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Biblische Hermeneutik

Die Biblische Hermeneutik ist die Wissenschaft vom Verstehen biblischer Texte, eine angewandte Form der Hermeneutik. Fragen nach dem Verständnis der Bibel, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Hermeneutik und Auslegung
  3. 3. Voraussetzungen des Verstehens
  4. 4. Bewusste und unbewusste Einflüsse
  5. 5. Zentrale Grundfragen
  6. 6. Hermeneutische Positionen

Grundidee und Bedeutung

Biblische Hermeneutik ist die Wissenschaft vom Verstehen biblischer Texte. Sie ist eine angewandte Form der Hermeneutik, also der Lehre vom Verstehen und Auslegen von Texten.

Sie ist wichtig, weil Bibelleserinnen und Bibelleser nicht einfach nur Wörter aufnehmen, sondern beim Verstehen immer Voraussetzungen, Ziele und Deutungsregeln mitbringen. Schon die Bibel selbst zeigt solche Fragen des Verstehens: In Apostelgeschichte 8,30 ff. fragt Philippus den beamteten Eunuchen vom äthiopischen Königshof: „Verstehst du auch, was du liest?“ Die Antwort lautet: „Wie kann ich (denn), wenn mich niemand anleitet?“

Hermeneutik und Auslegung

Hermeneutik und Exegese sind zu unterscheiden. Biblische Exegese ist die konkrete Auslegung eines bestimmten biblischen Textes. Hermeneutik untersucht dagegen die Voraussetzungen und Ziele dieser Auslegung. Das Verhältnis wird im Artikel mit Sprache und Grammatik verglichen.

Das Beispiel von Philippus macht den Unterschied deutlich: Wenn Philippus dem Kämmerer den Text erklärt, betreibt er Exegese. Seine Erklärung beruht aber auf einer bestimmten Hermeneutik: Für ihn ist ein alttestamentliches Prophetenwort von Christus her zu verstehen. Ein rabbinischer Jude würde diese Voraussetzung nicht teilen und denselben Text deshalb anders auslegen.

Voraussetzungen des Verstehens

Auf dem Weg vom Bibellesen zu dogmatischen und ethischen Einsichten trifft der Bibelleser viele Entscheidungen. Dogmatisch bedeutet: auf Glaubenslehren bezogen; ethisch bedeutet: auf richtiges Handeln bezogen.

Bei der Auslegung wirken bewusste Regeln mit, etwa „Schrift soll durch Schrift erklärt werden“. Das heißt: Eine einzelne Bibelstelle soll im Zusammenhang mit dem betrachtet werden, was die Bibel sonst sagt. Praktisch beeinflusst dabei das bisherige dogmatische Bild, das jemand aus dem Bibellesen gewonnen hat, die Auslegung einer neuen Stelle.

Auch Tradition spielt eine Rolle. Traditionsbewusste Christen beziehen die bisherige Auslegung der Christenheit ein. Selbst wenn Kirchenvätern keine eigene Autorität zugeschrieben wird, werden oft Bibelkommentare genutzt; auch in ihnen zeigt sich das bisherige Verständnis der Christenheit.

Bewusste und unbewusste Einflüsse

Nicht nur Regeln und Traditionen beeinflussen die Auslegung. Auch unbewusste Faktoren wirken mit: Lebenserfahrung, psychische Veranlagung, Motive zum Bibellesen, Erwartungen und die Offenheit dafür, den Text auf sich wirken zu lassen. Der Verstand dient dabei als Hilfsmittel beim Verarbeiten all dieser Faktoren.

Wer Bibeltexte auslegt, ohne über Hermeneutik nachzudenken, stößt rasch an Grenzen. Jede Bibelauslegung, ob an der Universität oder im Bibelkreis, wird von bewussten oder unbewussten theologischen Grundannahmen beeinflusst. Solche Grundentscheidungen führen zum Beispiel zu unterschiedlichen Antworten auf die Frage, wie die Auferstehungsberichte zu verstehen sind: als Halluzinationen, als nachträglich entwickelte Mythen oder als historisches Geschehen.

Auch die Ansicht, der gesamte Text sei vom Heiligen Geist diktiert und müsse einfach wörtlich so verstanden werden, wie er dasteht, ist bereits eine hermeneutische Regel, auch wenn sie nicht ausdrücklich als solche benannt wird.

Zentrale Grundfragen

Hermeneutische Grundeinschätzungen betreffen mehrere Bereiche. Ein Bereich ist Bibelverständnis und Inspiration: Dabei geht es darum, wie die Entstehungsgeschichte biblischer Texte eingeschätzt wird.

Ein weiterer Bereich ist die kulturelle Kluft. Biblische Texte wurden in anderen Sprachen, Kulturen und Zeitumständen verfasst. Begriffe können heutige Leser daher irreführen. Als Beispiel nennt der Artikel Lydia, die „mitsamt ihrem Haus“ getauft wird (Apg. 16,15); der Begriff „Haus“ kann heute anders verstanden werden als im damaligen Zusammenhang.

Besonders beim Neuen Testament ist außerdem die Geschichte des Urchristentums und seiner Umwelt zu beachten. Dazu gehört die Frage, wo ein konkreter neutestamentlicher Text innerhalb damaliger theologischer Richtungen und außerchristlicher Geistesströmungen einzuordnen ist.

Biblische Hermeneutik wird aus praktischen Gründen in die Hermeneutik des Alten Testaments und des Neuen Testaments gegliedert. Dabei soll die Einheit der Schrift nicht aus dem Blick geraten; damit befasst sich innerhalb der Systematischen Theologie die dogmatische Schriftlehre.

Hermeneutische Positionen

Der Artikel nennt verschiedene Positionen biblischer Hermeneutik, die es entsprechend auch in der biblischen Exegese gibt. Dazu gehören befreiungstheologisches, dialektisch-theologisches, evangelikales, existenzialistisches, feministisches, fundamentalistisches, sozialgeschichtliches und tiefenpsychologisches Schriftverständnis.

Genannt wird außerdem die Lectio divina mit dem vierfachen Schriftsinn. Die Positionen zeigen, dass biblische Texte je nach Grundannahmen, Fragestellung und Auslegungsmethode unterschiedlich verstanden werden können.

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