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Bank für Gemeinwirtschaft

Die Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) war ein Kreditinstitut, das 1958 aus dem Zusammenschluss sechs regionaler Gemeinwirtschaftsbanken in der damaligen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Entstehung
  2. 2. Gemeinwirtschaftliches Ziel und Krise
  3. 3. Eigentümerwechsel und Allfinanz-Strategie
  4. 4. Tochtergesellschaften und Beteiligungen
  5. 5. Standorte, Schulung und öffentliche Darstellung

Gegenstand und Entstehung

Die Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) war ein Kreditinstitut der deutschen Gewerkschafts- und Konsumgenossenschaftsbewegung. Sie entstand am 2. Dezember 1958, nachdem das Zentralisierungsverbot der Besatzungsmächte beendet worden war, durch den Zusammenschluss regionaler Gemeinwirtschaftsbanken. Sitz der neuen Bank war Frankfurt am Main; das Grundkapital betrug 60 Mio. DM. Erster Vorstandsvorsitzender war Walter Hesselbach, der dieses Amt bis 1977 innehatte.

Als Gemeinwirtschaftsbanken wurden nach dem Zweiten Weltkrieg Banken bezeichnet, die von Gewerkschaften gemeinsam mit der Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Consumvereine (GEG), der Wirtschaftszentrale der Konsumgenossenschaftsbewegung, gegründet wurden. Sie knüpften an kleinere Gewerkschaftsbanken und Bankeinrichtungen der Konsumgenossenschaftsbewegung sowie an die Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten aus den 1920er Jahren an.

Da die Besatzungsmächte zunächst kein bundesweit tätiges Kreditinstitut erlaubten, gründeten GEG und Gewerkschaften zwischen 1949 und 1950 sechs regionale Banken mit jeweils einer Million DM Anfangskapital: die Bank für Wirtschaft und Arbeit AG in München (26. August 1949), die Bank für Gemeinwirtschaft Nordrhein-Westfalen AG in Düsseldorf (17. September 1949), die Bank für Gemeinwirtschaft AG in Hamburg (24. September 1949), die Bank für Gemeinwirtschaft AG Frankfurt/Main (28. Januar 1950), die Niedersächsische Bank für Wirtschaft und Arbeit AG in Hannover (15. Mai 1950) und die Bank für Wirtschaft und Arbeit AG in Stuttgart (22. August 1950). Am 16. Oktober 1953 wurde außerdem die Bank für Wirtschaft und Arbeit AG in Berlin gegründet. Sie war eine Tochtergesellschaft der Gewerkschaften und der Gemeinwirtschaftsbanken, vor allem der Münchener Bank, und nur geringfügig an den Konsumgenossenschaften beteiligt. 1963 wurde sie eine Niederlassung der BfG.

An der Gründung hielten die GEG 25,06 % und der DGB 25,14 % als Schachtelbeteiligungen. Die übrigen 49,8 % gehörten Einzelgewerkschaften. Da die Konsumgenossenschaften an späteren Kapitalerhöhungen nicht teilnahmen, sank ihr Anteil stetig. Am 1. April 1965 besaß der DGB 21 %, die Einzelgewerkschaften 74,696 % und die Konsumgenossenschaften nur noch 4,22 %. Die IG Metall hielt 24,5 %, die IG Bergbau und Energie 22 %. Weitere 0,084 % lagen bei der BAWAG.

Die BfG wuchs in den ersten Jahren stark. Gründe waren die Neugründung und die boomende Wirtschaft der Wirtschaftswunderjahre. Die Bilanzsumme stieg von 133,1 Mio. DM im Jahr 1950 über 2.102,8 Mio. DM im Jahr 1958 auf 4.379,6 Mio. DM im Jahr 1964. Das Eigenkapital betrug 5,9 Mio. DM, 58,5 Mio. DM beziehungsweise 120 Mio. DM; die Einlagen 116,6 Mio. DM, 1.456,7 Mio. DM beziehungsweise 2.945,9 Mio. DM; die Kredite 59,7 Mio. DM, 1.019,1 Mio. DM beziehungsweise 2.337,7 Mio. DM. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs von 1400 über 2000 auf 3170. Die Bank zahlte von 1952 bis 1959 eine Dividende von 6 %, danach von 10 %.

Gemeinwirtschaftliches Ziel und Krise

Die Geschäftspolitik beruhte auf dem Prinzip der Gemeinwirtschaft. Die BfG sollte Hausbank der Gewerkschaften und der Konsumgenossenschaftsbewegung sein und zugleich zeigen, dass eine Bank ohne privates Gewinnstreben erfolgreich im Gemeinwohlinteresse betrieben werden konnte.

Lange galt sie als Bank für kleine Leute. Wegen ihrer Gewinne wurde sie bis in die 1980er Jahre als „Perle“ der Gewerkschaftsunternehmen bezeichnet. Anfang der 1980er Jahre stand sie kurz davor, die Commerzbank als drittgrößtes Kreditinstitut Deutschlands abzulösen.

Danach geriet die Bank durch Managementfehler, den Skandal um die Neue Heimat und vor allem durch eine riskante Kreditpolitik in Schwierigkeiten. Besonders problematisch waren Kredite an Staaten der sogenannten dritten Welt und des ehemaligen Ostblocks. Die BfG erlitt existenzbedrohende Verluste und rutschte Mitte der 1980er Jahre in die Verlustzone. Nur etwa ein Dutzend der rund 75 Filialen arbeitete mit Gewinn.

Damit teilte die BfG das Schicksal anderer gemeinwirtschaftlicher Unternehmen wie Neue Heimat, co op AG, AHBR und zuletzt BAWAG in Österreich. Diese Unternehmen gerieten durch Misswirtschaft in Krisen, kosteten die Gewerkschaften viel Geld und konnten am Markt letztlich nur als normale, gewinnorientierte Unternehmen bestehen.

Eigentümerwechsel und Allfinanz-Strategie

1974 wurde die Beteiligungsgesellschaft für Gemeinwirtschaft gegründet, die zum Hauptaktionär der BfG aufstieg. 1987 übernahm die Aachener und Münchener Beteiligungsgesellschaft (AM) die Aktienmehrheit. Ihr strategisches Ziel war eine Allfinanz-Geschäftspolitik, also der gemeinsame Vertrieb von Bank- und Versicherungsprodukten unter einem Dach.

Die BfG musste 1991 besonders im Bereich der Auslandsfinanzierung, insbesondere in Polen, schwere Verluste hinnehmen. Unter dem Vorstandsvorsitzenden Paul Wieandt wurden Mitarbeiterzahl und Filialnetz um ein Viertel verringert; drei Viertel der Führungskräfte verließen das Unternehmen. Der Wechsel vom gemeinwirtschaftlichen Selbstverständnis zu einem gewinnorientierten Unternehmen wurde als Kulturschock beschrieben. Die neuen Unternehmensleitsätze begannen mit dem Satz: „Wir sind ein gewinnorientiertes Unternehmen“.

Die Sanierung durch die Aachener und Münchener Beteiligungsgesellschaft gelang trotz der Sparmaßnahmen nicht. Die Ausrichtung auf wohlhabendere Kunden widersprach dem bisherigen Image, und diese Kundengruppe konnte nicht gewonnen werden. Auch der Verkauf von Versicherungsprodukten über die Bank blieb erfolglos.

Bei den Eigentümerwechseln nennt der Artikel unterschiedliche Jahresangaben: In der Geschichtsdarstellung wird angegeben, dass Crédit Lyonnais, Paris, 1993 die Aktienmehrheit übernahm; im Abschnitt zur Allfinanz-Strategie wird der Erwerb der Aktienmehrheit bereits für 1992 genannt. 2000 erwarb der schwedische Finanzkonzern Skandinaviska Enskilda Banken (SEB) 100 % der Aktien. 2001 wurde die BfG AG in SEB AG umbenannt und verlor ihren eigenständigen Marktauftritt. 2011 übernahm die spanische Banco Santander das deutsche Privatkundengeschäft und das Filialnetz. Es firmiert seitdem unter Santander Bank Zweigniederlassung der Santander Consumer Bank AG (Deutschland).

1991 war die Bank zunächst in BfG Bank AG umfirmiert worden. Die drei Buchstaben waren danach keine Abkürzung mehr, sondern ein eigenständiger Name. Die BfG beziehungsweise ihre Nachfolgerin SEB entwickelte mehrere Produkte, die später auch bei anderen Banken verbreitet waren: einen Sparbrief mit im Zeitverlauf steigenden Zinsen, ein Konto mit allen Dienstleistungen zu einem monatlichen Einheitspreis und ein Konto mit kostenloser Kreditkarte. 1989 brachte sie mit dem „Luxinvest Securarent“, heute „SEB Luxinvest ÖkoRent“, einen der ersten deutschen Öko-Fonds auf den Markt.

Tochtergesellschaften und Beteiligungen

Die BfG baute ein umfangreiches Netz von Tochtergesellschaften und Beteiligungen auf. Im Frühjahr 1964 erwarb sie 17 % der Badenia und beteiligte sich mit 12 % an der ADIG Allgemeine Deutsche Investment-Gesellschaft. Bereits 1963 hatte sie 50 % der niederländischen Gewerkschaftsbank „N.V. Hollandsche Koopmansbank“ in Amsterdam und 25 % an der „Internationalen Genossenschaftsbank“ in Basel erworben. Diese Beteiligungen sollten einen internationalen Verbund der Gewerkschaftsbanken unterstützen.

1965 gründete die BfG die Bank für Sparanlagen und Vermögensbildung AG (BSV), indem sie die Kreditbank Hagen GmbH umbenannte. Die BSV war als Spezialkreditinstitut dafür gedacht, Arbeitnehmern die Anlage der damals neu eingeführten vermögenswirksamen Leistungen zu ermöglichen. 1969 erweiterte sie ihr Angebot um Baudarlehen, 1975 um Ratenkredite. Sie arbeitete ohne Filialen und war damit die erste Direktbank in Deutschland. 1981 war die BfG mit 51 % Mehrheitsgesellschafterin der BSV in Frankfurt am Main. Nach dem Verkauf der Anteile durch BfG und BGAG wurde die Bank mehrfach umbenannt und ist heute unter dem Namen ING-DiBa tätig.

Ende 1990 erwarb die BfG von der Treuhandanstalt einen Zwei-Drittel-Anteil an der Deutschen Handelsbank für 225,28 Millionen Mark. 2001 wurde die Deutsche Handelsbank auf die BfG verschmolzen.

Standorte, Schulung und öffentliche Darstellung

Die BfG prägte auch die Hochhausgeschichte Frankfurts. Am 20. März 1964 eröffnete sie ihre neue Zentrale in der Mainzer Landstraße; Ehrengast war Willy Brandt. Wegen des weiteren Wachstums wurde der Gebäudekomplex bald zu klein. 1977 bezog die Bank das BfG-Hochhaus, den heutigen Eurotower, der von 1998 bis 2014 Sitz der Europäischen Zentralbank war. Das Gebäude hatte eine Geschossfläche von 78.000 m², einen Zugang zur U-Bahn-Station im Keller und eine öffentliche Ladenpassage im Erdgeschoss. Weil sich die Wachstumserwartungen nicht erfüllten, vermietete die BfG in den 1980er Jahren Teile des Hauses unter.

Mit der Krise wurden das BfG-Hochhaus und die alte Hauptstelle an Investoren verkauft. Auf dem Gelände der alten Zentrale entstand das Hochhaus Trianon. 1993 zog die BfG dort als Mieterin ein. Nach der Übernahme durch die SEB wechselte sie in die Zentrale in der Ulmenstraße.

Für die Mitarbeiterschulung nutzte die BfG zunächst Räume der DGB-Bundesschule, der Fritz-Tarnow-Schule, in Oberursel. Ab 1966 diente die Emmershäuser Mühle demselben Zweck. 1984 entstand in Oberursel ein eigenes Schulungszentrum auf dem Grundstück einer ehemaligen Lederfabrik am oberen Urselbach. Das über 16 000 Quadratmeter große Gelände lag verkehrsgünstig an der Hohemarkstraße und an der U3-Haltestelle „Kupferhammer“. Das dreistöckige Gebäude aus roten Ziegeln wurde von der Neue Heimat Städtebau GmbH errichtet. Bau und Grundstück kosteten rund zwanzig Millionen Mark. Das Zentrum ermöglichte 2.500 Schulungen pro Jahr; die BfG hatte 1984 etwa 7.500 Mitarbeiter.

Zu den ausländischen Gemeinwirtschaftsbanken zählten außerdem die BAWAG in Wien und die Genossenschaftliche Zentralbank in Basel. In den 1990er Jahren warb die BfG mit dem Slogan „Der Mensch · Das Leben · Die Bank“.

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