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Brahman (Philosophie)
... Atman als Wesenseinheit begriffen, die das wahre Wesen der Welt repräsentieren. Dieses Eine wird universell als Brahman, im Einzelnen als Atman erkannt.
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Grundbegriff
Brahman bezeichnet in der hinduistischen Philosophie die unveränderliche, unendliche, immanente und transzendente Realität. Immanent bedeutet, dass sie in der Welt gegenwärtig ist; transzendent bedeutet, dass sie zugleich über die erfahrbare Welt hinausgeht. Brahman ist der ewige Urgrund von allem, was existiert, und gilt als das Absolute, das unwandelbar bleibt.
Seit den Upanishaden bezeichnet Brahman vor allem dieses Absolute. Daneben blieb die ältere vedische Bedeutung „heiliges Wort“, „heilige Formel“ beziehungsweise allgemein „heilige Kraft“ erhalten.
Eigenschaften und Verhältnis zur Götterwelt
Brahman ist ein unpersönliches Konzept des Göttlichen, kein Schöpfer oder Lenker. Es hat weder Anfang noch Ende, bildet aber den gedachten chronologischen Anfang allen Seins. Nach den Philosophen der Upanishaden ist dieser Urgrund die notwendige Voraussetzung dafür, dass Materielles und Geistiges entstehen können.
Obwohl Brahman als attributlos gilt, wird es als Sat-Chit-Ananda beschrieben: Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit. Die frühen Überlegungen gehen davon aus, dass Brahman Bewusstsein und Materie nur hervorbringen könne, wenn es selbst Bewusstsein und Substanz besitze. Es ist allgegenwärtig in Geist und Materie, aber als Kraft unsichtbar, unhörbar und undenkbar. Zugleich ist es unsterblich und steht über den Göttern.
Avyaktabrahman nennt man Brahman in seiner für Menschen nicht offenbaren, nicht manifestierten Form: das Göttliche an sich und den Urgrund der Welt.
Diese Vorstellung folgt grundsätzlich einem monistischen Ansatz: Die Wirklichkeit wird auf einen einzigen Urgrund zurückgeführt. Im religiösen Leben kann sie jedoch eine theistische und personale Ausprägung annehmen. Dann gilt die jeweils bevorzugt verehrte Gottheit als höchstes Brahman: für Shiva-Anhänger Shiva, für Anhänger der Göttin Devi eine ihrer Formen und für Vishnu-Verehrer Vishnu.
Aussagen der Upanishaden
Die Upanishaden versuchen, Brahman zu bestimmen, betonen aber zugleich, dass es sich durch keine Aussage vollständig definieren lässt. Die Chandogya Upanishad (3.14.1) fasst seine Allgegenwart in dem Satz zusammen: „sarvam khalvidam brahma – Wahrlich, dies alles ist Brahman.“
Weil jede positive Beschreibung unzureichend bleibt, lautet eine Vorgehensweise „neti, neti“, also „nicht so, nicht so“. Die Brihadaranyaka-Upanishad (3.8.8) beschreibt das Unvergängliche daher durch Verneinungen: Brahman sei unter anderem weder grob noch fein, weder kurz noch lang, ohne Sinnesvermögen, Namen und Geschlecht, nicht alternd und nicht sterbend sowie weder außen noch innen. Diese Aussagen sollen zeigen, dass Brahman nicht durch gewöhnliche Eigenschaften und Gegensätze erfasst werden kann.
Einheit von Brahman und Atman
Im Zeitalter der Upanishaden (750–500 v. Chr.) werden Brahman und Atman als Wesenseinheit verstanden, die das wahre Wesen der Welt darstellt. Brahman bezeichnet dieses Eine in seiner universellen Form; Atman bezeichnet es im einzelnen Wesen als dessen innerstes Selbst oder Seele.
Die Chandogya-Upanishad (3.14) beschreibt den Atman im inneren Herzen zugleich als kleiner als ein Reiskorn und größer als Erde, Himmel und Welten. Sie setzt diesen inneren Atman ausdrücklich mit Brahman gleich. Der zentrale Satz „Tat tvam asi“ – „Das bist du“ – bringt entsprechend die Einheit des Menschen mit Brahman zum Ausdruck.
In der Bhagavadgita (13.14–17) erklärt Krishna dem Helden Arjuna, Brahman sei nicht an die Sinne gebunden, trage und durchdringe aber alles. Es sei innerhalb und außerhalb der Welt, zugleich fern und nah und wohne im Herzen jedes Wesens. Obwohl es die einzelnen Wesen durchdringe, bleibe es in Wahrheit ungeteilt. Es erhalte, erschaffe und zerstöre die Wesen und werde als „Licht der Lichter“, als Erkennen und als Erkenntnisziel bezeichnet.
Vedanta und wichtige Abgrenzung
Im Vedanta, einer philosophischen Tradition des Hinduismus, wurde unterschiedlich ausgelegt, was Brahman ist und in welchem Verhältnis es zur Einzelseele steht. Die verschiedenen Schulen entwickelten dazu voneinander abweichende Deutungen.
Brahman darf nicht mit Brahma verwechselt werden. Brahman ist der unpersönliche Urgrund der Wirklichkeit; Brahma ist dagegen ein männlicher, personaler Schöpfergott, der sich aus dem Brahman-Verständnis entwickelt hat. Diese personale, monotheistische Ausprägung bildet eine Alternative zum monistischen Weltbild. Weil beide Begriffe ähnlich heißen und im Sanskrit ähnlich dekliniert werden, führt ihre Verwechslung in der Literatur zu irreführenden Aussagen.
Lernvideos zu Brahman (Philosophie)
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