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Gebot (Ethik)

Religiöse und ethische Gebote leiten sich oft aus dem Naturrecht oder der Goldenen Regel ab. Ihr Einfluss auf das Handeln hängt auch mit der Erziehung und dem …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Gebote im Judentum
  3. 3. Israelitisches Recht und ältere Rechtstraditionen
  4. 4. Kasuistisches und apodiktisches Recht
  5. 5. Gebote in verschiedenen Religionen
  6. 6. Weltliche und staatliche Gebote

Begriff und Bedeutung

Ein Gebot ist eine verbindliche Anweisung. Es kann als positives Gebot oder als negatives Gebot, also als Verbot, formuliert sein. Gebote sind nicht automatisch Gesetze, weil nicht jedes Gebot Gesetzeskraft besitzt oder ihm zugeschrieben wird.

Religiöse und ethische Gebote leiten sich häufig aus dem Naturrecht oder der Goldenen Regel ab. Wie stark sie das Handeln beeinflussen, hängt auch von Erziehung und persönlichem Gewissen ab.

Gebote im Judentum

Die Zehn Gebote, der Dekalog (hebräisch עשרת הדברות, aseret ha-dibberot), verdichten den sittlichen Vertrag beziehungsweise Bund Gottes mit dem Volk Israel am Berg Sinai. Sie sind ein zentraler Bestandteil der jüdischen Bundes-Tradition mit Gott und gelten als Orientierung für ein Leben in Verbindung mit Gott. Die meisten sind als Verbote formuliert.

Eine Mitzwa ist ein jüdisches Gebot, das entweder in der Tora genannt oder von den Rabbinern festgelegt wurde. Nach dem Talmud gibt es insgesamt 613 Mitzwot: 365 Verbote und 248 Gebote. Die sieben noachidischen Gebote gelten nach jüdischer Auffassung für Juden und Nichtjuden.

Israelitisches Recht und ältere Rechtstraditionen

Recht und Ethos im alten Israel konnten auf ältere Rechtstraditionen zurückgreifen, darunter den Codex Hammurapi aus dem 18. Jahrhundert vor Christus sowie die noch älteren sumerischen Gesetze des Urnammu von Ur, den Codex Ešnunna und den Codex Lipit-Ištar.

Ein auffälliger Unterschied zu anderen Rechtssammlungen besteht darin, dass sich im Alten Testament keine einzige Rechtssammlung auf die Autorität eines Königs beruft. Die Einbettung in die Sinai-Erzählung betont den vorstaatlichen, teilweise sogar anti-königlichen Charakter dieser Gesetzessammlungen.

Kasuistisches und apodiktisches Recht

Nach der Unterscheidung von Albrecht Alt gibt es kasuistisches und apodiktisches Recht. Kasuistische Gebote stammen aus dem Alltagsrecht der Ältesten im Stadttor und regeln bestimmte Einzelfälle (casus) möglichst genau. Sie sind konditional formuliert: Die Oberfälle werden mit כי, die zugeordneten Unterfälle mit אמ eingeleitet. Beispiele sind Körperverletzung, Schuldrecht, Haftpflicht, Schadenersatz und Veruntreuung. Dieses Recht ist differenziert und auf die konkrete Wiedergutmachung eines Schadens ausgerichtet.

Apodiktisches Recht markiert dagegen allgemeine Grenzen, deren Überschreitung das menschliche Zusammenleben gefährdet. Es betrifft meist Gott unmittelbar oder die wichtigste Gabe Gottes, das Leben. Beispiele sind Zauberei, Sodomie, Opfer für Fremdgötter, Totenbeschwörung, Gotteslästerung, Mord oder Totschlag, Menschendiebstahl und die Schmähung der Eltern.

Apodiktische Verbote verfolgen dasselbe Rechtsideal: Die überwiegend negative Form „Du sollst nicht …“ beschreibt kein positives Ideal, sondern bezeichnet absolute No-Gos zum Schutz einer bestehenden Ordnung. Sie sind keine unmittelbar praktikablen Rechtsanweisungen, sondern sollen Rechtsfälle möglichst verhindern. Deshalb stehen sie im Vorfeld des Rechts, etwa in Erziehung, Lehre und Ethik. Wegen ihres sachlichen Gewichts und ihrer göttlichen Autorität werden sie grammatisch durch den Prohibitiv לא + Indikativ gekennzeichnet. Alltagsgebote und -verbote, etwa in der Pädagogik, werden dagegen mit על + Jussiv gebildet.

Gebote in verschiedenen Religionen

Das Christentum übernimmt einen großen Teil der allgemeinen jüdischen Gebote, insbesondere den Dekalog. Zahlreiche Vorschriften des jüdischen Ritus sowie Reinheits- und Speisegesetze werden jedoch nicht übernommen. Im Neuen Testament stehen besonders das Gebot der Liebe zu Gott (5 Mos 6,5 EU) und das Gebot der Nächstenliebe (3 Mos 19,18 EU) im Mittelpunkt. Christliche Konfessionen ergänzen dies durch konkrete Anweisungen; in der Römisch-katholischen Kirche gehört dazu das Sonntagsgebot, also die Verpflichtung zum allsonntäglichen Gottesdienst. Jesus stellt die Einhaltung seiner Gebote häufig in Beziehung zur Gottesliebe, etwa in Johannes 14,21 EU.

Im Buddhismus gibt es ethische Richtlinien oder Empfehlungen, die Buddha seinen Schülern gab. Die verschiedenen Schulen betonen unterschiedliche Aspekte. Beispiele sind die Fünf Silas, sittliche Übungsregeln, deren Einhaltung ein Anhänger des Theravada-Buddhismus gelobt, sowie die Sechs Befreienden Handlungen (Sechs Paramitas) eines Bodhisattvas. Im Yoga entsprechen die Yamas Niyamas konkreten Geboten.

Weltliche und staatliche Gebote

Die Georgia Guidestones von 1980 enthalten weltliche Gebote für ein „Zeitalter der Vernunft“. Ihr Ziel ist, dass die Menschheit im Gleichgewicht mit der Natur und in Frieden lebt.

Staatliche Regelungen und Gesetze beruhen im Gegensatz zu ethischen Geboten überwiegend auf Verboten. Gebotscharakter haben beispielsweise einige Regeln der deutschen und österreichischen Straßenverkehrsordnung, darunter die Forderung nach einer situationsgerechten Geschwindigkeit; in diesem Zusammenhang wird auch die Richtgeschwindigkeit genannt. Solche Vorschriften sind jedoch keine ethischen Gebote, sondern rechtliche Normen.

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