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Detroit
Bevölkerungsentwicklung ; 1990, 4.248.699 ; 2000, 4.452.778 ; 2010, 4.293.313 ; 2016, 4.297.617 …
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Stadt an der Grenze und Zentrum der Autoregion
Detroit ist die größte Stadt des US-Bundesstaates Michigan und Sitz des Wayne County. Sie liegt im Südosten Michigans direkt an der Grenze zu Kanada, am Detroit River zwischen Lake St. Clair und Eriesee. 2020 hatte die Stadt 639.111 Einwohner, eine Fläche von 370,2 km² und eine Bevölkerungsdichte von 1.778 Einwohnern je km². Die Metropolregion hatte 2020 4.392.041 Einwohner; Detroit ist ihr wirtschaftlicher, politischer und kultureller Mittelpunkt.
Die Stadt wurde durch ihre Lage früh zu einem Handelsplatz und im 20. Jahrhundert zum führenden Standort der US-Automobilindustrie. „Detroit“ wurde daher auch als Bezeichnung für die einflussreichen Autokonzerne verwendet. Die Konzentration auf die Autoindustrie trug später zum Niedergang bei: Strukturwandel, Abwanderung wohlhabender Gruppen, ethnische Konflikte, Verwaltungsprobleme und ein schwaches Bildungssystem führten zu Armut, Arbeitslosigkeit, Leerstand und Kriminalität. Zugleich besitzt Detroit ein breites Kulturangebot, bedeutende Architektur, große Sportteams und das international bekannte, dort gegründete Plattenlabel Motown.
Lage, Stadtbild und Klima
Detroit liegt am rechten Ufer des Detroit River. Der Fluss bildet hier die Grenze zu Kanada; gegenüber liegt Windsor in Ontario. Weil der Fluss an dieser Stelle von Osten nach Südwesten fließt, blickt man von Detroit aus nach Süden auf Kanada. Zum Stadtgebiet gehört auch die 4,6 km lange, 3,9 km² große Insel Belle Isle. Die 8-Mile-Road markiert im Norden über 28,5 Kilometer die Grenze des Wayne County. Hamtramck und Highland Park bilden eine Enklave innerhalb des Stadtgebiets.
Die Stadt liegt auf einer flachen, aus der Wisconsin-Eiszeit stammenden Grundmoräne. Vom Detroit River steigt das Gelände sanft von 175 auf etwa 206 Meter über dem Meeresspiegel. Wegen des geringen Gefälles war das Gebiet früher morastig, ließ sich nach Trockenlegung aber leicht besiedeln. Detroit liegt im Rust Belt, dem früheren Manufacturing Belt, dessen alte Industriezentren oft vom Rückgang der Schwerindustrie geprägt sind.
Eine einheitliche Stadtgliederung gibt es nicht. Wichtig sind Downtown am Fluss und die Woodward Avenue, die Detroit in West Side und East Side teilt. Entlang der Avenue liegen unter anderem Midtown, New Center, North End und Palmer Park. Die Innenstadt hat Bürohochhäuser; außerhalb dominieren niedrige Gebäude und Einfamilienhäuser. Jahrzehntelange Abwanderung führte besonders nahe der Innenstadt zu leerstehenden Häusern und Brachflächen. Die zusammenhängende Bebauung reicht weit über die Stadtgrenzen hinaus, vor allem nach Norden und Westen.
Das Klima ist kühlgemäßigt und kontinental (Dfa): heiße, schwüle Sommer stehen kalten, relativ schneereichen Wintern gegenüber. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 9,3 °C, 188 Tage sind frostfrei und der Jahresniederschlag liegt bei 828,5 mm. Die tiefste gemessene Temperatur betrug am 21. Januar 1984 −29,4 °C, die höchste am 24. Juli 1934 40,6 °C. Lake-effect snow tritt meist nicht auf, weil die großen Seen ungünstig zur Hauptwindrichtung liegen.
Entwicklung zur Industriestadt und Krise
Detroit wurde am 24. Juli 1701 vom französischen Kapitän Antoine de la Mothe Cadillac als Ville d’Etroit gegründet. Das französische Fort Ponchartrain du Détroit war in den Kriegen mit Großbritannien ein wichtiger Stützpunkt. 1760 übergaben die Franzosen es an britische Truppen; 1796 verließen die Briten die Gegend endgültig. Nach einem Stadtbrand von 1805 wurde Detroit planmäßig neu aufgebaut. Im Britisch-Amerikanischen Krieg eroberten britische Truppen die Stadt 1812, US-Truppen gewannen sie 1813 zurück. Wegen der kanadischen Grenze war Detroit außerdem ein wichtiger Ort der Underground Railroad für aus den Südstaaten fliehende Sklaven.
Im 19. Jahrhundert wuchs die Stadt als Handels- und Industriestandort. 1909 begann mit dem Ford Modell T in Detroit/Highland Park die Massenproduktion von Automobilen. Weitere Hersteller folgten; daraus entstanden die Namen Motor City und Motown. Zwischen 1900 und 1930 verfünffachte sich die Einwohnerzahl. Auch Afroamerikaner zogen im Rahmen der Great Migration aus dem Süden zu. Rassistische beziehungsweise ethnische Konflikte führten 1943 zu Unruhen mit 34 Toten und 1967 zu Unruhen mit 43 Toten.
Der Bevölkerungs-Höchststand lag 1950 bei 1.849.568 Einwohnern. Danach zogen insbesondere weiße Mittel- und Oberschichten in Vororte ab; seit 1950 verlor Detroit über 60 % seiner Bewohner. Die Krise der Big Three – General Motors, Ford und Chrysler – verstärkte den Rückgang. General Motors erklärte am 1. Juni 2009 seine Zahlungsunfähigkeit. In Detroit selbst sank die Einwohnerzahl von 951.270 im Jahr 2000 auf 713.777 im Jahr 2010 und 639.111 im Jahr 2020; 2022 wurden 631.366 Einwohner genannt. 2023 stieg die Zahl erstmals seit 1957 leicht auf 633.218.
Im März 2013 stellte Michigan Detroit unter Zwangsverwaltung; am 18. Juli 2013 meldete die Stadt Insolvenz nach Chapter 9 der US-Insolvenzordnung an. Als Ursachen nennt der Artikel neben der Deindustrialisierung den Bevölkerungsverlust, sinkende Einnahmen, hohe Pensionslasten, Leerstand sowie politische Fehler und Korruption. Der am 7. November 2014 genehmigte Insolvenzplan sah unter anderem Abschreibungen der Anleihegläubiger von rund 80 %, Kürzungen der Altersversorgung und eine bilanzielle Verringerung der Verbindlichkeiten um etwa 7 Milliarden Dollar vor. Seit 2014 wurde wieder investiert, besonders in Downtown; der Aufschwung gilt jedoch als ungleich verteilt und wird wegen möglicher Gentrifizierung kritisiert.
Bevölkerung, soziale Lage und öffentliche Aufgaben
Detroit hat eine sehr große schwarze Bevölkerung. Für 2010 nennt der Artikel 82,7 % Afroamerikaner, 10,6 % Weiße, 1,1 % Asiaten, 0,4 % Indianer, 2,2 % Menschen gemischter Herkunft und 3,0 % andere Gruppen; 6,8 % bezeichneten sich als Hispanics. Neuere demographische Daten werden mit 78,6 % Schwarzen und 14,6 % Weißen angegeben. Die Stadtgrenze, besonders entlang der 8-Mile-Road, wird als deutlich sichtbare und psychologische Trennlinie zwischen Detroit und meist weißen Vororten beschrieben. Im Raum Detroit lebten laut einer Studie von 2008 zudem 113.000 Aramäer/Assyrer.
Detroit weist seit über vier Jahrzehnten sehr hohe Kriminalitätsraten auf. Nach den genannten Durchschnittswerten geschehen jährlich etwa 350 Morde, über 5.000 Raubüberfälle, mehr als 10.000 Körperverletzungsdelikte und annähernd 50.000 Eigentumsdelikte. Als wichtige Ursachen werden fehlende soziale und wirtschaftliche Aufstiegschancen, schlechte Schulbildung, eine unterfinanzierte Justiz, Schusswaffenverfügbarkeit und Drogenkriminalität genannt. Als besonders wirksam gilt Jugendarbeit, etwa Unterricht in gewaltfreier Konfliktlösung und Maßnahmen gegen Vernachlässigung sowie Schulschwänzen. Downtown hat dagegen im Verhältnis zum US-Durchschnitt eine leicht unterdurchschnittliche Kriminalitätsrate.
Bevölkerungsschwund führte zur Schließung vieler Schulen und teilweise zu langen Schulwegen. Es gibt öffentliche und private Hochschulen, darunter Wayne State University, University of Detroit Mercy, Lawrence Tech und Eastern Michigan University. Politisch wird Detroit durch einen Bürgermeister und einen neunköpfigen City Council geführt; dessen Mitglieder werden jeweils für vier Jahre gewählt und beschließen insbesondere Haushalt und Satzungen.
Wirtschaft, Verkehr und Kultur
Die Metropolregion Detroit erzielte 2016 ein Bruttoinlandsprodukt von 252,7 Milliarden US-Dollar und lag damit auf Rang 13 der US-Großräume. Wichtigster Industriezweig bleibt die Automobilindustrie. General Motors hat seinen Sitz in Detroit, Ford im benachbarten Dearborn und Chrysler im nahegelegenen Auburn Hills. Nach starkem Leerstand und gesunkenen Grundstückspreisen kam es seit etwa 2013 auch zur Ansiedlung von Gewerbe und Kreativindustrien. Die North American International Auto Show war bis 2019 die größte Automobilausstellung der USA.
Detroit ist über Interstate-Highways mit unter anderem Chicago, Cincinnati, Lansing und Toronto verbunden. Die Ambassador Bridge, der Detroit-Windsor-Tunnel und seit dem 24. Juli 2026 die Gordie Howe International Bridge verbinden die Stadt mit Kanada. Im Nahverkehr verkehren vor allem Busse. Der 4,7 km lange People Mover fährt als automatischer Hochbahnring in Downtown und ist seit dem 2. Januar 2024 kostenlos. Die QLine ist eine seit 2017 bestehende, 5,3 km lange Straßenbahn entlang der Woodward Avenue und ebenfalls kostenlos. Der Detroit Metropolitan Wayne County Airport liegt 28 km südwestlich des Zentrums; er hat sechs Start- und Landebahnen. Der Port of Detroit ist der größte Hafen Michigans und schlägt jährlich 15 bis 20 Millionen Tonnen Güter um.
Kulturell prägen Motown, Detroit Techno, Jazz, Rock und Hip-Hop die Stadt. Das Motown-Label beeinflusste Soul- und Popmusik maßgeblich. Zu den wichtigen Einrichtungen gehören das Detroit Institute of Arts mit Diego Riveras Detroit-Industrie-Zyklus, das Detroit Historical Museum, das Museum of African American History, das Motown Historical Museum sowie das Henry-Ford-Museum und Greenfield Village. Bedeutende Bauwerke sind unter anderem das Guardian Building, das Penobscot Building, das Fisher Building und das Renaissance Center. Die 1913 eröffnete Michigan Central Station wurde 1988 stillgelegt, 2018 von Ford gekauft, saniert und am 6. Juni 2024 wiedereröffnet. Zu den großen Sportteams zählen die Detroit Red Wings, Detroit Tigers, Detroit Pistons und Detroit Lions.