), Ghana (6. März 1957 bis 1. Juli 1960), Guyana (26. Mai 1966 bis 23. Februar 1970), Südafrika beziehungsweise die Südafrikanische Union (31. Mai 1910 bis 31. Mai 1961), Malta (21. September 1964 bis 13. Dezember 1974), Mauritius (12. März 1968 bis 12. März 1992), Nigeria (1. Oktober 1954 bis 1. Oktober 1963), Sierra Leone (27. April 1961 bis 19. April 1971), Tanganjika (9. Dezember 1961 bis 9. Dezember 1962), Uganda (9. Oktober 1962 bis 9. Oktober 1963), Kenia (12. Dezember 1963 bis 12. Dezember 1964), Malawi (6. Juli 1964 bis 6. Juli 1966), Gambia (18. Februar 1965 bis 24. April 1970), Trinidad und Tobago (31. August 1962 bis 1. August 1976), Barbados (30. November 1966 bis 30. November 2021) und Fidschi (10. Oktober 1970 bis 6. Oktober 1987).

Der Irische Freistaat war vom 6. Dezember 1922 bis zum 29. Dezember 1937 ein Commonwealth Realm; Irland blieb anschließend bis zum 18. April 1949 in dieser staatsrechtlichen Entwicklung mit der Krone verbunden. Rhodesien erklärte am 11. November 1965 einseitig seine Unabhängigkeit und wurde am 2. März 1970 durch die dortige Regierung zur Republik erklärt.

Staatsoberhaupt und Königstitel

In jedem Commonwealth Realm ist Charles III. formal König dieses Staates und damit dessen Staatsoberhaupt. Staatsrechtliche Akte werden in seinem Namen in Kraft gesetzt. Die protokollarischen Aufgaben übernimmt gewöhnlich der jeweilige Generalgouverneur. Der König ernennt ihn, ist dabei aber an den Vorschlag des Premierministers gebunden; in Papua-Neuguinea und auf den Salomonen schlägt das Parlament den Generalgouverneur vor. Der Monarch kann Aufgaben, die normalerweise der Generalgouverneur wahrnimmt, auch persönlich übernehmen. So hielt Charles III. nach der Wahl 2025 selbst die Thronrede zur Eröffnung des kanadischen Unterhauses.

Seit einer Änderung der kanadischen Titulatur trägt Charles grundsätzlich in allen Realms einen jeweils auf den Staat bezogenen Titel. Die Grundform lautet: „Charles III., von Gottes Gnaden [dies nicht in Papua-Neuguinea] König von [Name des Staates] und seiner anderen Königreiche und Territorien, Oberhaupt des Commonwealth“ beziehungsweise auf Englisch „Charles the Third, [by the Grace of God] King of [Country] and His other Realms and Territories, Head of the Commonwealth“.

Es gibt Abweichungen bei Interpunktion, Staatsnamen und Zusätzen. Für Australien lautet der Titel beispielsweise „König von Australien“ und nicht „König des Commonwealth von Australien“. In Neuseeland und im Vereinigten Königreich kommt „Verteidiger des Glaubens“ hinzu. Im Vereinigten Königreich lautet die englische Grundform „Charles the Third, by the Grace of God of the United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland and of his other Realms and Territories, King, Head of the Commonwealth, Defender of the Faith“. In Papua-Neuguinea fehlt „von Gottes Gnaden“. Die Titulatur wird im Vereinigten Königreich auch auf Walisisch, in Kanada auf Französisch und in Neuseeland auf Maori verwendet.

Elisabeths II. Titulaturen folgten grundsätzlich denselben Regeln. Früher blieb in manchen Staaten zunächst der britische Titel bestehen. Auf den Salomonen galt er sogar bis 2013. In Australien wurde der Zusatz „Vereinigtes Königreich“ bis 1973, in Kanada bis 2024 und in Neuseeland bis 1974 zusammen mit dem jeweiligen Staatsnamen verwendet, statt nur durch den neuen Staatsnamen ersetzt zu werden.

Thronfolge und Flaggen

Die Commonwealth Realms können ihre Thronfolge grundsätzlich durch eigene Gesetze regeln. Damit eine unterschiedliche Gesetzgebung nicht zum Ende der Personalunion führt, vereinbarten sie im Statut von Westminster, Änderungen der Thronfolge nur mit Zustimmung aller anderen Commonwealth Realms vorzunehmen. In einigen karibischen und pazifischen Staaten genügt dafür möglicherweise eine Regelung in der Verfassung, die den nach britischem Recht bestimmten Monarchen zum Staatsoberhaupt erklärt. In Australien sind dagegen neben einem nationalen Gesetz auch Gesetze aller Bundesstaaten erforderlich, weil der König formal auch Staatsoberhaupt jedes australischen Bundesstaats ist.

Bisher gab es zwei wesentliche Änderungen: die Regelung zur Abdankung Edwards VIII. im Jahr 1936 und das 2011 vereinbarte, 2015 in Kraft getretene Perth Agreement. Dieses hob insbesondere die männliche Primogenitur auf, nach der männliche Nachkommen bei der Thronfolge bevorzugt wurden.

Die unterschiedlichen Royal Standards, also die offiziellen Flaggen des Königs in seiner Funktion als Staatsoberhaupt des jeweiligen Staates, zeigen ebenfalls die Eigenständigkeit der Realms. Eine solche Standarte führen jedoch nur Australien, Jamaika, Kanada, Neuseeland und das Vereinigte Königreich. Mit Ausnahme der britischen Standarte hatten die Royal Standards grundsätzlich ein gekröntes goldenes E, umgeben von Rosen, auf blauem Grund gemeinsam; dieses Zeichen stammte von der persönlichen Flagge Elisabeths II. Im Vereinigten Königreich gibt es zusätzlich einen eigenen Royal Standard für Schottland.

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