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Atman
Gemäß dem buddhistischen Konzept des Anatta gibt es kein Atman. Diese komplett gegensätzlichen Überzeugungen in Bezug auf Atman werden häufig als einer der …
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Bedeutung und Grundbegriffe
Atman (Sanskrit आत्मन्, Pali: atta, ursprünglich „Lebenshauch, Atem“) ist ein Begriff der indischen Philosophie. Er bezeichnet das (absolute) Selbst, die unzerstörbare, ewige Essenz des Geistes, und wird häufig als „Seele“ übersetzt. Die indogermanische Sprachwurzel ist im deutschen Wort „Atem“ wiedererkennbar (von ēt-men, siehe auch altenglisch æthm). Im Hinduismus wird der Atman vom Jiva (जीव, „Leben, Lebewesen, Seele“) unterschieden: Jiva ist der Träger der individuellen Persönlichkeit, ein feinstofflicher, unsichtbarer Leib, der der Wiedergeburt unterliegt. Der von Jiva umhüllte und darum nicht erkennbare Atman dagegen ist unveränderlich und ewig, die unsterbliche, immaterielle Seele. Er muss nicht befreit werden, sondern ist ewig frei. In der Erlösung vereinigt sich Atman mit Brahman, dem Absoluten Höchsten, dem alles zugrunde liegt. Dem buddhistischen Konzept des Anatta zufolge gibt es kein Atman. Diese gegensätzlichen Überzeugungen gelten als einer der zentralsten Unterschiede zwischen Hinduismus und Buddhismus.
Advaita-Vedanta
Nach der Advaita-Vedanta-Philosophie ist Atman identisch mit dem absoluten Selbst (Brahman). Dies sei das wahre Selbst, das bei allen Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühlen unverändert bleibe. Da Atman und Brahman nicht als zwei, sondern als ein einziges Prinzip betrachtet werden, ist der Advaita-Vedanta eine monistische Philosophie.
Die Upanishaden-Zeit
Im Zeitalter der Upanishaden (750–500 v. Chr.) werden die Weltenseele Brahman und das Selbst Atman als Wesenseinheit begriffen, die das wahre Wesen der Welt repräsentiert. Dieses Eine werde im Kosmos als Brahman, im Einzelnen als Atman erkennbar. Als Ziel des Lebens gilt es, die Einheit von Atman und Brahman zu erkennen. Atman sei ständig existent, nie von der kosmischen Kraft Brahman getrennt und verändere sich nicht.
Sicht der Vishnuiten
Während Anhänger des Advaita Vedanta den Atman als identisch mit der Weltseele sehen, frei von allen Attributen, sehen andere – etwa Anhänger des Dvaita Vedanta, zu denen insbesondere viele Vishnuiten gehören, die Gott als Vishnu verehren – den Atman mit transzendenten Eigenschaften. Rupa Goswami, ein Schüler des wichtigen vishnuitischen Philosophen Chaitanya, beschrieb diese in seinem Werk Bhakti-rasamrita-sindhu: Demnach besitzt der Atman sat (Sein, ewige Identität), cit (Bewusstheit, Wissen) sowie ananda (Glückseligkeit). In Vaikuntha, der spirituellen Welt, hat er eine ewige spirituelle Form (rupa). Die Gestalt des Atman ähnelt nach dieser Auffassung der männlichen Gestalt Gottes oder Gottes Liebeskraft in weiblichen Formen wie etwa Radha, Sita oder Lakshmi. Hierbei handelt es sich um eine monotheistische Sicht.
Atman-Lehre im Buddhismus
Volker Zotz zufolge war Siddhartha Gautama (Buddha) ursprünglich ebenfalls von der Existenz des Atman überzeugt und versuchte, dieses durch besonders harte asketische Praktiken aufzufinden. Dabei kam er zur Überzeugung, dass ein solcher unzerstörbarer, ewiger Kern der Persönlichkeit nicht existiere, und sah in dieser Erkenntnis den Schlüssel zur Erlösung. Die Subjekthaftigkeit des Menschen sei letztendlich eine Täuschung; seine Weltanschauung nannte er „Anatmanvada“ (etwa: Nicht-Atman-Lehre). In der „Kürzeren Lehrrede über den Löwenruf“ werden zwei Ansichten gegenübergestellt: die Ansicht des Seins und die Ansicht des Nichtseins, die einander jeweils widerstreiten. In den Mahayana-Schriften der „Tathagatagarbha“-Sutras unterscheidet sich das Verständnis des Nicht-Selbsts jedoch bemerkenswert von solchen Interpretationen: Nur die vergänglichen Elemente (Skandhas) eines empfindenden Wesens stellen das „Nicht-Selbst“ (Anatman) dar, während die innewohnende Essenz (Svabhava) des Wesens das Buddha-Prinzip („Buddha-dhatu“, Buddhanatur) ist – selbst, rein und todlos. Im „Mahayana Mahaparinirvana Sutra“ wird dieses innewohnende, unsterbliche Buddha-Element als das „wahre Selbst“ bezeichnet: nicht durch die Wiedergeburt beeinflusst, immer vollkommen makellos, strahlend rein und wartend auf die Entdeckung in den Tiefen des verunreinigten Alltagsbewusstseins eines jeden Wesens. Im „Tathagatarbha Sutra“ erklärt der Buddha, er könne mit seinem Buddha-Auge dieses verborgene Buddha-Juwel in jedem Wesen sehen. Verborgen in den Klesas (mentalen Verunreinigungen) von Gier, Hass und Verblendung sitze erhaben und unbeweglich die Weisheit, die Wahrnehmung und der Körper des Tathagatas. Alle Wesen hätten ein Tathagatagarbha (eine Buddha-Essenz), das für alle Zeiten vollkommen rein und gesättigt mit Tugenden sei, welche sich nicht von den Tugenden des Buddha unterscheiden.