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Bekehrung (Christentum)
Bekehrung ist im Christentum die Bezeichnung für die Konversion zum christlichen Glauben. Was damit genau gemeint ist, kann individuell (und abhängig von …
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Bedeutung und Grundgedanke
Bekehrung bezeichnet im Christentum die Konversion zum christlichen Glauben. Gemeint ist meist eine persönliche und freiwillige Entscheidung für Jesus von Nazaret als Christus (Messias) und Sohn Gottes. Sie soll zur Hinwendung zu Gott führen, zur Teilhabe an Gottes Gnade, zur Nachfolge Jesu und zu einem Leben nach christlicher Ethik, Geboten oder kirchlichen Dogmen.
Eine Bekehrung kann Menschen betreffen, die zuvor einer anderen oder keiner Religion angehörten, aber auch formale Kirchenmitglieder ohne innere Glaubensbeziehung. Theologen beschreiben sie zudem als Wirken des Heiligen Geistes: Johann Conrad Dannhauer (Straßburg, 1649) und Johann Andreas Quenstedt (Wittenberg, 1685) verstehen conversio als Hinführung zu Gott und seinem Reich durch göttliche Macht.
Als bekannte Bekehrungserlebnisse gelten Paulus von Tarsus nach einer Erscheinung Jesu (Apg 9,1–18 EU), Augustinus beim Lesen des Römerbriefs und Martin Luthers „Turmerlebnis“. Mission und Evangelisation wollen einzelne Menschen zur Bekehrung führen. Davon unterscheidet sich Christianisierung: Sie meint die Ausbreitung des Christentums in geographischen oder ethnischen Gruppen. Bekehrung steht eng mit Taufe in Verbindung; Zwangsbekehrung und Zwangstaufe widersprechen dem neutestamentlichen Verständnis.
Umkehr und Sinnesänderung im Neuen Testament
Jesu Verkündigung fasst den Grundgedanken zusammen: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15 EU; Mt 4,17 EU). Bekehrung ist eine grundlegende Neuausrichtung: Ein Mensch öffnet sich Jesu Worten und stellt sein ganzes Leben in seinen Dienst.
Zwei griechische Wortgruppen beschreiben diesen Vorgang:
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ἐπιστροφή / ἐπιστρέφω (epistrophê / epistrephô) bedeutet zunächst wenden, umwenden, zurückkehren. Im Zusammenhang mit Gott meint es die Änderung von Gesinnung und Verhalten, also die Hinwendung zu Gott beziehungsweise zu Jesus Christus. ἐπιστρέφω kommt im Neuen Testament 39-mal vor: 19-mal für gewöhnliches Wenden und 20-mal für Umkehr zu Gott. In der Septuaginta übersetzt es das hebräische schûb, wenn dieses Umkehr zu Gott bedeutet. Beim Apostelkonzil wird epistrophê für die Konversion der Heiden verwendet (Apg 15,3 EU).
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μετάνοια / μετανοέω (metanoia / metanoeô) bedeutet Änderung des Denkens. Es wird auch als Sinnesänderung, Umkehr, Buße, Reue oder Bereuen wiedergegeben. Die Wortgruppe erscheint 34-mal im Neuen Testament, 21-mal bei Jesus von Nazaret. Johannes der Täufer, Simon Petrus und Paulus fordern mit ihr zu Umkehr, Reue und Hinwendung zu Gott auf.
Taufe und fortdauernde Umkehr in der katholischen Kirche
Die römisch-katholische Kirche sieht die Taufe als Ort der ersten grundlegenden Bekehrung. Durch Glauben an die Frohe Botschaft und durch die Taufe widersagt der Mensch dem Bösen und erlangt Heil: Vergebung aller Sünden und das Geschenk neuen Lebens. Der Heilige Geist bewirkt diese Hinwendung zu Gott und die Abkehr von Sünde.
Ungetaufte Erwachsene werden zunächst in den Katechumenat aufgenommen, mit Katechumenenöl gesalbt und als Katechumenen im Glauben unterrichtet. Die Erwachsenentaufe findet traditionell in der Osternacht statt. Dabei wird das Taufwasser geweiht und die Gemeinde erneuert ihr Taufversprechen.
Über die Erstbekehrung hinaus fordert die Lehre eine wiederkehrende „Bekehrung des Herzens“. Diese innere Umkehr oder Buße ist eine fortwährende Aufgabe der ganzen Kirche und zunächst Werk der Gnade Gottes. Sie kann sich etwa in Fasten, Beten, Almosengeben, Versöhnungstaten und Teilnahme an der Eucharistie zeigen. Besonders das Bußsakrament beziehungsweise Sakrament der Versöhnung ermöglicht es, sich zu bekehren und die Gnade der Rechtfertigung wiederzuerlangen.
Evangelische Deutungen und Gottes Wirken
Lutherische und reformierte evangelische Kirchen verstehen Bekehrung als persönliche, freie Entscheidung zur Nachfolge Jesu Christi und zur Anerkennung Jesu als Heiland und Herrn. Nach dem reformierten Heidelberger Katechismus beginnt damit das christliche Leben. Die lutherische Konkordienformel von 1573 erklärt in Artikel II „Vom freien Willen“, dass der Heilige Geist die Bekehrung durch Predigt und Wort Gottes bewirkt; genannt wird Röm 10,17 EU.
Der Arminianismus, etwa bei Remonstranten, Methodisten und in Teilen evangelischer Landeskirchen, betont die vorauseilende Gnade: Der Weg zu Gott steht jedem Menschen offen, und jeder kann das Angebot annehmen oder ablehnen.
Der Calvinismus folgt der Lehre der doppelten Prädestination, die bereits Augustinus von Hippo entwickelt hatte. Danach hat Gott vor aller Zeit entschieden, wer zu den Geretteten und zu den Verlorenen gehört. Bekehrung geschieht folglich nur, wenn Gott sie entschieden hat; Gott allein bewirkt sie und verändert den Menschen grundlegend. Weil Menschen Gottes Entscheidung im Einzelfall nicht kennen, gibt es auch dort Mission und den Aufruf zur Umkehr.
Bekehrung in evangelikalen und freikirchlichen Gruppen
Pietismus und evangelikale Bewegung betrachten Bekehrung als unverzichtbar: Christsein ohne Bekehrung gibt es dort nicht. Menschen stellen ihr Leben bewusst unter Gottes Herrschaft. Dies geschieht meist in einem Gebet an Jesus Christus, in dem sie ihre Sünde bekennen und Jesus bitten, die Herrschaft über ihr Leben zu übernehmen. Bei evangelistischen Veranstaltungen kann ein Altarruf dazu auffordern. Die Bekehrung ist für getaufte Kirchenmitglieder und Ungetaufte möglich; bei Ungetauften folgt gewöhnlich die Taufe nach dem jeweiligen Ritus. Katholische Charismatiker verwenden dafür eher „Lebensübergabe“, da die Wiedergeburt nach katholischer Lehre schon in der Taufe geschieht und nicht wiederholt werden kann.
Manche verstehen Bekehrung als einmaliges, genau datierbares Erlebnis. Andere deuten Gottes Erwählung als Erwählung für Aufgaben, ähnlich Jeremia (Jer 1,5 EU), nicht als Auswahl für Himmel und Hölle; ihrer Sicht nach werden letztlich alle Menschen gerettet (Allversöhnung beziehungsweise Allaussöhnung).
Bei Baptisten und Mennoniten ist die persönliche freie Entscheidung für Jesus Christus Voraussetzung für die Glaubenstaufe, heilsnotwendig und Beginn der Wiedergeburt. In vielen charismatischen und freien Gemeinden ist nicht Kirchenmitgliedschaft, sondern Lebensübergabe heilsnotwendig. Die freie Anerkennung Jesu als Retter und Erlöser des durch Sünde von Gott getrennten Menschen bewirkt die Wiedergeburt. Diese muss nicht öffentlich sein. Sie wird als Tod des alten und Geburt des neuen Geistes „von oben“ beschrieben; daraus folgt das Bestreben, Herz, Seele und Körper einem gottgefälligen Leben nach Jesu Vorbild anzupassen. Als Grundlagen werden Röm 10,9 Lut und Joh 3,3ff. Lut genannt.