Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Australisches Englisch
Ferner gibt es im australischen Englisch die Tendenz, eher irreguläre Partizipien zu verwenden, wo im amerikanischen Englisch und zum Teil im britischen …
Inhalt6 Abschnitte
Definition und Einordnung
Australisches Englisch (Australian English, AuE; en-AU) ist die in Australien gesprochene und geschriebene nationale Variante des Englischen und dort de facto Amtssprache. Es wird von etwa 16,5 Millionen Menschen als Muttersprache und von etwa 3,5 Millionen als Zweitsprache gesprochen. Als nationale Varietät besitzt es eine eigene Aussprache und einen besonderen Wortschatz; grammatische Abweichungen von anderen englischen Varianten sind dagegen seltener.
Sprachgeschichtlich gehört es innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie zu den germanischen, westgermanischen und schließlich englischen Sprachen. Es zählt neben dem britischen, amerikanischen, südafrikanischen und indischen Englisch zu den großen nationalen Varianten des Englischen. Solche Varietäten entstanden in ehemaligen britischen Kolonien unter anderem durch die Herkunft und Dialekte der Einwanderer sowie durch Kontakte mit den Sprachen der jeweiligen einheimischen Bevölkerung.
Die größten Ähnlichkeiten bestehen mit dem neuseeländischen Englisch. Beide wurden deshalb teilweise unter der Bezeichnung Australasian English zusammengefasst. Seit den 1960er Jahren beobachten Forschende jedoch eine zunehmende Auseinanderentwicklung. Die gemeinsame Einordnung gilt daher inzwischen als überholt oder zumindest als Gegenstand intensiver Forschung.
Entstehung und Verbreitung
Die Vorfahren der heutigen Aborigines besiedelten Australien vor etwa 50.000 Jahren. Als die ersten Europäer unter James Cook 1770 den Kontinent erreichten, lebten dort ungefähr 300.000 Aborigines, die etwa 250 Sprachen und vermutlich ebenso viele Dialekte sprachen. Die ersten britischen Siedlungen entstanden 1788 um das heutige Port Jackson in New South Wales.
Australiens Kolonialzeit begann als britische Strafkolonie. Ab 1788 wurden mehr als 130.000 Strafgefangene aus Großbritannien nach Australien gebracht. Zugleich kamen freiwillige Siedler, deren Zahl jedoch erst Mitte des 19. Jahrhunderts stark anwuchs. Die Bevölkerung stieg von 400.000 Menschen im Jahr 1850 auf 4 Millionen um 1900 und 19 Millionen im Jahr 2002.
Viele Strafgefangene stammten aus Irland oder London und gehörten unteren Gesellschaftsschichten an. Dies beeinflusste die Entwicklung des australischen Englisch erheblich. Besonders die Aussprache unterscheidet sich durch irischen Einfluss deutlich von der britischen Standardaussprache, der Received Pronunciation (RP). Zusätzlich werden Einflüsse des Londoner Cockney diskutiert.
Im Vergleich zum britischen Englisch ist australisches Englisch relativ einheitlich und besitzt keine stark ausgeprägten Dialekte. Dennoch erkennt die Forschung regionale Unterschiede an. Deutlicher sind soziale Varianten: Broad, General und Cultivated Australian English bilden ein Spektrum. Cultivated Australian English genießt das höchste Prestige und steht der britischen Aussprache am nächsten. Broad Australian English besitzt das geringste Prestige und wird von ungefähr einem Drittel der australischen Bevölkerung gesprochen.
Daneben existieren sozioethnische Varianten. Dazu gehören das besonders von Aborigines in Nordaustralien gesprochene Aboriginal English sowie die englischbasierten Kreolsprachen Kriol und Torres Strait Creole.
Aussprache und Intonation
Die Aussprache gehört zu den deutlichsten Besonderheiten des australischen Englisch. Die Vokale in Wörtern wie bit, bat und bet liegen höher als in anderen englischen Varianten. Deshalb kann fish and chips für Menschen außerhalb Australiens ungefähr wie feesh and cheeps klingen. In der letzten Silbe von Wörtern wie very oder lonely wird der i-Laut eher wie der lange Laut in beat ([i:]) als wie der kurze Laut in bit ([ɪ]) ausgesprochen.
In vielen unbetonten Silben erscheint der Schwa-Laut ([ə]), ein kurzer, unbetonter Zentralvokal. Dadurch werden bestimmte Wörter zu Homophonen, also zu Wörtern mit gleicher Aussprache: Bei boxes und boxers sowie bei chatted und chattered wird die zweite Silbe jeweils mit Schwa gesprochen. Im britischen Englisch unterscheiden sich diese Wortpaare dagegen lautlich.
Auffällig sind außerdem sehr breite und gedehnte Diphthonge. Ein Diphthong ist ein gleitender Laut, der sich innerhalb einer Silbe von einer Vokalposition zu einer anderen bewegt. Seine Ausgangs- und Endpunkte weichen im australischen Englisch von der Received Pronunciation ab, etwa [fæes] für face und [mæɔθ] für mouth.
Australisches Englisch ist wie britisches und neuseeländisches Englisch nicht-rhotisch. Das bedeutet, dass der r-Laut nur am Anfang eines Wortes oder einer Silbe ausgesprochen wird. Für die Intonation ist eine steigende Tonhöhe am Satzende typisch, ähnlich der deutschen Intonation bei Fragen.
Wortbildung und Satzbau
Ein kennzeichnendes Verfahren der Wortbildung ist das Kürzen von Wörtern mit den Endungen -ie oder -o. Beispiele sind Aussie für Australian, Chrissie für Christmas, brekkie für breakfast, barbie für barbecue, mozzie für mosquito, cardie für cardigan, garbo für garbage man, hubbie für husband und lippie für lipstick. Auch Ortsnamen werden so verkürzt: Oz steht für Australia, Brissie für Brisbane und Tassie für Tasmanien.
Der Satzbau weist nur wenige ausschließlich australische Merkmale auf. Beobachtet wird eine häufigere Verwendung von mustn't anstelle von can't. Zudem besteht eine Tendenz zu irregulären Partizipien wie gotten und proven, wo im amerikanischen und teilweise auch im britischen Englisch die Varianten got und proved verwendet werden. Charakteristisch ist außerdem but am Satzende anstelle von however oder though.
Wortschatz und Sprachgebrauch
Zum besonderen australischen Wortschatz gehört cobber für „Kumpel“ oder „Freund“. Bush kann „lokal“, „australisch“ oder „ländlich“ bedeuten und erscheint beispielsweise in bush rat und bushfire. Die Ausdrücke bush und outback bezeichnen insbesondere das Land außerhalb der Städte.
Aus den Sprachen und Kulturen der Aborigines wurden zahlreiche Wörter übernommen. Dazu gehören kangaroo, koala, wombat, boomerang und billabong, wobei billabong ein Wasserloch bezeichnet. Walkabout und dreamtime sind übersetzte Begriffe aus der Kultur der Aborigines.
Umgangssprachliche Beispiele zeigen oft starke Verkürzungen. Strine, aus Australian zusammengezogen, bezeichnet die eigene Sprache. G’Day steht für Good Day, und Ha ye goin’? wird gegenüber dem standardenglischen How are you? bevorzugt. Yagunna avashowah? entspricht Are you going to have a shower?, während eggnisher aus air-conditioner entstanden ist.
Mate bedeutet „Kumpel“ und kann sowohl einen engen Freund als auch einen unbekannten Passanten ansprechen, etwa in Ay, mate, gotta ciggy? oder Ay, mate, gotta dart? für die Bitte um eine Zigarette. Das Wort existiert auch im Standardenglischen, wird dort jedoch deutlich seltener verwendet. Die Bedeutung von (bloody) bastard, mit langem ersten „a“ gesprochen, reicht abhängig von Situation, Betonung und beteiligten Personen von „Schweinehund“ bis „Schlingel“.
Australisches Englisch hat den Ruf, besonders viele Flüche und Schimpfwörter zur Verstärkung von Aussagen zu verwenden. Ob tatsächlich häufiger geflucht wird als in anderen englischsprachigen Ländern, ist wissenschaftlich nicht geklärt.
Rechtschreibung und Forschung
Die australische Rechtschreibung schwankt zwischen britischen und amerikanischen Formen, bevorzugt aber insgesamt die britische Schreibung. So wird eher behaviour als das amerikanische behavior geschrieben. Bei den Endungen -ize und -ise wird gewöhnlich -ise verwendet.
Die Forschung untersucht vor allem die australische Aussprache, die regionale und soziale Variation sowie die Abgrenzung vom neuseeländischen Englisch. Als Datengrundlage dienen Korpora, also systematisch zusammengestellte Sammlungen gesprochener oder geschriebener Sprache. Bedeutende Beispiele sind die australische Komponente des International Corpus of English (ICE-AUS) und der Australian Corpus of English (ACE) der Macquarie University.