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Balance of Power (Doktrin)
Balance of Power (engl.: Gleichgewicht der Kräfte) bezeichnet ein Grundprinzip der englischen bzw. ab 1707 britischen Außenpolitik seit dem späten …
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Grundidee der Balance of Power
Balance of Power („Gleichgewicht der Kräfte“) bezeichnet ein Grundprinzip der englischen, ab 1707 britischen Außenpolitik vom späten Mittelalter bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Großbritannien sollte nicht selbst Teil eines kontinentalen Gleichgewichts sein, sondern mögliche Rivalen neutralisieren, die seine Weltmachtstellung gefährden konnten.
Kernziel war, die Vorherrschaft einer einzigen Macht oder eines starken Bündnisses in Festlandeuropa zu verhindern. Drohte eine solche Vormachtstellung, sollte Großbritannien sich mit der zweitmächtigsten Nation verbünden, um das Gleichgewicht wiederherzustellen, gegebenenfalls durch Krieg. Der Artikel weist zugleich darauf hin, dass Erläuterungen zur Theorie beziehungsweise Doktrin noch fehlen und der Text wegen inhaltlicher Mängel in der Qualitätssicherung steht.
Frühe Bündnisse und europäisches Gleichgewicht
1386 schlossen England und Portugal im Vertrag von Windsor ein dauerhaftes Bündnis gegen spanische Hegemonialbestrebungen. Mit englischer Hilfe wehrte Johann von Avis die Spanier in der Schlacht von Aljubarrota ab.
In den Jahren 1701–1714 und 1740–1748, dem Spanischen beziehungsweise Österreichischen Erbfolgekrieg, verbündete sich England oder das Vereinigte Königreich mit Österreich und den Niederlanden, um einen Machtgewinn Frankreichs zu verhindern. Im Siebenjährigen Krieg 1756–1763 unterstützte Großbritannien Preußen mit Geldzahlungen, als diesem die Niederlage gegen Frankreich, Österreich und Russland drohte. Die Niederlage Preußens wurde schließlich durch einen überraschenden Thronwechsel in Russland abgewendet; dies wird als „Mirakel des Hauses Brandenburg“ bezeichnet.
Nach dem Aufstieg Preußens zur Großmacht unter Friedrich dem Großen entstand besonders nach dem Wiener Kongress von 1815 die Pentarchie: ein ausgleichendes System der fünf Großmächte Großbritannien, Frankreich, Preußen, Österreich und Russland, das Europa über ein Jahrhundert prägte.
Vom Kampf gegen Napoleon bis zum Ersten Weltkrieg
In den Napoleonischen Kriegen 1798–1815 erreichte Frankreich zeitweise die Vorherrschaft in Europa. Nach der Dreikaiserschlacht waren Österreich besiegt und Russland neutral; Großbritannien widersetzte sich Frankreich allein. Die Kontinentalsperre von 1806 verbot den Handel mit Großbritannien und bedrohte dessen Unabhängigkeit unmittelbar, weil das Königreich stark auf Lebensmittelimporte und Absatzmärkte für Industrieprodukte wie Textilien und Maschinen angewiesen war. Gemeinsam mit Preußen besiegte Großbritannien Napoleon endgültig bei Waterloo. Danach wollte es Frankreich nicht dauerhaft schwächen, sondern wieder in das System der Großmächte einbinden, und trat der Heiligen Allianz von Österreich, Preußen und Russland nicht bei.
Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 blieb Großbritannien neutral. Als Gründe nennt der Artikel unter anderem die diplomatische Isolierung Frankreichs durch Otto von Bismarck, die französische Kriegserklärung, koloniale Konkurrenz zwischen Frankreich und Großbritannien sowie die Einschätzung Londons, ein Eingreifen zur Sicherung des Gleichgewichts sei nicht nötig. Die deutsche Reichsgründung erfolgte erst im Verlauf oder nach dem Krieg.
Danach wurde das Deutsche Reich zur dominierenden Macht Kontinentaleuropas. Wegen unter anderem Flottenwettrüsten und deutscher Kolonialpolitik gab Großbritannien seine „splendid isolation“ auf und schloss 1904 mit dem inzwischen schwächeren Frankreich die Entente Cordiale. Im Ersten Weltkrieg kämpfte die Triple Entente aus Großbritannien, Frankreich und Russland gegen die Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn um die Vorherrschaft in Europa und der Welt.
Zwischenkriegszeit und Zweiter Weltkrieg
Nach den Pariser Vorortverträgen von 1920 war Frankreich die einflussreichste Kontinentalmacht. Es dominierte den Cordon sanitaire, ein Militärbündnis mit Polen, Tschechoslowakei, Rumänien und Jugoslawien. Die britische Gegenposition zu dem noch geschwächten Frankreich blieb diplomatisch: keine Beteiligung an der Ruhrbesetzung 1923–1925, Zurückhaltung bei Reparationen (Dawesplan 1924, Youngplan 1929, Einstellung 1932), Einsatz für eine ordnungsgemäße Völkerbundabstimmung im Saargebiet 1935 und ein bilaterales Flottenabkommen mit Deutschland 1935.
Nach deutscher Aufrüstung und der Remilitarisierung des Rheinlandes betrachtete Whitehall das Deutsche Reich als künftige Hegemonialmacht. Dennoch betrieben einflussreiche Teile der britischen Politik bis 1939 Appeasement: Dem nationalsozialistischen Deutschland wurden als legitim betrachtete territoriale Forderungen zugestanden, um einen Weltkrieg zu vermeiden. Als klassisches Beispiel gilt Neville Chamberlains Verhalten auf der Münchner Konferenz 1938, als Hitler das Sudetenland ohne Zustimmung der Tschechoslowakei erhielt.
Im Zweiten Weltkrieg stand Großbritannien von Beginn an auf der Seite Frankreichs, konnte dessen Niederlage und Besetzung aber nicht verhindern. Obwohl sowjetische Truppen am 17. September 1939 die östlichen Teile des verbündeten Polen besetzten, erklärte Großbritannien der Sowjetunion nicht den Krieg. Nach dem Sieg von 1945 dominierte die Rote Armee weite Teile des Kontinents.
Kalter Krieg und heutige Außenpolitik
Im Kalten Krieg richtete sich Großbritannien gegen die sowjetische Hegemonie und schloss sich der NATO an; der Warschauer Pakt der Ostblockstaaten war 1955 abgeschlossen worden. Durch den Zerfall des British Empire nach den Weltkriegen war der britische außenpolitische Spielraum jedoch deutlich kleiner. Die Suezkrise 1956 zeigte nach Darstellung des Artikels, dass Frankreich und Großbritannien nicht mehr allein handeln konnten; es folgte eine enge Koordination mit der Außenpolitik der USA.
Heute ist Großbritannien von befreundeten Staaten umgeben. An die Stelle der Balance of Power tritt als prägendes Merkmal die Special Relationship („Besondere Beziehung“) mit den USA, die Unabhängigkeit und Freiheit des Vereinigten Königreichs garantieren soll. Die britische Politik war meist zurückhaltend gegenüber weiterer europäischer Integration. Während der EU-Mitgliedschaft gehörte Großbritannien nicht der Eurozone an und lehnte eine stärkere militärische EU-Integration außerhalb der NATO ab. Im EU-Mitgliedschaftsreferendum 2016 stimmte eine Mehrheit für den EU-Austritt, den „Brexit“.